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Jugendsprache in Deutschland

Termpaper, 2004, 24 Pages
Authors: Ines Haier, Hannes Haier
Subject: German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies

Details

Category: Termpaper
Year: 2004
Pages: 24
Grade: 1,5
Bibliography: ~ 9  Entries
Language: German
Archive No.: V91849
ISBN (E-book): 978-3-638-05678-6
ISBN (Book): 978-3-640-39238-4
File size: 123 KB

Abstract

Das Interesse an der Jugend, an ihrer Sprache und ihrer Kommunikation seitens der Gesellschaft ist hoch. In vielerlei Bereichen unseres alltäglichen Lebens begegnen uns die sog. „jugendsprachlichen Ausdrücke“, im Fernsehen, im Radio, in der Schule, auf der Straße. Immer wieder wird dabei von „einer Jugendsprache“ oder „der Sprache der Jugend“ gesprochen. Doch kann man wirklich von „einer Jugendsprache Sprechen? Und wer spricht eigentlich diese Sprache? Nur die Jugendlichen? Sprechen Jugendliche denn tatsächlich eine andere Sprache als die Erwachsenen? Und wenn ja, woher kommt diese Sprache? Ist sie eine Erfindung der Jugendlichen oder wird sie ihnen durch die Medien in den Mund gelegt. Wollen sich Jugendliche tatsächlich nur von den Erwachsenen durch ihre Sprache abheben oder gibt es dafür vielleicht noch andere Gründe? Und auf welchem Stand steht die Forschung hinsichtlich der Jugendsprache? Mit diesen Fragen und auch einem gewissen Interesse an der eigenen Jugendsprache sind wir an das Thema herangegangen und wollen nun im weiteren Verlauf versuchen, die uns gestellten Fragen weitgehend auf dem Hintergrund der vorhandenen Forschungsergebnisse zu beantworten. Im ersten Teil der Arbeit geht es darum einen Überblick zu schaffen, was man überhaupt unter dem Begriff Jugend versteht Als nächstes wird versucht zwei als typische jugendsprachlich angesehene Merkmale zu untersuchen. Des Weiteren werden wir die Forschungsmethoden und Ergebnisse Helmut Hennes (1986) und Schlobinski, Kohl und Ludwig (1993) betrachten. Um dann die Frage zu klären, ob den Jugendlichen ihrer Sprache durch die Medien in den Mund gelegt wird, betrachten wir den Aspekt der „Jugendsprache und Medien“. Ebenso richten wir ein Merkmal auf die regionalen Unterschiede am Beispiel der Ost – West Jugend sowie die auf gruppenspezifischen Aspekte der Jugendsprache


Excerpt (computer-generated)

Pädagogische Hochschule Freiburg

Institut für deutsche Sprache und Literatur

Seminar: Deutschdidaktik Interkulturell

Sommersemester 2004

Hausarbeit

Jugendsprache in Deutschland

Vorgelegt von

Inés-Isabelle Haier und Hannes Haier


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Was ist Jugend und welcher Personenkreis zählt dazu? 4

3. Merkmale der Jugendsprache 4

4. Ein Überblick über zwei verschiedenen Forschungsansätze 6

4.1 Forschungsansätze Helmut Hennes um 1986 7

4.2 Forschungsansätze von Schlobinski, Kohl und Ludwig um 1993 9

5. Der Einfluss von Medien auf den Sprachgebrauch von Jugendlichen 11

6. Jugendsprache als Gruppensprache 12

6.1 Das Bricolage-Prinzip als zentra

les Merkmal von Jugendlicher

Gruppenkommunikation

13

6.2 Parallelen des Bricolage-Kommunikationsstils zu anderen Phänomenen der

,,Jugendkultur" 15

6.2.1 Stilbastelei in der HipHop Musik 16

7. Regionale Unterschiede im Jugendlichen Sprachgebrauch 18

8. Schlussbemerkungen 21

Literatur: 23

2


1. Einleitung

Das Interesse an der Jugend, an ihrer Sprache und ihrer Kommunikation seitens der

Gesellschaft ist hoch. In vielerlei Bereichen unseres alltäglichen Lebens begegnen uns die

sog. ,,jugendsprachlichen Ausdrücke", im Fernsehen, im Radio, in der Schule, auf der Straße.

