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Diploma Thesis, 2008, 95 Pages
Author: Diplom-Ingenieur Bernd Müller
Subject: Environmental Sciences
Details
Tags: Schaffung, Kohlenstoffsenken, Landschaftsnutzungsänderungen, Brandenburg
Year: 2008
Pages: 95
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 98 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-06328-9
ISBN (Book): 978-3-638-95037-4
File size: 1739 KB
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Abstract
Die Veränderung des Weltklimas ist keine reine akademische Angelegenheit mehr; sie ist spürbar und nachweisbar. Die Menschheit ist aufgefordert, Wege und Mittel zu finden, eine weitere Veränderung zu verhindern oder aber sich auf die veränderten Verhältnisse einzustellen und sich mit ihnen zu arrangieren. Eine Strategie besteht darin, neben der Verringerung des Energieverbrauchs und der damit verbundenen Verringerung des Kohlendioxid-Ausstoßes, zunehmend Kohlenstoff in Senken festzulegen. Durch die veränderte Nutzung der Landschaften, wird ein Senkenpotenzial erschaffen, daß bisher kaum in der Gesamtheit berechnet wurde. Eine forcierte Änderung der Nutzung setzt die Bereitschaft der Eigentümer voraus, diese Änderungen vorzunehmen. Will die Politik ihr Ziel erreichen, muß sie den Bauern usw. Möglichkeiten zeigen, wie sie ihren Lebensunterhalt im Einklang mit den neuen Zielsetzungen verdienen können. Diese Arbeit zeigt verschiedene Nutzungsmöglichkeiten auf und untersucht sie.
Excerpt (computer-generated)
1
TABELLENVERZEICHNIS 2
2
ABBILDUNGSVERZEICHNIS 3
3
VORWORT 4
4
EINLEITUNG 8
4.1
KOHLENSTOFFSENKEN IM KYOTO-PROTOKOLL 8
4.2
KOHLENSTOFFSENKEN IM GLOBALEN MAßSTAB 11
4.3
KOHLENSTOFFFLÜSSE 14
5
VERÄNDERUNG VON QUELLEN UND SENKEN DURCH MENSCHLICHE TÄTIGKEITEN 18
5.1
LANDNUTZUNGSÄNDERUNGEN 18
5.1.1
Umwandlung von Primärwäldern in Sekundär- oder bewirtschaftete Wälder 18
5.1.2
Degradation 19
5.1.3
Umwandlung von Wald in Weide oder Grasland 20
5.1.4
Umwandlung von Wald in Acker 20
5.1.5
Umwandlung von Grasland in Acker 21
5.1.7
Umwandlung von Feuchtgebieten 22
5.1.8
Umwandlung von Grasland und Acker in Wald 23
5.1.9
Forstmanagement 24
5.2
INDIREKTE MENSCHLICHE EINFLÜSSE 26
5.3
BEDEUTUNG FÜR BRANDENBURG 27
6
MOORE IN BRANDENBURG 29
6.1
FUNKTION DER MOORE 29
6.2
GESCHICHTE DER ENTWÄSSERUNG 31
6.3
FOLGEN DER MOORENTWÄSSERUNG 33
6.4
ZUKÜNFTIGE UND UMWELTGERECHTE MOORNUTZUNG 36
6.5
VERWERTUNG DER BIOMASSE VON NIEDERUNGSSTANDORTEN 40
6.5.1
Moorschonende Nutzung 41
6.5.2
Abschöpfung der Biomasse 42
6.5.3
Kultivierung von Torfmoosen 45
6.5.4
Nutzungsmöglichkeiten von Schilf 48
6.5.5
Erlenanbau 53
7
FORSTWIRTSCHAFTLICHE MAßNAHMEN 57
7.1
KURZUMTRIEBSPLANTAGEN 57
7.1.1
Rechtliche Rahmenbedingungen 57
7.1.3
Nährstoffhaushalt und Kohlenstoffsequestrierung 61
7.1.4
Energetische Nutzung 64
7.1.5
Bewirtschaftung von Kurzumtriebsplantagen 66
7.3
ÖKOLOGISCHER WALDUMBAU 73
7.3.1
Wirkung auf Waldböden und Humuskörper 73
7.3.2
Waldumbau und klimarelevante Spurengase 77
7.3.3
Struktur der Forstwirtschaft in Brandenburg 79
7.3.4
Ökologischer Waldumbau und ökonomische Probleme 81
8
ZUSAMMENFASSUNG 85
9
LITERATURVERZEICHNIS 87
Tabellenverzeichnis
1 Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Die globalen terrestrischen Kohlenstoffvorräte und die Netto-Primärproduktion der
Vegetationstypen und ihre Verteilung auf die Anlage-I-Staaten 14
Tabelle 2: Jährliche C-Flüsse in Gt/a 17
