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Nova mentes docet fames - Verhalten und Einstellungen gegenüber genmanipulierten Lebensmitteln in Abhängigkeit vom Deprivationszustand

Diplomarbeit, 2008, 124 Seiten
Autor: Daniel Jäger
Fach: Psychologie - Kognitive Psychologie

Details

Kategorie: Diplomarbeit
Jahr: 2008
Seiten: 124
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 105  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V93489
ISBN (E-Book): 978-3-638-06325-8
ISBN (Buch): 978-3-638-95534-8
Dateigröße: 983 KB

Zusammenfassung / Abstract

Die vorliegende empirische Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema, wie genmanipulierte Lebensmittel im reflektiven System und auf Ebene der automatischen Informationsverarbeitung bewertet werden. Zusätzlich war von Interesse, ob Personen tatsächlich bereit sind, Genfood essen würden und wie viel sie davon konsumieren. Sowohl die Einstellungen als auch das beobachtete Verhalten wurden zusätzlich unter dem Einfluss des subjektiv erlebten Hungers untersucht und anhand des Reflective-Impulsive-Models (Strack & Deutsch, 2004) erörtert. Es konnte gezeigt werden, dass ungeachtet des Hungerzustandes sowohl die automatischen als auch die expliziten Bewertungen gegenüber Genfood negativer ausfallen, als für Ökofood. Kontra-intuitiv differenzierten hungrige Personen stärker zwischen Gen- und Öko-food, wohingegen satte Probanden diese Unterscheidung nicht vornahmen. Ein nahrungsaufwertender Effekt des Deprivationszustandes, wie er exemplarisch von Hoefling & Strack (2007) im Kontext der Emotion Ekel berichtet wurde, konnte lediglich auf expliziter Ebene als deskriptive Tendenz ermittelt werden. Trotz der negativen Einstellungen gegenüber Genfood lehnte nur eine Person den Konsum des angeblichen Gen-Apfels ab. Unabhängig vom Hungerzustand präferierten die Teilnehmer den Bioapfel mehr, wohingegen hungrige Testpersonen deutlich mehr vom Gen-Apfel gegessen haben, als es vergleichsweise die satten Probanden taten. Auf Verhaltensebene konnte demzufolge ein aufwertender Einfluss der Deprivation auf Genfood bestätigt werden. Die Studie stellt einen umfassenden Versuch dar, erstmalig Einstellungen und Verhalten gegenüber Genfood unter Berücksichtigung homöstatischer Dysregulation experimentell zu erfassen. Ferner werden die gesammelten Erkenntnisse mit bisherigen Literaturbefunden in Beziehung gesetzt und in das „Reflective-Impulsive-Model“ übertragen.


Textauszug (computergeneriert)

Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Diplomarbeit im Fach

Soziale Kognition und Kommunikation

am Lehrstuhl für Psychologie II

,,nova mentes docet fames"

Verhalten und Einstellungen gegenüber

genmanipulierten Lebensmitteln in

Abhängigkeit vom Deprivationszustand

Autor: Daniel

Jäger

vorgelegt im WS 2007/2008


Danksagung

2

Danksagung

Mein besonderer Dank gilt Dipl.-Psych. Atilla Höfling. Seine kompetente und

freundschaftliche Betreuung während der gesamten Diplomarbeit haben mich stets dazu

motiviert, dieses Projekt mit all meinen Kräften in die Tat umzusetzen. Ich habe auch durch

Atilla in dieser Zeit eine große Freude am wissenschaftlichen Arbeiten gefunden. Danke!

Weiterhin möchte ich mich bei meinem engsten Freund und Vertrauten aus Würzburg, Dipl.-

Psych. Philippe T. Pereira, bedanken. Er hat mir nicht nur zahlreiche Tipps und fachliche

Ratschläge bei kniffeligen Problemen erteilt, sondern mich ebenso herzlich bei sich zu Hause

aufgenommen, wenn ich tagelang am Institut in Würzburg arbeiten musste.