Immer wieder wird dabei von ,,einer Jugendsprache" oder ,,der Sprache der Jugend"

gesprochen. Doch kann man wirklich von ,,einer Jugendsprache Sprechen? Und wer spricht

eigentlich diese Sprache? Nur die Jugendlichen? Sprechen Jugendliche denn tatsächlich eine

andere Sprache als die Erwachsenen? Und wenn ja, woher kommt diese Sprache? Ist sie eine

Erfindung der Jugendlichen oder wird sie ihnen durch die Medien in den Mund gelegt.

Wollen sich Jugendliche tatsächlich nur von den Erwachsenen durch ihre Sprache abheben

oder gibt es dafür vielleicht noch andere Gründe? Und auf welchem Stand steht die Forschung

hinsichtlich der Jugendsprache? Mit diesen Fragen und auch einem gewissen Interesse an der

eigenen Jugendsprache sind wir an das Thema herangegangen und wollen nun im weiteren

Verlauf versuchen, die uns gestellten Fragen weitgehend auf dem Hintergrund der

vorhandenen Forschungsergebnisse zu beantworten.

Im ersten Teil der Arbeit geht es darum einen Überblick zu schaffen, was man überhaupt

unter dem Begriff Jugend versteht Als nächstes wird versucht zwei als typische

jugendsprachlich angesehene Merkmale zu untersuchen. Des Weiteren werden wir die

Forschungsmethoden und Ergebnisse Helmut Hennes (1986) und Schlobinski, Kohl und

Ludwig (1993) betrachten. Um dann die Frage zu klären, ob den Jugendlichen ihrer Sprache

durch die Medien in den Mund gelegt wird, betrachten wir den Aspekt der ,,Jugendsprache

und Medien". Ebenso richten wir ein Merkmal auf die regionalen Unterschiede am Beispiel

der Ost ­ West Jugend sowie die auf gruppenspezifischen Aspekte der Jugendsprache

3


2. Was ist Jugend und welcher Personenkreis zählt dazu?

In der westeuropäischen Kultur versteht man unter Jugend, die Zeit zwischen der Kindheit

und dem Erwachsensein, also etwa zwischen dem 10. und 20. Lebensjahr. Je nach Definition

beginnt die Lebensphase erst mit 12 Jahren (ab 13 ist man Teenager) und endet mit 18 Jahren

(Volljährigkeit) oder auch mit dem Ende der Ausbildung (finanzielle Selbständigkeit). Zum

Teil wird sogar die Kategorie junge Erwachsene bis 26 Jahre im Begriff eingeschlossen.

,,Jugendlicher ist also, wer die biologische Reife, erlangt hat, aber noch nicht die soziale

Reife. (zit. nach Henne 1989, Vgl. Neidhardt 1970, 14) Innerhalb dieser Phase des

Nicht-Mehr, also des Nicht-Mehr-Kind-Seins, und des Noch-Nicht, also des Noch-Nicht-

Erwachsen-Seins, versucht der einzelne, eine Ich-Identität auszubilden, die normalerweise

über Identitätskrisen führt. ,Ich′ sagen zu können heißt, eine unverwechselbare Person zu

sein, die als solche von anderen akzeptiert ist."(Vgl. Erikson 1976, 277; Erikson 1970,

132f. zit. nach Henne 1986)

Wie man leicht erkennen kann ist es schwierig genau zu definieren, was Jugend überhaupt ist

und auch in der Jugendpsychologie herrscht darüber keineswegs Klarheit. ,, Jede Definition

von ,Jugend′ durch Abgrenzung einer festen Altersklasse gegenüber der Kindheit auf der

einen Seite und dem Erwachsensein auf der anderen Seite scheitert. Sowohl biologische

Erklärungen (mit Beginn der Geschlechtsreife bis wann?) als auch juristische Abgrenzungen

(von der Religionsmündigkeit bis zur Volljährigkeit?) sind raschem Wandel unterworfen"

(Pörksen/Weber 1984:65 zit. nach Henne 1986)

Zur Entwicklung der modernen Jugendkultur sagte Henne in einem Radio Interview:

,,Moderne Jugend bedeutet, dass die Jugendlichen verzögert in die Erwachsenenrolle

eingegliedert werden. Und diese Verzögerung, weil sie eben viel lernen müssen,

bedeutet, dass sie sich auf sich selbst konzentrieren, an sich selbst ausrichten, dass die

