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Untertitel: Zu Auswirkungen von 'Web 2.0' auf das Fernsehen
Diplomarbeit, 2007, 149 Seiten
Autor: Diplom-Medienwirt Martin Stachel
Fach: Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
Details
Tags: Medienwissenschaft, Web 2.0, Internet, WWW, Fernsehen, Medien, Fernsehwissenschaft, Kommunikationswissenschaft, Neue Medien, Web, Online
Jahr: 2007
Seiten: 149
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 200 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-05651-9
ISBN (Buch): 978-3-638-94969-9
Dateigröße: 2186 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Sucht man mit der Internet-Suchmaschine Google nach dem Begriff „TV“, erhält man knapp 1,6 Milliarden Ergebnisse. Andererseits erzielt die Eingabe von „Web 2.0“ auch schon weit über 730 Millionen Treffer . Und das, obwohl dem Medium Fernsehen über 70 Jahre Zeit blieben, um sich derart gesellschaftlich zu etablieren, der Begriff „Web 2.0“ aber gerade mal erst eineinhalb Jahre alt ist. Von der offensichtlich methodischen Problematik dieses Vergleichs einmal abgesehen, kann er eins jedoch äußerst wirkungsvoll veranschaulichen: den rasanten Erfolg des Begriffes und des damit zusammenhängenden Phänomens. Nahezu täglich berichten die führenden Medien dieser Welt über „Web 2.0“ und den damit zusammenhängenden Websites wie YouTube, MySpace und Co. Neben der Frage, was unter dem Begriff nun eigentlich genau zu verstehen sei, herrscht vor allem aber in der Diskussion um die Relevanz dieser vermeintlich neuen Version des Internets großer Dissens. Handelt es sich analog zur geplatzten Dotcom-Blase zur Jahrtausendwende nur um einen neuen Internet-Hype oder eventuell doch um einen fundamentalen Medienwandel? [...] Allzu oft nehmen jedoch futurologische Entwürfe eines Medienwandels einen viel breiteren Raum ein als die Bilanzierung des Status quo. Es fehlt in der Debatte um die Auswirkungen von „Web 2.0“ auf das Fernsehen an einer pragmatischen Herangehensweise durch die Untersuchung bisheriger Entwicklungen unter Einbezug aktueller empirischer Ergebnisse. Diese Arbeit soll daher eine Bestandsaufnahme und Analyse aktueller Konvergenzprozesse von Web 2.0 und Fernsehen liefern, wobei Konvergenz hier eher im formalen und inhaltlichen, denn im rein technologischen Sinne betrachtet wird. Die Berücksichtigung der technologischen Innovationsdynamik ist zwar unabdingbar, da sie oft erst die Voraussetzung für formale und inhaltliche Veränderungen darstellt, aber nicht primäres Ziel dieser Arbeit. Es geht also um einen systematischen Zugang an die Frage, welche Auswirkungen das Phänomen „Web 2.0“ bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt auf das Fernsehen hatte und wie diese zu bewerten sind.
Textauszug (computergeneriert)
,,TV 2.0" - Neue Anforderungen
an ein altes Medium?
Zu Auswirkungen von ,,Web 2.0" auf das Fernsehen
Diplomarbeit
vorgelegt dem Fachbereich 3 (Sprach-, Literatur und Medienwissenschaften) der
Universität Siegen.