Der größte Dank geht jedoch an den wichtigsten Menschen in meinem Leben: Julia. Sie hat

mir stets ihre ganze Liebe gegeben, großes Verständnis für mich gehabt und jederzeit sehr viel

Interesse an meiner Arbeit gezeigt. Dank ihrer mentalen Stärke und menschlichen Güte

empfand ich all die Strapazen der Abschlussphase als weitaus weniger belastend. Ich danke

Dir von ganzem Herzen für alles, was Du für mich getan hast.

Zum Schluss möchte ich meinen Eltern und meinem Bruder meine tiefe Anerkennung

aussprechen. Auch wenn mir das Studium nicht immer leicht gefallen ist, so habt ihr immer

an mich geglaubt und mir sehr geholfen. Deshalb widme ich diese Arbeit Euch, meiner

Familie.

Berlin, den 05.03.2008

Daniel


Abstract

3

Abstract

Die vorliegende empirische Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema, wie genmanipulierte Le-

bensmittel im reflektiven System und auf Ebene der automatischen Informationsverarbeitung

bewertet werden. Zusätzlich war von Interesse, ob Personen tatsächlich bereit sind, Genfood

essen würden und wie viel sie davon konsumieren. Sowohl die Einstellungen als auch das

beobachtete Verhalten wurden zusätzlich unter dem Einfluss des subjektiv erlebten Hungers

untersucht und anhand des Reflective-Impulsive-Models (Strack & Deutsch, 2004) erörtert.

Zu diesem Zweck mussten 27 satte Personen und 32 deprivierte Probanden eine an-

gebliche Reaktionszeitaufgabe (

,,single-target-IAT"

; Wigboldus, 2004; sc-IAT, Karpinski &

Steinman, 2006) mit Bildern von Obst und Gemüse absolvieren, welche ihnen entweder als

,,genmanipuliert" oder aus ,,natürlich-ökologischem Anbau" vorgestellt wurden. Im Anschluss

sollten die Teilnehmer die Bilder nach ihrer Appetitlichkeit bewerten und angeben, wie gerne

sie diese Früchte gerne essen würden. Darüber hinaus galt es, einen freiwilligen Geschmacks-

test mit einem Apfel durchzuführen, welcher entweder als ,,Gen-Apfel" oder als ,,Bio-Apfel"

deklariert war.

Es konnte gezeigt werden, dass ungeachtet des Hungerzustandes sowohl die automa-

tischen als auch die expliziten Bewertungen gegenüber Genfood negativer ausfallen, als für

Ökofood. Kontra-intuitiv differenzierten hungrige Personen stärker zwischen Gen- und Öko-

food, wohingegen satte Probanden diese Unterscheidung nicht vornahmen. Ein nahrungs-

aufwertender Effekt des Deprivationszustandes, wie er exemplarisch von Hoefling & Strack

(2007) im Kontext der Emotion Ekel berichtet wurde, konnte lediglich auf expliziter Ebene

als deskriptive Tendenz ermittelt werden. Trotz der negativen Einstellungen gegenüber

Genfood lehnte nur eine Person den Konsum des angeblichen Gen-Apfels ab. Unabhängig

vom Hungerzustand präferierten die Teilnehmer den Bioapfel mehr, wohingegen hungrige

Testpersonen deutlich mehr vom Gen-Apfel gegessen haben, als es vergleichsweise die satten

Probanden taten. Auf Verhaltensebene konnte demzufolge ein aufwertender Einfluss der

Deprivation auf Genfood bestätigt werden.

Die Studie stellt einen umfassenden Versuch dar, erstmalig Einstellungen und Verhalten

gegenüber Genfood unter Berücksichtigung homöstatischer Dysregulation experimentell zu

erfassen. Ferner werden die gesammelten Erkenntnisse mit bisherigen Literaturbefunden in

Beziehung gesetzt und in das ,,Reflective-Impulsive-Model" übertragen.

