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Termpaper, 2005, 30 Pages
Author: Shirley Tuchtfeldt
Subject: Biology - Zoology
Details
Institution/College: University of Leipzig (Institut für Biologie)
Tags: Lepidopteren, Spezielle, Zoologie, Schmetterlinge, Mimikry, Mimese, Überlebensstrategien
Year: 2005
Pages: 30
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 24 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-06197-1
File size: 1052 KB
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Abstract
Schon immer haben Schmetterlinge eine besondere Faszination und Bewunderung bei den Menschen ausgelöst. Die farbenprächtige Vielfalt der Falter, die scheinbare Leichtigkeit ihres umherflatternden Daseins und nicht zuletzt die rätselhaft anmutende Verwandlung von der Raupe zunächst in eine leblos wirkende Puppe und dann schließlich in ein „schwereloses Wesen aus Licht und Farbe“ (Vesco: 2005) beflügelten bereits die Phantasie der alten Griechen. Sie sahen im Schmetterling ein Symbol für die Unsterblichkeit der Seele, was sich auch in ihrer Namensgebung wiederspiegelt: Das griechische Wort „psyche“ bedeutet sowohl Seele als auch Schmetterling. Dass das Leben eines Schmetterlings tatsächlich nicht so leicht und unbeschwert verläuft wie ihr oft so weltvergessen wirkender Flug anmutet, kann man nicht nur an der leider sehr umfangreichen „Roten Liste“ erkennen. Die Lepidopteren haben viele Feinde und heute wird ihre Gefährdung auch und vor allem durch den Menschen noch vervielfacht. Auf der anderen Seite kann man bei den Schmetterlingen eine faszinierende Vielfalt der unterschiedlichsten Überlebensstrategien beobachten, mit denen sie sich oft sehr erfolgreich gegen hungrige Vögel, Fledermäuse und andere Tiere schützen. Tarn- und Warntrachten, Mimese, Mimikry und zahlreiche andere Phänomene werden nicht umsonst häufig am Beispiel der Lepidopteren erklärt bzw. auch als ständige weitere Untermauerung der Evolutionslehre, zu der gerade in der Gegenwart heftig wütende Diskussionen und Kontroversen geführt werden, herangezogen. In meiner vorliegenden Arbeit soll es nicht um das Für und Wider der Evolutionslehre gehen. Sie soll lediglich als Bestandsaufnahme dienen und im Schwerpunkt (auch anhand einer Fülle illustrierender Bilder) die ungeheure Vielfalt an Überlebensstrategien der Schmetterlinge vorstellen.
Excerpt (computer-generated)
Überlebensstrategien der Lepidopteren
Blauer Schmetterling - Hermann Hesse
Flügelt ein kleiner blauer
Falter vom Wind geweht,
Ein perlmutterner Schauer,
Glitzert, flimmert, vergeht.
So mit Augenblicksblinken,
So im Vorüberwehn
Sah ich das Glück mir winken,
Glitzern, flimmern, vergehn
Shirley
Tuchtfeldt
Universität
Leipzig
Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie
und Psychologie: Institut für Biologie II
Veranstaltung:
Spezielle
Zoologie
Fächer: Magisterstudiengang Soziologie
Dozent: Prof. Dr. Martin Schlegel
Nebenfächer Biologie und Journalistik
Wintersemester 2005/2006
Abgabe:
24.11.2005
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
Charakterisierung der Lepidopteren (Schuppenflügler oder Schmetterlinge) 3
Tarnen, Warnen, Täuschen Überlebensstrategien bei den Lepidopteren 7
Bibliographie 27
Abbildungen 29
Einleitung
Schon immer haben Schmetterlinge eine besondere Faszination und Bewunderung
bei den Menschen ausgelöst. Die farbenprächtige Vielfalt der Falter, die scheinbare
Leichtigkeit ihres umherflatternden Daseins und nicht zuletzt die rätselhaft
anmutende Verwandlung von der Raupe zunächst in eine leblos wirkende Puppe und
dann schließlich in ein ,,schwereloses Wesen aus Licht und Farbe" (Vesco: 2005)
beflügelten bereits die Phantasie der alten Griechen. Sie sahen im Schmetterling ein
Symbol für die Unsterblichkeit der Seele, was sich auch in ihrer Namensgebung
wiederspiegelt: Das griechische Wort ,,psyche" bedeutet sowohl Seele als auch
Schmetterling.
