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Case Management - Ein kurzer Überlick

Termpaper, 2008, 36 Pages
Author: Sarah Giehring
Subject: Social Pedagogy / Social Work

Details

Institution/College: Leuphana Universität Lüneburg
Tags: Case, Management
Category: Termpaper
Year: 2008
Pages: 36
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 23  Entries
Language: German
Archive No.: V92699
ISBN (E-book): 978-3-638-06251-0
ISBN (Book): 978-3-638-95445-7
File size: 220 KB
Notes :
Die Fußnoten sind am Ende der Arbeit, vor dem Lit.verz. zusammengefasst (Anm. der Red.)


Abstract

Im Fokus der Fachdiskussionen der Sozialarbeit steht wieder vermehrt die Fallarbeit mit Einzelnen und Familien. Die Leistungs- und Qualitätsanforderungen an die Fallarbeit nehmen immer höhere Ausmaße an, da sich die Lebenslagen der Menschen geändert, ihre Problemsituationen gewandelt und häufig zu komplexen mehrbelasteten Problemsituationen geworden ist. Hinzu kommt der An-stieg des Rechtsanspruches auf eine professionelle Hilfestellung. Seit einiger Zeit richtet sich daher die Aufmerksamkeit auf das Konzept des Case Managements, das eine qualifizierte Fortschreibung der sozialen Einzelfallhilfe darstellen könnte.


Excerpt (computer-generated)

Universität Lüneburg

Fakultät I : Sozialwesen

WS 2007/ 2008

Case Management

In der Lehrveranstaltung:

Basismethoden und handlungsleitende Konzepte














Vorgelegt von:

Sarah Giehring

3. Semester Bachelor of Arts Sozialarbeit/ Sozialpädagogik


Gliederung

1. Prolog 1

2. Begriffsbestimmung des Case Managements 2

3. Historische

Entwicklung

des Case Managements 4

4. Axiologie des Case Managements 5

5. Theoretischer

Hintergrund

des Case Managements 7

5.1

Zentrale Funktionen des Case Managements 7

5.2 Systemtheorie 8

6. Praxiologie des Case Mangements 9

6.1

Handlungsfelder und Anwendungsgebiete 11

6.2

Überblick verschiedener Phasenmodelle 14

6.3 Das Phasen-Modell nach Manfred Neuffer 17

6.4 Schlüsselqualifikationen des Case Managers 23

7. Möglichkeiten und Grenzen des Case Managements in der Sozialarbeit 26

8. Epilog 28

Literaturverzeichnis



1. Prolog

Im Fokus der Fachdiskussionen der Sozialarbeit steht wieder vermehrt die Fall-

arbeit mit Einzelnen und Familien. Die Leistungs- und Qualitätsanforderungen

an die Fallarbeit nehmen immer höhere Ausmaße an, da sich die Lebenslagen

der Menschen geändert, ihre Problemsituationen gewandelt und häufig zu kom-

plexen mehrbelasteten Problemsituationen geworden ist. Hinzu kommt der An-

stieg des Rechtsanspruches auf eine professionelle Hilfestellung.1

,,Die Schwierigkeiten und Nöte von Menschen sind inzwischen im Alltag so

sehr verwickelt, daß (!) sie kaum verschwinden, wenn ab und an Geld gegeben

wird oder guter Rat oder wenn man den sozialen Belastungen mit einer Psycho-

therapie oder mit Medikamenten beizukommen sucht. In einer komplexen Lage

ist vielleicht alles zusammen erforderlich, abgestimmt aufeinander, oder auch

nur eine bessere Organisation in der Bewältigung des Alltags."2

Diese multidimensionalen Lebenssituationen des Klientels, aber auch neue

handlungstheoretische Erkenntnisse des systemischen Denkmodells verlangen

es, neue ganzheitliche Konzepte zu entwerfen und anzuwenden. Ebenso tragen

die Reformen im Sozial- und Gesundheitswesen ihren Teil dazu bei. ,,Die Rich-

tung der Neugestaltung ist in allen Versorgungsdiensten für Menschen ... die

gleiche: es muß (!) rationalisiert werden, wobei auf die Gewährleistung von

Qualität und auf die Begrenzung der Kosten gesehen wird."3

Erschwerend kommt hinzu, dass die meisten Bedürftigen die für sie geeigneten

Hilfeleistungen nicht kennen oder ihnen nicht zugänglich sind. Daher ist es ,,In

wachsendem Maße ... [erforderlich,/ die Verf.] Abstimmungen und Kooperatio-

nen zwischen den Diensten, den Leistungsträgern, den Fachkräften und denen

..., welche die Unterstützung erhalten sollen[zu treffen/ die Verf.]." 4

Seit einiger Zeit richtet sich daher die Aufmerksamkeit auf das Konzept des Ca-

se Managements, das eine qualifizierte Fortschreibung der sozialen Einzelfall-

hilfe darstellen könnte.5

1


2. Begriffsbestimmung des Case Managements

Um eine erste Annäherung an den Begriff ,,Case Management" zu erzielen, ist

es nach meiner Ansicht sinnvoll, ihn ins Deutsche zu übersetzen. ,,Case" bedeu-

tet ,,Fall" und ,,to manage" bezeichnet Tätigkeiten wie Führen, Verwalten und

das Leiten von Betrieben.

