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Diploma Thesis, 1993, 162 Pages
Author: Mag. rer. nat. Hartmut Häfele
Subject: Psychology - Biological Psychology
Details
Tags: Anwendung, Netzwerke, Matrixspeicher, Erklärung, Umlernvorgängen, Tragens, Umkehrbrille
Year: 1993
Pages: 162
Grade: 1,2
Bibliography: ~ 60 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-04953-5
ISBN (Book): 978-3-638-94326-0
File size: 596 KB
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Abstract
Die Brillenversuche haben eine lange Tradition und demzufolge gibt es eine Fülle von Abhandlungen zu diesem Thema. Diese Arbeiten befassen sich jedoch hauptsächlich mit der Beschreibung der kontinuierlichen Adaption des Menschen an den - durch Prismen- und Spiegelbrillen - veränderten Input an das visuelle System auf rein verhaltensbeobachtender Ebene. Der Frage, wie sich diese Adaption auf neuronaler Ebene vollzieht, wurde bisher noch nicht nachgegangen. Zu diesem Zweck müssten visuelle Systeme von Individuen, die sich erfolgreich an die veränderten Umweltbedingungen angepasst haben, mit solchen verglichen werden, bei denen ein Umlernen nicht stattgefunden hat. Nun sind solche Untersuchungen aber mit erheblichem methodischen Aufwand verbunden, da man ja die Veränderungen in der zellulären Struktur des visuellen Systems in erster Linie mit Hilfe histologischer Methoden beschreiben müsste. Als Alternative bietet sich nun eine Technologie an, die in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen hat und sich in ihrer vergleichsweise einfachen Handhabung möglicherweise für diese Art von Untersuchungen eignet: Die Nachbildung menschlicher Wahrnehmungssysteme mit Hilfe computersimulierter neuronaler Netzwerke. Obwohl die simulierten Netzwerke im Vergleich zu ihren natürlichen Vorbildern meist drastisch vereinfacht sind, so lassen sich in Bezug auf Aufbau, Funktionsweise und Verhalten gewisse Parallelen nicht leugnen. Diese Ähnlichkeiten gehen so weit, dass einige der führenden Netzwerk-Forscher der Meinung sind, dass solche Simulationen durchaus eine hohe explikative Potenz aufweisen. Zumindest stellen die Erkenntnisse aus Netzwerk-Simulationen eine sinnvolle Ergänzung zu den traditionellen Untersuchungsmethoden dar. In diesem Sinne wurde Im Rahmen dieser Diplomarbeit ansatzweise versucht, bestimmte Teilaspekte des neuronalen Umlernvorgangs während des Tragens einer Umkehrbrille, mit einem computersimulierten neuronalen Netzwerk nachzubilden und die entstandenen neuronalen Strukturen auf Unterschiede zu untersuchen.
Excerpt (computer-generated)
Anwendung neuronaler Netzwerke und
Matrixspeicher
zur Erklärung von Umlernvorgängen
während des Tragens einer Umkehrbrille
D I P L O M A R B E I T
eingereicht von
Hartmut Häfele
an der Naturwissenschaftlichen Fakultät
der LEOPOLD FRANZENS UNIVERSITÄT INNSBRUCK
Institut für Psychologie
1993
INHALTSVERZEICHNIS
Einleitung 1
1. Die Kohler´schen Versuche mit Umkehrbrillen
3
1.1. Einführung
3
1.2. Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse
4
1.3. Bedeutung der Kohler´schen Brillenversuche für die moderne
Wahrnehmungsforschung 7
2. Aufbau und Funktionsweise des visuellen Systems
8
2.1. Die Stationen der visuellen Verarbeitung
8
2.1.1. Die funktionelle Organisation retinaler Ganglienzellen
8
2.1.2. Die Sehbahn und ihre Projektionen 10
2.1.3. Die Signalverarbeitung im Corpus Geniculatum Laterale 10
2.1.4. Die Signalverarbeitung im visuellen Kortex 11
2.1.5. Die Verarbeitung in den höheren visuellen Arealen 13
2.2. Ontogenetische Entwicklung und Plastizität im visuellen System 14
2.3. Objektrepräsentationen und Objekterkennung im visuellen System 16
2.3.1. Moderne Theorien des Sehens 19
2.3.1.1. Eine Arbeitshypothese: »Sehen als Zuordnen von internen
Repräsentationen zu Objekten der Außenwelt« 21
3. Computersimulierte neuronale Netzwerke 22
3.1. Einleitung 22
3.2. Vergleich zwischen natürlichen und künstlichen neuronalen
Netzwerken 24
3.3. Geschichtlicher Überblick der Entwicklung neuronaler Netzwerke 28
3.4. Struktur und Funktionsweise mehrschichtiger neuronaler Netze 32
3.4.1. Allgemeiner Aufbau 32
3.4.2. Der Lernvorgang in einem neuronalen Netzwerk 33
3.4.3. Der Informationsverarbeitungsvorgang in einem Prozessorelement 34
I
3.5. Das Backpropagation-Netzwerk 40
3.5.1. Aufbau eines Backpropagation-Netzwerks 40
3.5.2. Die generalisierte Delta - Lernregel 41
3.5.3. Backpropagation-Netzwerke als vereinfachte Modelle für
menschliche Wahrnehmungssysteme 44
3.6. Interne Repräsentationen in neuronalen Netzwerken und
Matrixspeichern 45
3.6.1. Interne Repräsentationen in neuronalen Netzwerken 45
3.6.2. Interne Repräsentationen in Matrixspeichern 47
3.6.2.1. Mathematischer Formalismus und Funktionsweise von
Matrixspeichern 49
3.6.2.2. Entwicklung eines musterassoziierenden Matrixspeichers 52
3.6.2.3. Matrixspeicher als Modelle für die Großhirnrinde 65
3.6.2.3.1. Das Assoziativ-Speichermodell der Hirnrinde von Günther Palm 65
3.6.2.3.2. Anwendung des Palm´schen Assoziativspeichermodells 67
3.6.3. Zusammenfassung 69
4. Die Computer-Simulation des neuronalen Umlernvorgangs
während des Tragens einer Umkehrbrille 70
4.1. Einleitung 70
4.2. Beschreibung des Seh- und Umlernvorgangs durch einen
musterassoziierenden Matrixspeicher 72
4.2.1. Der musterassoziierende Matrixspeicher M.A.M. 72
4.2.2. Durchführung der Simulation 74
4.2.2.1. Zuordnung interner Repräsentationen zu aufrechten Objekten 74
4.2.2.2. Zuordnung interner Repräsentationen zu verkehrten Objekten 78
4.3. Zusammenfassung und Diskussion der Assoziativspeicher-
Simulationsergebnisse 79
4.4. Simulation des neuronalen Umlernvorgangs durch ein
Backpropagation-Netzwerk 80
4.4.1. Erzeugung des Backpropagation-Netzwerks 80
II
4.4.2. Training des Netzwerks durch die Lernmusterdateien für aufrechte
und verkehrte Muster 85
4.4.3. Analyse der synaptischen Gewichtungen 86
4.4.3.1. Untersuchungsfrage 86
4.4.3.2. Erhebung der Gewichte 86
4.4.3.3. Statistische Auswertung 87
4.4.3.3.1. Testauswahl 87
4.4.3.3.2. Durchführung des T-Tests für unabhängige Stichproben 90
4.4.4. Simulation des Überlernens von Assoziationen 93
4.5. Zusammenfassung und Diskussion der Netzwerk-
Simulationsergebnisse 94
4.6. Annahme eines »Neuronalen Erklärungsmodells« zum
Umlernvorgang während des Tragens einer Umkehrbrille 95
Literaturliste 96
Bildnachweise 101
Anhang 104
Quellcode des Programms M.A.M. 104
Lernmusterdateien der Muster: »Buchstaben, Symbole, Ziffern« 142
Gewichtungen der synaptischen Verbindungen nach erfolgreichem
Training 147
III
EINLEITUNG
Die Brillenversuche haben eine lange Tradition und demzufolge gibt es ei-
ne Fülle von Abhandlungen zu diesem Thema. Diese Arbeiten befassen
sich jedoch hauptsächlich mit der Beschreibung der kontinuierlichen Ad-
aption des Menschen an den - durch Prismen- und Spiegelbrillen - verän-
derten Input an das visuelle System auf rein verhaltensbeobachtender E-
bene (siehe das Kapitel 1.2).
Der Frage, wie sich diese Adaption auf
neuronaler Ebene
vollzieht, wurde
bisher noch nicht nachgegangen.
Zu diesem Zweck müßten visuelle Systeme von Individuen, die sich erfolg-
reich an die veränderten Umweltbedingungen angepaßt haben, mit sol-
chen verglichen werden, bei denen ein Umlernen nicht stattgefunden hat.
Nun sind solche Untersuchungen aber mit erheblichem methodischen
Aufwand verbunden, da man ja die Veränderungen in der zellulären Struk-
tur des visuellen Systems in erster Linie mit Hilfe 1histologischer Methoden
beschreiben müßte.
Als Alternative bietet sich nun eine Technologie an, die in den letzten Jah-
ren stark an Bedeutung gewonnen hat und sich in ihrer vergleichsweise
einfachen Handhabung möglicherweise für diese Art von Untersuchungen
eignet:
Die Nachbildung menschlicher Wahrnehmungssysteme mit Hilfe
computersimulierter neuronaler Netzwerke
(Hinton, 1992; Kohonen, 1984).
Obwohl die simulierten Netzwerke im Vergleich zu ihren natürlichen Vorbil-
dern meist
drastisch vereinfacht
sind (Schweizer, 1986), so lassen sich in be-
zug auf Aufbau, Funktionsweise und Verhalten gewisse Parallelen nicht
leugnen (siehe das Kapitel 3.2). Diese Ähnlichkeiten gehen so weit, daß
einige der führenden Netzwerk-Forscher der Meinung sind, daß solche Si-
mulationen durchaus eine hohe explikative Potenz aufweisen (Hinton,
1992).
Zumindest stellen die Erkenntnisse aus Netzwerk-Simulationen eine sinnvolle
Ergänzung zu den traditionellen Untersuchungsmethoden dar.
1Sämtliche
nichtinvasive
Methoden, wie beispielsweise EEG-Ableitungen (evozierte Potentiale,
Brainmapping, usw.) oder moderne bildgebende Verfahren (CT, NMR, PET, usw.), verfügen (noch)
nicht über das nötige Auflösungsvermögen, um neuronale Veränderungen auf zel ulärer oder sogar
synaptischer Ebene sichtbar zu machen.
1
In diesem Sinne wurde Im Rahmen dieser Diplomarbeit ansatzweise ver-
sucht, bestimmte Teilaspekte des
neuronalen Umlernvorgangs
während
des Tragens einer
Umkehrbrille
, mit einem computersimulierten neuronalen
Netzwerk nachzubilden und die entstandenen neuronalen Strukturen auf
Unterschiede zu untersuchen (Kap.4.4).
2
1. DIE KOHLER´SCHEN VERSUCHE MIT UMKEHRBRILLEN
1.1. EINFÜHRUNG
Die Versuche mit Umkehrbrillen haben eine fast hundertjährige Tradition.
Schon
1896
experimentierte GEORGE STRATTON mit einem Linsensystem, das
ein seitenverkehrtes und auf dem Kopf stehendes Bild erzeugte (Rock,
1985). Obwohl STRATTON seine mehrtägigen Selbstversuche nur einäugig
durchführte, und obwohl ein Linsensystem neben der Bildumkehr noch an-
dere, unkontrollierbare Effekte erzeugt (chromatische Aberration, Verzer-
rungen, usw.), konnte er trotzdem eine
allmähliche Anpassung
an diese
veränderten Umweltbedingungen beobachten. Er kam zu dem Schluß,
daß im Laufe der Zeit ein vollständiges Aufrechtsehen wieder gelernt wer-
den kann, wenn man das Linsensystem nur lange genug trägt. Stratton
wies außerdem auf die Wichtigkeit des
Tastsinnes
für das Wiedererlernen
des Aufrechtsehens hin.
