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Subtitle: Die Theorien des Robert Eisenman widerlegt
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 26 Pages
Author: M.A. Uwe Daher
Subject: Theology - Miscellaneous
Details
Institution/College: University of Hannover (Institut für Religionswissenschaft)
Tags: Glaube, Frühchristen, Qumran
Year: 2003
Pages: 26
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 11 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-09829-3
ISBN (Book): 978-3-640-11341-5
File size: 179 KB
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Abstract
In ihrem Buch „Jesus und die Urchristen. Die Qumran-Rollen entschlüsselt“, legen Robert Eisenman und Michael Wise dar, dass das frühe Christentum mit einer essenisch-zelotischen Bewegung identisch gewesen sein müsse. Diese Abhandlung will ihre These widerlegen und hierzu Qumran-Fragmente, die von Eisenman zur Beweisführung verwendet wurden, näher untersuchen. Die Texte sollen in eine religionswissenschaftliche Analyse eingebracht werden, so dass ein differenziertes Bild der zwischentestamentlichen Zeit gezeichnet werden kann. In diesem Kontext wird die Argumentationslinie der Autoren ad absurdum geführt.
Excerpt (computer-generated)
Uwe Daher
Der Glaube der Frühchristen
Die Theorien
des Robert Eisenman widerlegt
Einleitung
3
1.
Die Genese der jüdischen Glaubenskonzeption 4
2.
Konsequenzen
7
2.1 Nichtbeachtung der Genese und Kooperation...
7
2.2 Beachtung der Genese
und resultierende Verhaltensformen
8
.
2.2.1. Die Pharisäer
8
2.2.2
.
Die Jesus-Bewegung
8
2.2.3. Die Qumran-Essener 10
3.
Handeln im Rahmen des Sozialverbandes 15
4.
Die Exkommunikationsschrift 18
5.
Der Jakobus-Paulus-Konflikt 20
6.
Paulus, der Spion 22
Fazit 24
Literaturverzeichnis 25
2
EINLEITUNG
In ihrem Buch ,,
Jesus und die Urchristen. Die Qumran-Rollen entschlüsselt
", legen
Robert Eisenman und Michael Wise dar, dass das frühe Christentum mit einer
essenisch-zelotischen Bewegung identisch gewesen sein müsse. Diese Abhandlung
wil ihre These widerlegen und hierzu Qumran-Fragmente, die von Eisenman zur
Beweisführung verwendet wurden, näher untersuchen. Die Texte sol en in eine
religionswissenschaftliche Analyse eingebracht werden, so dass ein differenziertes
Bild der zwischentestamentlichen Zeit gezeichnet werden kann. In diesem Kontext
wird die Argumentationslinie der Autoren ad absurdum geführt.
Des weiteren sol im Rahmen dieser Arbeit aufgezeigt werden, dass die
eschatologische Messiaserwartung, die infolge der Rezeption prophetischer Schriften
entwickelt wurde, im Kontext der Veränderung der jüdischen Gesel schaft zu
betrachten ist: Die Fortentwicklung der Religion rezipierte neue Konditionen des
sozialen Lebens, die mit traditionel en Formen kol idierten. Soweit diese Entwicklung
erkannt wurde, wirkte sie auf die Identitätsbildung der Juden fort, die sich in einer
neuen staatlichen Struktur wiederfanden. Dabei waren divergente Denkschemata,
die in erster Linie den Umgang mit der römischen Besatzungsmacht betrafen,
gegeben. Unterschiedliche Verhaltensformen sol ten helfen, die Krise des religiösen
Systems zu lösen. Sie resultierten aus den Interpretationen der jüdischen
Glaubenskonzeption (Kapitel 1).
Indem Textpassagen aus den Qumranschriften von Eisenman und Wise vorgestel t
einbezogen werden, sol deutlich werden, dass bestimmte Vorstel ungen
keineswegs wie von den Autoren behauptet spezifisch christlich waren, sondern
in verschiedenen Denkschulen der jüdischen Gesel schaft reflektiert wurden. