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Scholary Paper (Seminar), 2008, 30 Pages
Author: Stefan Strunck
Subject: Computer Science - Commercial Information Technology
Details
Institution/College: University of Mannheim
Tags: Agentenbasierte, Modellierung, Interaktionen, Objekttechnologie
Year: 2008
Pages: 30
Grade: 1,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-13070-2
File size: 306 KB
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Abstract
Die vorliegende Arbeit vermittelt einen Überblick über die Anwendungsbereiche von Modellen, die auf einem Agentensystem aufbauen. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt dabei auf der Darstellung der Vielseitigkeit von Agentenmodellen und deren Bedeutung für die Wirtschaftswissenschaften. Es werden konkrete Modelle vorgestellt, um verschiedene Anwendungsmöglichkeiten darzustellen. Mit Hilfe der betrachteten Systeme werden insbesondere die Möglichkeiten und Vorteile der Verwendung von Agentenmodellen aufgezeigt. Der Begriff des Agenten ist nicht eindeutig definiert. Eine Verwendung findet sich im täglichen Gebrauch wieder, mit der Bedeutung eines "`Beauftragten"'. In den Wirtschaftswissenschaften wird der Begriff im Zusammenhang mit der Principal-Agent-Theorie verwendet, wobei hier der Agent der Unterstellte ist, der Informationen und Charaktereigenschaften zurück hält (vgl. Ickerott, 2007, S. 12f.). Die für diese Arbeit relevante Definition eines Agenten ist auf Wooldridge u. Jennings (1995) zurückzuführen, die charakteristische Verhaltensweisen eines Agenten zusammenfassen. Die vier Hauptmerkmale dabei sind, dass Agenten: • ohne Einfluss von Außen agieren können (Autonomie), • über eine Sprache verfügen, mittels derer sie mit anderen Agenten oder mit der Außenwelt kommunizieren können (soziale Fähigkeiten), • auf Ereignisse und Entwicklungen reagieren können (Reaktionsfähigkeit), • durch eigene Ziele selbst die Initiative ergreifen können (Proaktivität). In der Literatur finden sich weitere Eigenschaften von Agenten, wie zum Beispiel rationales Handeln, Intelligenz, die Fähigkeit Schlussfolgerungen zu ziehen und Lernfähigkeit (vgl. Ickerott, 2007, S. 16ff.). Zunächst werden Grundlagen und die Anfänge der Modellierung auf Agentenebene in den Sozialwissenschaften aufgezeigt (Kapitel 2). Anschließend folgt eine Betrachtung von Agentensystemen in ausgewählten Bereichen der Wirtschaftswissenschaften (Kapitel 3). Bei der Auswahl der Modelle im dritten Kapitel wurden nur solche berücksichtigt, bei denen Austauschbeziehungen innerhalb des Systems, also ohne äußerliche Einwirkungen, bestehen und verändert werden (endogene Interaktionen). Durch die Modellierung von endogenen Interaktionen kann sichergestellt werden, dass neue Verbindungen zwischen den Agenten geknüpft werden und dadurch eine realitätsnähere Abbildung erreicht wird, da Beziehungen schneller erneuert werden (vgl. Vriend, 2006, S. 1049).
Excerpt (computer-generated)
Agentenbasierte Modellierung von
endogenen Interaktionen
Seminar: Objekttechnologie im FSS 2008
vorgelegt am
Lehrstuhl f¨
ur Wirtschaftsinformatik III
Universit¨
at Mannheim
von
Stefan Strunck
Studiengang: BWL
ii
Inhaltsverzeichnis
1
Einleitung
1
2
Grundlagen und Anf¨
ange der agentenbasierten Modellierung
2
2.1
Klassifizierung nach Nwana
.
2
2.2
Das Modell von Schelling .
2
2.3
Weitere Entwicklungen in den Sozialwissenschaften .
4
3
Anwendungen in den Wirtschaftswissenschaften
5
3.1
Das Gefangenendilemma .
5
3.2
Modellierung von M¨
arkten .
6
3.2.1
Aktien- und Devisenm¨
arkte .