Martin Stachel
Siegen, September 2007
II
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Seite IV
Abkürzungsverzeichnis
Seite VI
1 Einleitung
Seite 1
2 Der Uses-and-Gratifications-Ansatz als theoretischer Bezugsrahmen
Seite 6
3 Rahmenbedingungen
Seite 9
3.1 Mediatisierung Seite 10
3.2 Virtualisierung Seite 13
3.3 Individualisierung Seite 14
3.4 Globalisierung Seite 17
4
Das ,,Web 2.0" und seine User
Seite 20
4.1 Definition von ,,Web 2.0" Seite 20
4.1.1 Wie aus dem Internet ,,Web 2.0" wurde Seite 20
4.1.2 ,,Web 2.0" Ein neues Medium? Seite 24
4.1.3 Phänotypen und ihre Charakteristika Seite 28
4.1.3.1 User Generated Content-Applikationen Seite 28
4.1.3.1.1 Weblogs Seite 29
4.1.3.1.2 Podcasts Seite 31
4.1.3.1.3 Foto-Plattformen Seite 32
4.1.3.1.4 Video-Plattformen Seite 33
4.1.3.1.5 Personalisiertes Internetradio Seite 36
4.1.3.2 Social Software Seite 38
4.1.3.2.1 Wikis Seite 38
4.1.3.2.2 Social Networking-Plattformen Seite 40
4.1.3.3 Virtuelle Welten Seite 42
4.2 Nutzung des ,,Web 2.0" Seite 45
5 Das Fernsehen und seine Zuschauer
Seite 63
5.1 Evolution des Mediums Fernsehen Seite 64
5.1.1 Vervielfachung von Programm Seite 64
5.1.2 Verschiebung von Broadcasting zu Narrowcasting Seite 67
5.1.3 Emanzipation des Fernsehens Seite 70
5.1.4 Interaktives Fernsehen Seite 73
II
III
5.2 Nutzung des Fernsehens Seite 77
6 ,,TV 2.0" Neue Anforderungen an ein altes Medium?
Seite 83
6.1 ,,Web 2.0" als funktionale Alternative zum Fernsehen? Seite 83
6.1.1 Funktion: Information Seite 89
6.1.2 Funktion: Unterhaltung Seite 92
6.1.3 Funktionen: Entspannung, Eskapismus und Zeitvertreib Seite 95
6.1.4 Zusammenfassung Seite 98
6.2 Wie reagiert das Fernsehen auf ,,Web 2.0"? Seite 99
6.2.1 Reaktionsschema 1: Konfrontation Seite 99
6.2.2 Reaktionsschema 2: Instrumentalisierung Seite 100
6.2.3 Reaktionsschema 3: Integration und Adaption Seite 108
6.2.4 Zusammenfassung Seite 117
7 Zusammenfassung, Diskussion und Ausblick
Seite 119
Literaturverzeichnis
Seite 123
III
IV
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1:
,,Web 2.0" in zwei Dimensionen Seite 26
Abb. 2:
Screenshot von BILDBlog Seite 30
Abb. 3:
Screenshot von Flickr Seite 33
Abb. 4:
Screenshot von YouTube Seite 35
Abb. 5:
Screenshot von LastFM Seite 37
Abb. 6:
Screenshot von Wikipedia Seite 39
Abb. 7:
Screenshot von StudiVZ Seite 41
Abb. 8:
Screenshot aus Second Life Seite 44
Abb. 9:
Online-Anwendungen von 14-19-Jährigen und ab 60-Jährigen 2006 Seite 47
Abb. 10: Nutzung von bewegten Bildern und Audioangeboten 2006 Seite 48
Abb. 11: Online-Nutzung und Nutzung von ,,Web 2.0"-Anwendungen
Verteilung in der Gesamtbevölkerung Seite 57
Abb. 12: Online-Nutzung und Nutzung von ,,Web 2.0"-Anwendungen
Verteilung in der Internet-Gesamtnutzerschaft Seite 58
Abb. 13: Passiv vs. aktiv partizipierende Nutzer von ,,Web 2.0" Seite 59
Abb. 14: Nutzung einzelner ,,Web 2.0"-Anwendungen Seite 60
Abb. 15: Typologie der Nutzer von ,,Web 2.0" Seite 61
Abb. 16: Die Personalisierungspyramide Seite 75
Abb. 17: Unterscheidung neuer Medienangebote nach dem Grad ihrer
Personalisierbarkeit. Seite 76
Abb. 18: Tagesreichweiten und Fernsehnutzungsdauer in Deutschland Seite 77