Bezogen auf die Sozialarbeit geht es also grob skizziert darum, einen Fall mit

all seinen Facetten aufzunehmen, an andere Stellen und Institutionen weiterzu-

vermitteln, jedoch den Gesamtüberblick zu behalten und den Fall somit zu ver-

walten und zu führen.

Das Case Management nimmt laut Wendt ihren Ausgang in zwei Tatsachen.

Die erste ist die Feststellung, dass die Klienten in der Sozialarbeit zumeist einen

ganzen Problempool aufweisen. Die zweite Tatsache bezieht sich auf die Viel-

zahl von Hilfen und Unterstützungsleistungen die für eine Problemsituation in

Frage kommen würde. Daraus folgert Wendt, dass ,,... eine koordinierende und

arrangierende Leistung nötig ..."6 scheint, um mit dieser Situation erfolgreich

umzugehen.7

Stimmer erklärt, dass das Case Management in der Einzelfallhilfe eben dieses

unkoordinierte Nebeneinander verschiedener Hilfeleistungen zu einem Gesamt-

prozess zusammenfügt.8 Dieser wird von dem Case Manager koordiniert und

investigiert, um somit den verschiedenen Aspekten der komplexen Lebenslage

von Menschen möglichst effektiv zu begegnen. Der Klient wird ,,als aktiver

Partner und eigenständiger Nutzer des Dienstleistungsangebotes gesehen..."9.

Daher wird das Case Management wohl von seinen Befürwortern auch als eine

Weiterentwicklung der klassischen Einzelfallhilfe verstanden, die eine Akzent-

verschiebung vornimmt.10

Gemäß Ballew und Mink weist das Case Management zwei Akzentuierungen

auf, die Stimmers Meinung unterstreichen:

1. Die Entwicklung/ Verbesserung eine Ressourcen-Netzwerkes

2. Die Stärkung der persönlichen Befähigungen des Klienten.

Ersteres entsteht durch den Wunsch verschiedener Personen und Institute einem

Klienten zu helfen und die Koordinierung dieser Hilfen durch einen Case Ma-

nager. Zweiteres umfasst ,,das Wissen, die Fertigkeiten und die Einstellungen

des Klienten."11.12

2


,,Sorgfältige Einschätzung (,,assessment") der Bedürftigkeit, umfassende Pfle-

geplanung, Koordination der Dienstleistungen und Nachuntersuchung ­ das zu-

sammen macht im großen (!) und ganzen (!) Case Management aus. (...) Seine

spezifischen Ziele und Funktionen können beträchtlich variieren." 13

Nach Easterling kann das Case Management nach seiner beruflichen Verortung

in fünf Kategorien unterteilt werden. Er spricht hier von dem privaten, dem

primärärztlichen, dem krankenpflegerischen und dem Case Management bei

Versicherungen. Hinzu kommt das soziale Case Management *, dass sich durch

die ,,... Unterstützung einer Person oder Familie mit einer Mehrzahl von Diens-

ten, die planmäßig und koordiniert zum Einsatz kommen sollen." 14 auszeich-

net.15

Das Case Management versteckt sich hinter vielen Begrifflichkeiten.** Im Eng-

lischen wird dem Case Management je nach Fachbereich ein weiteres Adjektiv

hinzugefügt (siehe Pkt. 6.1.). Wendt hat den Terminus ,,Unterstützungsmana-

gement" als deutschen Begriff vorgeschlagen, der sich mittlerweile eingebürgert

hat. Des Weiteren finden sich die Begriffe Fallmanagement bzw. klinisches

Fallmanagement, die für das Case Management im medizinischen Bereich ge-

braucht werden. 16

,,Case Management ... bietet also die Chance, einzelfallorientiertes Vorgehen

mit personaler Netzwerkarbeit und Sozialraumorientierung ganzheitlich verbin-

den zu können. Der grenzüberschreitende Ansatz gibt den Betroffenen mehr Si-

cherheit, differenzierte Hilfestellungen zu finden in ihren vielschichtigen Prob-

lemen, Belastungen und Benachteiligungen, in der auf sie zugeschnittenen Form

und zum richtigen Zeitpunkt, bei gleichzeitig weniger zu leistenden Anpas-

sungsbemühungen." 17

* Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass der Hauptaspekt der folgenden Ausführungen

das soziale Case Management sein wird.

** Innerhalb meiner weiteren Ausführungen werde ich mich, der Verständlichkeit halber, auf den

Begriff ,,Case Management" beschränken.

