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Diploma Thesis, 2007, 127 Pages
Author: Christophe Witz
Subject: Psychology - Consulting, Therapy
Details
Tags: ADHS, Umfeld, Eine, Exploration
Year: 2007
Pages: 127
Grade: 2,7
Bibliography: ~ 53 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-05274-0
ISBN (Book): 978-3-638-94541-7
File size: 867 KB
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Abstract
Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist zusammen mit aggressiven Verhaltensstörungen die häufigste psychische Störung im Kindes- und Jugendalter. In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten hat diese Störung viel öffentliches (und Forschungs-) Interesse erfahren. Im Zentrum dieses Interesses standen Fragen wie z.B. diejenige nach der Verursachung der Störung oder nach den Möglichkeiten der verschiedenen Therapieformen. Der Theorieteil der vorliegenden Arbeit stellt die bisherigen Ergebnisse der Forschung zu diesem Thema vor. Das besondere Augenmerk liegt dabei auf Faktoren des sozialen Umfelds. Welche Rolle spielt dieses Umfeld bei der Verursachung und Aufrechterhaltung der hyperkinetischen Störung? Dieser Frage soll in der vorliegenden Arbeit nachgegangen werden. Der empirische Teil der Studie untersucht ganz konkret den Zusammenhang zwischen elterlichem Erziehungsverhalten und Aufmerksamkeitsdefiziten bei Kindern. Die dabei verwendeten Begrifflichkeiten und Messinstrumente werden in den vorangehenden Kapiteln vorgestellt werden. Um den Übergang vom theoretischen zum empirischen Teil zu erleichtern, ist ein Kapitel eingefügt, welches die bisherigen Erkenntnnisse zu ADHS und sozialem Umfeld nochmals zusammenfasst und ein Modell vorstellt, in dessen Rahmen die zu erwartenden empirischen Ergebnisse eingeordnet werden können. Da die zum gegenwärtigen Zeitpunkt vorliegenden Ergebnisse zu einer umfassenden Modellbildung nicht ausreichen, ist der vorgestellte Ansatz eher als Arbeitsmodell aufzufassen.
Excerpt (computer-generated)
Universität Koblenz-Landau
Abteilung Landau
ADHS und soziales Umfeld
Eine Exploration
Diplomarbeit
Fachbereich 8: Psychologie
Christophe Witz
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
5
2. Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) 7
2.1
Definition
und
Geschichte 7
2.2
Diagnostische Kriterien
9
2.2.1 Differentialdiagnose
10
2.2.2 Klassifikation
nach
ICD-10
10
2.2.3 Klassifikation
nach
DSM-IV
11
2.2.4 Diagnostische
Leitlinien
11
2.2.5 Komorbidität
12
2.3
Beschreibung
des
Störungsbilds
13
2.3.1 Prävalenz 14
2.3.2 Verlauf
14
2.4
Ätiologie
15
2.4.1 Genetische
Faktoren
15
2.4.2 Neurologische
Faktoren 16
2.4.2.1 Kritik am genetisch-neurologischen Modell
17
2.4.3 Umweltfaktoren
18
2.4.3.1 Psychosoziale
Faktoren 18
2.4.3.2 Kritik an den psychosozialen Modellen
20
2.4.4 Zusammenfassung
21
2.5
Interventionen
22
2.5.1 Kindzentrierte
Verfahren
22
2
2.5.1.1 Pharmakotherapie
22
2.5.1.2 Verhaltenstherapie
24
2.5.1.3 Entspannungsverfahren
24
2.5.2 Familien- und Schulzentrierte Verfahren
24
2.5.3 Multimodale
Therapie
26