Abb. 19: Entwicklung der Fernsehdauer in Deutschland Seite 78
Abb. 20: Prognose der TV-Nutzung Seite 80
Abb. 21: Nutzungsmotive für das Fernsehen 2000 und 2005 Seite 81
Abb. 22: Zentrale Funktionen von ,,Web 2.0" und Fernsehen Seite 84
Abb. 23: Parallelnutzung nach Altersgruppen Seite 85
Abb. 24: Parallele Mediennutzung von Fernsehzuschauern und Internet-Usern ..Seite 86
Abb. 25: Parallele Nutzung von Fernsehen und Internet
zwischen 1999 und 2005 Seite 86
Abb. 26: Entwicklung der Nutzungsdauer 14-29-Jähriger
zwischen 1999 und 2005 Seite 87
Abb. 27: Nutzungsmotive für Medien im Direktvergleich Seite 89
IV
V
Abb. 28: Nutzungsmotive für das Internet bei den ,,Web 2.0"-Nutzern Seite 90
Abb. 29: Information als Nutzungsmotiv der ,,Web 2.0"-Nutzer Seite 91
Abb. 30: Unterhaltung als Nutzungsmotiv der ,,Web 2.0"-Nutzer Seite 93
Abb. 31: Entspannung und Eskapismus als Nutzungsmotiv der
,,Web 2.0"-Nutzer Seite 96
Abb. 32: Mediennutzung im Tagesverlauf Seite 97
Abb. 33: Screenshot eines Avatars vor einem ,,Bunch.tv"-Fernseher Seite 105
Abb. 34: Screenshot aus ,,virtual Pimp my Ride" Seite 107
Abb. 35: Marktanteile des SuperRTL-Formats
,,Webmix das Lustigste aus dem Internet" Seite 113
Abb. 36: Marktanteile des Sat.1-Formats ,,Die MyVideo Show" Seite 114
Abb. 37: Sendeschema einer Stunde auf ,,current.tv" Seite 116
V
VI
Abkürzungsverzeichnis
ABC
= American Braodcasting Company
ARD
= Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der
Bundesrepublik Deutschland
AOL
= America Online
ARPANET
= Advanced Research Projects Agency Network
BBC
= British Broadcasting Corporation
bzw.
= beziehungsweise
CBC
= Canadian Broadcasting Corporation
CBS
= Columbia Broadcasting System
CNBC
= Consumer News and Business Channel
CERN
= Conseil Européen pour la Recherche Nucléaire
CNN
= Cable News Network
CSNET
= Computer Science Network
DAB
= Digital Audio Broiadcastin
DAT
= Digital Audio Tape
EPG
= Electronic Program Guide
ESPN
= Entertainment and Sports Programming Network
FCC
= Federal Communication Commission
FTP
= File Transfer Protocol
GfK
= Gesellschaft für Konsumforschung
HBO
= Home Box Office
HTML
= Hypertext Markup Language
HTTP
= Hypertext Transfer Protocol
ITV
= Independent Television Network
iTV
= interaktives Fernsehen
INWG
= Internet Working Group
IP
= Internet Protocol
LAN
= Local Area Network
MP3
= MPEG-1 Audio Layer 3
MMOG
= Massively Multiplayer Online Game
MPEG
= Moving Pictures Expert Group
MTV
= Music Television
VI
VII
NBC
= National Broadcasting Company
NCP
= Network Control Program
NSF
= National Science Foundation
NSFNET
= National Science Foundation Network
NVoD
= near-Video-on-Demand
NWDR
= Nordwestdeutscher Rundfunk
RTL
= Radio Télévision Luxembourg
SMS
= Short Message Service
TCP
= Transmission Control Protocol
TED
= Tele-Dialog
TNT
= Turner Network Television
TV
= Television
PBS
= Public Broadcasting Service
PC
= Personal Computer
PKS
= Programmgesellschaft für Kabel- und Satellitenrundfunk
PPV
= Pay-per-view
RSS
= Really Simple Syndication
UGC
= User Generated Content
UPN
= United Paramount Network
USA
= United States of America
US
= United States
vgl.
= vergleiche
VH1
= Video Hits One
VoD
= Video-on-Demand
WWW
= World Wide Web
z.B.
