Untertitel: Eine wichtige Managementaufgabe
Autor: Sascha Laibold
Fach: Informatik - Wirtschaftsinformatik
Details
Institution/Hochschule: Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Jahr: 2008
Seiten: 102
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 34 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 2456 KB
ISBN (E-Book): 978-3-640-09702-9
ISBN (Buch): 978-3-640-13732-9
Zusammenfassung / Abstract
Die Fähigkeit, schnell und effektiv auf wechselnde Anforderungen und neue Chancen in einem Marktumfeld wachsender Komplexität und zunehmender Dynamik zu reagieren, wird immer mehr zur zentralen Herausforderung moderner Unternehmen. Der intelligente Umgang mit den Ressourcen ist längst eine ökonomische Notwendigkeit. Zugleich ist die konsequente Umsetzung der Kundenanforderungen erfolgsentscheidend. In diesem Spannungsfeld stellt systematisches Anforderungsmanagement einen Ansatz dar, der enormes Potential aufweist, nämlich die Differenzierung im Wettbewerb durch Vorteile in den Dimensionen Zeit, Qualität und Kosten.
Textauszug (computergeneriert)
Projektarbeit
im Virtuellen Weiterbildungsstudiengang Wirtschaftsinformatik
an der
Fakultät für Wirtschaftsinformatik und Angewandte Informatik der Universität
Bamberg
der Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Anforderungsmanagement
Eine wichtige Managementaufgabe
Requirements Management
An important management task
Autor: Sascha Martin Laibold
Abgabe am: 10.04.2008
II
Inhalt
III
Inhalt
1
Systematisches Anforderungsmanagement ein Ansatz mit enormem Potential 1
1.1
Motivation 1
1.2
Situationsanalyse 1
1.3
Zielsetzung und Konzeption dieser Arbeit 4
2
Definition von Anforderung und Anforderungsmanagement 5
2.1
Der Anforderungsbegriff 5
2.2
Anforderungsmanagement 10
3
Ziele des Anforderungsmanagements 12
4
Klassifizierung von Anforderungen 15
4.1
Klassische Sichtweise 15
4.1.1
Funktionale Anforderungen 16
4.1.2
Nichtfunktionale Anforderungen 17
4.1.2.1
(Besondere) Qualitätsanforderungen 18
4.1.2.1.1 Interoperabilität 19
4.1.2.1.2 Sicherheit 20
4.1.2.1.3 Bedienbarkeit 21
4.1.2.1.4 Zuverlässigkeit 21
4.1.2.1.5 Verfügbarkeit 21
4.1.2.1.6 Änderbarkeit 22
4.1.2.2
Leistungsanforderungen 22
4.1.2.3
Restriktionen/Rahmenbedingungen 23
4.2
Ansatz nach Pohl 23
4.3
Anforderungen nach Kano 25
5
Anforderungsqualität 28
5.1
Qualitätskriterien für einzelne Anforderungen 28
5.2
Qualitätskriterien für Anforderungsdokumente 31
6
Haupttätigkeiten im Anforderungsmanagement 35
6.1
Steuerungstätigkeiten 35
6.1.1
Umsetzungs(-prozess-)management 35
6.1.2
Änderungsmanagement 36
6.1.3
Risikomanagement 36
6.2
Operative Tätigkeiten 36
IV
6.2.1
Anforderungen erheben, analysieren und konsolidieren 37
6.2.1.1
Anforderungen erheben 37
6.2.1.2
Sprachliche Analyse von Anforderungen 38
6.2.1.2.1 Tilgung 39
6.2.1.2.2 Generalisierung 40
6.2.1.2.3 Verzerrung 40
6.2.1.3
Entwicklung innovativer Ideen 41
6.2.1.4
Auswirkungsanalyse 42
6.2.1.5
Anforderungen konsolidieren 43
6.2.1.6
Anforderungen dokumentieren 43
6.2.1.6.1 Natürlichsprachliche Dokumentation 45
6.2.1.6.2 Modellbasierte Dokumentation 46
6.2.1.7
Anforderungen qualitätssichern 50
6.2.1.7.1 Qualitätssicherung von Anforderungsdokumenten 51
6.2.1.7.2 Abnahmekriterien 59
6.2.1.8
Anforderungen verwalten 60
6.2.1.8.1 Nachverfolgbarkeit 60
6.2.1.8.2 Wiederverwendung 61
7
Anforderungen im Kontext von Vorgehensmodellen 63
7.1
Monumentale vs. agile Prozess-Modelle 63
7.1.1
Monumentale Prozessmodelle 63
7.1.2
Agile Prozessmodelle 64
7.2
Vor- und Nachteile schwer- bzw. leichtgewichtiger Prozessmodelle 65
8
Erfolgsfaktoren im Anforderungsmanagement 67
8.1
Kundenbindungsintensität 68
8.2
Qualität der Kommunikation im Team 70
9
Anforderungsmanagement im Kontext methodischer Qualitätssicherung 72
9.1
Capability Maturity Model Integration als Qualitätsmanagementmodell 72
9.2
Kombination der Qualitätsmethode Quality Function Deployment mit dem
Anforderungsmanagement 76
9.3
Metriken im Anforderungsmanagement 81
10
Fazit 85
Abkürzungsverzeichnis 87
Tabellenverzeichnis 90
Glossar 91
Literatur 93
1
1
Systematisches Anforderungsmanagement ein Ansatz mit enormem
Potential
1.1
Motivation
Die Fähigkeit, schnell und effektiv auf wechselnde Anforderungen und neue Chancen in
einem Marktumfeld wachsender Komplexität und zunehmender Dynamik zu reagieren,
wird immer mehr zur zentralen Herausforderung moderner Unternehmen. Der
intelligente Umgang mit den Ressourcen ist längst eine ökonomische Notwendigkeit.
Zugleich
ist
die
konsequente
Umsetzung
der
Kundenanforderungen
erfolgsentscheidend.
In diesem Spannungsfeld stellt systematisches Anforderungsmanagement einen Ansatz
dar, der enormes Potential aufweist, nämlich die Differenzierung im Wettbewerb durch
Vorteile in den Dimensionen Zeit, Qualität und Kosten.
1.2
Situationsanalyse
Besonders Großunternehmen sehen sich Herausforderungen gegenüber wie:
stärkere Kundenorientierung,
steigende Bedeutung softwareintensiver Systeme,
steigende Komplexität,
ständig steigende Anzahl von Stakeholdern,
stetige Zunahme des Zeit- und Kostendrucks,
zunehmender Verknüpfungsgrad von Software und Systemen,
zunehmende Vernetzung der IT-Systeme mit denen von Partnern oder Kunden,
gesetzliche Vorgaben,
Erfordernis einer immer flexibleren Unterstützung der Geschäftsprozesse,
Umstrukturierungen der IT-Organisation.
2
Ein zentrales Problemfeld stellen in vielen Unternehmen historisch gewachsene, starre
Anwendungssilos dar. Diese wurden in der Vergangenheit für den Einsatz in einer
stabilen, gleichbleibenden Umgebung erstellt. Unflexible Geschäftsprozesse richteten
sich nicht selten nach der IT. Aus diesen Wurzeln hat sich eine vollkommen konträre
Philosophie entwickelt. Heute wird eine anpassungsfähige Ausrichtung der IT an die
geschäftsrelevanten Aufgaben angestrebt, um nicht zu sagen verlangt. Die fachliche
Organisation der Anwendungslandschaft steht dabei im Vordergrund, wobei die
Anwendungsarchitektur der Geschäftsarchitektur folgt und nicht umgekehrt. In diesem
Zusammenhang hat das Thema Service Orientierte Architekturen (SOA) nicht an
Aktualität verloren, weil viele Unternehmen inzwischen feststellen mussten, dass sie
aufgrund ihrer starren IT-Infrastruktur so stark in ihrer Flexibilität eingeschränkt sind,
dass sie dadurch an Wettbewerbsfähigkeit einbüßen. Änderungen, die sich
beispielsweise durch ökonomische Einflüsse, dynamische Umfeldentwicklungen
und/oder fachliche Anforderungen ergeben, müssen innerhalb kurzer Zeit umgesetzt
werden können. Die Etablierung einer SOA ist jedoch mehr als nur die Entwicklung
einzelner Services. SOA-Umgebungen benötigen die Unterstützung des gesamten
Software
Development
Lifecycle
(SDLC).
Eine Schlüsselrolle nimmt hier das Anforderungsmanagement in der Analysephase ein.
