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"Der göttliche Bender" oder: Das Verständnis von der Allmacht Gottes

Termpaper, 2006, 27 Pages
Author: Birte Garbers
Subject: Theology - Systematic Theology

Details

Category: Termpaper
Year: 2006
Pages: 27
Grade: Bestanden
Bibliography: ~ 25  Entries
Language: German
Archive No.: V92713
ISBN (E-book): 978-3-638-06385-2

File size: 108 KB

Abstract

Gottes Allmacht, „kaum ein Gottesprädikat ist heute so umstritten“ (Ritter/Feldmeier, 1997, S. 5). Auch J. Feiner und L. Vischer formulieren, dass der allmächtige Gott zu den „fragwürdig gewordenen Sprachmodellen“ zählt (Feiner/Vischer 1973, S. 371, zitiert in Ritter 1997, S. 139). Wie greift Gott ein? Greift Gott überhaupt noch ein? Inwieweit bestimmt Gott mein Leben? Mit diesen Fragen beschäftigt sich nicht nur jeder selbst in der Reflektion seines Glaubens, mit diesen Fragen beschäftigt sich auch die Gesellschaft, die Öffentlichkeit im Allgemeinen, sehr häufig. Oft wird diese Frage in Filmen oder ähnlichem aufgenommen. Hinweisen möchte ich in diesem Zusammenhang auch auf den Film „Bruce Allmächtig“ (USA 2003), in dem der Hauptdarsteller eine Woche lang „Gott spielen darf“ und erkennen muss, wie schwierig diese Aufgabe ist. Nach diesem Schema arbeitet auch die Folge vier der vierten Staffel der amerikanischen Erfolgsserie „Futurama“, die den Titel „Der göttliche Bender“ trägt. Wobei hier nicht von Gott die Allmacht an einen der Hauptdarsteller, nämlich Bender, übergeben wird, sondern er durch ein Volk, das ihn als Gott ansieht, merkt, dass „Gott-Spielen“ gar nicht so einfach ist. Somit ist klar, dass auch Jugendliche und Kinder sich mit diesem Thema beschäftigen. Eine weitere Fragstellung ist somit auch, welche Konsequenzen sich nach der Bearbeitung des Themas für die Praxis ergeben.


Excerpt (computer-generated)

Evangelische Fachhochschule Hannover

Blumhardtstraße 2 ­ 30625 Hannover

Fachbereich II

,,Der göttliche Bender" oder: Das Verständnis

von der Allmacht Gottes

Hausarbeit in der Lehrveranstaltung 12.3.01

Verfasserin: Birte Garbers

Abgabedatum: 13.03.2006


Inhalt

1 Einleitung 2

2 Gegenwärtige

Problemwahrnehmung 3

2.1

,,Der göttliche Bender" ­ Inhalt 3

2.2

Problem des Verständnisses der Allmacht Gottes 5

2.2.1 Gesellschaftliche

Veränderungen 5

2.2.2

Vorgaben, Wünsche und Fragestellungen 7

3 Theologische

Problembeschreibung 8

3.1 Biblische

Betrachtung 8

3.2

Entwicklung des Gottesbildes im Lauf der Geschichte 11

4 Erörterung 13

4.1 Verständnis

von

Allmacht 13

4.1.1 Gerhard

Ebeling 13

4.1.2 Paul

Tillich 14

4.1.3

Ansichten weiterer Autoren 14

4.2 Glaubensströmungen

mit

anderen Allmachtsvorstellungen 18

4.2.1 Deismus-Theorie 18

4.2.2

Kurze Betrachtung weiterer Theorien 20

5 Schlussfolgerungen 21

6 Literaturliste 23

1


1 Einleitung

Gottes Allmacht, ,,kaum ein Gottesprädikat ist heute so umstritten" (Ritter/Feldmeier, 1997,

S. 5). Auch J. Feiner und L. Vischer formulieren, dass der allmächtige Gott zu den

,,fragwürdig gewordenen Sprachmodellen" zählt (Feiner/Vischer 1973, S. 371, zitiert in Ritter

1997, S. 139). Wie greift Gott ein? Greift Gott überhaupt noch ein? Inwieweit bestimmt Gott

mein Leben? Mit diesen Fragen beschäftigt sich nicht nur jeder selbst in der Reflektion seines

Glaubens, mit diesen Fragen beschäftigt sich auch die Gesellschaft, die Öffentlichkeit im

Allgemeinen, sehr häufig. Oft wird diese Frage in Filmen oder ähnlichem aufgenommen.