EWERT experimentierte schon mit beidäugigen Linsensystemen und konnte
ebenfalls den Nachweis erbringen, daß durch eine Anpassung des äuße-
ren Verhaltens ein Zurechtfinden in der durch das Linsensystem veränder-
ten Umwelt möglich ist. Die Frage des Erlernens des aufrechten Sehens
wurde von EWERT aber vernachlässigt (Kohler, 1951).
WILLIAM STERN benutzte
1927
Prismenbrillen zur Bildumkehr. Da aber Prismen
in noch viel stärkerem Maße als die beschriebenen Linsensysteme Bildver-
fälschungen erzeugen, wurde deutlich, daß für weiterführende Untersu-
chungen bessere Techniken der Bildumkehr entwickelt werden müssen.
THEODOR ERISMANN benutzte erstmalig im Jahre
1928
eine Spiegelbrille für die Bildumkehr, die den
Vorteil hatte, das auf dem Kopf stehende Bild un-
verfälscht und seitengetreu darzustellen. Da die-
se Umkehrbrille aber die Sicht auf den Boden und
die Füße der Probanden verdeckte, wurden
noch keine mehrtägigen Dauerversuche durch-
geführt.
Am INSTITUT FÜR PSYCHOLOGIE DER UNIVERSITÄT INNSBRUCK
Abb.1.1
wurde im Jahre
1947
diese sogenannte ERIS-
3
MANN´SCHE UMKEHRBRILLE dahingehend verbessert, daß nun der Blick des Bril-
lenträgers auf die eigenen Füße und auf körpernahe Objekte frei war
(Abb.1.1).
Die Umkehrbrille war nun »
straßenfähig
« (Kohler, 1951), und somit in idealer
Weise für mehrtägige Dauerversuche geeignet.
KOHLER unterzog sich und andere Versuchspersonen in weiterer Folge im-
mer wieder mehrtägigen Dauerbrillenversuchen mit dieser Umkehrbrille
und konnte dadurch den Nachweis erbringen, daß das menschliche vi-
suelle System - trotz der durch die Umkehrbrille veränderten Umweltbedin-
gungen - in der Lage ist, das Aufrechtsehen wieder zu erlernen.
Es bleibt noch zu erwähnen, daß die Versuche mit Umkehrbrillen nur einen
kleinen Teil der umfangreichen und originellen Forschungsarbeit KOHLER´S
und ERISMANN´S auf dem Gebiet der visuellen Wahrnehmungsmodifikation
durch optische Vorsatzgeräte ausmachten. Neben diesen Umkehrbrillen-
versuchen wurden weit aufwendigere Versuche mit Farbhalbbrillen, Pris-
men- und Halbprismenbrillen durchgeführt, wobei Kohler selbst einmal eine
Prismenbrille
124 Tage
ununterbrochen trug.
1.2. ZUSAMMENFASSUNG DER UNTERSUCHUNGSERGEBNISSE
Während des Tragens der Umkehrbrille führten die Versuchspersonen Tage-
buch über ihre Erlebnisse und Veränderungen der visuellen Wahrnehmun-
g; parallel dazu wurde ihr äußeres Verhalten aufgezeichnet. Die Ergeb-
nisse dieser Untersuchungen sind in der folgenden Gliederung zusammen-
gefaßt:
Während der
ersten Tage
des Tragens der Umkehrbrille sahen die Vpn.
die Umwelt auf dem Kopf stehend. Die Vpn. waren in dieser Phase
noch höchst unsicher und mußten begleitet werden, um Unfälle zu ver-
meiden.
Nach ca.
drei Tagen
waren die Vpn. in der Lage, sich in ihrer noch ver-
kehrt gesehenen Umwelt zurechtzufinden. Die Vpn. hatten gelernt, ihr
»äußeres Verhalten« (Kohler, 1951) den verändert wahrgenommenen
Umweltbedingungen anzupassen. Die Gesichtseindrücke erschienen
aber nur dann aufrecht, wenn die gesehenen Gegenstände gleichzei-
4
tig
abgetastet
werden konnten, oder wenn diese sich in nächster Nähe
des eigenen Körpers der Brillenträger befanden.