= zum Beispiel
ZDF
= Zweites Deutsches Fernsehen
VII
1
1
Einleitung
Sucht man mit der Internet-Suchmaschine Google nach dem Begriff ,,TV", erhält man
knapp 1,6 Milliarden Ergebnisse. Andererseits erzielt die Eingabe von ,,Web 2.0" auch
schon weit über 730 Millionen Treffer1. Und das, obwohl dem Medium Fernsehen über 70
Jahre Zeit blieben, um sich derart gesellschaftlich zu etablieren, der Begriff ,,Web 2.0"
aber gerade mal erst eineinhalb Jahre alt ist. Von der offensichtlich methodischen
Problematik dieses Vergleichs einmal abgesehen, kann er eins jedoch äußerst wirkungsvoll
veranschaulichen: den rasanten Erfolg des Begriffes und des damit zusammenhängenden
Phänomens. Nahezu täglich berichten die führenden Medien dieser Welt über ,,Web 2.0"
und den damit zusammenhängenden Websites wie YouTube, MySpace und Co. Neben der
Frage, was unter dem Begriff nun eigentlich genau zu verstehen sei, herrscht vor allem
aber in der Diskussion um die Relevanz dieser vermeintlich neuen Version des Internets
großer Dissens. Handelt es sich analog zur geplatzten Dotcom-Blase zur Jahrtausendwende
nur um einen neuen Internet-Hype oder eventuell doch um einen fundamentalen
Medienwandel?
Ungeachtet der Beantwortung dieser Fragen sind aktuell jedoch gewaltige Reaktionen auf
das Phänomen ,,Web 2.0" zu konstatieren. Allen voran der spektakuläre Preis von
umgerechnet 1,3 Milliarden Euro, den Google für die zu diesem Zeitpunkt gerade mal
etwas mehr als eineinhalb Jahre alte Video-Plattform YouTube bezahlte. Zwar sind es
überwiegend noch die Überlebenden der Dotcom-Blase und Big Player der Netzwelt, die
einen Kurs in Richtung ,,Web 2.0" einschlagen, doch zunehmend verstärken auch die
etablierten Medien ihren Fokus auf das Netzmedium. So kauft Rubert Murdoch′s News
Corporation, seineszeichens eines der weltgrößten Medienunternehmen der Welt, die
Social Network-Website MySpace; mit der ProSiebenSat.1 Media AG beteiligt sich das
größte deutsche Fernsehunternehmen zu 30% an der Video-Plattform MyVideo und die
Verlagsgruppe Holtzbrinck verleibt sich die Studenten-Community StudiVZ ein.
Über all diesen Handlungen scheint das Damoklesschwert der kriselnden Musikindustrie
zu hängen, die in den letzten Jahren nach Meinung vieler die Zeichen der Zeit zu spät
erkannt und das neue Medium Internet schlichtweg verschlafen habe. Künstler vermarkten
sich nun selbst über eigene MySpace-Profile, bieten kostenlose Downloads ihrer Songs im
1 jeweils am 10.09.2007 auf http://www.google.de
1
2
MP3-Format an und stellen die dazugehörigen Musikvideos bei YouTube ein. Damit es
dem Leitmedium Fernsehen nicht genauso ergeht, herrscht in den Chefetagen reges
Treiben und die Vorgabe, aktuelle Geschehnisse und Veränderungen im Internet und damit
,,Web 2.0" genau zu beobachten, um gegebenenfalls darauf zu reagieren. Obwohl ein
Szenario, in dem am Arbeitsplatz oder am Stammtisch nicht mehr vorwiegend über die
letzte ,,Wetten dass...?"-Sendung, sondern über das neueste YouTube-Video gesprochen
wird angesichts derzeitiger Marktanteile der ZDF-Show um die 40%2 noch ausgesprochen
utopisch scheint, verdeutlicht ein Beispiel aus den USA, dass es sich bei ,,Web 2.0" um
eine nicht zu unterschätzende Entwicklung handelt: Laut Compete schauten im Februar
2007 allein die US-Amerikaner 114 Millionen Videos bei YouTube an. Rein statistisch
sind das pro US-Haushalt zwar nicht mal zweieinhalb Videos und damit nur circa fünf
Minuten Zeitaufwand in einem Monat, was an sich noch keinerlei Gefahr für den täglichen
Fernsehkonsum von vier Stunden bedeutet. Dennoch wurde allein das Musikvideo ,,Here it
Goes again" der Musikband OK Go allein über 14 Millionen Mal bei der Video-Plattform
aufgerufen und hatte damit etwa die 14-fache Zuschauerzahl einer PrimeTime-Sendung auf
dem US-Musiksender MTV3.