Hinweisen möchte ich in diesem Zusammenhang auch auf den Film ,,Bruce Allmächtig"

(USA 2003), in dem der Hauptdarsteller eine Woche lang ,,Gott spielen darf" und erkennen

muss, wie schwierig diese Aufgabe ist. Nach diesem Schema arbeitet auch die Folge vier der

vierten Staffel der amerikanischen Erfolgsserie ,,Futurama", die den Titel ,,Der göttliche

Bender" trägt. Wobei hier nicht von Gott die Allmacht an einen der Hauptdarsteller, nämlich

Bender, übergeben wird, sondern er durch ein Volk, dass ihn als Gott ansieht, merkt, dass

,,Gott-Spielen" gar nicht so einfach ist. Somit ist klar, dass auch Jugendliche und Kinder sich

mit diesem Thema beschäftigen. Eine weitere Fragstellung ist somit auch, welche

Konsequenzen sich nach der Bearbeitung des Themas für die Praxis ergeben.

Eine detaillierte Beschreibung des Inhalts der Folge möchte ich in 2.1. näher darstellen. In

2.2. gehe ich dann auf die allgemeine Problembeschreibung in der Gegenwart ein, die

gesellschaftlichen Veränderungen (2.2.1.) ebenso wie Ausgangspunkte der Menschen, wie

z.B. Wünsche, die sich auf das Gottesbild auswirken (2.2.2.). Die theologische

Problembeschreibung folgt dann in Punkt 3 und impliziter die biblische Betrachtung (3.1.)

und die Entwicklung des Gottesbildes im Lauf der Geschichte (3.2.). Während meiner

Recherche bin ich auf viele verschiedene Erklärungsansätze gestoßen, die ich dann in 4.1.

darstellen möchte. Hier möchte ich zwei Dogmatiker, Gerhard Ebeling (4.1.1.) und Paul

Tillich (4.1.2.), gesondert betrachten und andere Autoren gemeinsam in Punkt 4.1.3. erörtern.

Zur Erörterung des Punktes 4. gehört schließlich noch die Darstellung der

Glaubensströmungen Deismus (4.2.1.), Pantheismus (4.2.2.1) und Theismus (4.2.2.3.), wobei

ich letztere unter 4.2.2. nur kurz beschreibe. Abschließend folgt ein Resümee des

Geschriebenen, eine eigene Stellungnahme und Beschreibung der Konsequenzen für die

Praxis (5.).

2


2 Gegenwärtige Problemwahrnehmung

2.1 ,,Der göttliche Bender" ­ Inhalt

Entgegen einiger Meinungen in der Öffentlichkeit befasst sich auch die amerikanische

Erfolgsserie ,,Futurama" mit aktuellen, oft auch philosophischen Themen. Die Serie spielt in

der Zukunft, im 31. Jahrhundert. Hauptdarsteller sind die Mitglieder der Crew des ,,Planet

Express", einem intergalaktischen Lieferdienst. Diese sind zum einen Fry, der 1999 zufällig

eingefroren wurde und im Jahr 3000 wieder auftaut und als Lieferjunge zu der Crew kommt.

Leela ist die einäugige Kommandantin des Raumschiffes. Der wichtigste Charakter der

vorliegenden Folge ist Bender, der einzige Roboter der Crew. Ursprünglich arbeitete er als

Stahlbieger, kam durch Fry aber zum Planet Express. Er wird durch Alkohol betrieben, raucht

gerne, ist bekannt durch seine zynische Haltung gegenüber Anderen, hat aber eine Schwäche

für kleine, süße Lebewesen. Der Rest der Crew ist für diese Folge nicht von Bedeutung und

hier deswegen nicht aufgeführt.

Auf einer Fahrt durch das Weltall wird die ,,Planet Express" mit Fry, Leela und Bender von

Weltraumpiraten angegriffen. Bender, der dies alles nicht mitbekommt und sich nur von der

Lautstärke bei seinem Mittagsschlaf gestört fühlt, verkriecht sich in eines der Torpedorohre.