Dass das Leben eines Schmetterlings tatsächlich nicht so leicht und unbeschwert
verläuft wie ihr oft so weltvergessen wirkender Flug anmutet, kann man nicht nur an
der leider sehr umfangreichen ,,Roten Liste" erkennen. Die Lepidopteren haben viele
Feinde und heute wird ihre Gefährdung auch und vor allem durch den Menschen
noch vervielfacht. Auf der anderen Seite kann man bei den Schmetterlingen eine
faszinierende Vielfalt der unterschiedlichsten Überlebensstrategien beobachten, mit
denen sie sich oft sehr erfolgreich gegen hungrige Vögel, Fledermäuse und andere
Tiere schützen. Tarn- und Warntrachten, Mimese, Mimikry und zahlreiche andere
Phänomene werden nicht umsonst häufig am Beispiel der Lepidopteren erklärt bzw.
auch als ständige weitere Untermauerung der Evolutionslehre, zu der gerade in der
Gegenwart heftig wütende Diskussionen und Kontroversen geführt werden,
herangezogen. In meiner vorliegenden Arbeit soll es nicht um das Für und Wider der
Evolutionslehre gehen. Sie soll lediglich als Bestandsaufnahme dienen und im
Schwerpunkt die ungeheure Vielfalt an Überlebensstrategien der Schmetterlinge
vorstellen.
Charakterisierung der Lepidopteren (Schuppenflügler oder Schmetterlinge)
Schmetterlinge bilden mit rund 160000 Arten in fast 100 Familien die formenreichste
Insektenordnung. Die meisten Arten leben auf dem Festland in fast allen Klima-
zonen.
Der wissenschaftliche Name Lepidoptera deutet bereits auf die zwei beschuppten
Flügelpaare hin, die für die Imago der Schmetterlinge (Falter) kennzeichnend sind.
Die Form der Flügel ist sehr variabel, meist mehr oder weniger dreieckig, wobei die
vorderen oft größer sind als die hinteren. Im Flug schlagen sie synchron.
3
Ursprünglich haben sich die Schuppen, die nicht nur die Flügel, sondern auch Rumpf
und Beine bedecken, aus Haaren entwickelt. Sie sind dachziegelartig angeordnet, oft
mehrschichtig und erfüllen verschiedenste Funktionen. Großen Faltern verhelfen sie
zum Beispiel zu einem besseren Auftrieb. Bei sehr vielen Schmetterlingsarten
kommen mit Drüsenzellen verbundene Duftschuppen vor, über die Sexualduftstoffe
(Pheromone) in die Umgebung gelangen, was der Anlockung von Geschlechts-
partnern dient. Auch die Temperaturregulation wird durch die Schuppen beeinflusst,
was auf ihre Färbung zurückzuführen ist.
Schmetterlinge zeichnen sich für ihre ungeheure Farbenvielfalt aus. Dabei
unterscheidet man zwischen Pigment- und Strukturfarben. Pigmentfarben lassen sich
auf chemische Stoffe zurückführen, die selektiv bestimmte Wellenbereiche
absorbieren und reflektieren, während Strukturfarben physikalisch durch die
Beschaffenheit der Oberfläche entstehen. Zu letzteren gehören auch die
sogenannten Schillerfarben der Lepidopteren.
