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Termpaper, 2008, 23 Pages
Author: Anne Bitzer
Subject: German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Details
Institution/College: University of Siegen
Tags: Phantastische, Erzählung, Märchen, Beispiel, Astrid, Lindgrens, Klassiker, Kinder-, Jugendliteratur
Year: 2008
Pages: 23
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 13 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-06820-8
File size: 120 KB
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Abstract
Die folgende Arbeit befasst sich mit dem Begriff der phantastischen Kinder- und Jugendliteratur. Dabei werden teilweise verschiedene Abwandlungen des Begriffs der Kinder- und Jugendliteratur (im Weitern auch KJL abgekürzt) verwendet, wie Phantastische Erzählung, Phantastische Erzählung für Kinder (und Jugendliche). Weitere Themen sind das Genre des Märchens und Astrid Lindgrens Kinderbuch „Mio, mein Mio“. So trägt Kapitel 2 den Titel: „Die Phantastische Erzählung als kinderliterarisches Genre.“ Ein Überblick über die geschichtliche Entstehung des Begriffs und verschiedene Theorieansätze und Definitionsversuche von Literaturwissenschaftlern bilden das Kapitel 2.1. Hierbei handelt es sich um die Wissenschaftler Anna Krüger, Ruth Koch, Tzvetan Todorov, Göte Klingberg, Angelika Nix, deren Forschungsergebnisse und Definitionen, auf das Wichtigste beschränkt, skizziert werden. Anschließend werden in Kapitel 2.2 und 2.3 zunächst Merkmale und Motive der phantastischen Kinder- und Jugendliteratur anhand der Forschung von Carsten Gansel und Göte Klingberg aufgezeigt anschließend die Darstellung der drei Grundmodelle der phantastischen Erzählung nach Carsten Gansel vorgenommen. Kapitel 3 trägt den Titel „Das Genre des Märchens“ und befasst sich im ersten Teil damit eine Definition des Begriffs zu erstellen und geht anschließend auf eine Abgrenzung zum Genre der phantastischen Kinder- und Jugendliteratur ein. Kapitel 4, das den Titel „Mio, mein Mio“ trägt, soll den Brückenschlag von den Theorien der Phantastik und des Märchens, hin zu einem existenten Beispiel der Kinder- und Jugendliteratur, schaffen. Abschnitt 4.1 fasst den Inhalt des Buches kurz zusammen, um eine bessere Einsicht in den Gesamtzusammenhang zu geben. Da „Mio, mein Mio“ häufig als Märchen deklariert wird, ebenso häufig aber auch als phantastische Geschichte, wird in Kapitel 4.2 eine theoriegestützte Erörterung zum Konflikt der Einordnung des Buches in eines der beiden behandelten Genres erstellt. Kapitel 5 stellt den abschließenden Teil der Arbeit dar.
Excerpt (computer-generated)
Universität Siegen
Fachbereich 3
Klassiker der Kinder- Jugendliteratur :
Erich Kästner und Astrid Lindgren
Thema:
Die Phantastische Erzählung und das Märchen
am Beispiel von Astrid Lindgrens ,,Mio, mein Mio"
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ________________________________________________________ 3
2. Die phantastische Erzählung als kinderliterarisches Genre _________________ 4
2.1 Geschichte und Theorie __________________________________________ 4
2.2 Kennzeichen und Merkmale _______________________________________ 7
2.3 Die drei Grundmodelle der phantastischen Erzählung nach Gansel ________ 9
3. Das Genre der Märchen____________________________________________ 11
3.1 Definition_____________________________________________________ 11
3.2 Abgrenzung __________________________________________________ 12
4. Mio, mein Mio____________________________________________________ 14
4.1 Der Inhalt ____________________________________________________ 14
4.2 Märchenhaftes und Phantastisches ________________________________ 16
a) Märchenhaftes _______________________________________________ 16
b) Phantastisches _______________________________________________ 19
5. Abschließendes __________________________________________________ 21
6. Literatur ________________________________________________________ 22
Quellen: ________________________________________________________ 22
2
1. Einleitung
Die folgende Arbeit befasst sich mit dem Begriff der phantastischen1 Kinder- und
Jugendliteratur. Dabei werden teilweise verschiedene Abwandlungen des Begriffs der Kinder-
und Jugendliteratur (im Weitern auch KJL abgekürzt) verwendet, wie Phantastische
Erzählung, Phantastische Erzählung für Kinder (und Jugendliche).