Insbesondere bei einem hohen Verknüpfungsgrad sind die Auswirkungen von
Änderungen sorgfältig zu analysieren. Werden Abhängigkeiten identifiziert, so geht mit
dem Änderungsaufwand ein Koordinationsaufwand einher.
Nicht nur die gestiegene Komplexität spricht für einen veränderten Umgang mit
Anforderungen, sondern auch die neuen Rahmenbedingungen, wie z.B. ggf. die
Kommunikation über eine größere Distanz. Ein weiteres großes Problemfeld in diesem
Zusammenhang stellt die Modifikation der Organisationsstrukturen in der IT dar. Diese
geht häufig mit einem Verlust an Kommunikation zwischen Fachbereich und IT einher,
weil sich deren Geschäftsbeziehungen verändern. Durch eine zunehmende
Formalisierung wird die Kommunikation erschwert. Dies wiederum kann die
Komplexität erhöhen. Zudem sollen die Steuerbarkeit der IT-Dienstleistungen
verbessert und deren Leistungsfähigkeit gesteigert werden. ,,Unternehmensintern
erbrachte IT-Serviceleistungen stehen auf dem Prüfstand. Sie werden zunehmend unter
Kostenaspekten betrachtet und auf Transparenz getrimmt." [Reic06, S. 1]
3
Die Konzentration auf das Kerngeschäft ist eine Möglichkeit, durch Spezialisierung die
eigene Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Outsourcing und Offshoring sind Themen, die
in diesem Zusammenhang kontrovers diskutiert werden. Es ist die zunehmende Tendenz
zu beobachten, dass Software nach wie vor im eigenen Unternehmen geplant, beauftragt
und
überwacht
wird,
aber
keine
Entwicklung
mehr
erfolgt.
Umso mehr ist es von Bedeutung, dass die Anforderungen klar spezifiziert sind.
Desweiteren
verläuft
diversen
Studien
zufolge
ein
großer
Teil
der
Softwareentwicklungs-projekte nicht erfolgreich. Eine Aufstellung über die zu dieser
Thematik durchgeführten Studien findet sich in der Arbeit von Buschermöhle et al.
(vgl.[Bus+06, S. 15]). Dort werden zudem die jeweils verwendete Forschungsmethode,
das Untersuchungssubjekt bzw. -objekt und die ermittelte Erfolgsquote (falls ermittelt)
übersichtsartig dargestellt.
Der aktuelle CHAOS Report der Standish Group kommt zu dem Ergebnis, dass
weltweit
nur
35 Prozent
der Softwareprojekte, die in 2006 begonnen wurden, erfolgreich
verliefen (vgl. [Rubi07]). Eine ähnliche Studie führte der F&E Bereich
Sicherheitskritische Systeme des Oldenburger Forschungs- und Entwicklungsinstitut für
Informatik-Werkzeuge und Systeme (OFFIS) mit seiner Umfrage SUCCESS
(
SUCC
ESS AND FAILUR
E
OF HARD- AND
S
OFTWARE PROJECT
S
) im Rahmen
des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projektes VSEK
(Virtuelles Software-Engineering-Kompetenznetz) in 2005/2006 durch. Ziel war die
Identifikation aktueller Erfolgs- und Misserfolgsfaktoren bei der Durchführung von
Hard- und Softwareprojekten in
Deutschland
. Auf Basis der erhobenen Daten von 378
untersuchten Projekten wurde eine Erfolgsrate in Höhe von
50,7 Prozent
ermittelt (vgl.
[Bus+06, S.289]).
Die Studienergebnisse sind zwar, nicht zuletzt aufgrund des unterschiedlichen
Studiendesigns, nur beschränkt miteinander vergleichbar, dennoch lassen sie das
Optimierungspotential von Softwareentwicklungsprojekten, die nach heutigen
Standards abgewickelt werden, erkennen.
Die beschriebene Situation lässt erahnen, dass die zum Teil rasanten Veränderungen im
IT-Umfeld einen veränderten Umgang mit Anforderungen erfordern. Die genannten
4
Herausforderungen haben zur Konsequenz, dass kontinuierliches und systematisches
Anforderungsmanagement für eine erfolgreiche Produktentwicklung immer mehr an
Bedeutung gewinnt.
1.3
Zielsetzung und Konzeption dieser Arbeit
Im Rahmen dieser Arbeit soll beleuchtet werden, welchen Beitrag das
Anforderungsmanagement für die Differenzierung eines Unternehmens im Wettbewerb
leisten kann.