Nach ungefähr
neun Tagen
sahen die Vpn. wieder eindeutig aufrecht.
Nach dem Abnehmen der Umkehrbrille wurde der vorher beschriebene
Umlernprozeß quasi im »Zeitraffertempo« durchlaufen:
In den ersten Minuten sahen viele Vpn. die nun richtig orientierte Um-
welt noch minutenlang eindeutig verkehrt.
Das äußere Verhalten konnte sehr schnell den veränderten Umweltbe-
dingungen angepaßt werden.
Noch einige Tage nach der Abnahme der Umkehrbrille konnten Augen-
blicke des Verkehrtsehens oder der Desorientierung beobachtet wer-
den.
Es wurde bereits erwähnt, daß unter bestimmten Bedingungen schon nach
dreitägigem
Tragen einer Umkehrbrille ein zeitweiliges Aufrechtsehen
möglich ist; diese Bedingungen sind in der folgenden Gliederung zusam-
mengefaßt:
ABTASTEN DES GESEHENEN GEGENSTANDES: Wenn die Vpn. verkehrt gesehene
Gegenstände abtasten konnten, dann wurden diese Gegenstände
plötzlich als aufrecht wahrgenommen. Auch das indirekte Abtasten
über einen verlängerten Taststock hatte diesen Effekt. Wichtig ist hier zu
erwähnen, daß die eigenen Hände immer zuallererst als aufrecht wahr-
genommen wurden.
Diese Beobachtungen KOHLER´S decken sich mit den Ergebnissen aus
den späteren Untersuchungen von HELD, der nachweisen konnte, daß
eine Anpassung an durch eine Prismenbrille veränderte Umwelt nur
dann möglich ist, wenn sich die Vpn.
aktiv motorisch
mit dieser ausein-
andersetzen können (Held, 1986).
SCHWEREEMPFINDUNGEN: Die Vpn. sahen immer dann aufrecht, wenn vi-
suelle Eindrücke mit Schwereempfindungen einzelner Körperteile oder
des gesamten Körpers einhergingen. Dazu schreibt KOHLER:
5
Ein weiterer Faktor waren Schwereempfindungen, welche
das verkehrte Bild aufzurichten vermochten; ein Gewicht an
einer Schnur wurde ´unten´ gesehen, sobald die Vp. das En-
de selbst in die Hand nahm; auch Gegenstände, die dahin-
ter lagen, erschienen sofort aufrecht, wenn das Pendel ´in
Ordnung´ war. Betonte Schwereempfindungen des ganzen
Körpers, wie z.B. beim Aufwärtsfahren im Auto, ´kehrten die
Landschaft um´ und stellten das Bild richtig.
(Kohler,1951)
AKTIVIERUNG VON INTERNEN WISSENSREPRÄSENTATIONEN: Für KOHLER ist die Aktivie-
rung von Wissensrepräsentationen, die er unter dem Begriff der »ge-
wohnt aufrechten Bilder« subsumiert, eine weitere Ursache für das zeit-
weilige Aufrechtsehen; er schreibt dazu:
Als sehr wirksamer Anlaß für das aufrechte Sehen erwies sich
weiters das ´gewohnt-aufrechte´ Bild: eine Kerze, die zu-
nächst verkehrt gesehen wurde, mit dem Docht nach unten,
war plötzlich aufrecht, wenn man sie anzündete. Auch der
Rauch einer brennenden Zigarette vermochte die Situation
auf der Stelle umzukehren; plötzlich war für die Vp. dort
´oben´, wo der Rauch hinging u. dgl. m.
(Kohler, 1951)
Verallgemeinernd kann man zusammenfassen, daß immer dann aufrecht
gesehen wurde, wenn neben dem visuellen Input
zusätzliche Informatio-
nen
über das Gesehene in die Wahrnehmung miteinbezogen werden
konnten.
6
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