2.5.4 Zusammenfassung
27
3. Aufmerksamkeit
28
3.1
Definition
28
3.2
Aufmerksamkeitstheorien 29
3.2.1 Filtermodelle
29
3.2.2 Computeranalogien
30
3.2.3 Kritik an der traditionellen Modellen
31
3.2.4 Neuropsychologische
Modelle 32
3.3
Aufmerksamkeitstheorien
bei
Kindern
33
3.4
Aufmerksamkeitsdiagnostik
36
3.4.1 Klassische
Tests 38
3.4.2 Der TEA-Ch
40
4. Erziehungsstile
42
4.1
Definition
42
4.2
Stand
der
Forschung
42
4.3
Methoden zur Erfassung von Erziehungsstilen
43
4.3.1 Das FDTS
45
5. ADHS
und
Erziehungsverhalten 47
5.1
Vorliegende
Befunde
47
3
5.2
Ein Arbeitsmodell
49
6. Fragestellung
und
Operationalisierung 52
6.1
Operationalisierung 52
6.2
Verwendete
Instrumente
53
7. Hypothesen
56
8. Untersuchungsablauf
59
9. Stichprobenbeschreibung
61
10. Ergebnisse der Studie
53
10.1 Deskriptive Auswertung
63
10.2 Auswertung
der
Hypothesen
67
11. Diskussion
84
11.1 Allgemeine
Diskussion
84
11.2 Hypothesenbezogene
Diskussion 86
11.3 Zusammenfassende Diskussion und Ausblick
88
12. Zusammenfassung
90
13. Abbildungsverzeichnis
91
14. Tabellenverzeichnis
92
15. Literaturverzeichnis
94
16. Anhang
99
4
1. Einleitung
Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist
zusammen mit aggressiven Verhaltensstörungen die häufigste psychische
Störung im Kindes- und Jugendalter. In den vergangenen Jahren und
Jahrzehnten hat diese Störung viel öffentliches (und Forschungs-)
Interesse erfahren. Im Zentrum dieses Interesses standen Fragen wie z.B.
diejenige nach der Verursachung der Störung oder nach den
Möglichkeiten der verschiedenen Therapieformen.
Der Theorieteil der vorliegenden Arbeit stellt die bisherigen Ergebnisse
der Forschung zu diesem Thema vor. Das besondere Augenmerk liegt
dabei auf Faktoren des sozialen Umfelds. Welche Rolle spielt dieses
Umfeld bei der Verursachung und Aufrechterhaltung der
hyperkinetischen Störung? Dieser Frage soll in der vorliegenden Arbeit
nachgegangen werden.
Der empirische Teil der Studie untersucht ganz konkret den
Zusammenhang zwischen elterlichem Erziehungsverhalten und
Aufmerksamkeitsdefiziten bei Kindern. Die dabei verwendeten
Begrifflichkeiten und Messinstrumente werden in den vorher-gehenden
Kapiteln vorgestellt werden.
Um den Übergang vom theoretischen zum empirischen Teil zu erleichtern,
ist ein Kapitel eingefügt, welches die bisherigen Erkenntnnisse zu ADHS
und sozialem Umfeld nochmals zusammen-fasst und ein Modell vorstellt,
in dessen Rahmen die zu erwartenden empirischen Ergebnisse
eingeordnet werden können. Da die zum gegenwärtigen Zeitpunkt
vorliegenden Ergebnisse zu einer umfassenden Modellbildung nicht
ausreichen, ist der vorgestellte Ansatz eher als Arbeitsmodell aufzufassen.
Anschließend werden die Ergebnisse der Studie vorgestellt und diskutiert.
5
Im weiteren Text wird der Begriff Aufmerksamkeitsdefizit-
/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) gebraucht. In der Literatur sind
verschiedene Begriffe im Umlauf, der Verfasser folgt mit seiner
Entscheidung der Vorgabe von Barkley (1998). Die historische Entstehung
des Begriffs ,,ADHS" wird in Kapitel 2 hergeleitet.