.


Inhaltsverzeichnis 4

Inhaltsverzeichnis

1

Theorie 7

1.1

Einleitung 7

1.2

Gentechnik: Begriffe, Definitionen und Anwendungen 10

1.3

Bisheriger Stand der psychologischen Forschung zu Genfood 11

1.3.1 Moderierende Variablen auf die Einstellungen gegenüber Genfood 12

1.3.2 Akzeptanz und habituelle Ablehnung von Genfood 13

1.3.3 Implizite Einstellungen gegenüber Genfood 17

1.4

Implizite und explizite Einstellungen gegenüber Genfood aus
Perspektive des RIMs (Strack & Deutsch, 2004) 19

1.4.1 Überblick über das RIM (Strack & Deutsch, 2004) 20

1.4.2 Erklärungsansatz zur Dissoziation zwischen impulsivem und

reflektivem System gegenüber Genfood 21

1.5

Modulation der Ekel- und Ablehnungsreaktionen gegenüber Genfood
durch Nahrungsdeprivation 24

1.6

Hypothesen 26

2

Methoden 29

2.1

Versuchspersonen 29

2.2

Versuchsaufbau 30

2.3

Versuchsdesign 30

2.4

Versuchsablauf 31

2.5

Unabhängige Variablen 33

2.5.1 Manipulation der Variable "Deprivation" 33

2.5.2 Manipulation der Variable "Bezeichnung" 34

2.6

Abhängige Variablen 37

2.6.1 Implizite Einstellungen 37

2.6.2 Explizite Einstellungen 40

2.6.3 Essverhalten 42

2.7

Kontrollvariablen 42

2.7.1 Variable Stimmung 42

2.7.2 Erfassung der Akzeptanz und habituellen Ablehnung von Genfood 43


Inhaltsverzeichnis 5

3

Ergebnisse 45

3.1

Analysestichprobe 45

3.2

Vorbereitende Analysen 47

3.3

Überprüfung der Manipulationen 49

3.4

Ergebnisse zu den impliziten Einstellungen 50

3.4.1 Datenaggregation 50

3.4.2 Einfluss von Bezeichnung und Deprivation auf implizite Einstellungen 52

3.5

Ergebnisse zu den expliziten Einstellungen 55

3.5.1 Bewertung der Appetitlichkeit von Genfood vs. Ökofood 56

3.5.2 Bewertung der Konsumtendenz von Genfood vs. Ökofood 57

3.6

Zusammenhang zwischen impliziten und expliziten Einstellungen 58

3.7

Ergebnisse zum Verhaltensmaß 60

3.7.1 Gegessene Menge in Abhängigkeit von Deprivation & Bezeichnung 60

3.7.2 Vorhersage des Essverhaltens 61

3.8

Zusammenfassung der Ergebnisse 65

4

Diskussion und Fazit 67

4.1

Fazit 78

5

Literaturverzeichnis 80

6

Anhang 91

6.1

Bildmaterial & Wortlisten 91

6.2

Instruktionen 96

6.2.1 Startinstruktion 96

6.2.2 st-IAT Instruktion im Kontext ,,Öko" in Reihenfolge ,,Öko st-IAT zuerst" 96

