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Analyse und Maßnahmen zum Verhalten von Jungen und Mädchen im Fach Informatik close

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Analyse und Maßnahmen zum Verhalten von Jungen und Mädchen im Fach Informatik

Essay, 2006, 8 Pages
Author: Raoul Giebenhain
Subject: Pedagogy - School System, Educational and School Politics

Details

Category: Essay
Year: 2006
Pages: 8
Grade: 2,0
Language: German
Archive No.: V92427
ISBN (E-book): 978-3-638-07105-5

File size: 177 KB

Abstract

Unter Gender Mainstreaming versteht man den Versuch die Gleichstellung der Geschlechter auf allen Ebenen durchzusetzen. Zwar gibt es schon seit mehreren Jahrzehnten die Emanzipationsbewegungen, aber diese orientieren sich vor allem an einer höheren Stellung der Frau innerhalb der Gesellschaft. Dies wurde in den letzten Jahren mehr oder weniger erfolgreich umgesetzt, doch ist dabei ein anderes Problem nicht beachtet worden. Noch immer gibt es in der heutigen Gesellschaft Berufe, die größtenteils nur von Männern oder Frauen ausgeübt werden. Dort ist es dem anderen Geschlecht nur unter erschwerten Bedingungen möglich diesen Beruf zu ergreifen. Genau mit solchen Problemen beschäftigt sich Gender Mainstreaming. Doch wie kann man Gender Mainstreaming umsetzen? Es liegt die Vermutung nahe, dass Prozesse, die die Berufswahl von Frauen und Männern beeinflussen, bereits deutlich vor der tatsächlichen Entscheidung für einen Beruf einsetzen. Der Erfolg der Gender Mainstreaming-Strategie ist daher im hohen Maße davon abhängig, dass bereits Kinder davor bewahrt werden, solche Geschlechterstereotypen aufzubauen, die ihre Entscheidung für bestimmte Berufe negativ beeinflussen. An diesem Punkt setzt das im Folgenden vorgestellte Projekt an. Hier wurde versucht, Gender Mainstreaming in verschiedenen Lebensbereichen frühzeitig umzusetzen, indem jeweils die Ist-Situation analysiert, Handlungsbedarf erkannt und passende Maßnahmen ergriffen wurden.


Excerpt (computer-generated)

Analyse und Maßnahmen zum Verhalten von Jungen und
Mädchen im Fach Informatik

Im Bericht der ,,Fachstelle für Gleichberechtigungsfragen" des Kantons Zürich für das

Jahr 2005 weisen Annamarie Ryter und Kathrin Schafroth auf die Ergebnisse einer

1998/99 durchgeführten Evaluation der Leistungen von Schülerinnen und Schülern

der Jahrgangsstufe 6 in den Fächern Deutsch und Mathematik hin. Was wir bis dato

insbesondere aus Untersuchungen und Evaluationen aus der Bundesrepublik

kennen, lässt sich demnach auch in der Schweiz nachweisen: ,,Für beide Fächer

bzw. für beide Fachrichtungen (Sprachen einerseits und Naturwissenschaften

andererseits) wurden zum Teil gravierende Leistungsunterschiede zwischen

Mädchen und Jungen festgestellt."1

Dies nahm der Bildungsrat des Kantons Zürich zum Anlass in Zusammenarbeit mit

der Fachstelle für Gleichberechtigungsfragen (FFG) konkreten Maßnahmen für eine

gleichwertige Förderung der Geschlechter in der Schule zu erarbeiten und zu

publizieren. Einen Schwerpunkt setzen der Bildungsrat und die FFG dabei auf das

Fach Informatik, da hier ein grundsätzlicher Leistungsvorsprung von Jungen

gegenüber Mädchen auszumachen ist.

Ich möchte deshalb in diesem Kapitel unserer Ausarbeitung zunächst einmal das

Verhalten von Jungen und Mädchen in diesem Fach analysieren, um anschließend

den Maßnahmenkatalog des Bildungsrats und der FFG vorzustellen, ihn durch

weitere Vorschläge zu ergänzen und die Maßnahmen abschließend kritisch zu

beleuchten. Die Untersuchungen orientieren sich dabei stets an der Fragestellung

wie das Interesse der Mädchen am Fach ,,Informatik" gefördert werden kann.

Analyse:

Spielt das Geschlecht eine Rolle im Schulalltag? Die Antwort auf diese habe ich

eingangs bereits vorweggenommen. Besondere Aufmerksamkeit soll an dieser Stelle

deshalb die Leistungsfähigkeit des Schulsystems erfahren. In mehreren

internationalen Vergleichsstudien wurden Schülerinnen und Schüler in den

vergangenen Jahren hinsichtlich ihrer Kompetenzen im sprachlichen,

1 RYTER, Annamarie & SCHAFROTH, Kathrin: Gleichwertige Förderung von Mädchen und Knaben in der

Volksschule im Kanton Zürich. Bericht der Fachstelle für Gleichberechtigungsfragen des Kantons Zürich FFG.

Zürich 2001.

http://www.gleichberechtigung.zh.ch/internet/ji/ffg/de/downloads.SubContainerList.SubContainer1.ContentCont

ainerList.0009.DownloadFile.pdf. S. 1. Stand: 21.02.2007.

1


mathematischen und naturwissenschaftlichen Bereich getestet. Hierbei wurden auch

Geschlechterdifferenzen nachgewiesen.2

Was in meinem Fall für die gesamte Schweiz zu beobachten ist, lässt sich nicht erst

seit ,,Pisa" auf fast alle europäischen Staaten, auch auf die BRD, übertragen. Laut

,,TIMSS III" besteht ein grundsätzliches Problem darin, dass es nicht gelingt

Voraussetzungen zu schaffen und Maßnahmen in die Wege zu leiten, die zu

gleichen Lernerfolgen von Mädchen und Jungen führen.