Gruppen, Cliquen bilden und daher eine eigene Jugendkultur entwickeln" (Henne 1986)

3. Merkmale der Jugendsprache

Ist das, was als Jugendsprache angesehen wird auch tatsächlich Jugendsprache? Schlobinski

untersucht diese Frage an zwei gemeinhin als typisch jugendsprachlich eingestuften

Merkmalen: 1. den Anglizismen und 2. den Lautwörtern. Wobei die Anglizismen bei Henne

z.B. nur im Zusammenhang mit der Musikszene auftauchen.(Henne 1986, S. 54). Die

Lautwörter spielen bei Henne dagegen eine wichtige Rolle. Schlobinski jedoch nimmt die

4


Anglizismen genauer unter die Lupe (Schlobinski 1993, S. 27). Viele Entlehnungen aus dem

Englischen sind in der deutschen Sprache allgemein bekannt: Wellness, Pool, Power oder

cool. Doch deshalb gehören diese noch lange nicht in den Bereich der Jugendsprache.

,,Offensichtlich ist viel entscheidender, aus welchen Bereichen entlehnt wird und welche

Semantik die Wörter haben. Englische Wörter werden ohne Schwierigkeiten in das deutsche

Grammatiksystem integriert. Verben werden meist gebildet, indem man das Infinitivsuffix

anhängt ( move -n ). Diese können dann auch durch Affixe erweitert werden ( rein- move- n ).

Adjektive können von englischen Entsprechungen auf ­y oder von Nomina abgeleitet sein

(speedig oder poppig). Bei der Pluralbildung wählt man ein deutsches Paradigma (Punk ­er);

doch ebenso wird auch das englische Plural (Punk-s) benutzt. Genauso kann man etwas auch

als ,eine coole Sache′ bezeichnen, d.h. man gleicht das eingedeutschte Adjektiv ,cool′ an sein

Bezugsnomen an. Ebenso geht die Partizipialbildung (abgefuckter Club)." (vgl. Schlobinski

1993)

,,Als 1958 der Rock′n′roll von Amerika nach Deutschland überschwappte und zur Sprache

der Jugendlichen in Deutschland wurde, fanden auch mehr und mehr die Anglizismen Einzug

in die Deutsche Sprache. Denn der Rock nährt sich hauptsächlich von einem englischen

Wortschatz, was man auch allein an der Bezeichnung der Musikinstrumente sehen kann

(

Drums, Percussion, Keyboard, Snare-Drum

)." (vgl. Henne 1986) Für deutsche Hip Hop

Künstler ist es heutzutage gängig Anglizismen in ihre Texte einzubauen. So heißt ein Album

des deutschen Künstlers Afrob ,, Made in Germany" und so heißt es in einem Lied z.B. ,,deine

crew

fängt an zu schwitzen". Auch die deutsche Hip Hop Gruppe ,,Massive Töne" nannte

ihren Hit ,Cruisen′1. Darin heißt es z.B. , wir sind die coolsten, wenn wir

cruisen,

wenn wir

durch die

city

düsen′. Auch wenn man sich die heutigen Jugendzeitschriften wie Bravo, Girl

oder Young Miss anschaut findet man durchweg Wörter wie:

Fashion, Boy, Girl, Look

,

Styling, Crazy, Fun

, und

Feeling

. Aber auch in den Werbeanzeigen spielen Anglizismen eine

wichtige Rolle. So heißt die neue Mc Donald Werbung z.B. ,

I′m loving it′

oder auch der TV

Sender Pro 7 wirbt mit dem Spruch ,

we love to entertain you′

. Am liebsten würde jeder

Jugendliche auch bei dem ,

Big Event′

von ,

Star Search′

dabei sein. Ich glaube diese Liste

könnte man noch lange weiterführen und würde am Ende zu dem Schluss kommen, dass die

Deutsche Sprache sich immer mehr (vor allem in Musik und Werbung) dem Englischen

bedient.

,,Doch wenn wir unterstellen, dass Anglizismen der jugendspezifischen Sprechweise

angehören, dann wäre zu prüfen, welche Anglizismen wo und wie gebraucht werden und

1 Cruisen = ziellos herrumfahren

5



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