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Die Freiheit der Gefangenschaft

Subtitle: Der soziokulturelle Aspekt der Gefängnisse der Türkei in den 30er und 40er Jahren des 20.Jahrhunderts am Beispiel Nazım Hikmets

Termpaper, 2006, 14 Pages
Author: Erkan Ertan
Subject: Orientalism / Sinology - Miscellaneous

Details

Event: Jahrhunderts am Beispiel Nazım Hikmets
Institution/College: Justus-Liebig-University Giessen (Professur für Turkologie)
Tags: Freiheit, Gefangenschaft, Jahrhunderts, Beispiel, Nazım, Hikmets
Category: Termpaper
Year: 2006
Pages: 14
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 8  Entries
Language: German
Archive No.: V93063
ISBN (E-book): 978-3-638-07142-0
ISBN (Book): 978-3-638-95603-1
File size: 239 KB

Abstract

Generell werden Gefängnisse zur Verwahrung aufgrund einer Straftat verurteilter Strafgefangener genutzt. Sie sollen davor bewahrt werden, der allgemeinen Gesellschaft weiteren Schaden zuzufügen. In vielen Ländern aber dienten Sie schon immer auch zur Verwahrung politischer Gefangener. Diesen Inhaftierten sollte durch den Freiheitsentzug die Möglichkeit genommen werden, ihre Meinung zu verbreiten, Aktionen zu organisieren oder sich aktiv gegen das politische System aufzulehnen. Die Anlässe waren dabei oftmals haltlos und/oder durch falsche Vorwürfe inszeniert. Auch in der Türkei der 30er Jahre war dies nicht anders gewesen. In der noch jungen Republik versuchte sich das neu errichtete kemalistische System seine neu geschaffenen politischen Strukturen mit aller Macht zu wahren, weshalb staatsfeindliche Ansichten oftmals unter Repressalien zu leiden hatten. Kommunistisches Gedankengut war dabei besonders gefährdet, suchte man doch nach dem Ersten Weltkrieg eine klare Westbindung um sich dem näherrückenden Einflussbereich der expandierenden Sowjetunion zu entziehen. Die Gefängnisse für die Inhaftierten unterschieden sich damals eindeutig von denen in Europa. Die Gruppentrakte, namentlich „Koğuş“, waren eigene soziale Lebensbereiche mit einem gemischten Gesellschaftsbild, in dem der Bauernjunge mit dem intellektuellen Istanbuler Bürgersohn seine Zeit gemeinsam absitzte. Durch zahlreiche Verhaftungen politischer Intellektueller und den ungezählten Begnadigungen entstand eine hohe Fluktuation innerhalb dieser Gefängnisse. Außerdem verlor mit der Zeit das Gefängnis in der Gesellschaft seinen schlechten Ruf und galt alsbald für viele Intellektuelle als Auszeichnung für die Bedeutung der eigenen Person und Inspirationsquelle für das künstlerische Schaffen. Nazım Hikmet hat diese Zeit intensiv erlebt und musste, mehr als manch Anderer, eine lange Phase seines Lebens im Gefängnis verbringen. Er hat in dieser Zeit aber seine intensivste Schaffungsphase durchschritten und dort einige seiner wichtigsten Werke zu Papier gebracht. Diese Hausarbeit soll diesen Umstand der Inspiration und Produktivität näher analysieren und sich mit der soziokulturellen Bedeutung der damaligen Gefängnisse auseinandersetzen. Am Beispiel von Nazım Hikmet sollen dabei deren Nach- sowie Vorteile hinterfragt und anhand von Beispielen verglichen werden. Wie hat Nazım Hikmet die Zeit dort verbracht, welche Rolle hat die sowohl finanzielle als auch moralische Unterstützung von außen gespielt und wie konnte es möglich sein, trotz Freiheitsentzug weiterhin eine derartige Wirkung in die Gesellschaft auszuüben? Dies sind wichtige Fragestellungen, die in dieser Arbeit behandelt werden sollen. Der Aufbau der „Koğuş“ wird dabei genauso hinterfragt, wie auch die Beeinflussung Hikmets durch seine Mitinsassen. Im Fazit soll dann eine Analyse über die Frage, ob die Gefängniszeit für Nazım Hikmet eine Strafe oder Segen gewesen ist, stattfinden.