3


3. Historische Entwicklung des Case Managements

In den USA dominiert, anders als in Europa, freies Engagement. Daher wird ,,...

die Erbringung von Sozialleistungen weniger durch Ämter mit breiter Zustän-

digkeit, wie sie bei uns die Jugend-, Sozial- und Gesundheitsämter besitzen [,

/die Verf.] reguliert." 18

Laut Galuske wurde das Case Management ab Ende der 70er Jahre in den USA

als eine Methode der Sozialen Arbeit aus zwei Beweggründen entwickelt:

Die Zersplitterung sozialer Dienstleistungsangebote führte zu Orientierungs-

problemen auf der Seite der Klienten, auf der Seite der Anbieter führte diese

Zersplitterung zu wenig effektiven Überschneidungen und zu Koordinations-

problemen.19 Hinzu kam, dass ,,... das System sozialer Dienstleistungsangebote

im Zuge der konservativen, neoliberalen Politik der Reagan-Administration zu-

nehmend unter Druck gesetzt [wurde/ die Verf.], soziale Dienste kostengünsti-

ger und effizienter zu organisieren."20.

Mitte der 70er Jahre kam es außerdem in den USA und in weiteren Ländern zu

der Kampagne der Deinstitutionalisierung die dazu führte, dass die stationären

Angebote reduziert wurden. Es wurden

,,... chronisch psychisch kranke, geistig behinderte und pflegebedürftige Menschen in gro-

ßer Zahl aus der stationären Unterbringung [entlassen/ die Verf.]. Man hielt es von den

Rechten der Bürger her nicht mehr für vertretbar, sie in Heimen und Anstalten festzuhalten,

und hatte auch erkannt, dass (!) die Versorgung dort die Insassen lebensuntüchtig macht,

viel kostet und mehr schadet als nutzt."21

Durch die Deinstitutionalisierung wurde es nun notwendig ,,... eine hinreichen-

de ambulante Betreuung durch soziale und medizinische Dienste zu organisie-

ren."22

Das Case Management sollte als ein Instrument des Umgangs mit dieser spezifi-

schen Problemkonstellation dienen. Das Ziel war es in erster Linie eine organi-

sierte Abstimmung von Angebot und Nachfrage nach sozialen Dienstleistungen

zu schaffen.23

1988 legte die britische Regierung ihr Konzept innerhalb eines White Papers

vor ,,und definierte darin

community care

als lokale Bereitstellung der Dienste

und der Unterstützung, welche Menschen mit Problemen des Alters, einer psy-

chischen Erkrankung, mit geistiger oder körperlicher Behinderung oder einer

Sinnesbehinderung benötigen, um fähig zu sein, weitestgehend unabhängig in

ihrer eigenen Wohnung oder in vergleichbaren Wohnformen am Ort leben zu

4


können (...) Ein Management im Einzelfall diene diesem Zweck und wird dar-

um ausdrücklich empfohlen." 24

Seit Ende der 80er Jahre wird das Case Management auch verstärkt in Deutsch-

land genutzt.25

4. Axiologie des Case Managements

Laut Wendt geht das Case Management von der Annahme aus, ,,daß (!) Men-

schen, die in ihrer Lebensführung allein zurechtkommen und einigen Erfolg ha-

ben, auf den Gebieten geschäftig sind oder sein können, wo im eingetretenen

Fall der Unterstützungsbedürftigkeit ein Defizit besteht."26

Demnach ist dem Sozialarbeiter bewusst, dass das angestrebte Ergebnis des Ca-

se Managements nicht lieferbar ist. Lediglich der Klient selbst und das entstan-

dene Ressourcen-Netzwerk können dieses Ziel erreichen. Daher trägt der Klient

die Verantwortung für seinen möglichen Lernprozess.27

Jegliche Hilfen und Unterstützungen knüpfen an die Ressourcen des Klienten

an. ,,Daß (!) solche Stärken vorhanden sind, muß (!) nicht der Klient beweisen;

es gehört schon zur Sache der Sozialarbeit, die Kompetenzen in gemeinsamer

Einschätzung festzustellen und mit ihnen, nicht an den Defekten, produktiv zu

werden."28

Moxley beschreibt sechs leitende Grundsätze der Praxis des Case Managements

im Rahmen der Sozialarbeit. Obwohl sich nicht alle diese Grundsätze auf das

Menschenbild des Case Managements projizieren lassen, möchte ich der Voll-

ständigkeit halber trotzdem alle nennen.

Zunächst soll der Case Manager sich an das Prinzip halten, den Klienten dort

abzuholen wo er gerade steht. Zudem soll eine ganzheitliche Betrachtung des

Klienten und seiner Problemlage stattfinden, anstatt den Klienten auf das spezi-

fische, aktuelle Problem zu reduzieren. Da das Case Management mit Verwal-

tungsprozessen zu tun hat, müssen die Case Manager Kompetenz im administra-

tiven Bereich vorweisen. Klinische Verfahren und Fähigkeiten ermöglichen eine

profunde Beschäftigung mit dem Verhalten des Klienten und dessen Hinter-

gründen. Im Gegensatz zu Wendt schreibt Moxley in seinem fünften Grundsatz:

,,Der Case Manager konzentriert

Verantwortlichkeit

mit seinem Wissen über

Klienten und ihre Lage auf sich."29

5



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