6
3.2.2
G¨
uter- und Dienstleistungsm¨
arkte .
9
3.3
Modelle auf Unternehmensebene 14
3.3.1
Supply Chain Management 14
3.3.2
Agentensysteme auf Produktionsebene 17
4
Fazit und Ausblick
19
Literaturverzeichnis
iii
Anhang
vii
A
Abbildungen vii
B
Klassifizierung der betrachteten Modelle nach Nwana .
ix
1
1 Einleitung
Die vorliegende Arbeit vermittelt einen ¨
Uberblick ¨
uber die Anwendungsberei-
che von Modellen, die auf einem Agentensystem aufbauen. Der Schwerpunkt
der Arbeit liegt dabei auf der Darstellung der Vielseitigkeit von Agentenmodel-
len und deren Bedeutung f¨
ur die Wirtschaftswissenschaften. Es werden konkre-
te Modelle vorgestellt, um verschiedene Anwendungsm¨
oglichkeiten darzustel-
len. Mit Hilfe der betrachteten Systeme werden insbesondere die M¨
oglichkeiten
und Vorteile der Verwendung von Agentenmodellen aufgezeigt.
Der Begriff des Agenten ist nicht eindeutig definiert. Eine Verwendung findet
sich im t¨
aglichen Gebrauch wieder, mit der Bedeutung eines Beauftragten".
"
In den Wirtschaftswissenschaften wird der Begriff im Zusammenhang mit der
Principal-Agent-Theorie verwendet, wobei hier der Agent der Unterstellte ist,
der Informationen und Charaktereigenschaften zur¨
uck h¨
alt (vgl. Ickerott, 2007,
S. 12f.). Die f¨
ur diese Arbeit relevante Definition eines Agenten ist auf Woold-
ridge u. Jennings (1995) zur¨
uckzuf¨
uhren, die charakteristische Verhaltenswei-
sen eines Agenten zusammenfassen. Die vier Hauptmerkmale dabei sind, dass
Agenten:
· ohne Einfluss von Außen agieren k¨onnen (Autonomie),
· ¨
uber eine Sprache verf¨
ugen, mittels derer sie mit anderen Agenten oder
mit der Außenwelt kommunizieren k¨
onnen (soziale F¨
ahigkeiten),
· auf Ereignisse und Entwicklungen reagieren k¨onnen (Reaktionsf¨ahigkeit),
· durch eigene Ziele selbst die Initiative ergreifen k¨onnen (Proaktivit¨at).
In der Literatur finden sich weitere Eigenschaften von Agenten, wie zum Bei-
spiel rationales Handeln, Intelligenz, die F¨
ahigkeit Schlussfolgerungen zu zie-
hen und Lernf¨
ahigkeit (vgl. Ickerott, 2007, S. 16ff.).
Zun¨
achst werden Grundlagen und die Anf¨
ange der Modellierung auf Agenten-
ebene in den Sozialwissenschaften aufgezeigt (Kapitel 2). Anschließend folgt
eine Betrachtung von Agentensystemen in ausgew¨
ahlten Bereichen der Wirt-
schaftswissenschaften (Kapitel 3). Bei der Auswahl der Modelle im dritten Ka-
pitel wurden nur solche ber¨
ucksichtigt, bei denen Austauschbeziehungen inner-
halb des Systems, also ohne ¨
außerliche Einwirkungen, bestehen und ver¨
andert
werden (endogene Interaktionen). Durch die Modellierung von endogenen In-
teraktionen kann sichergestellt werden, dass neue Verbindungen zwischen den
Agenten gekn¨
upft werden und dadurch eine realit¨
atsn¨
ahere Abbildung erreicht
wird, da Beziehungen schneller erneuert werden (vgl. Vriend, 2006, S. 1049).
2
2 Grundlagen und Anf¨
ange der
agentenbasierten Modellierung
2.1 Klassifizierung nach Nwana
Bei der Klassifizierung nach Nwana (1996) werden die verschiedenen Agenten
identifiziert, indem sie auf die Existenz der oben genannten Hauptmerkmale
hin untersucht werden. Dabei werden die Autonomie und die Proaktivit¨
at in
einem Kriterium zusammengefasst.