Excerpt (computer-generated)

Justus-Liebig-Universität Gießen

24. Dezember 2006

Wintersemester 2006/2007


Studiengang:

Turkologie

Seminar:

Leben und Werk Nazim Hikmets

Hausarbeit:

Die Freiheit der Gefangenschaft

Der soziokulturelle Aspekt der Gefängnisse der Türkei in den 30er und 40er Jahren des 20.

Jahrhunderts am Beispiel Nazim Hikmets

Erkan Ertan


Erkan Ertan ­ Hausarbeit: ,,Die Freiheit der Gefangenschaft"

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Die ,,Kou 4

2.1 Struktureller und sozialer Aufbau der Gruppentrakte 4

2.2 Das gesellschaftliche Bild der türkischen Gefängnisse in den 30er und 40er Jahren 5

3. Nazim Hikmets Gefängniszeit 6

3.1 Hikmets Werke während der Haftzeit 7

3.2 Geprägte Mitinsassen 8

3.3 Der familiäre, finanzielle und moralische Beistand von außen 9

4. Fazit 11

5. Quellenverzeichnis 13

2


Erkan Ertan ­ Hausarbeit: ,,Die Freiheit der Gefangenschaft"

1. Einleitung

Generell werden Gefängnisse zur Verwahrung aufgrund einer Straftat verurteilter

Strafgefangener genutzt. Sie sollen davor bewahrt werden, der allgemeinen Gesellschaft

weiteren Schaden zuzufügen. In vielen Ländern aber dienten Sie schon immer auch zur

Verwahrung politischer Gefangener. Diesen Inhaftierten sollte durch den Freiheitsentzug die

Möglichkeit genommen werden, ihre Meinung zu verbreiten, Aktionen zu organisieren oder

sich aktiv gegen das politische System aufzulehnen. Die Anlässe waren dabei oftmals haltlos

und/oder durch falsche Vorwürfe inszeniert.

Auch in der Türkei der 30er Jahre war dies nicht anders gewesen. In der noch jungen

Republik versuchte sich das neu errichtete kemalistische System seine neu geschaffenen

politischen Strukturen mit aller Macht zu wahren, weshalb staatsfeindliche Ansichten oftmals

unter Repressalien zu leiden hatten. Kommunistisches Gedankengut war dabei besonders

gefährdet, suchte man doch nach dem Ersten Weltkrieg eine klare Westbindung um sich dem

näherrückenden Einflussbereich der expandierenden Sowjetunion zu entziehen.

Die Gefängnisse für die Inhaftierten unterschieden sich damals eindeutig von denen in

Europa. Die Gruppentrakte, namentlich ,,Kou", waren eigene soziale Lebensbereiche mit

einem gemischten Gesellschaftsbild, in dem der Bauernjunge mit dem intellektuellen

Istanbuler Bürgersohn seine Zeit gemeinsam absitzte. Durch zahlreiche Verhaftungen

politischer Intellektueller und den ungezählten Begnadigungen entstand eine hohe Fluktuation

innerhalb dieser Gefängnisse. Außerdem verlor mit der Zeit das Gefängnis in der Gesellschaft

seinen schlechten Ruf und galt alsbald für viele Intellektuelle als Auszeichnung für die

Bedeutung der eigenen Person und Inspirationsquelle für das künstlerische Schaffen.

Nazim Hikmet hat diese Zeit intensiv erlebt und musste, mehr als manch Anderer, eine lange

Phase seines Lebens im Gefängnis verbringen. Er hat in dieser Zeit aber seine intensivste

Schaffungsphase durchschritten und dort einige seiner wichtigsten Werke zu Papier gebracht.

Diese Hausarbeit soll diesen Umstand der Inspiration und Produktivität näher analysieren und

sich mit der soziokulturellen Bedeutung der damaligen Gefängnisse auseinandersetzen. Am

Beispiel von Nazim Hikmet sollen dabei deren Nach- sowie Vorteile hinterfragt und anhand

von Beispielen verglichen werden.

Wie hat Nazim Hikmet die Zeit dort verbracht, welche Rolle hat die sowohl finanzielle als

auch moralische Unterstützung von außen gespielt und wie konnte es möglich sein, trotz

Freiheitsentzug weiterhin eine derartige Wirkung in die Gesellschaft auszuüben? Dies sind

wichtige Fragestellungen, die in dieser Arbeit behandelt werden sollen. Der Aufbau der

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