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"Ein Held unserer Zeit" als Antiheld?

Untertitel: Eine dramentheoretische Betrachtung des Romans von Michail Lermontov

Seminararbeit, 2008, 17 Seiten
Autor: Janine Schöne
Fach: Russistik / Slavistik

Details

Veranstaltung: Michail Lermontov und der Kaukasus
Institution/Hochschule: Universität Passau
Tags: Held, Zeit, Antiheld, Michail, Lermontov, Kaukasus
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2008
Seiten: 17
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 10  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V92822
ISBN (E-Book): 978-3-638-06793-5
ISBN (Buch): 978-3-638-95511-9
Dateigröße: 387 KB

Zusammenfassung / Abstract

„In einem jeden Buche ist das Vorwort die erste und dennoch gleichzeitig die letzte Sache; es dient entweder zur Erklärung der Absichten des Werkes oder zu seiner Rechtfertigung“ (ML 3). Mit diesen Worten eröffnet Michael Jurevič Lermontov seinen Roman "Ein Held unserer Zeit", welcher Gegenstand der folgenden Untersuchungen ist. Das von dem Autor im Jahre 1838 begonnene und Anfang 1840 fertig gestellte Manuskript erschien bereits im Mai 1840 erstmalig in Buchform und gilt als das bedeutendste Werk des russischen Schriftstellers. Ein Anliegen der vorliegenden Arbeit soll es sein die Besonderheiten der ersten Erzählung "Bela" zu ergründen. Eine Gattungszuordnung lässt sich schwerlich anstellen, doch erwies es sich in vielerlei Hinsicht aufschlussreich "Bela" unter dramentheoretischen Gesichtspunkten zu untersuchen. Dabei soll zunächst auf den kompositorischen Aufbau der Erzählung sowie auf deren Stellung und Bedeutung innerhalb des Romans näher eingegangen werden, um dann eine genaue Analyse derselben anzustellen. Infolge dessen ergibt sich die Beleuchtung des Protagonisten Pečorin, bei dem sich die Frage nach seiner Bedeutung als Held, oder gar als Antiheld, der Geschichte eröffnet. Abschließend soll geklärt werden, in welchem Sinne das Mädchen Bela eine Verkörperung bestimmter Leitbilder der Romantik darstellt.


Textauszug (computergeneriert)

Janine Schöne

,,Ein Held unserer Zeit" als Antiheld?

Eine dramentheoretische Betrachtung des Romans von Michail Lermontov














Universität Passau

Philosophische Fakultät

Lehrstuhl für Ost-Mitteleuropa-Studien

Proseminar: Michail Lermontov und der Kaukasus

Wintersemester 2007/08

Prüfungsmodul Russische Kultur


INHALTSVERZEICHNIS


1. Einleitung 2

2. Die Erzählung

Bela ­

Ein Drama im Roman 2

2.1 Erzählperspektive

und

Gattungszuordnung 3

2.2

Komposition in Bezug auf die Charakterisierung Pecorins 5

2.3

Komposition der Geschichte Maksim Maksimycs 6

3. Pecorin ­ Zwischen Held und Antiheld 9

4. Bela ­ Romantische Schönheit der Wildnis 11

5. Zusammenfassung 12

Literaturverzeichnis 13

Anhang 14

1


1. Einleitung

,,In einem jeden Buche ist das Vorwort die erste und dennoch gleichzeitig die letzte Sache; es

dient entweder zur Erklärung der Absichten des Werkes oder zu seiner Rechtfertigung" (ML

3). Mit diesen Worten eröffnet Michael Jurevic Lermontov seinen Roman

Ein Held unserer

Zeit

, welcher Gegenstand der folgenden Untersuchungen ist.1 Das von dem Autor im Jahre

1838 begonnene und Anfang 1840 fertig gestellte Manuskript erschien bereits im Mai 1840

erstmalig in Buchform und gilt als das bedeutendste Werk des stark unter dem Einfluss folgen

ihre Erkenntnisse jedoch nicht weiter. Ein Anliegen der vorliegenden Arbeit soll es nun sein

diese Besonderheiten der ersten Erzählung zu ergründen. Eine Gattungszuordnung lässt sich

schwerlich anstellen, doch erwies es sich in vielerlei Hinsicht aufschlussreich

Bela

unter dra-

mentheoretischen Gesichtspunkten zu untersuchen.

Dabei soll zunächst auf den kompositorischen Aufbau der Erzählung sowie auf deren Stellung

und Bedeutung innerhalb des Romans näher eingegangen werden, um dann eine genaue Ana-

lyse derselben anzustellen. Infolge dessen ergibt sich die Beleuchtung des Protagonisten

Pecorin, bei dem sich die Frage nach seiner Bedeutung als Held, oder gar als Antiheld, der

Geschichte eröffnet. Abschließend soll geklärt werden, in welchem Sinne das Mädchen Bela

eine Verkörperung bestimmter Leitbilder der Romantik darstellt.

