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"Ein Pfund Orangen" von Marieluise Fleißer - eine Textbeschreibung und Analyse des Mädchens

Scholary Paper (Seminar), 2006, 18 Pages
Author: Helen Lorentz
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2006
Pages: 18
Grade: 2,5
Bibliography: ~ 10  Entries
Language: German
Archive No.: V92922
ISBN (E-book): 978-3-638-06726-3

File size: 240 KB

Abstract

Ich befasse mich mit der Erzählung „ Ein Pfund Orangen“ von Marieluise Fleißer. In dem Seminar „ Marieluise Fleißer – Leben und Schreiben im Spagat“ wurde die Verbindung zwischen ihrer Biographie und ihren Werken thematisiert. Erstaunlich war meiner Meinung nach, dass in der abschließenden Sitzung von den Kommilitonen keinerlei Verständnis für das Verhalten der Frauen aus den Werken aufgebracht wurde. Die Erzählung geht zurück auf Erfahrungen, die Marieluise Fleißer in München gemacht hat. In dem Aufsatz „die ersten Schritte“ aus dem Jahr 1950 beschreibt sie die Umstände unter denen sie in dieser Zeit lebte: Die ersten erzählenden Versuche schrieb ich 1923 und 1924, unmittelbar nach der Inflation. Ich hatte wirtschaftlich den Boden unter den Füßen verloren, hungerte ziemlich unvernünftig, um meine sich kaum erst bildende Position ganz am Rande der Münchener Kunstwelt nicht aufgeben zu müssen und kämpfte mit seelischen Niederbrüchen. Diese Aussage soll als Bindeglied zwischen dem Leben Marieluise Fleißers und der Erzählung genügen, da es das Ziel dieser Arbeit ist, die Erzählung zu interpretieren und aufzuweisen, dass die in ihr dargestellten Verhaltenanomalien kein Relikt aus den zwanziger Jahren sind, sondern das sie auch heute noch Aktualität besitzen und unter dem Terminus Borderline zusammengefasst werden können.


Excerpt (computer-generated)

Hauptseminar:

Marieluiese Fleißer

SS 2006

,,Ein Pfund Orangen"

von Marieluise Fleißer

Helen Lorentz

Neuere Deutsche Literaturwissenschaft,

Germanistische Sprachwissenschaft,

Medienwissenschaft


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung S.1

2. die Erzählung S.2

2.1 der Inhalt S.2

2.2 Beschreibung des Textes S.2

3. Charakterisierung des Mädchens S.5

3.1 die Borderlineerkrankung S.5

3.1.1 Stimmungsschwankungen S.5

3.1.2 Utopische Zielsetzungen S.6

3.1.3 gestörtes Selbstbild S.8

3.1.4 Intensive Kontakte S.8

3.1.5 Masochismus / Selbstzerstörung S.9

3.1.6 Ursachen S.10

3.1.5.1 Grundangst S.10

3.2 Entfremdung S.11

3.2.1 das Fremde S.11

3.2.2 Selbstmord als Erlösung S.12

4. Fazit S.14

Fußnoten S.15


1. Einleitung

Ich befasse mich mit der Erzählung ,, Ein Pfund Orangen" von Marieluise Fleißer. In dem

Seminar ,, Marieluise Fleißer ­ Leben und Schreiben im Spagat" wurde die Verbindung

zwischen ihrer Biographie und ihren Werken thematisiert. Erstaunlich war meiner Meinung

nach, dass in der abschließenden Sitzung von den Kommilitonen keinerlei Verständnis für

das Verhalten der Frauen aus den Werken aufgebracht wurde.

Die Erzählung geht zurück auf Erfahrungen, die Marieluise Fleißer in München gemacht

hat. In dem Aufsatz ,,die ersten Schritte" aus dem Jahr 1950 beschreibt sie die Umstände

unter denen sie in dieser Zeit lebte:

Die ersten erzählenden Versuche schrieb ich 1923 und 1924, unmittelbar nach der

Inflation. Ich hatte wirtschaftlich den Boden unter den Füßen verloren, hungerte ziemlich

unvernünftig, um meine sich kaum erst bildende Position ganz am Rande der Münchener

Kunstwelt nicht aufgeben zu müssen und kämpfte mit seelischen Niederbrüchen.1

Diese Aussage soll als Bindeglied zwischen dem Leben Marieluise Fleißers und der

Erzählung genügen, da es das Ziel dieser Arbeit ist, die Erzählung zu interpretieren und

aufzuweisen, dass die in ihr dargestellten Verhaltenanomalien kein Relikt aus den

zwanziger Jahren sind, sondern das sie auch heute noch Aktualität besitzen und unter

dem Terminus Borderline zusammengefasst werden können.

