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Studienarbeit, 1999, 75 Seiten
Autor: Dipl.-Ing. Alexander Schnell
Fach: Bauingenieurwesen
Details
Tags: Dokumentation, Abbruchmethoden, Abbruchobjekten
Jahr: 1999
Seiten: 75
Note: 1,4
Literaturverzeichnis: ~ 16 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-06309-8
Dateigröße: 7860 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, dem Leser einen Überblick über verschiedene Abbruchverfahren zu geben und einige davon an Beispielen aus der Praxis zu erläutern und zu dokumentieren. Die Einteilung der Abbruchverfahren in dieser Arbeit erfolgte ausschliesslich nach den Zerstörungsmechanismen. Anhand des Abbruchs der ehemaligen Milchviehanlage in Weimar konnte hauptsächlich die Demontage von Fertigteilkonstruktionen sowie der Abbruch von Behälterbauten erläutert werden. Die Vor- und Nachteile sowie die Grenzen der zwei grundlegenden Varianten des Schornsteinabbruchs (Abtragen und explosives Sprengen), wurden durch die Beispiele aus Arnstadt und den Kraftwerken bei Schwarze Pumpe verdeutlicht. Hierbei wurde auch das bei Stahlbetonschornsteinen neuartige Verfahren der Sprengfaltung vorgestellt. Der Schwerpunkt der Dokumentation lag auf dem Abbruch der Teufelstalbrücke, der als einziges der Abbruchobjekte im Rahmen dieser Arbeit von Beginn an beobachtet werden konnte. Dabei wurde deutlich, dass auch der Abbruch einer sorgfältigen Planung und Ausführung bedarf. Bei allen dokumentierten Abbruchvorgängen wurde Bauart und Umfang der abzubrechenden Objekte beschrieben und deren Einflüsse auf die Wahl der Abbruchmethode (Abbruchverlauf) bzw. der Abbruchverfahren analysiert.
Textauszug (computergeneriert)
Studienarbeit
Dokumentation zu Abbruchmethoden und Abbruchobjekten
Schwerpunkte: Wirkungsweise unterschiedlicher Abbruchmethoden
Abbruchstadien
der verschiedenen Objekte
Fotodokumentation
Bearbeiter: Alexander
Schnell
Seminargruppe:
O
Bearbeitungsdauer: 5
Wochen
Abgabetermin: 09.06.1999
2
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
4
2 Problematik der Normen und Regelwerke
5
3 Abbruchverfahren
6
3.1 Mechanische Abbruchverfahren 6
3.1.1 Abgreifen 6
3.1.2 Eindrücken 7
3.1.3 Einziehen 8
3.1.4 Einschlagen 9
3.1.5 Stemmen 10
3.1.6 Press- und Scherschneiden 14
3.1.7 Bohren und Sägen 16
3.1.8 Fräsen 18
3.2 Demontage 19
3.3 Explosive Abbruchsprengung 20
3.4 Hydraulisches und expansives Sprengen (Spalten) 23
3.5 Thermische Trennverfahren 24
4 Abbruch einer ehemaligen Milchviehanlage in Weimar
26
4.1 Beschreibung des Abbruchobjektes 26
4.2 Dokumentation der Abbrucharbeiten 29
5 Abbruch von Industrieschornsteinen
37
5.1 Mechanischer Abbruch eines Ziegelschornsteins in Arnstadt 37
5.1.1 Beschreibung des Abbruchobjektes 37
5.1.2 Dokumentation der Abbrucharbeiten 37
5.2 Sprengtechnische Niederführung mehrerer Stahlbetonschornsteine im
Altkraftwerk Schwarze Pumpe 39
5.2.1 Beschreibung der Abbruchobjekte 39
5.2.2 Dokumentation der Sprengungen 40
3
6 Abbruch der Teufelstalbrücke
44
6.1 Das Abbruchobjekt 44
6.2 Dokumentation des mechanischen Abbruchs 46
6.3 Die sprengtechnische Niederführung als Alternative 60
7 Umsetzen eines historischen Fachwerkhauses (Sonderfall)
61
8 Zusammenfassung
64
Quellenverzeichnis
65
Abbildungsverzeichnis
68
Tabellenverzeichnis
69
Anhang
70
4
1
Einleitung
Am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts gewinnt das Abbruchgewerbe zunehmend an
Bedeutung. In Deutschland hat sich in den letzten 20 Jahren das Verkehrsaufkommen
vervielfacht. Aufgrund dieser Tatsache muss das Strassen- und Autobahnnetz ständig
ausgebaut werden. Grosse Verkehrsbauwerke wie beispielsweise Brücken sind überlastet. Da
diese Bauten zwar meist für 100 Jahre projektiert wurden, aber nicht für den heutigen
Schwerlastverkehr konzipiert sind, ist der Abbruch und anschliessende Neubau oft die einzige
wirtschaftlich akzeptable Lösung.
Auch im Bereich der Schwerindustrie und Energieversorgung hinterlässt die postmoderne
Zeit ihre Spuren. Das umweltfreundlichere Erdgas oder öl hat in vielen Bereichen die mit
Kohle befeuerten Heizkraftwerke abgelöst. Alte Industrieanlagen, hauptsächlich im Osten
Deutschlands und im Ruhrgebiet, wurden und werden noch im grossen Umfang abgebrochen.
Die Nutzungsdauer vieler hauptsächlich in den letzten 70 Jahren errichteten Bauwerke, oft in
Stahlbetonbauweise, ist erreicht. Gerade in diesem Bereich der Ingenieurbauwerke und
Industriebauten werden Abbruchunternehmen daher vor neue, teils komplexe und somit
interessante Aufgaben gestellt.
Frühere Mutmassungen, der Abbruch würde nur im Rahmen einer ,,herkömmlichen"
Baufirma geschehen können, traten nicht ein. Vielmehr kristallisiert sich heute zunehmend
ein ,,Spezialgebiet Abbruch" heraus, was durch die zunehmende Tätigkeit qualifizierter
Abbruchfirmen als Subunternehmer bei grösseren Bauvorhaben nur bestätigt wird.
Diese Arbeit soll dem Leser einen Überblick über die heute am häufigsten angewandten
Abbruchverfahren im Hochbau verschaffen. Die Fotodokumentation - der Schwerpunkt der
Arbeit - umfasst den Abbruch eines ehmaligen Milchviehkomplexes in Weimar, die
sprengtechnische Niederführung mehrerer Stahlbetonschornsteine im Kraftwerk Schwarze
Pumpe, den mechanischen Abbruch eines Ziegelschornsteins in Arnstadt sowie den Abbruch
einer Stahlbetonbogenbrücke (Teufelstalbrücke, A4 am Hermsdorfer Kreuz). Die komplexe
Problematik Teufelstalbrücke führte dazu, neben der Dokumentation des erfolgten
mechanischen Abbruchs auch die explosive Sprengung als Alternativlösung in diese Arbeit
aufzunehmen. Auch der Sonderfall des Umsetzens von Gebäuden fand in Form eines kleinen
Beispiels Eingang in diese Arbeit.
Auf Abbruchverfahren im Strassenbau soll im Rahmen dieser Arbeit nicht näher eingegangen
werden.
5
2
Problematik der Normen und Regelwerke
Der Deutsche Abbruchverband e.V., dem die anerkannten deutschen Abbruchunternehmen
angehören, ist seit 1974 Herausgeber der TV Abbrucharbeiten (Technische Vorschriften für
Abbrucharbeiten). Dieses Regelwerk umfasst die meisten für den Abbruch relevanten Punkte,
von der Ausschreibung über Vergabe und Abrechnung von Abbruchleistungen bis hin zur
technischen Gliederung der einzelnen Abbruchverfahren. Das Regelwerk ,,TV
Abbrucharbeiten" wurde zuletzt 1997 überarbeitet und gilt in Deutschland als einziges
allgemein anerkanntes Regelwerk für den Stand der Abbruchtechnik. /1/
In den achtziger Jahren wurden in die Technischen Vorschriften für Abbrucharbeiten auch
Vorschriften für Bohren, Brennen und Sägen sowie Abbruchsprengungen aufgenommen. Im
Jahre 1992 wurden Abbrucharbeiten ausserdem erstmalig in den Geltungsbereich der VOB
aufgenommen, somit werden auch hier Ausschreibung und Vergabe über die VOB geregelt.
Leider bestehen aber noch immer einige Unklarheiten betreffs der Formulierung in
Ausschreibungen usw., die oft zu Streitigkeiten zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer
führen. Durch relativ gutklingende, jedoch technisch unklare Begriffe wie z.B. ,,schonender
ingenieurmässiger Abbruch" oder ,,selektiver kontrollierter Rückbau" wird nur eine vage
Zielstellung für den Verlauf des Vorhabens ausgedrückt, jedoch kein eindeutiges
Abbruchverfahren definiert. Wann ein Abbruch kontrolliert oder unkontrolliert ist, bleibt
dabei offen. Dieses Problem will das Deutsche Institut für Normung mit der neuen DIN
18007 ,,Abbrucharbeiten Begriffe, Verfahren, Anwendungsbereiche" lösen, die seit 1998
zusammen mit dem Deutschen Abbruchverband erarbeitet wird und Ende 1999 endgültig
erscheinen sollte. Trotz der dann hoffentlich klareren Begriffe sollte jedoch nach Meinung
vieler Experten die endgültige Wahl des Abbruchverfahrens dem Fachmann, also dem
Abbruchunternehmer selbst obliegen. Die Problematik der Wahl des falschen oder zumindest
ungünstigeren Abbruchverfahrens durch den
Auftraggeber
führte, gerade bei Bauvorhaben
der öffentlichen Hand, in Einzelfällen schon zu erheblichen Mehrkosten - also keineswegs zu
Einsparungen des Auftraggebers / Steuerzahlers.
Desweiteren setzt sich in den zuständigen Gremien des Deutschen Verdingungsausschusses
für Bauleistungen (DVA) zunehmend das Bild der Abbruchleistung als eigenständiges
Gewerk durch, da über eine Aufnahme von Abbrucharbeiten als ATV (Allgemeine
Technische Vertragsbedingungen) in die VOB/C schon seit längerer Zeit nachgedacht wird.
Ungeachtet dessen wird in den nächsten Jahren die DIN 18007 in Verbindung mit den TV
Abbrucharbeiten die technische Grundlage des Abbruchs in Deutschland bestimmen. /9/
6
3 Abbruchverfahren
Die nachfolgenden Abbruchverfahren sind bezüglich ihrer Wirkungsweisen bzw.
Zerstörungsmechanismen gegliedert, um eine gewisse Übersichtlichkeit zu schaffen. In der
Praxis werden diese Verfahren oft zusammen oder kombiniert angewendet, die
Dokumentation einzelner Abbruchobjekte (Abschnitt 4 ff.) soll dies später verdeutlichen.
Die Wahl der erforderlichen Abbruchverfahren wird in jedem Falle durch die drei
Einflussgrössen
Konstruktion, Baustoff und Kosten
bestimmt.
3.1 Mechanische Abbruchverfahren
3.1.1 Abgreifen
Beim Abgreifen werden Bauteile aus einem Bauwerk teilweise oder vollständig herausgelöst.
Dies erfolgt mittels hydraulischer Greifer an Trägergeräten wie z.B. Seil- oder
Hydraulikbagger, die die Bauwerksteile zangenförmig ,,greifen" und durch Abheben vom
Bauwerk lösen. Da diese Vorgehensweise eine relativ lockere Verbindung des Bauteils mit
dem Bauwerk voraussetzt, kommt dieses Verfahren hauptsächlich beim Abbruch von
Mauerwerks- und Holzkonstruktionen, aber auch bei dünnwandigen bzw. maroden
Betonbauten zur Anwendung.