Gem¨
aß Abbildung A1 existieren durch die Kombination der Merkmale vier
Agentenklassen. Eine erste vereint die Autonomie mit der F¨
ahigkeit mit an-
deren Agenten in Kontakt zu treten ( Collaborative Agents"). Eine weitere
"
Klasse bilden die Interface Agents", sie agieren autonom und sind lernf¨
ahig.
"
Des Weiteren kann ein Typus identifiziert werden, der in einer beliebigen Form
mit seiner Umwelt kommunizieren kann und gleichzeitig Lernf¨
ahigkeiten be-
sitzt ( Collaborative Learning Agents"). Die letzte Klasse vereint alle drei
"
F¨
ahigkeiten und Merkmale und wird daher als Smart Agent" bezeichnet (vgl.
"
Nwana, 1996, S. 209f.). Im Folgenden wird bei den vorgestellten Modellen diese
Klassifizierung angewendet, um unter anderem R¨
uckschl¨
usse auf die Komple-
xit¨
at des jeweiligen Systems ziehen zu k¨
onnen.
Da in der vorliegenden Arbeit bewusst nur Modelle gew¨
ahlt wurden, die en-
dogene Interaktionen modellieren, wird das Kriterium der Kontaktf¨
ahigkeit
immer erf¨
ullt sein.
2.2 Das Modell von Schelling
Die Anf¨
ange der agentenbasierten Modellierung sind auf die Sozialwissenschaf-
ten zur¨
uckzuf¨
uhren. Schelling (1971, S. 143ff.) war einer der Ersten, der sich
mit der Modellierung von Agenten, deren Verhalten und den daraus entste-
henden Gleichgewichten besch¨
aftigte. Er entwickelte ein Modell, mit dem man
eine Entmischung/Segregation von Individuen in einem Wohngebiet abbilden
kann.
Dabei nahm er an, dass zwei verschiedene Gruppen von Individuen existieren.
Die betrachteten Personen streben an, zufrieden zu sein, wobei es kein Maß der
Zufriedenheit gibt, sondern nur die beiden Zust¨
ande ist zufrieden" und ist
"
"
2.2 Das Modell von Schelling
3
nicht zufrieden". Ein Individuum ist dann zufrieden, wenn in seiner Nachbar-
schaft ein bestimmter Anteil derselben Gruppe angeh¨
ort wie es selbst. Unter
Nachbarschaft wird eine spezifizierte Anzahl von angrenzenden Personen ver-
standen (vgl. Schelling, 1971, S. 149).
In einer ersten Version reihte Schelling die Individuen in einer Linie an, wobei
er zweierlei M¨
unzen verwendete, die die beiden Typen darstellten (vgl. Schel-
ling, 2006, S. 249).
Die Nachbarschaft wird hier durch die Anzahl k der n¨
achsten Nachbarn auf
einer Seite verstanden, so dass jedes Individuum, welches sich fern des Randes
der Reihe befindet, 2k Nachbarn hat. Die Zufriedenheit der Person kann dann
gegeben sein, wenn zum Beispiel mindestens 50% der Nachbarschaft derselben
Gruppe angeh¨
oren.
Das Modell ist in Abbildung A2 beispielhaft aufgebaut. Die unzufriedenen In-
dividuen werden in jeder Runde identifiziert und aufgelistet. In der Reihenfolge
von links nach rechts ziehen diese dann zu der n¨
achstgelegenen Stelle zwischen
zwei Elementen, an der sie zufrieden sind. Eine Runde ist beendet, wenn jeder
gelistete Agent einmal umgezogen ist. Der Umzug wirkt sich allerdings auf die
alte und die neue Nachbarschaft aus. Zum einen wird durch den Wegzug einer
Person das Verh¨
altnis in der alten Nachbarschaft ver¨
andert, so dass zufriedene
Individuen des gleichen Typs unzufrieden werden k¨
onnen. Zum anderen wird
durch den Zuzug das Verh¨
altnis in der neuen Nachbarschaft ver¨
andert, so dass
Individuen des anderen Typs unzufrieden werden k¨
onnen. Solange unzufriede-
ne Agenten existieren, wird eine neue Runde initiiert, der Prozess endet, wenn
alle Personen zufrieden sind.