Tabelle 3: Entwässerungsmaßnahmen in der Zeit von 1951-1955 auf brandenburgischen Gebiet 32
Tabelle 4: Typische jährliche N2O- und CH4-Emissionsraten nordostdeutscher Niedermoore 35
Tabelle 5: Gesamtabschätzung der klimatischen Wirksamkeit von Niedermoornutzungen ... ... 37
Tabelle 6: Mittlere jährliche Gehalte an extrahierbarem NO -3-N im Torfkörper und jährliche
Lachgasemissionen bei verschiedenen Niedermooren bzw. Nutzungsvarianten 38
Tabelle 7: Alternative Nutzungsformen für mitteleuropäische Moorstandorte 39
Tabelle 8: Szenario zur möglichen Verteilung der Nutzung von Niederungsstandorten in den nördlichen
Bundesländern 40
Tabelle 9: Verkaufserlös von kultivierten Torfmoosen 47
Tabelle 10: Ökonomik der Torfmoosproduktion 48
Tabelle 11: Kosten der Bestandesbegründung von Röhrichten 50
Tabelle 12: Verwendungsmöglichkeiten und Eigenschaften von Röhrichten und Rieden 51
Tabelle 13: Potenziale für eine standörtliche, umweltgerechte Gestaltung bzw. Nutzung
von wiedervernässtem Niedermoor 54
Tabelle 14: Natürlicher Standortsbereich weitgefasster Waldtypen mit Erlenanteil 54
Tabelle 15: Grobbilanzierung der N-Transferprozesse verschiedener Standorte eines
Erlenbruchwaldes am Ufer des Belauer Sees in Holstein 56
Tabelle 16: Ernteparameter der angebauten Baumarten auf dem Versuchsstandort Cahnsdorf 64
Tabelle 17: Brennstoffbedarf und Biomasseeinsatz für unterschiedliche Anlagengrößen 65
Tabelle 18: Flächenbedarf und Einzugsradius für unterschiedliche Anlagengrößen 66
Tabelle 19: Charakteristik des Pflanzgutes 69
Tabelle 20: Nährstoffgehalte in der Sprossbiomasse zum Erntezeitpunkt und Nährstoffentzug
bei 4-jähriger Umtriebszeit 70
Tabelle 21: Rentabilität der Energieholzproduktion 71
Tabelle 22: Kalkulation der Vollkosten für den Anbau schnellwachsender Baumarten auf Ackerschlägen 72
Tabelle 23: Finanzielle Belastungen der privaten Waldbesitzer durch Steuern, Abgaben und Beiträge 80
2
Abbildungsverzeichnis
2 Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Zeitliche Veränderung von Sonnenaktivität, Temperaturänderung der
Erdoberfläche und Zunahme der Kohlendioxidkonzentration in der
Atmosphäre 5
Abbildung 2: Modell zum Verbleib des Kohlenstoffs nach der Assimilation im Ökosystem.
Die Darstellung beinhaltet die verschiedenen Ebenen der Produktivität und des Verlusts von
Kohlenstoff, die Kohlenstoffflußdichte und Zeitskalen der Produktivitätsebenen sowie die
Meßmethoden, die eine Quantifizierung der Produktivität ermöglichen. (WBGU 1998) 15
Abbildung 3: Peene-Niedermoor in Mecklenburg Vorpommern (Quelle:
http://www.killikus.de ) 29
Abbildung 4: Verschiedene Pappelsorten im Pflanzversuch auf Kippengelände in Grünewalde
57
Abbildung 5: Robinienpflanzung in der Energieholzplantage Kostebrau 60
Abbildung 6: Bewurzelte Pappelstecklinge nach der Ernte 67
Abbildung 7: Buchenpflanzung unter ausgedünnten Kiefernbeständen bei Schadewitz 73
Abbildung 8: Buchenpflanzung unter Kiefernbeständen mit verschiedenen
Durchlichtungsgraden bei Schadewitz 75
3
Vorwort
3 Vorwort
Obwohl nunmehr fast 2 Jahrzehnte vergangen sind, seitdem im Rahmen der UNO
begonnen wurde, den Klimawandel als eines der dringlichsten Aufgaben zu behandeln, wird
auch heute noch darüber gestritten, wie man mit ihm umgehen soll. Streitpunkt ist weniger
das Vorhandensein des Klimawandels als vielmehr dessen Ursachen. Die Meinungen gehen
hierzu weit auseinander, was natürlich bedeutet, dass auch die Ansätze der Politik sehr
verschieden sind.