Zunächst gebe ich den Inhalt der Erzählung in zusammenfassender Form wieder. Es folgt

eine Beschreibung des Textes, die sich mit dem wichtigsten gestalterischen Mittel, dem

sich Marieluise Fleißer bedient, der Sprache, befasst. Hier lege ich mein Augenmerk

weniger auf Stilmittel, als auf die Gründe, aus welchen sie diesen Stil verwendet hat.

Daran schließt die Charakterisierung des Mädchens, die einer Interpretation gleichkommt

und in zwei Schritten vollzogen wird. Zunächst widme ich mich der psychischen Störung,

dem Borderlinesyndrom, an dem das Mädchen meiner Meinung nach leidet. Zur

Unterstützung dieser Diagnose werden die fünf charakteristischsten Symptome dieser

Erkrankung in bezug auf das Mädchen abgehandelt. Es folgt eine Ursachenbestimmung,

welche die Gründe für die Erkrankung erklären soll. Das Borderlinesyndrom wird verstärkt

von der Grundangst des Mädchens, der Angst vor dem verrinnen der Zeit, was im

nächsten Punkt beschrieben wird.

Die zweite Störung Ihres Lebens ist die erlebte Entfremdung, die dazu führt, dass sie

glaubt, ihr Leben selbst nicht gestalten zu können und Selbstmord begeht.

1


Die Sekundärliteratur zu Fleißer besitzt zumeist biographischen Charakter, der mir bei

meinen Ausführungen nicht hilft. Zur Analyse der Sprache erwies sich vor allem das Buch"

Materialien zum Leben und Schreiben der Marieluise Fleißer" von Günther Rühle als

hilfreich.

2. Die Erzählung

`Die Erzählung ,,Ein Pfund Orangen" schrieb Marieluise Fleißer 1926 in Ingolstadt.

Erstmals in ,,Das Tagebuch 7/1926" veröffentlicht, wurde sie später die Titelgeschichte im

Sammelband ,,Ein Pfund Orangen", der 1929 beim Gustav Kiepenheuer Verlag Berlin

erschien.`2

2.1 der Inhalt

Es geht um die Beziehung zwischen einem jungen Mädchen und ihrem älteren Freund,

die sie in den Selbstmord treibt.

Das Mädchen ist allein, unselbstständig und lebt in Armut, besitzt jedoch die Hoffnung,

einen Mann zu treffen, der sie aus dieser Situation befreit, sie versorgt und heiratet. Es

vergeht viel Zeit, bis sie den Mann trifft, zu dem sie sich hingezogen fühlt. Sie geht eine

Beziehung mit ihm ein, stellt jedoch fest, das er sie nicht retten will. Ihre Umstände

verschlechtern sich sogar: sie lebt am Rande des Existenzminimums und bricht die

wenigen sozialen Kontakte, die sie bis zu diesem Zeitpunkt besessen hat, ab. Trotzdem

wächst die Liebe zu ihrem Freund von Tag zu Tag. Das Mädchen opfert ihr Wochengeld,

um seidene Strümpfe zu kaufen und so dem Freund zu gefallen. Sie besucht ihn, um ihm

die neuen Strümpfe zu zeigen, entdeckt aber, dass der Freund sie mit einem hübschen,

reichen Mädchen betrügt. Für sie bricht eine Welt zusammen. Sie besitzt jetzt weder einen

Freund, noch Geld. Die Hoffnung, die sie in ihr Leben hatte, scheint ausgelöscht. Sie

glaubt nicht daran, dass sich an ihrem Leben noch mal etwas ändern wird und nachdem

sie von ihrem letzten Geld ein Pfund Orangen gekauft hat, stürzt sie sich aus dem Fenster.

2.2 Beschreibung des Textes

Der Text kann grob in zwei Teile gegliedert werden. Der erste Teil beschreibt das Leben

des Mädchens ohne einen Partner, der zweite Teil das Leben mit einem Freund.

Gleichzeitig ist dies auch die Teilung in zwei unterschiedliche Zeitgerüste. Die Erzählzeit

umfasst neun Seiten. Die erzählte Zeit ist in beiden Teilen zeitraffend. Im ersten Abschnitt

werden die Informationen über ihr Leben jedoch weitaus geraffter dargestellt als im

2



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