6
2. Die Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitäts-
störung (ADHS)
Im nachfolgenden Abschnitt wird das Störungsbild ADHS genauer
beschrieben. Dies beinhaltet eine kurze Übersicht über die Geschichte der
Störung, ihrer diagnostischen Erfassung und bisherige Ansätze und
Erklärungsmodelle. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die
verschiedenen theoretischen Positionen zur Erklärung der Störung gelegt.
Anschließend werden die verschiedenen Interventionsmöglich-keiten
dargestellt.
2.1 Definition und Geschichte
Die Kernsymptome der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitäts-störung
heißen Ablenkbarkeit, Impulsivität und motorische Überaktivität. Es
handelt sich um eine Störung mit unterkontrolliertem Verhalten (Davison
& Neale, 1998); sie wird, neben aggressiven und dissozialen
Verhaltensauffälligkeiten, zu den externalisierenden Verhaltensstörungen
gezählt (Döpfner, 1998).
Bereits 1845 beschrieb der Frankfurter Nervenarzt Heinrich Hoffmann
die Figur des ,,Zappelphillip" in einem bekannten Kinderbuch, die typische
ADHS-Symptome wie Unruhe und Zappeligkeit aufweist.
Erstmalig in einer wissenschaftlichen Publikation erwähnt wird die
Symptomatik von George Still im Jahre 1902. Er beschreibt dort
aufsässige Kinder (größtenteils Jungen) mit einem ,,Defekt der
moralischen Kontrolle". Er beschreibt Symptome, die den heutigen
Diagnosekriterien schon sehr ähnlich sind. Dazu zählen erhöhte
Emotionalität, mangelnde Aufmerksamkeit und Überaktivität. Er nimmt
neurologische Ursachen an und vermutet einen vererbten Anteil (Barkley,
1998).
7
In den 1920ern trat in Nordamerika eine Encephalitis Epidemie auf. Bei
Kindern, die diese entzündliche Gehirnerkrankung überlebt hatten, traten
Symptome auf, die man heute als ADHS-Symptome beschreiben würde. In
den 30er und 40er Jahren konzentrierte sich daher die Forschung im
Zusammenhang mit Verhaltensauffällig-keiten bei Kindern auf
Verletzungen am Gehirn. In dieser Zeit wurde der Begriff ,,Minimal brain
dysfunction" (MBD) geprägt (Barkley, 1998).
Ende der 30er Jahre werden erstmals erfolgreich Stimulantien zur
Behandlung verhaltensauffälliger Kinder eingesetzt (Bradley, 1937, zit.
nach Trott, 1993).
Etwa zur selben Zeit entstanden in den Vereinigten Staaten sogenannte
,,child guidance centers", die sich als Dienstleistungs-zentren im Bereich
Jugend- und Familienhilfe verstanden. Diese Zentren arbeiteten
psychoanalytisch, interpretierten die Auffällig-keiten dieser Kinder als
Ausdruck unbewußter unbewältigter Konflikte der Eltern und vermutete
die Ursachen in der frühen Mutter-Kind Beziehung (Hinshaw, 1994). Sie
behandelten mit Spiel- und Familientherapie. Hinshaw bemerkt dazu: ,,Es
ist in vielerlei Hinsicht kaum möglich, sich zwei unterschiedlichere
theoretische Modelle auszudenken, als das organische versus das psycho-
dynamische um die zugrundeliegenden Mechanismen des Aufmerk-
samkeitsdefizits und der Hyperaktivität zu erklären." (Hinshaw 1994,
S.10, Übersetzung durch den Verfasser).
In den 50er und 60er Jahren tauchte der Begriff ,,Hyperkinetische
Störung" auf. Laufer (1957, zit. nach Barkley, 1998) vermutete die
Ursache in einem Defizit des Zentralnervensystems. Seiner Theorie
zufolge filtern die thalamitischen Gehirnregionen zu wenig Sti-mulation
heraus, so daß das Gehirn von Eindrücken überschwemmt wird.
Betroffenen Kindern wurden spezielle, reiz- und ablenkungs-arme
Klassenzimmer zur Verfügung gestellt.