Die Relevanz des Themas wurde in der Situationsanalyse bereits vorgestellt.
Nach den Erläuterungen zur Zielsetzung und Konzeption dieser Arbeit findet eine
Klärung
der
für
diese
Arbeit
zentralen
Begriffe
Anforderung
und
Anforderungsmanagement statt. Darauf aufbauend werden die Ziele des
Anforderungsmanagements formuliert. Das 4. Kapitel beschäftigt sich mit der
systematischen Klassifizierung von Anforderungen. Nach der Betrachtung der
Qualitätskriterien für Anforderungen und Anforderungsdokumente im 5. Kapitel befasst
sich das Kapitel 6 mit den Haupttätigkeiten im Anforderungsmanagement.
Im Kapitel 7 werden Anforderungen im Kontext von Vorgehensmodellen beleuchtet.
Um ein Gefühl für die Erfolgsfaktoren im Anforderungsmanagement zu entwickeln,
wird auf die kritischen im Kapitel 8 eingegangen.
Anschließend wird das Thema Anforderungsmanagement im Kontext methodischer
Qualitätssicherung betrachtet.
Die Arbeit schließt mit einem Fazit.
5
2
Definition von Anforderung und Anforderungsmanagement
Der Begriff des ,,Anforderungsmanagements" bezeichnet ein Forschungsgebiet, das in
den letzten Jahren in neueren Publikationen eine zunehmende Bedeutung erfahren hat.
Trotz der mittlerweile großen Anzahl an Veröffentlichungen ist eine einheitliche
terminologische Basis nicht sichtbar geworden.
2.1
Der Anforderungsbegriff
Literaturrecherchen fördern zutage, dass es keine allgemein anerkannte Definition
davon gibt, was man unter dem Anforderungsbegriff versteht.
Im Standard IEEE 610.12-1990 ist der Begriff Anforderung (engl. requirement) wie
folgt definiert:
Eine Anforderung ist:
(1)
Eine Bedingung oder Fähigkeit, die von einem Benutzer benötigt wird, um ein
Problem zu lösen.
(2)
Eine Bedingung oder Fähigkeit, die ein System oder eine Systemkomponente
aufweisen muss, um einen Vertrag zu erfüllen oder einem Standard, einer Spezifikation,
oder anderen formellen Dokumenten zu genügen.
(3)
Eine dokumentierte Darstellung einer Bedingung oder Fähigkeit gemäß (1) oder
(2).
(Vgl. [IEEE 610.12-1990], Übersetzung des Autors)
Sommerville und Sawyer definieren den Anforderungsbegriff wie folgt:
Anforderungen werden in den frühen Phasen einer Systementwicklung definiert als eine
Spezifikation dessen, was implementiert werden soll. Sie sind Beschreibungen dessen,
wie sich das System verhalten soll, Beschreibungen einer Systemeigenschaft oder
Qualitätsmerkmale. Sie können eine Auflage im Entwicklungsprozess des Systems
darstellen.
6
(Vgl. [SoSa97, S. 4], Übersetzung des Autors)
Von Grady Booch stammt folgende Definition im Rahmen des Rational Unified Process
(RUP):
,,Eine Anforderung ist eine Voraussetzung oder eine Fähigkeit, die ein System erfüllen
muss."
[KrBo99, S. 142]
Definition nach Balzert:
"Aussage über eine zu erfüllende qualitative und/oder quantitative Eigenschaften eines
Produktes; eine vom Auftraggeber festgelegte Systemspezifikation, um ein System für
den Entwickler zu definieren."
[Balz96, S. 111]
Anforderungen (Lastenheft) gem. V-Modell® XT
,,Das Produkt Anforderungen (Lastenheft) enthält alle an das zu entwickelnde System
identifizierten Anforderungen. Es ist Grundlage für Ausschreibung und
Vertragsgestaltung und damit wichtigste Vorgabe für die Angebotserstellung. Das
Lastenheft ist Bestandteil des Vertrags zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer. Mit
den Anforderungen werden die Rahmenbedingungen für die Entwicklung festgelegt, die
dann vom Auftragnehmer in der Gesamtspezifikation (Pflichtenheft) detailliert
ausgestaltet werden."
[KBSt07, S.71]
In der DIN EN ISO 9000 ist der Anforderungsbegriff abstrakt definiert als:
Kommentare
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden: