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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 23 Pages
Author: Robert Mintchev
Subject: Romance Languages - Italian and Sardinian Studies
Details
Tags: Allesandro, Manzonis, Promessi, Sposi, Sicht
Year: 2006
Pages: 23
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 24 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-04135-5
File size: 106 KB
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Abstract
Alessandro Manzonis I Promessi Sposi, im Deutschen hauptsächlich veröffentlicht als "Die Verlobten", ist nicht nur einer der bekanntesten und berühmtesten italienischen Romane, sondern auch einer der bedeutendsten. Er ist dabei nicht nur aus literaturwissenschaftlicher Hinsicht interessant, sondern bietet als historischer Roman zugleich kulturhistorische Informationen und ist im Rahmen von Manzonis Wirken in der "Questione della lingua" zudem das Zeugnis seiner sprachtheoretischen Ansichten. Vorliegende Arbeit, die in Folge der Vorbereitung zu einer Staatsexamensprüfung entstand, versucht genau diese Mehrdimensionalität zu untersuchen und zu unterstreichen, wobei im ersten Teil ein kulturhistorischer Überblick zur politischen Situation in Italien nach dem Wiener Kongress gegeben und die Gattung des Romans an sich beleuchtet werden, da der nun langsam an Bedeutung gewinnende Roman mehr und mehr Einfluss auch auf den politischen Einigungsprozess, "risorgimento", nehmen wird. Dabei spielt insbesondere der Historische Roman ein wichtige Rolle, weswegen im Anschluss auf die Autorenintention und die Geschichtsauffassung Manzonis eingegangen werden soll und die Geschichte des historischen Romans von Sir Walter Scott bis Manzoni kurz dargestellt wird. Im zweiten Teil steht nun der Roman an sich im Mittelpunkt, seine wohl einzigartige über zwei Jahrzehnte andauernde Entstehungsgeschichte, die Hauptpersonen sowie wichtige literarische Techniken und die Darstellung der historischen Wirklichkeit, womit der Bogen zum kulturhistorischen Kontext wieder geschlossen wird.
Excerpt (computer-generated)
Institut für Romanistik
Lehrstuhl für Italienische Literaturwissenschaft
Robert Mintchev
WS 2006/07
Robert Mintchev
Alessandro Manzonis
,,I Promessi Sposi"
aus literatur-, kultur- und sprachwissenschaftlicher Sicht
Gliederung und Inhaltsverzeichnis:
1 Einleitung
Seite 3
2 Kulturhistorischer Kontext
2.1 Die Situation in Italien nach dem Wiener Kongress
Seite 4
2.2 Der Roman als bürgerliches
Epos
Seite
5
3 Manzonis Geschichtsauffassung und seine Autorenintention
Seite 7
4 Der Roman
I Promessi Sposi
4.1 Die Entstehung sprachwissenschaftlich gesehen
Seite 10
4.2
Technik
und
Struktur
Seite
12
4.3 Die Vorsehung
Providentia
Seite 14
4.4 Personen und Darstellung der historischen Wirklichkeit
Seite 15
5
Schlussbetrachtung
Seite
20
6
Bibliographie
Seite
21
1 Einleitung
Alessandro Manzonis
I Promessi Sposi
, im Deutschen hauptsächlich veröffentlicht als
Die
Verlobten
, ist nicht nur einer der bekanntesten und berühmtesten italienischen Romane,
sondern auch einer der bedeutendsten.
Er ist dabei nicht nur aus literaturwissenschaftlicher Hinsicht interessant, sondern bietet als
historischer Roman zugleich kulturhistorische Informationen und ist im Rahmen von
Manzonis Wirken in der
Questione della lingua
zudem das Zeugnis seiner
sprachtheoretischen Ansichten.
Vorliegende Arbeit, die in Folge der Vorbereitung zu einer Staatsexamensprüfung
entstand, versucht genau diese Mehrdimensionalität zu untersuchen und zu unterstreichen,
wobei im ersten Teil ein kulturhistorischer Überblick zur politischen Situation in Italien
nach dem Wiener Kongress gegeben und die Gattung des Romans an sich beleuchtet
werden, da der nun langsam an Bedeutung gewinnende Roman mehr und mehr Einfluss
auch auf den politischen Einigungsprozess,
risorgimento
, nehmen wird. Dabei spielt
insbesondere der Historische Roman ein wichtige Rolle, weswegen im Anschluss auf die
Autorenintention und die Geschichtsauffassung Manzonis eingegangen werden soll und
die Geschichte des historischen Romans von Sir Walter Scott bis Manzoni kurz dargestellt
wird. Im zweiten Teil steht nun der Roman an sich im Mittelpunkt, seine wohl einzigartige
über zwei Jahrzehnte andauernde Entstehungsgeschichte, die Hauptpersonen sowie
wichtige literarische Techniken und die Darstellung der historischen Wirklichkeit, womit
der Bogen zum kulturhistorischen Kontext wieder geschlossen wird.
- 3 -
2 Kulturhistorischer Kontext
2.1 Die Situation in Italien nach dem Wiener Kongress
Das Italien nach 1815 ist von zwei Begriffen besonders geprägt: Restauration und
Risorgimento
. Die Veränderungen, die in anderen europäischen Staaten stattfanden, kamen
in Italien nur mit großer Verzögerung an. So hatte beispielsweise die industrielle
Revolution in Italien so noch nicht stattgefunden, Italien blieb ein Agrarland, der Einstieg
Italiens in den europäischen Kapitalismus erfolgte nur zaghaft. Ebenso gingen die sozialen
Veränderungen nur allmählich voran, Italien wurde nur sehr langsam zu einem
bürgerlichen Land, immerhin aber gingen die Privilegien des Adels zurück, es verbreitete
sich nach und nach ein Einheitsbewusstsein und es entwickelte sich eine Kluft zwischen
dem Volk und den Intellektuellen, die die europäische Entwicklung verstärkt an und wahr
nahmen.
Ebenso gab es einen Bruch in der Zunft der Schriftsteller, die nun vermehrt aus
bürgerlicher Abstammung kamen und oftmals gezwungen waren, parallel zur Tätigkeit als
Schreiber, einen nichtliterarischen Beruf auszuüben, sei es beispielsweise Übersetzer,
Lehrer, Verleger oder Journalist. Alessandro Manzoni hingegen war adliger Abstammung,
ein Graf, und Enkel des Aufklärers Beccaria, zudem Großgrundbesitzer der seine Güter
persönlich verwaltete. Auch hatte Manzoni eine klassische Bildung genossen.
Durch die zunehmende Anzahl an Literaten und das wachsende Interesse des sich
herausbildenden Bürgertums an der Literatur, entstand eine neue Leserschaft, eine
Literaturindustrie, ja eine Kulturindustrie. Literatur wurde mit den Jahren zu einem
Instrument staatsbürgerlicher und politischer Einflussnahme und wollte sich an das ganze
Volk wenden. Auch Manzoni machte deutlich, dass er für die breite Mittelschicht
schreiben will, eine Schicht zwischen Gebildeten und Ungebildeten. Ein Problem dabei
war jedoch die Sprache, denn auch die Literatur musste sich öffnen, zur Sprache der Ober-
und Unterschicht hin, zu jener neu entstehenden Leserschaft, aber es gab in Italien ja keine
einheitliche gesprochene Sprache und auch über die zu verwendende Literatursprache gab
es unterschiedliche Auffassungen. Klar war dabei nur der enge Zusammenhang zwischen
einheitlicher Sprache und dem Weg zur nationalen Einheit, was aber zuerst erreicht werden
musste, darüber stritten Intellektuelle und Literaten: Soll das Volk über Sprache und Stil
richten, oder ist eine Einheit der Sprache Voraussetzung für die Einheit des Volkes?
- 4 -
Bedeutend für die intellektuellen Debatten im sich verändernden Italien war die 1818 in
Mailand entstandene Zeitschrift
Il Concilliatore
. Sprachwissenschaftlich gesehen, gab es
vereinfacht dargestellt primär zwei unterschiedliche Standpunkte. Die Klassizisten um
Monti und Perticari plädierten für das geschriebene Florentinische, die Puristen wollten die
Idealsprache der
Tre Corone
(Dante, Boccaccio, Petrarka) wiederbeleben. Manzoni stand
quasi dazwischen, wollte er doch das
Fiorentino Colto
, also das gesprochene Italienisch
der Florentiner Oberschicht, zur Sprache erheben. Er setzte sich also nicht wie Perticari für
das
Fiorentino Letterario
, sondern als Einziger für das
Fiorentino Parlato
ein.
Vorbild für ihn war Paris und die dortige Stellung des Französischen. 1805, kurz nach der
Trennung seiner Eltern, hielt sich Manzoni mit einer Mutter in Paris auf, wo auch seine
Freundschaft mit Claude Fauriel entstand. Er kam hier zur Erkenntnis, das Italienische sei
eine tote Sprache: ,,Lo stato dell′Italia divisa in frammenti ha posta tanta distanza tra la
lingua parlata e quella scritta che può dirsi dunque lingua morta."1 In seiner Bewunderung
für das Französische, die ja auch in seinen Oden an Napoleon (unter anderem
Il 5 maggio
)
deutlich wird, wollte er, dass das Italienische genauso universal sei, ,,vivo e agevole per
tutti per qualsiasi bisogno dell′espressione comune."2
2.2 Der Roman als bürgerliches Epos
Einhergehend mit denen im vorangestellten Kapitel bereits skizzierten Veränderungen im
italienischen Gesellschaftssystem und den neuen Anforderungen an die Literatur, gab es
auch eine Umwälzung des literarischen Gattungssystems. Immer mehr trat der Roman als
Genre in den Vordergrund. Die erzählende Dichtung lief der Poesie, dem Epos und der
Tragödie buchstäblich den Rang ab. Der Roman galt nunmehr als Verbreiter und
Vermittler von Kultur für die Mehrheit des Volkes. Ein neues Konsumverhalten der breiten
Masse unterstützte diese Entwicklung. Als Hauptuntergattung diente dabei der historische
Roman.
Aber warum erweckten gerade Romane mit historischem Sujet das Interesse der neuen
Leserschaft? Die Französische Revolution und die Revolutionskriege waren ebenso wie
Napoleons Feldzüge Ereignisse, die von der Masse getragen wurden und in die ganze
Völker verwickelt waren. Napoleon hatte mit seinen Massenheeren Geschichte zum
1 Zitiert nach Migliorini, B. (1987), S. 548.
2 Vgl. Vitale, M. (1992), S. 214.
- 5 -
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