Ein weiteres wesentliches Merkmal ist der aus den Außenladen (Galeae) der
Maxillen geformte, einrollbare Saugrüssel, mit dem Schmetterlinge Nektar auch aus
besonders tiefen Blüten saugen können. Hier befindet sich der Sitz des Tast- und
Geschmacksinns. Die meist reduzierten Mandibeln sind nur noch bei den
urtümlicheren Familien funktionsfähig.
Die Falter besitzen große Komplexaugen, die ein sehr gutes Farbensehen auch im
UV-Bereich ermöglichen. Darüber hinaus haben sie oft noch in Zweizahl
vorkommende Nebenaugen (Ocellen). In der Nähe der Ocellen befindet sich das
Chaetosema, ein Sinnesorgan über dessen Funktion sich die Wissenschaftler noch
nicht geeinigt haben. Die gängige Vermutung lautet, dass Schmetterlinge mithilfe des
Chaeotosemas die Stärke des Luftstromes registrieren.
Als Riech- und Tastorgan fungieren die von Art zu Art sehr unterschiedlich
ausgebildeten Antennen, die in ihrer Gestalt häufig sexualdimorph sind.
Die Palpen (Taster) sind bei fast allen Schmetterlingsgruppen gut entwickelt,
dreigliedrig und besitzen an ihrem Ende eine Riechgrube.
Der Thorax trägt je Segment immer ein Beinpaar, wobei die Beine der Schmetter-
linge mehr dem Festhalten als dem Laufen dienen und nicht so spezialisiert sind wie
bei anderen Insektenordnungen. Einige Arten mit verkümmerten Vorderbeinen
benutzen diese zum Putzen ihrer Fühler. Mittlerweile wurde außerdem ein tarsaler
4
Geschmackssinn an den Füßen vieler Lepidopteren nachgewiesen, der der
Erkennung von Futterpflanzen bei der Nahrungssuche und für die Eiablage dient.
Die weiblichen Tiere verfügen über einen Legeapparat, mit dem sie ihre befruchteten
Eier geschützt in Ritzen und Spalten, oder auch auf der Unterseite von Blättern
ablegen können.
Nach der Anzahl der Geschlechtsöffnungen bei den weiblichen Tieren werden zwei
Unterordnungen der Lepidopteren unterschieden: Primitive Schmetterlingsgruppen
besitzen eine Geschlechtsöffnung, die sowohl der Begattung als auch der Eiablage
dient (Monotrysia). Bei den Gruppen der Unterordnung Ditrysia gibt es eine zweite,
nur der Begattung dienende Öffnung, die sekundär entstanden ist. Insgesamt hat der
Begattungsapparat sowohl des weiblichen als auch des männlichen Tieres eine sehr
große Bedeutung für die Artbestimmung/-unterscheidung.
Die Eiablage erfolgt meist in typischen Gelegen an der zukünftigen Futterpflanze.
Form, Oberfläche und Anzahl der abgelegten Schmetterlingseier variieren
artspezifisch sehr stark. Auch die Zeit bis zum Schlüpfen der Larven ist von Art zu Art
unterschiedlich.
Die Larven (Raupen) der meisten Arten leben gesellig. Sie sind in der Regel
walzenförmig mit einem deutlich abgesetzten Raupenkopf und noch
funktionsfähigen, kräftigen und gezähnten Mandibeln. Außerdem besitzen sie eine
Seidendrüse, mit der sie später ihren Puppenkokon spinnen. Bei den meisten
Familien kommen sechs Ocellen für den Gesichtssinn vor. Die Oberfläche der
Raupen hängt stark mit ihrer Lebensweise zusammen. Tiere, die im Wasser, in der
Erde oder im Innern von Pflanzenteilen leben, haben meist eine sehr glatte Haut. Bei
anderen Raupen gibt es eine Vielzahl von Variationen mit Borsten, Haaren, Dornen
und Warzen. Auch in ihrer Färbung weisen Raupen eine große Variabilität aus. Viele
Raupen sind tarnfarben, aber oft findet man auch sehr auffällige, bunte Farben vor,
die Warnfunktion besitzen. Als Nahrung dienen den meisten Raupen pflanzliche
Substanzen, wobei es aber eine ganze Reihe von Ausnahmen und Spezialisierungen
gibt. Das Raupenstadium dient überwiegend der Nahrungsaufnahme, weshalb die
Tiere sehr schnell heranwachsen und sich meist fünf- bis sechsmal häuten, da ihre
Cuticula nicht dehnbar ist. Bei manchen Arten ändert sich mit jeder Häutung die
Färbung, manchmal sogar die gesamte Hautbekleidung.