Weitere Themen sind das Genre des Märchens und Astrid Lindgrens Kinderbuch ,,Mio, mein
Mio".
So trägt Kapitel 2 den Titel: ,,Die Phantastische Erzählung als kinderliterarisches Genre."
Ein Überblick über die geschichtliche Entstehung des Begriffs und verschiedene
Theorieansätze und Definitionsversuche von Literaturwissenschaftlern bilden das Kapitel 2.1.
Hierbei handelt es sich um die Wissenschaftler Anna Krüger, Ruth Koch, Tzvetan Todorov,
Göte Klingberg, Angelika Nix, deren Forschungsergebnisse und Definitionen, auf das
Wichtigste beschränkt, skizziert werden.
Anschließend werden in Kapitel 2.2 und 2.3 zunächst Merkmale und Motive der
phantastischen Kinder- und Jugendliteratur anhand der Forschung von Carsten Gansel und
Göte Klingberg aufgezeigt anschließend die Darstellung der drei Grundmodelle der
phantastischen Erzählung nach Carsten Gansel vorgenommen.
Kapitel 3 trägt den Titel ,,Das Genre des Märchens" und befasst sich im ersten Teil damit
eine Definition des Begriffs zu erstellen und geht anschließend auf eine Abgrenzung zum
Genre der phantastischen Kinder- und Jugendliteratur ein.
Kapitel 4, das den Titel ,,Mio, mein Mio" trägt, soll den Brückenschlag von den Theorien der
Phantastik und des Märchens, hin zu einem existenten Beispiel der Kinder- und
Jugendliteratur, schaffen.
Abschnitt 4.1 fasst den Inhalt des Buches kurz zusammen, um eine bessere Einsicht in den
Gesamtzusammenhang zu geben. Da ,,Mio, mein Mio" häufig als Märchen deklariert wird,
ebenso häufig aber auch als phantastische Geschichte, wird in Kapitel 4.2 eine
theoriegestützte Erörterung zum Konflikt der Einordnung des Buches in eines der beiden
behandelten Genres erstellt.
Kapitel 5 stellt den abschließenden Teil der Arbeit dar.
1 Der Einheitlichkeit halber verwende ich konsequent die alte Schreibweise. Diese ist optional immer noch
möglich und da sie in vielen angeführten Zitaten in dieser Form vorkommt, übernehme ich sie für die gesamte
Arbeit.
3
2. Die phantastische Erzählung als kinderliterarisches
Genre
2.1 Geschichte und Theorie
Im Folgenden gebe ich einen kurzen Überblick über die geschichtliche Entstehung des
Begriffs der phantastischen Kinder- und Jugendliteratur und zeige Stationen ihrer
Entwicklung zu einem eigenständig- akzeptierten Genre auf. Hierbei skizziere ich die
Definitionen ausgewählter Literaturwissenschaftler und verknüpfe diese mit ihren
Theorieansätzen.