Eine Mediatoranalyse verweist dabei auf die bis dato unberücksichtigte Relevanz

geschlechtsindividuellen Interesses: Die Herbeiführung einer gleichen

Interessensbasis kann demnach dazu führen, dass sich unter dem Strich keine

Leistungsvorteile der Jungen gegenüber den Mädchen mehr nachweisen lassen.3

Hinzu kommt, dass sozialisationstheoretische Erklärungsansätze davon ausgehen,

"dass das alltagstheoretische gesellschaftliche Stereotypisieren von Tätigkeiten und

Leistungen in männliche und weibliche Domänen zu unterschiedlichen

Sozialisationsbedingungen und Bewertungen"4 für Mädchen und Jungen führen.

Dabei gilt: Werden Schulfächer als männliche Domäne charakterisiert, wird

grundsätzlich davon ausgegangen, dass Jungen eher fähig sind in diesen Fächern

gute Leistungen zu erbringen. Mädchen haben hingegen selbst bei gleichen

Leistungen weniger Selbstvertrauen und schätzen ihre Begabung in technischen

Fächern stets geringer ein als Jungen.5

In der bereits angesprochenen TIMSS-Studie wurden diese Stereotypisierungen

genauer untersucht. Dabei wurde festgestellt, dass sowohl Schülerinnen als auch

Schüler naturwissenschaftliche Fächer, wie Informatik, als männliche Domäne

ansehen, während Sprachen als eher ,,weiblich" gelten.

Man kann demnach an dieser Stelle festhalten, dass Schulfächer ein Geschlecht

haben. Ferner sind sie, je nach Zuordnung zum eigenen oder anderen Geschlecht,

bei Mädchen und Jungen unterschiedlich beliebt. Dies hat wiederum Konsequenzen

hinsichtlich des bereits angesprochenen geschlechtsindividuellen Interesses und

dem daraus resultierenden Selbstvertrauen. Wird Informatik nämlich als männlich

dominiertes Feld betrachtet, trauen sich Mädchen in diesem Fach weniger zu und

erweisen sich darüber hinaus im fachspezifischen Problemlösen als weniger

2 FAULSTICH-WIELAND, Hannelore: Geschlechteraspekte in der Bildung. In: Bundeszentrale für politische

Bildung 2004. http://www.bpb.de/files/55B5YQ.pdf. S.4. Stand: 21.02.2007.

3 Vgl.: Ebenda. S. 6.

4 Ryter / Schafroth: Gleichwertige Förderung von Mädchen und Knaben. S. 5.

5 Vgl.: Ebenda.

2


risikobereit. Sie entwickeln demnach immer weniger Interesse und Selbstvertrauen

an diesem Fach. Mit zunehmendem Alter erweist sich schließlich die Wahl der

Geschlechterrollen sowie das damit einhergehende Vermeiden der von dem anderen

Geschlecht zugeordneten Rollen zudem als besonders bedeutend für die weitere

Entwicklung der individuellen Geschlechtsidentität. Neben der Angst vor Misserfolg,

hervorgerufen aufgrund des sinkenden Selbstvertrauens, wirkt sich nun auch die

Angst vor Erfolg auf das Interesse und die Leistung der Mädchen im Fach Informatik

aus6 - denn: Gute Leistungen im naturwissenschaftlichen Bereich (abgesehen von

Biologie, das weniger stereotypisiert ist und eher der weiblichen Domäne zugeordnet

werden kann) stellen eine Bedrohung für die weibliche Geschlechteridentität dar,

solange dieses Fach männlich besetzt ist.7

Zielorientiert und aufschlussreich für einen mädchengerechten Unterricht im Bereich

der Naturwissenschaften sind die Ergebnisse einer im FFG-Bericht angeführten

Nationalfondsstudie zur reflektierten Koedukation im Physikunterricht in der

Oberstufe. Annamarie Ryter und Kathrin Schafroth weisen darauf hin, dass von den

Erkenntnissen dieser Interventionsstudie für die Entwicklung von Maßnahmen im

Mathematikunterricht und in der Computeranwendung profitiert werden kann.8

Ziel dieser Studie war es Voraussetzungen zu schaffen, welche die Situation der

Mädchen im koedukativen Unterricht verbessern, ohne dabei die Jungen zu

benachteiligen. Beachtet wurden hierbei folgende Kriterien:

- Vorerfahrungen (didaktische Reflexion der Vorkenntnisse beider

Geschlechter)

- Sprache (reflektierte Verwendung von Fachsprache, Klärung von

unverständlichen Begriffen)

- Kontextbezug (Einordnen der Themen in gesellschaftliches Umfeld)

- Lernstil (Berücksichtigung besonderer Lern- und Arbeitsvorlieben von

Mädchen, geschlechtergerechte Gruppenarbeit)

- Kommunikation (argumentative und kommunikative Gestaltung des

Unterrichts, experimentelle Auseinandersetzung mit dem Lerngegenstand)

6 Vgl.: Ebenda.

7 Vgl.: HORNER, Martina: ,,Feminity and Sucessful Achievement: A Basic Inconsistency". In: M.H. Garskof,

ed., Roles Women Play: Readings toward Women′s Liberation. Belmont, Calif.: Books/Cole Publishing Co.

1970. S. 97­122.

8 Vgl.: Ryter / Schafroth: Gleichwertige Förderung von Mädchen und Knaben. S. 11.

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