Typ
VRG
30
Einsatzgewicht [kg]
1840
Schaleninhalt [l]
800
max. Schliesskraft
[kN] 58,8
Abmessungen
B [mm]
2030
D [mm]
1505
H1 [mm]
1840
H2 [mm]
1710
W [mm]
1115
Bagger Gewichtsklasse
[t] 15...25
Abb. 1 / Tabelle 1: Abbruch-So
rtiergreifer der VRG-Serie /8/
In der Tabelle 1 sind als Beispiel die technischen Daten eines oft angewendeten Anbaugerätes
aufgeführt. Neben dem Abgreifen von Bauwerksteilen können mittels solcher Greifer auch
Sortierarbeiten an der Abbruchstelle durchgeführt werden. Altmaterial kann somit direkt beim
Abbruch grob getrennt werden, was die Entsorgung natürlich erleichtert.
Abbildung 2 zeigt das Abgreifen einer Hallenwand mittels eines solchen Anbaugerätes. Als
Trägergerät dient hier ein Hydraulikkettenbagger mit einem Einsatzgewicht von ca. 23 t und
einer maximalen Reichweite von 9,8 m.
7
Abb. 2: Abgreifen einer Hallenwand [I]
Durch den schrittweisen Abbruch von oben nach unten können gefährliche Zwischenzustände
für das abzubrechende Bauwerk i.d.R. vermieden werden. Das Aufstellen von Gerüsten ist
nicht erforderlich, die Arbeitshöhe der Bagger jedoch begrenzt. Das Abgreifen ist also ein
relativ kostengünstiges und schnelles Abbruchverfahren, bringt aber einen hohen
Geräteverschleiss (Zähne, Baggerdrehkränze) mit sich und kann nur für spezielle Bauweisen
erfolgen (Wanddicke, Höhe usw. begrenzt). Auch Teilabbrüche sind mit diesem Verfahren
realisierbar. /1/ /5/
3.1.2 Eindrücken
Beim Eindrücken werden Bauwerke oder Bauwerksteile mittels mechanisch oder hydraulisch
geführter ,,Druckwerkzeuge" zum Einsturz gebracht. Wie das Abgreifen wird auch dieses
Verfahren hauptsächlich zum Abbruch von Mauerwerkskonstruktionen eingesetzt.
Abb. 3: schematische Darstellung: Eindrücken /5/
8
Die Kosten sind auch hier verhältnismässig gering, die Einsatzmöglichkeiten jedoch noch
stärker beschränkt als beim Abgreifen. Vor allem die Tatsache, dass bei diesem Verfahren die
Bauwerksteile zwangsläufig nach Innen fallen und damit meist die Deckenkonstruktionen zu
stark belastet werden, kann zum unkontrollierten Einsturz des Bauwerks und Arbeitsunfällen
führen.
Auf jeden Fall ist darauf zu achten, dass der Stossarm des Baggers nicht mehr als 60 cm
unterhalb der oberen Wandkrone angesetzt wird (Abbildung 3).
Teilabbrüche sind nicht möglich (Einsturz nach innen). Alternativen sind das Einschlagen
oder besser das Einziehen. /1/ /5/
3.1.3 Einziehen
Unter Einziehen (Einreissen) versteht man das Umlegen von Bauwerken oder Bauwerksteilen
durch Seilzüge (Seilwinde oder an Zuggeräten befestigt) oder durch Hydraulikbagger mit
geeigneten Abbruchauslegern (Abbildung 4).
Abb. 4: Einziehen von Wandelementen durch Hydraulikbagger [I]
Das Einziehen mit Abbruchauslegern hat den Vorteil, dass das Abbruchobjekt
nicht
betreten
(zum Anschlagen der Seile) werden muss. Erfolgt das Einziehen mit Seilen (Abbildung 5), so
kann weiterhin zwischen drei Methoden unterschieden werden:
1. Einziehen ganzer Bauwerksteile oder des gesamten Bauwerks
2.
Einschnüren
mehrerer
Geschosse
3.
Knicken
von
Stützen
und
Wänden
/5/
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