Da dieses Modell durch seine eine Dimension wenig der Realit¨
at entspricht,
erweiterte Schelling das Modell zu einem zweidimensionalen Raster. Zufrieden-
heit ist wie bei dem eindimensionalen Modell definiert. Jedoch k¨
onnen zwischen
den einzelnen Elementen Leerr¨
aume existieren. Dies ist n¨
otig, damit ein unzu-
friedenes Individuum ¨
uberhaupt umziehen kann und keine Regelung bez¨
uglich
einer Verdr¨
angung getroffen werden muss (vgl. Schelling, 1971, S. 154).
Diese einfachen Modelle zeigen auf, wie Agentensysteme funktionieren. Mit
Hilfe der Klassifizierung nach Nwana kann festgestellt werden, dass das hier be-
trachtete Modell dem Typ der Collaborative Agents zugeordnet werden kann.
Es liegt eine autonome Vorgehensweise vor, da ohne weitere Einfl¨
usse von
Außen eigene Ziele verfolgt werden. Die get¨
atigten Aktionen haben auf das
System Auswirkungen, so dass das Merkmal der sozialen Interaktion erf¨
ullt
ist. Die F¨
ahigkeit des Lernens wurde in diesem Modell noch nicht impliziert,
dies w¨
are aber vorstellbar und k¨
onnte eine Erweiterung darstellen.
2.3 Weitere Entwicklungen in den Sozialwissenschaften
4
2.3 Weitere Entwicklungen in den Sozialwissenschaften
Die Sozialwissenschaften und die agentenbasierte Modellierung betrachten bei-
de die sozialen Beziehungen zwischen Agenten. Daher finden sich in den So-
zialwissenschaften viele Anwendungen von Agentensystemen. So wurde zum
Beispiel von Epstein (2006, S. 88ff.) eine k¨
unstliche Bev¨
olkerung modelliert,
um Bev¨
olkerungsentwicklungen ¨
uber mehrere Jahre zu simulieren. Das Modell
basiert auf einer realen Siedlung der Anasazi-Kultur und versuchte das Sied-
lungsverhalten und die damit verbundene Ausbreitung abzubilden.
Ein Modell, welches allerdings auch die Lernf¨
ahigkeit der Agenten implemen-
tiert, ist zum Beispiel das Modell von Arthur (1994). Er modellierte das Verhal-
ten einer bestimmten Anzahl von Personen (Agenten), die eine Bar besuchen
m¨
ochten. Die maximale Zahl der G¨
aste, die die Bar besuchen k¨
onnen, ohne
dass eine ¨
Uberf¨
ullung eintritt, liegt jedoch unterhalb der gesamten Zahl der
Agenten. Ein Agent versucht vorherzusagen, wie viele Besucher tats¨
achlich
in der n¨
achsten Periode die Bar aufsuchen. Dabei kann er zum Beispiel einen
gewichteten Durchschnitt der letzten Perioden annehmen oder eine gleiche Be-
sucherzahl wie in der Vorperiode (vgl. Arthur, 1994, S.409). Die verschiedenen
Strategien werden bewertet, indem deren jeweilige Genauigkeit im Nachhin-
ein ¨
uberpr¨
uft wird. Die Vorhersage mit der h¨
ochsten Genauigkeit wird in der
n¨
achsten Periode angewendet. Dieses Modell entwickelt somit Smart Agents,
da die Agenten alle Eigenschaften nach Nwana (Autonomie, Interaktionen,
Lernf¨
ahigkeit) aufweisen.
Der ¨
Ubergang von den Sozialwissenschaften als Herkunft der Agentenmodel-
lierung zu den Wirtschaftswissenschaften ist fließend, wie man an dem Modell
von Epstein u. Axtell (1996) erkennen kann. Der Kern des Modells ist die Un-
tersuchung des Verhaltens von Agenten in einer bestimmten Nachbarschaft,
basiert aber auf der Betrachtung eines G¨
uterhandels mit diesen Nachbarn.
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