Eine Seite meint, der Klimawandel würde nicht durch das menschliche Handeln
hervorgerufen. Es handele sich um einen Prozess, auf den der Mensch keinen Einfluss hat. Zu
diesem Zweck führen Forscher (STAHL & BERNER 2000) u.a. geowissenschaftliche
Untersuchungen an. Demnach haben Untersuchungen von Eisbohrkernen ergeben, dass in
früheren Zeiten der Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre weit höher gelegen haben muss.
Trotz einer höheren Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre lassen sich Spuren
von Vereisungen in Gesteinen finden, was auf ausgeprägte Eiszeiten hinweist. Durch
Untersuchen der im Eis eingeschlossenen Luft ließ sich eine zeitliche Abfolge der Temperatur
und der Konzentration von Treibhausgasen erstellen. Demnach stieg zuerst die
atmosphärische Temperatur an und mit einer Verzögerung von etwa 100 Jahren stieg die
Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre. Geowissenschaftler meinen, dass die Erde sich
nach der letzten Eiszeit vor etwa 16.000 Jahren in der Phase der Wiedererwärmung befand,
deren Temperaturhoch vor etwa 6.000 bis 7.000 Jahren lag. Im langfristigen Klimazyklus,
meinen sie, befände sich die Erde im Moment in der Phase der Abkühlung. (STAHL &
BERNER 2000)
Auch der Einfluss des Treibhausgases Kohlendioxid auf den globalen Klimawandel wird in
den Studien bestritten. Erstens wird gezeigt, dass es enorme Kohlenstoffsenken auf der Erde
geben muss. Eisbohrkernuntersuchungen zufolge lag die Konzentration von Kohlendioxid in
der Atmosphäre zu Beginn der Industrialisierung bei 280 ppm. Im Jahr 2000 lag die
Konzentration bei 356 ppm. (STAHL & BERNER 2000) Die Berechnungen der
anthropogenen Emissionen auf der Grundlage der Förder- und Verbrauchsstatistiken ergaben,
dass die Kohlendioxidkonzentrationen weit höher liegen müssten. Es wird angenommen, dass
über 50% der jährlichen Kohlendioxid-Emissionen in den Senken gebunden werden, wobei
aber noch nicht absehbar ist, ob das Wachsen der Senken in der Zukunft anhält und die
Auswirkungen anthropogener Emissionen auf die Atmosphäre geringer sind.
4
Vorwort
Zweitens wird gezeigt, dass Wasserdampf als Treibhausgas weitaus klimawirksamer ist als
Methan und Kohlendioxid. Seit etwa 1850 haben die anthropogenen Emissionen zu einem
Zuwachs des Treibhauseffektes von 2,7 Watt pro m² geführt. (BENGSTON 1997) Auf den
gesamten Treibhauseffekt bezogen, macht der anthropogene Anteil beim Kohlendioxid nur
1,2% und bei anderen anthropogenen Klimagasen 0,9% aus. Zusammen beträgt der
anthropogene Anteil lediglich 2,1%. Weil dieser Anteil am Gesamttreibhauseffekt so gering
ist, wird das Kohlendioxid als treibender Faktor der Klimaänderung abgelehnt. Stattdessen
werden andere klimarelevante Prozesse benannt: die Plattentektonik oder die Sonnenaktivität.
Dem Zweitgenannten kommt die dominierende Rolle zu. Z.B. haben die Dänen FRIIS-
CHRISTENSEN und LASSEN (STAHL & BERNER 2000) dargelegt, dass die Änderungen
der Atmosphärentemperatur und die Länge der Sonnenfleckenzyklen zwischen 1860 und
1991 ziemlich ähnlich verlaufen sind. Dagegen zeigt im gleichen Zeitraum der Anstieg der
CO2-Konzentration in der Atmosphäre eine geringere Ähnlichkeit mit der zeitlichen
Temperaturentwicklung.
Abbildung 1:
Zeitliche Veränderung von Sonnenaktivität, Temperaturänderung der
Erdoberfläche und Zunahme der Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre
(STAHL & BERNER 2000)
5
Vorwort
Auf der anderen Seite steht die durch die Klimarahmenkonvention (UNFCC) anerkannte
Meinung, dass der stattfindende Klimawandel hauptsächlich durch die anthropogene
Emission von klimarelevanten Gasen verursacht wird. Kohlendioxid und einigen anderen
Treibhausgasen kommt dieser Auffassung nach die entscheidende Rolle zu. Im Artikel 2 der
Klimarahmenkonvention heißt es entsprechend:
,,Das Endziel dieses Übereinkommens [...] ist es, [...] die Stabilisierung der
Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre auf einem Niveau zu erreichen, auf dem eine
gefährliche anthropogene Störung des Klimasystems verhindert wird. Ein solches Niveau
sollte innerhalb eines Zeitraums erreicht werden, der ausreicht, damit sich die Ökosysteme auf
natürliche Weise den Klimaänderungen anpassen können, die Nahrungsmittelerzeugung nicht
bedroht wird und die wirtschaftliche Entwicklung auf nachhaltige Weise fortgeführt werden
kann."1
Die Klimarahmenkonvention, deren Ziele im Artikel 2 festgeschrieben sind, basiert
maßgeblich auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen, die im IPCC-Report ,,Climatic Change
The IPCC Scientific Assessment" dargelegt wurden. Es wird gezeigt, dass die
Konzentrationen mehrerer klimarelevanter Gase in der Atmosphäre seit etwa 1750 stark
angestiegen sind. Für die 100 Jahre zwischen 1890 und 1990 wurde ein Temperaturanstieg in
der Atmosphäre von 0,3°C bis 0,6°C festgestellt. Es wird daraus abgeleitet, dass anthropogene
Treibhausgasemissionen und der Temperaturanstieg in direktem Zusammenhang stehen.
In der politischen Diskussion haben beide Seiten verschiedene und entsprechend
entgegengesetzte Richtungen. Folgt man der Aussage, der Klimawandel entstamme nicht dem
menschlichen Handeln, werden die politischen Handlungsmöglichkeiten darauf beschränkt,
die menschliche Gesellschaft an die Folgen des Klimawandels anzupassen. Folgt man der
anderen Seite und anerkennt, dass der Klimawandel anthropogener Natur ist, erweitern sich
die politischen Möglichkeiten. Durch die Anerkennung, dass das menschliche Handeln eine
der Hauptursachen des Klimawandels ist, kann man bewusst und planmäßig die menschliche
Wirtschaftsweise ändern, kann man bewusst und planmäßig den Ausstoß von
klimaschädigenden Gasen vermindern, und man kann andere Möglichkeiten der Deckung des
Energiebedarfs erschließen.
Diese Arbeit fußt auf der Annahme, dass der Klimawandel anthropogener Natur ist, ohne
diese Annahme näher zu hinterfragen. Ausgehend vom aktuellen Stand der
Landschaftsnutzung im Land Brandenburg und vom Stand der wissenschaftlichen
1 zit. nach WBGU, 2003, S.9
6
Vorwort
Erkenntnisse, durch welche Nutzungsänderungen klimarelevante Gase freigesetzt oder
gebunden werden, sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie durch bewusstes
Landschaftsnutzungsmanagement ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden kann. Dabei
soll diese Aufgabe nicht nur theoretisch angefasst werden. Auch Möglichkeiten für die Praxis
sollen gezeigt werden. Da sich der Boden nicht in gesellschaftlichem Besitz befindet, sondern
privaten Eigentümern gehört, sind dem Staat in gewisser Weise die Hände gebunden. Über
das Schaffen von Ge- und Verboten, von Anreizen und der Förderung der Umweltbildung
kann er kaum hinausgehen. Deshalb muss aufgezeigt werden, ob
Landschaftsnutzungsänderungen auch wirtschaftlich tragfähig sind.
7
Einleitung
4 Einleitung
4.1 Kohlenstoffsenken im Kyoto-Protokoll
Die Klimarahmenkonvention (auch Kyoto-Protokoll genannt) ist die auf internationaler
Ebene juristische Anerkennung der These, dass die Klimaveränderung anthropogener Natur
ist und dass die Menschheit Möglichkeiten besitzt, der Klimaänderung entgegenzuwirken. In
ihr werden Mittel und Wege juristisch fixiert, die ein Entgegenstellen ermöglichen sollen.
Nach Artikel 3 Abs. 1 des Kyoto-Protokolls sind die Industrieländer verpflichtet, die
Emissionen von Treibhausgasen auf eine bestimmte Menge zu beschränken.
Annex A - Greenhouse gases
Carbon dioxide (CO2), Methane (CH4), Nitrous oxide (N2O), Hydrofluorocarbons (HFCs),
Perfluorocarbons (PFCs), Sulphur hexafluoride (SF6)
Die zugeteilte Menge berechnet sich im ersten Verpflichtungszeitraum (2008-2012) als ein
relativer Anteil der gesamten anthropogenen Emissionen des Landes im Jahr 1990 mit fünf
multipliziert.2 Für die einzelnen Länder wurden unterschiedliche Prozentsätze definiert.
Die Bezugsmenge für die Berechnung der im Verpflichtungszeitraum zugeteilten
Emissionen ist in Artikel 3 Abs.7 in Verbindung mit Anlage A definiert: Sie ist die Summe
der Emissionen der in Anlage A aufgeführten sechs Treibhausgase aus den angeführten
Sektoren. Hierbei handelt es sich um Brutto-Emissionen, da keine Senken eingerechnet
werden. Insbesondere werden weder Quellen oder Senken aus dem Bereich
,,Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft" berücksichtigt, da dieser nicht in der Anlage A
aufgeführt wird. Es gibt jedoch eine Ausnahme für die Staaten, in denen Quellen und Senken
sich in diesem Bereich im Jahr 1990 zu einer Netto-Quelle summierten. Diese Staaten
addieren sowohl Emissionen als auch Aufnahmen durch Senken dieses Bereichs der
Bezugsmenge hinzu. Für Australien ergibt sich daraus z. B. ein Zuwachs der Bezugsmenge
um etwa 30%.
Die zugeteilte Menge an Emissionen berechnet sich als prozentualer Anteil dieser
Bezugsmenge. Je höher die Bezugsmenge ist, desto mehr darf ein Staat bei gleich bleibendem
Prozentsatz (siehe Anlage B) emittieren.
2 Der Faktor 5 ergibt sich daraus, dass der Verpflichtungszeitraum fünf Jahre beträgt.
8
Einleitung
Artikel 3 Abs.3 Kyoto-Protokoll:
The net changes in greenhouse gas emissions by sources and removals by sinks resulting from
direct human-induced land-use change and forestry activities, limited to afforestation,
reforestation and deforestation since 1990, measured as verifiable changes in carbon stocks in
each commitment period, shall be used to meet the commitments under this Article of each Party
included in Annex I. The greenhouse gas emissions by sources and removals by sinks associated
with those activities shall be reported in a transparent and verifiable manner and reviewed in
accordance with Articles 7 and 8.
Artikel 3 des Kyoto-Protokolls enthält zusätzlich eine Reihe an Regelungen, laut denen sich
die erlaubte Brutto-Emissionsmenge ändert. Danach können bestimmte Emissionen aus
biologischen Quellen und Aufnahmen durch biologische Senken oder erzielten Reduktionen
in anderen Industriestaaten oder Entwicklungsländern angerechnet werden.
Nach Artikel 3 Abs.3 werden einem Industrieland Quellen und Senken im Bereich
Landnutzungsänderungen und Forstwirtschaft angerechnet, soweit sie als Bestandsänderung
im Verpflichtungszeitraum von 2008-2012 messbar sind. Diese Anrechnungen sind auf die
Tätigkeiten ,,Aufforstung", ,,Wiederaufforstung" und ,,Entwaldung" begrenzt. Wenn in einem
Industrieland durch diese Tätigkeiten mehr Kohlendioxid aufgenommen als emittiert wird,
summieren sich die Quellen und Senken zu einer Nettosenke. Diese erhöht die erlaubten
Brutto-Emissionen. Ergibt sich eine Netto-Quelle, so verringert sich die Menge der erlaubten
Brutto-Emissionen entsprechend.
Dieser Artikel regelt auch die Anrechnung von Quellen und Senken auf die Verpflichtung
der Industrieländer, allerdings können nur die Auswirkungen der Tätigkeiten ab 1990
berücksichtigt werden. Diese Auswirkungen werden als nachprüfbare Veränderungen des
Bestandes der Kohlenstoffvorräte im Verpflichtungszeitraum gemessen. In der Zeit von 2008-
2012 muss Buch geführt werden über den Anteil an den Änderungen des
Kohlenstoffbestandes durch das Wachstum von seit 1990 gepflanzten Wäldern oder durch
Entwaldungen. Auswirkungen von Tätigkeiten, die vor 1990 stattfanden, werden nicht
berücksichtigt, auch wenn die Möglichkeit ihrer Berechenbarkeit gegeben sind.
Im Bereich der Landschaftsnutzungsänderung und Forstwirtschaft werden nach den IPCC-
Richtlinien lediglich Inventare für Kohlendioxid gefordert, wobei andere Treibhausgase
unberücksichtigt bleiben. Folgende Definitionen, die für Artikel 3 Abs.3 des Kyoto-Protokolls
wichtig sind, finden sich in den IPCC-Richtlinien:
· Unter
Aufforstung
(afforestation) versteht man neue Pflanzungen auf Gebieten, auf
denen ,,historisch" kein Wald existierte;
9
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