Die Entstehung des Begriffs der ,,phantastischen Erzählung" als Benennung eines
kinderliterarischen Genres fand ihren Ursprung Anfang der 50er Jahre, als die deutsche
Jugendliteraturkritikerin ANNA KRÜGER auf eine Textauswahl für Kinder und Jugendliche
aufmerksam machte, die bislang dem Märchengenre zugeordnet wurde. Sie charakterisiert
diese so genannten ,,phantastischen Abenteuergeschichten" für Kinder und Jugendliche als
,,Zweiweltenerzählung", deren Hauptmerkmal die Gegenüberstellung von real-fiktiver
Wirklichkeit und der fantastischen Welt ist. Hiermit findet sie eine erste Abgrenzung zum
Genre des Märchens, dessen Geschehen sich ausschließlich innerhalb der Märchenwelt
bewege.2 Hierzu sagt sie:
,,Im Märchen wundert sich niemand über das Wunder, weil alle Personen die Welt
magisch erleben. In der fantastischen Abenteuergeschichte widerfährt das Wunder
gewöhnlich nur einem, höchstens einigen Menschen, die über ihre seltsamen Erlebnisse
zunächst sehr erstaunt sind, die übrigen Gestalten der Bücher sind nüchtern denkende
Wesen, für die es gar keine Wunder geben kann, weil die Welt sonst aus ihrer
gesetzmäßigen Ordnung fiele. Das märchenhafte Ereignis hebt sich also immer deutlich
gegen die Wirklichkeit ab." 3
Anknüpfend an ihre Definition der ,,Zweiweltenerzählung" prägt die
Literaturwissenschaftlerin RUTH KOCH wenig später den Begriff der ,,phantastische[n]
Erzählungen für Kinder". Hierbei schwächt sie die Betonung des Abenteuermoments nach
Krüger ab und siedelt die fantastische Erzählung zwischen Märchen und realistischer
Abenteuergeschichte an.4
2 Vgl. Angelika Nix 2002, S.19
3 Anna Krüger 1954, S. 21
4 Vgl. Angelika Nix 2002, S. 20
Krügers und Kochs Definitionen der phantastischen Literatur und ihre Abgrenzungen zu
anderen Genres bilden den Ausgangspunkt für die nachfolgende kinderliterarische
Phantastikforschung. Dabei ist festzuhalten, dass es zunächst im europäischen Ausland zu
weiterführenden Theorien und Thesen zur phantastischen Kinder- und Jugendliteratur kam.
Erst mit der Öffnung des Literaturbegriffs in den 70er Jahren und durch ein aufkommendes
stärkeres Interesse des lesenden Publikums an phantastischer Literatur, setzte auch in
Deutschland die literaturwissenschaftliche Diskussion über das Phantastische ein.
Besonders die Abhandlung ,,
Introduction à la littérature fantastique
" (dt.
Einführung in die
phantastische Literatur
) des bulgarischen Literaturwissenschaftlers TZVETAN TODOROV
sorgte für Aufsehen und zählt bis heute zu den ,,rigorosesten"5, ,,meistzitiert[en] und
meistumstrittene[n] Beitrag zur Internationalen Phantastikforschung."6
Für Todorov steht nicht das phantastische Ereignis selbst im Fokus des Interesses, sondern
,,allein die Reaktion des Lesers auf dieses Ereignis als Kriterium des Phantastischen"7.
Alleine das andauernde Gefühl ,,[der] Unschlüssigkeit, die ein Mensch empfindet, der nur die
natürlichen Gesetze kennt und sich einem Ereignis gegenüber sieht, das den Anschein des
Übernatürlichen hat"8, sieht Todorov als Indikator und Kriterium für die phantastische
Literatur an.
Danach grenzt er zwei Gattungen von der phantastischen Literatur ab: die Gattung des
,,Wunderbaren" und die Gattung des ,,Unheimlichen". Erstere umfasst Texte, in denen
übernatürliche Momente weder im Text, noch beim Leser Erstaunen hervorrufen, da die
Erwartungen, die der implizite Leser an den Text im Vorfeld stellt, erfüllt werden.
Phänomene, die zwar irrational erscheinen, jedoch innerhalb eines Kontextes auftreten, in
dem die Gesetze der Realität intakt bleiben und die sich auf rational-psychologische Weise
erklären lassen, findet man hingegen in der Gattung des Unheimlichen.
Nur die Art von Texten, die Zweifel im Leser entstehen lassen, die so genannte
,,Todorov′sche Unschlüssigkeit"9 und nicht eindeutig zu einer der beiden Gattungen
zuzuordnen sind, werden, laut Todorov, zur Gattung der phantastischen Literatur gezählt.10
Insofern entscheidet sich, ob ein Text als phantastisch angesehen werden kann oder nicht auf
der Rezeptionsebene.
5 Sanna Pohlmann 2004, S.20
6 Angelika Nix 2002, S. 21
7 Ebd. S. 21
8 Tzvetan Todorov 1972, S. 26
9 Angelika Nix 2002, S. 22
10 Ebd. S. 22
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