Schließlich wird seine Torpedoröhre gezündet und Bender wird in das All katapultiert und

treibt zu weit hinaus, als dass Fry und Leela ihn einholen könnten. Betrübt kehren sie zur Erde

zurück und Fry versucht alles in Bewegung zu setzen, Bender wieder zu finden. Inzwischen

hat sich ein ,,Brocken" auf Benders Bauch festgesetzt, als er durch ein Asteroidenfeld gleitet.

Auf diesem ,,Brocken" gibt es Lebewesen, die ihn nun als den ,,großen Metallherrn"1

lobpreisen, der sie ,,auf seine Brust geholt hat". Bender ist zunächst sehr selbstsüchtig, stellt

ein Gebot auf, dass die Lebewesen ihm Bier brauen sollen. Seine Freude ist jedoch nur von

kurzer Dauer, als er sieht, dass durch den Bau der großen Brauerei viele verstümmelt wurden,

andere durch die Dämpfe gestorben sind und das organisierte Verbrechen angezogen wurde.

Bender ist durch dies sehr ergriffen, und eine Träne, die aus seinen Augen rollt, verursacht

eine regelrechte Flutwelle, die den Sohn seines ,,Propheten" Melekai mitreißt. Nachdem

Bender ihn aus den Fluten gerettet hat, wird er wieder angebetet, möchte aber den Menschen

trotzdem etwas Gutes tun, jedoch scheitern alle Versuche. Ein Dorf zerstört er dadurch, dass

er eine Münze auf es wirft, da die Bewohner sich mehr Reichtum wünschen, einem anderen

Dorf will er Licht schenken, jedoch ist es so viel, dass alles anfängt zu brennen und als er es

durch Pusten löschen will, pustet er alle Bewohner des Dorfes von seinem Bauch.

3


Fry versucht in der Zeit zuerst in einer Kirche Hilfe für die Suche nach Bender zu finden. Der

Pater bietet ihm an, dass sie sich im Gebet vereinen. Auf die Frage von Fry, ob sie nicht etwas

Nützlicheres tun könnten, antwortet der Pater ganz klar mit einem ,,Nein". Daraufhin geht er

zu einer Wahrsagerin, die ihm zunächst nur etwas vorspielt, schließlich aber von einem Orden

berichtet, deren Mönche daran glauben, Gott existiere irgendwo in den Weiten des

Weltraums. Sie hätten das leistungsfähigste Radioteleskop des Universums gebaut, um ihn zu

finden. Fry und Leela machen sich auf dem Weg zum Himalaja, wo der Orden seinen

Standort hat.

Melekai ruft währenddessen zu Bender, dass er in das Geschehen eingreifen solle, da sich die

Lebewesen auf seinem Rücken, die nicht mehr an den Metallherren glauben, gegen die

Gläubigen erheben wollen. Bender jedoch lenkt ein, dass sie besser dran wären, wenn sie ihre

Probleme selbst lösen würden, da jedes Mal, wenn er sich einmische, alles nur noch

schlimmer würde.

Nun scheint alles perfekt, jedoch nur scheinbar. Denn die Lebewesen auf seinem Rücken

haben seine ,,atomaren Haare" gefunden und es bricht ein Atomkrieg zwischen den beiden

Dörfern aus, welcher schließlich alles Leben auslöscht. Bender verfällt in tiefe Trauer und ruft

,,Wer konnte ahnen, dass Gott-Spielen solche Konsequenzen haben würde".

Bender stößt schließlich auf einen Planeten-Nebel. Als dieser auf die Frage, wer es denn

gebaut hätte mit: ,,Ich war schon immer da" antwortet, bemerkt Bender, dass er sich wohl mit

Gott unterhält, genauer gesagt ,,dem Überrest einer computerisierten Weltraumsonde, die mit

Gott kollidiert ist". Sie unterhalten sich über das ,,Gott-Sein". Der Nebel erzählt, dass ihn

zwar viele anbeten, aber es soviele gibt, die ihn um etwas bitten; ,,mit der Zeit fängt man an,

das zu ignorieren". Bender erzählt von seinem Versagen und möchte wissen, ob es falsch war,

was er getan hat, worauf der Nebel erläutert: ,,Falsch und Richtig sind nur Worte, was zählt

ist, was du tust." Bender fühlt sich unverstanden, worauf der Nebel erklärend spricht:

,,Bender, Gott sein ist nicht einfach. Wenn man zuviel macht, werden die Leute von einem

abhängig und wenn man nichts tut, verlieren sie die Hoffnung. Man muss vorsichtig vorgehen

(...). Wenn man etwas richtig macht, wissen die Leute nicht, ob man überhaupt was getan

hat."

Im Orden übernehmen zur gleichen Zeit Fry und Leela die Kontrolle, gegen den Willen der

Mönche, die schon 700 Jahre nach Gott suchen, und sperren sie in den Waschraum. Sie

suchen drei Tage das Universum nach Bender ab, jedoch ohne Erfolg. Schließlich geben sie

auf, aber der Bittruf von Fry ,,Aber trotzdem wünsche ich mir Bender zurück" durch ein

1 Zitate direkt der Folge entnommen

4


Mikrofon erreicht schließlich den Planetennebel und er schickt Bender zurück auf die Erde,

der genau vor den Füssen von Fry und Leela landet. Als Fry und Bender sich ganz aufgeregt

austauschen, was sie alles erlebt haben, kommt die Sprache auf die Mönche und Leela fällt

auf, dass sie diese immer noch im Waschraum eingesperrt haben. Fry meint darauf: ,,Ach,

müssen wir sie da raus lassen? Immerhin sind es schließlich Mönche, ihr Gott wird sie sicher

da rausholen oder ihnen mehr (...) zu essen geben." Daraufhin springt gleich Bender ein:

,,Bestimmt nicht! Man kann sich nicht in jedem Fall auf Gott verlassen, das hat er mir

höchstpersönlich gesagt. Jetzt kommt, wenn wir diese Mönche nicht retten dann tut′s

niemand!" und er stiefelt los. Das Schlusswort bildet der Spruch des Nebels: ,,Wenn man

etwas richtig macht, wissen die Leute nicht, ob man überhaupt etwas getan hat."

2.2 Problem des Verständnisses der Allmacht Gottes

2.2.1 Gesellschaftliche Veränderungen

Mit dem Lauf der Zeit wurde die Herrschaftsstellung Gottes, aber auch die Stellung des

Menschen immer unsicherer. Vor allem als Darwin die fünf Gesetze der Natur formulierte ­

zunächst nur als Hypothese, die Folgezeit jedoch artikulierte daraus schnell einen

weltanschaulichen Religionsersatz ­ wurde die letzte Domäne Gottes, die belebte Natur,

säkularisiert. Es folgte das Zeitalter des Darwinismus, in der sich immer mehr die Aussage

des Kampfes um das Dasein in den Vordergrund drängte (Altner 1997, S. 72-75). Wichtig

war, dass Gott nun nicht mehr mit dem Geschehen in der Natur in Verbindung gebracht, aber

auch die Sonderstellung des Menschen in Frage gestellt wurde (ebd., S. 73). Es folgte ein

,,Siegeszug einer Wissenschaft, die methodisch von Gott absieht und überwältigende Erfolge

verbuchen kann, [sie] hat den allmächtigen Gott aus seiner angestammten Domäne der

Deutung und Bewältigung alltäglicher Lebensvollzüge verdrängt" (Dietrich/Link 2000, S.

15). Mit der Aufklärung am Ende des 19. Jahrhunderts begann das Aufbegehren der

Autonomie, der Selbstständigkeit des Menschen. Kant spricht von dem Ausbruch aus der

selbstverschuldeten Unmündigkeit. Parallel dazu verlief auch der Prozess der ,,Emanzipation

der Menschen von einem allmächtigen Gott in der Renaissancekultur, in den

Naturwissenschaften, in der Rechtsordnung" (Feldmeier, 1997, S. 14). Der Mensch wird

immer mehr zum Zentrum seiner Welt. Friedrich Nietzsche schließlich formuliert den

Übermenschen, der die Allmacht hat (vgl. ebd., S. 15) und es existiert der Fortschrittsglaube,

der von der Wissenschaft und der Technik ,,eine ständig fortschreitende

Machtvervollkommnung erwartet" (vgl. ebd., S. 16). Auch durch das Problem des

5



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