Schmetterlinge gehören zu den Insekten mit einer sogenannten ,,vollkommenen
Verwandlung" (Holometabola). Die Stadien Ei, Raupe, Puppe und Falter stellen den
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Zyklus der Metamorphose dar. Das Puppenstadium wird allgemein auch als
Ruhestadium bezeichnet, obwohl sich in dieser Zeit innerhalb des Kokons die
meisten Veränderungen vollziehen. Die Form der Puppe ist im allgemeinen
zylindrisch, das Hinterleibsende verjüngt. Man unterscheidet vor allem Stürzpuppen
(pupa suspensa), die mit dem Kopfende nach unten hängen, und Gürtelpuppen
(pupa cingulata), die mit dem Kopfende nach oben durch einen sogenannten
Gürtelfaden gestützt werden. Häufig ist die Puppe noch zusätzlich von Pflanzenteilen
wie Blättern, Holzspänen oder auch von Raupenhaaren umgeben. Die Puppenruhe
variiert artspezifisch zwischen einigen wenigen Tagen und mehreren Jahren. Am
Ende schlüpft der Falter durch Sprengen der Puppenhülle. In der Zeit unmittelbar
nach dem Schlüpfen ist er besonders empfindlich, da es meist einige Stunden dauert
bis seine Flügel vollständig ausgehärtet sind.
Der Schallwahrnehmung dienen Schmetterlingen Tympanalorgane, die meist zu
beiden Seiten des dritten Brustsegmentes liegen. Sie kommen vor allem bei Familien
mit großen Faltern vor. Solche Schmetterlinge können Ultraschalllaute wahrnehmen
und sogar die Richtung bestimmen, aus der die Laute kommen. Diese Fähigkeit
schützt sie vor Räubern wie Fledermäusen, die mithilfe von Ultraschalllauten
kommunizieren. Außerdem sind sich Wissenschaftler sicher, dass die
Tympanalorgane, wie bei anderen Insekten auch, eine Rolle bei der Paarung der
Geschlechter spielen.
Neben der Wahrnehmung von Geräuschen und den oben genannten
Sexualduftstoffen, orientieren sich vor allem Tagfalter bei der Partnersuche auch
optisch. Hierbei spielen die variantenreichen Farbmuster der Schmetterlinge eine
nicht zu unterschätzende Rolle.
Die Lebensdauer der Falter variiert von Art zu Art zwischen ein paar wenigen Tagen
und mehreren Monaten. Vielen kurzlebigen Arten dient dieses Stadium lediglich der
Vermehrung. Sie nehmen keine Nahrung mehr zu sich und sind meist durch einen
fehlenden Saugrüssel gekennzeichnet. Falter mit einer längeren Lebensdauer
ernähren sich meist von Blütennektar, aber es gibt auch zoophile Falter, die
Körperflüssigkeiten von Säugetieren aufnehmen. Feuchte Erde, Honigtau,
Baumsäfte, Pollen ebenso wie überreife Früchte u.ä. stellen für einige wenige Arten
ebenfalls eine Nahrungsquelle dar.
Schmetterlinge haben, wie viele andere Insekten auch, zahlreiche Feinde. Tiere mit
verstümmelten Flügeln sind kein seltenes Bild, wobei diesen Schmetterlingen die
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