Das Konzept des MBD (minimal brain dysfunction) wurde in den 60er
Jahren zunehmend kritisiert. Beklagt wurden die mangelnde Validität
8
und die undurchschaubare Anzahl der Symptome, die unter diesem
Begriff subsumiert wurden.
Chess (1960, zit. nach Barkley, 1998) prägte den Begriff des ,,hyperactive
child syndrome" und betonte die Bedeutung beobacht-barer und
beschreibbarer Merkmale bei der Diagnostik der Störung. 1968 führte das
DSM-II (APA, 1968) den Begriff ,,Hyperkinetische Reaktion der
Kindheit" ein.
In den 70er Jahren wurde der Fokus auf zerebrale Mechanismen als
Ursache von ADHS gelegt. Gleichzeitig kamen Theorien auf, die die
Ursachen eher in Umwelteinflüssen vermuten (z.B. Feingold, 1975;
Bettelheim, 1973).
Block (1977) beklagte die zunehmende Beschleunigung westlicher
Gesellschaften und macht diese für das vermehrte Aufreten von ADHS
verantwortlich. Empirische Belege blieben aus.
Douglas (1980, zit.n. Barkley, 1998)) rückte die Aufmerksamkeits-
problematik stärker in den Blickpunkt. Das DSM-III (APA, 1980) führt die
Störung erstmals unter der Bezeichnung ,,attention deficit disorder" (ADD)
und unterscheidet ADHS mit und ohne Hyperaktivität. Diese
Unterscheidung wird im DSM-III-R (APA, 1987) wieder aufgehoben,
allerdings im DSM-IV (APA, 1994) wieder eingeführt (siehe Kap. 2.2).
1990 gelingt Zametkin der Nachweis eines reduzierten Hirnstoff-wechsels
bei Erwachsenen mit ADHS (vgl. Davison & Neale, 1998). Besonders die
frontalen Regionen des Kortex scheinen davon betroffen zu sein.
Der aktuelle Stand der Forschung wird in Kap. 2.4 dargestellt.
2.2 Diagnostische Kriterien nach ICD-10 und DSM-IV
In Deutschland ist sowohl die Internationale Klassifikation psychischer
Störungen ICD-10 (WHO, 1992) als auch das Diagnostische und
statistische Manual psychischer Störungen (DSM-IV, APA, 1994)
gebräuchlich. Da sie sich in einigen Details unterscheiden, werden sie
beide vorgestellt.
9
2.2.1 Differentialdiagnose
Um eine ADHS-Diagnose nach ICD-10 oder DSM-IV zu stellen, muß
zuerst ausgeschlossen werden, daß die Symptome nicht eine andere,
plausiblere Ursache haben. Dazu zählen:
- tiefgreifende Entwicklungsstörungen (F84)
- Angststörungen (F41.x, F93.0)
- Affektive Störungen (manisch oder depressiv) (F30-39)
2.2.2 Klassifikation nach ICD-10
Im ICD-10 sind die Hyperkinetischen Störungen (F90) unter Verhaltens-
und emotionale Störungen mit Beginn in Kindheit und Jugend (F9)
klassifiziert. Es werden vier Arten der Hyperkinetischen Störungen
unterschieden:
- einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (F90.0)
- Hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens (F90.1)
- Sonstige hyperkinetische Störungen (F90.8)
- Nicht näher bezeichnete hyperkinetische Störung (F90.9)
Die Kategorie F90.1 (ADHS mit Hyperaktivität und Störung des
Sozialverhaltens) trägt der Tatsache Rechnung, daß hyperaktive
Symptome oft zusammen mit dissozialen Verhaltensweisen auftreten (vgl.
Davison & Neale, 1998). Sie wird diagnostiziert, wenn sowohl die
Symptome einer ADHS als auch die einer Störung des Sozialverhaltens
(F.91.x) auftreten.
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