2. Die

Erzählung

Bela ­

Ein Drama im Roman

Die Erzählung

Bela

, die dem Vorwort des Autors folgt, erschien bereits 1839, also noch wäh-

rend des Schaffungsprozesses des Gesamtwerks, in der Zeitschrift

Otecestvennye Zapiski

(Killmann 2005:3).2 Daher ergibt sich die Vermutung, dass es sich hierbei um eine der ersten

von Lermontov komponierten Einzelerzählungen handelt, die schließlich in

Ein Held unserer

Zeit

zu einem Roman zusammengefügt wurden. Diese fünf im Russischen als

povesti

zu be-

zeichnenden Geschichten unterliegen gemeinsam genau einem Problem: der Gattungszuord-

nung. So werden sie im Folgenden als Erzählung genannt, entsprechen jedoch meist nicht

vollkommen den Merkmalen eben dieser, sondern weisen Charakteristika verschiedener Gat-

1 Lermontov wurde am 15.10.1814 in Moskau geboren und starb am 27.07.1841 in Pjatigorsk infolge eines Du-

ells. Der ehemalige Offizier, der zweimal in den Kaukasus strafversetzt wurde und dort bereits während seiner

Kindheit einige Kuren verbrachte, gilt neben Aleksandr Sergeevic Puskin (1799-1837) als der bedeutendste

Vertreter der russischen Romantik in der Literatur.

2 Die 1818 gegründete und zwischenzeitlich verbotene Zeitschrift

Otecestvennye Zapiski

wurde zu dieser Zeit

vom Lyriker Nikolaj Alekseevic Nekrasov (1821-1877) publiziert. Er war ab 1846 auch Herausgeber des

Sovre-
menik

.

2


tungen auf. Ebenso verhält es sich mit dem Gesamtwerk an sich, das durch Lermontov keine

genaue Zuordnung erfuhr (Killmann 2005:5). Auch aus diesem Grund heraus erscheint eine

dramentheoretische Analyse als gerechtfertigt und lohnenswert. Im Grunde fügte der Autor

fünf selbstständige Erzählungen zusammen, die allein durch den Protagonisten Pecorin, der

entweder aktiv oder passiv in jeder einzelnen

povest′

erscheint, inhaltlich miteinander ver-

bunden sind.

2.1 Erzählperspektive und Gattungszuordnung

Killmann beschreibt

Bela

in diesem Zusammenhang zunächst als einen ,,Bericht (rasskaz)

über Pecorin aus dem Munde einer anderen handelnden Person (Maksim Maksimyc)" (Kill-

mann 2005:4), geht dann jedoch näher auf eine Verbindung von Reiseskizzen und Rahmener-

zählung ein (Killmann 2005:6). Bei genauerer Betrachtung eröffnen sich insgesamt drei Er-

zählebenen, die jeweils durch die Erzählperspektive bestimmt werden. Aus der Verwendung

mehrer Erzähler wiederum ergibt sich das Problem der Gattungszuordnung.

So könnte man den jungen Offizier, der durch den Kaukasus reist durchaus als ,,Haupterzäh-

ler" bezeichnen, denn er übermittelt das Gesehene und Gehörte an den Leser. Vorrangig schil-

dert er die ihn umgebende Landschaft als auch die Begegnung mit Maksim Maksimyc. In

Bezug auf diese für Reisetagebücher typischen Elemente ist eine Beschreibung in diesem Sin-

ne, allerdings nur in Bezug auf den erzählenden Offizier, möglich. Dafür spricht auch der Un-

tertitel, der der Erzählung

Bela

bei der Veröffentlichung in den

Otecestvennye Zapiski

hinzu-

gefügt war:

Iz zapisok oficera o Kavkaze

[Aus den Aufzeichnungen eines Offiziers über den

Kaukasus]. Andrew Barratt und A.D.P. Briggs weisen jedoch auf den zu bedenkenden Um-

stand hin, dass Reisenotizen zu dieser Zeit bereits eher ein veraltetes Genre darstellten und

Lermontov wohl eine Parodie darauf konzipierte (Barratt 1989:23)3. Dafür sprechen bereits

die ersten Sätze der Anfangserzählung in denen der Offizier darauf aufmerksam macht, dass

er bereits einige Aufzeichnungen über Georgien anfertigte, aber ,,der größte Teil dieser Papie-

re [...] zum Glück für den Leser verlorengegangen" ist (ML 6). Zu Beginn der Erzählung

Maksim Maksimyc

wiederholt sich diese Ausdrucksweise in ähnlicher, wenngleich drastische-

rer Form:

3 Im Gegensatz zu Killmann differenzieren sich Andrew Barratt und A.D.P. Briggs von einer Beschreibung als

Reisenotiz, fassen Übereinstimmungen mit diesem Genre gar als Parodie desselben auf: ,,′Travel memoir′ seems

to be the most likely generic description, but this term relates only to the framework of the tale. Such is the ironic

dismissivness of the traveller-narrator, who begins by telling us he has lost half his notes, that the manner of

narration amounts nearly, if not quite, to parody." (Barratt 1989:10).

3



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