6.2.3 Explizite Bewertungsinstruktion im Kontext ,,Öko" in Reihenfolge ,,Öko

st-IAT zuerst" 97

6.2.4 st-IAT Instruktionen im Kontext ,,Gen" in Reihenfolge ,,Öko st-IAT

zuerst" 98


Inhaltsverzeichnis 6

6.2.5 Explizite Bewertungsinstruktion im Kontext ,,Gen" in Reihenfolge ,,Öko

st-IAT zuerst" 99

6.2.6 st-IAT Instruktionen im Kontext ,,Gen" in Reihenfolge ,,Gen st-IAT

zuerst" 100

6.2.7 Explizite Bewertungsinstruktion im Kontext ,,Gen" in Reihenfolge ,,Gen

st-IAT zuerst" 101

6.2.8 st-IAT Instruktionen im Kontext ,,Öko" in Reihenfolge ,,Gen st-IAT

zuerst" 101

6.2.9 Explizite Bewertungsinstruktion im Kontext ,,Öko" in Reihenfolge ,,Gen

st-IAT zuerst" 102

6.2.10 Konsumpräferenz-Instruktion im Kontext ,,Gen" 103

6.2.11 Konsumpräferenz-Instruktion im Kontext ,,Öko" 103

6.3

Fragebögen 104

6.3.1 Inventar zur fingierten Konsumpräferenzstudie im Kontext ,,Öko" 104

6.3.2 Inventar zur fingierten Konsumpräferenzstudie im Kontext ,,Gen" 108

6.3.3 Kontrollfragebogen 112

6.3.4 Formale Daten 118

6.3.5 Offene ,,suspicious" Fragen 120

6.3.6 Samples zur Selektion ,,verdächtiger" Versuchspersonen 120

6.4

Übersicht über alle methodischen Bedingungen 123


1.1 Einleitung

7

1 Theorie

1.1 Einleitung

Mitte der 90er Jahre begannen die USA als erste Nation mit dem großflächigen Anbau von

gentechnisch verändertem Mais und Soja und zögerten nicht, dessen Weiterverarbeitung zu

bzw. in anderen Lebensmitteln zuzulassen. Aus Sicht der produzierenden Industrie liegt der

Nutzen gentechnischer Manipulation in der Lösung der globalen Ernährungsfrage und in einer

effizient-umweltschonenden Agrarökonomie. Sie genießt jedoch auf Seiten der Verbraucher-

schützer und Konsumenten eine weitaus geringere Akzeptanz (Gaskell, Allum, Bauer, Durant,

Allansdottir, Bonfadelli, Boy, de Cheveigné, Fjaestad, Gutteling, Hampel, Jelsoe, Correia

Jesuino, Kohring, Kronberger, Midden, Hviid Nielsen, Przestalski, Rusanen, Skellaris,

Torgersen, Twardowski & Wagner, 2000; Gaskell, Allum & Stares, 2003; Gaskell, Allum,

Wagner, Kroneberger, Torgersen, Hampel & Bardes, 2004; Grose, 2000; INRA, 2000). So

löst das Thema Genfood beim Verbraucher vor allem große Ablehnung, Besorgnis und

Zweifel aus (Slovic, 2000; Gaskell et al., 2004; Haukenes, 2004; Townsend & Campbell,

2004; Siegrist, 2003, Gregory, Flynn & Slovic, 2001; Frewer, Miles & Marsh, 2002; Vilella-

Vila & Costa-Font, 2005; Laros & Steenkamp, 2004; Ferguson, Farrell, Lowe & James, 2001;

Subrahmanyan & Cheng, 2000; Vilella-Vila, Costa-Font & Mossialos, 2005; Tenbült, de

Vries, Dreezens & Martijn, 2005; Verdurme & Viaene, 2003; Townsend, Clark & Travis,

2004).

Bislang existieren in der Literatur jedoch keine Studien, welche sowohl die expliziten

als auch automatischen (impliziten, vgl. dazu Kapitel 1.4) Bewertungen gegenüber Genfood

gleichermaßen behandeln und zusätzlich in Beziehung zu tatsächlichem Essverhalten setzen.

Bisherige Untersuchungen geben jedoch Anlass zu der Annahme, dass das Essverhalten auch

von impliziten und expliziten Einstellungen abhängen sollte (Hofmann, Rauch & Gawronski,

2007, Friese, Hofmann & Wänke, 2007). Beispielsweise konnte bereits gezeigt werden, dass


1.1 Einleitung

8

der Konsum von Süßigkeiten maßgeblich durch die Standards für gezügeltes Essverhalten

vorhergesagt werden kann, insofern genügend Ressourcen für die Selbstregulation vorhanden

sind. Fallen diese Ressourcen hingegen niedriger aus, prädiktieren die impliziten

Einstellungen gegenüber Süßigkeiten ebenfalls das Konsumverhalten (Hofmann et al., 2007).

Zum Thema Genfood existiert lediglich eine einzige Untersuchung, welche auf die

automatische Ebene der Informationsverarbeitung abzielt. Interessanter Weise wurden trotz

der eingangs erwähnten Ablehnung von Genfood deutlich positive implizite Einstellungen

gegenüber genetisch veränderten Lebensmitteln gefunden (Spence & Townsend, 2006).

Aus diesem kontra-intuitiven Befund lassen sich zahlreiche interessante Frage-

stellungen ableiten, z.B. Warum lässt sich in der Bewertung von Genfood eine Diskrepanz

zwischen expliziter und automatischer Informationsverarbeitung beobachten? Ist eventuell

nur ein ungeeignetes Verfahren für die Erfassung der automatischen Informationsverarbeitung

bei Spence und Townsend (2006) angewendet worden? Welche Rolle spielt das äußere

Erscheinungsbild (unmittelbarer visueller Input) von genetisch veränderten Produkten? Gene-

tisch manipulierte Lebensmittel sehen, allgemein formuliert, äußerst attraktiv und sauber aus

und verfügen somit über ein hohes optisches Anreizpotential. Andererseits steht Genfood

auch mit Emotionen wie Angst und Ekel in Zusammenhang (Townsend & Campbell, 2004;

Laros & Steenkamp, 2004). Vor allem spielt in diesem Kontext die besorgniserregende

Herkunft der Lebensmittel sowie die Ungewissheit über potentielle Kontaminierung mit

toxischen Substraten eine Rolle. Welche Denk- und Schlussfolgerungsprozesse sind dafür

ausschlaggebend, dass Genfood mit einer solchen ablehnenden Haltung einhergeht? Es ist zu

vermuten, dass in Anlehnung an das

,,Reflektive-Impulsive-Model"

(Strack & Deutsch, 2004)

eine deutliche Diskrepanz zwischen dem impulsivem System als auch dem reflektivem

System auftreten könnte. Weiterhin stellt sich die Frage, ob sich eine solche Dissonanz

zwischen implizitem und explizitem Maß eventuell empirisch belegen lässt?


1.1 Einleitung

9

Das Thema wird darüber hinaus inhaltlich um den Einfluss akuter Nahrungs-

deprivation auf die Einschätzung bzw. den Verzehr von Genfood erweitert. In der Literatur

finden sich bereits Belege dafür, dass beispielsweise der subjektiv erlebte Hungerzustand

einen unmittelbar positiven Einfluss auf die wahrgenommene Valenz von Essenreizen ausübt.

So konnte gezeigt werden, dass Nahrungsdeprivation sowohl mit positiveren impliziten

Einstellungen gegenüber essensrelevanten Stimuli einhergeht (Hoefling & Strack, 2007;

Seibt, Häfner & Deutsch, 2007) als auch automatische Annäherungsreaktionen verstärkt

(Seibt et al., 2007). Der Titel und das Thema dieser Arbeit orientieren sich speziell an dieser

Befundlage (

,,nova mentes docet fames"

­ Neue Einstellungen lehrt der Hunger.). Abschlie-

ßend stellt sich die Frage, ob sich anhand der impliziten und expliziten Einstellungen gegen-

über Genfood unter Umständen tatsächliches Essverhalten bezüglich genetisch manipulierter

Nahrung in Verbindung bringen lässt.

Auf der Basis des sozialpsychologischen Zwei-System Modells (

,,Reflective-

Impulsive-Model"

; Strack & Deutsch, 2004) wird in der vorliegenden Arbeit versucht, erste

experimentelle Daten zu den genannten Fragestellungen zu liefern. Da bis zum heutigen Tage

keine Untersuchung vorliegt, welche diese zentralen Punkte unter Berücksichtigung des

Faktors Deprivation miteinander kombiniert, setzt sich diese Studie folgende zentrale Ziele:

Die impliziten Einstellungen gegenüber Genfood werden anhand eines anderen

Messverfahrens erhoben (

,,single-target Implicit-Association Test"

, Wigboldus, 2004).

Darüber hinaus werden die expliziten Einstellungen gegenüber Genfood auf mehreren Di-

mensionen (objektiv vs. subjektiv) erfasst. Es wird überprüft, ob sich eine Diskrepanz

zwischen diesen beiden Modi der Informationsverarbeitung gegenüber Genfood belegen lässt.

Zusätzlich soll ein reales Essverhalten gegenüber genmanipulierter Nahrung gemessen

werden und einem Vergleich zu den gezeigten Einstellungen unterzogen werden. Schluss-

endlich werden all jene Ziele gleichermaßen unter dem Einfluss des subjektiven Hunger-

zustandes untersucht.


1.2 Gentechnik: Begriffe, Definitionen und Anwendungen

10

Die vorliegende Studie stellt somit einen ersten wichtigen Beitrag zur Erforschung von

reflektiven bzw. impulsiven Bewertungen und dem Konsumentenverhalten im Zusammen-

hang mit Genfood dar.

1.2 Gentechnik: Begriffe, Definitionen und Anwendungen

Nach Hautvast & van de Wiel (2001) versteht man unter genetischer Modifikation

,,[..] ein

technisches Verfahren, bei welchem Teile des Erbmaterials eines Organismus künstlich in die

Gene eines anderen Organismus übertragen werden, um dessen phänotypische Eigenschaften

zu verbessern."

(englische Übersetzung aus Dreezens, Martijn, Tenbült, Kok & de Vries,

2005, Seite 116). Lebende Systeme, welche aus der künstlichen genetischen Modifikation

hervorgehen, werden unter dem Begriff ,,genetisch veränderte Organismen" (GVO, eng.

GMO

) bzw. ,,transgene Organismen" zusammengefasst. In wissenschaftlichen Arbeiten im

Bereich der Psychologie wird jedoch weitestgehend die Abkürzung GMF (

,,genetically

modified food"

) synonym für Genfood bzw. GMO verwendet. Dementsprechend wird diese

Abkürzung für die weiteren Ausführungen eingesetzt.

Die Bezeichnung GMF geht aus der so genannten grünen Gentechnik hervor, welche

all diejenigen technischen Verfahren umfasst, die in der Landwirtschaft bzw. Lebensmittel-

industrie eingesetzt werden. Ausgewählte, hoch entwickelte Kulturpflanzen werden genetisch

derart modifiziert, dass sie entweder in erhöhtem Maße Eiweiße, Kohlenhydrate und andere

Nährstoffe bilden oder verschieden Resistenzen gegen Insekten, Pilze, Unkraut o.ä.

entwickeln (Falk, Chassy, Harlander, Hoban, McGloughlin & Akhlaghi, 2002). Durch den

Einsatz der grünen Gentechnik sollen agronomisch wünschenswerte Ergebnisse, wie Pro-

duktivitätssteigerungen oder Reduktionen der Umweltbeeinträchtigungen, erzielt werden.

Gentechnisch veränderte Kulturpflanzen wie Mais, Raps, Soja oder Baumwolle können bei-

spielsweise durch ein von ihnen produziertes Enzym spezielle Unkräuter unschädlich machen

(DFG, 2001). Dadurch sollen Unkrautvernichtungsmittel gezielter angewendet und somit ihr



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