Der Erfolg von ,,Web 2.0" wird vor allem am Mitmach-Charakter der neuen Anwendungen
festgemacht. ,,User Generated Content", ,,Communities" und ,,virtuelle Welten" sind die
Schlüsselbegriffe einer Internet-Generation, die den User nun von einem primär bei der
Selektionsentscheidung aktiven zu einem gänzlich (inter)aktiven Mitgestalter des Internets
werden lässt. Er kann Online-Tagebücher führen, eigene Fotos zur Benutzung freigeben
und selbstproduzierte Videos hochladen. Das ,,Web 2.0" vollzieht letztendlich den Schritt
in Richtung einer netzartig und auf Wechselseitigkeit aufgebauten Kommunikationsform,
die zu einem emanzipatorischen und partizipatorischen Mediengebrauch führt, wie es
Hans-Magnus Enzensberger schon 1970 in seinem ,,Baukasten zu einer Theorie der
Medien" forderte:
,,In ihrer heutigen Gestalt dienen Apparate wie das Fernsehen oder der Film
nämlich nicht der Kommunikation, sondern ihrer Verhinderung. Sie lassen keine
2 Zuschauer ab 3 Jahre
3 vgl. Lauff 2007, S.11
2
3
Wechselwirkung zwischen Sender und Empfänger zu: technisch gesprochen,
reduzieren sie den feedback auf das systemtheoretisch mögliche Minimum."4
Handelt es sich also doch eher um einen fundamentalen Medienwandel als um einen
Hype? Und was geschieht nun genau mit den alten Medien, wenn sich das ,,Web 2.0" als
neues unangefochtenes Medienparadigma etabliert? Wenn ein neues Medium im Begriff
ist, alte abzulösen, wird gerne immer das sogenannte Rieplsche Gesetz5 von der
Unverdrängbarkeit bereits gesellschaftlich etablierter Medien zitiert, dass nach Berker
allerdings lediglich die triviale Aussage enthält, dass Medienwandel nicht in einer sauberen
Abfolge von klar voneinander zu trennenden Phasen, in denen jeweils ein
Medienparadigma unangefochten dominiert, stattfinden und daher nicht wirklich als
Gesetz gelten könne6. Seine ,,
kuriose Karriere"
7 ist jedoch dadurch zu erklären, dass es
sich immer wieder als gültig erwiesen hat, wenn der Begriff ,,Medium" nicht zu eng
auslegt wurde8. Demzufolge ist das Rieplsche Gesetz als mediengeschichtliche Erkenntnis
nützlich, um technikdeterministischen Versionen des Medienwandels mit Vorsicht zu
begegnen. Denn meist wird bei Prognosen von den technischen Potentialen des ,,Web 2.0"
auf seine zukünftige Funktion und Bedeutung geschlossen. Eine neue Technik muss sich
jedoch erst noch in den Alltag und die Gesellschaft hineindomestizieren und bedarf daher
eines Prozesses der Veralltäglichung und Institutionalisierung9. Dennoch sieht sich das
Fernsehen nun nicht mehr nur mit einer rein kommunikationstheoretischen Kritik
konfrontiert. Es manifestiert sich mit dem ,,Web 2.0" aktuell vielmehr ein kollaboratives
und partizipatives Medium, dessen Negierung aufgrund der vor allem für die Zielgruppe
der Jugendlichen stetig und rasant wachsenden Relevanz aus strategischer Sicht ein
katastrophaler Fehler darstellen würde. So schreibt der Trendforscher Andreas Haderlein
vom Zukunftsinstitut:
,,Etablierte Medien und Marken geraten durch die rasanten Entwicklungen des
Web gehörig unter Druck. Reichweitengenerierung, Zielgruppenabdeckung und
herkömmliche Mediaplanung greifen ins Leere, wenn sich der Konsumenten-
Souverän in der Cyberwelt mit seinen virtuellen Freunden einrichtet und aus
4 Enzensberger 1997, S. 99
5 1913 von Wolfgang Riepl, dem Chefredakteur der Nürnberger Zeitung, verfaßt.
6 vgl. Berker 2001, S. 28
7 Schäfers 1998, S. 95
8 vgl. Hagen 1998, S.105
9 vgl. Krotz 1998, S. 122
3
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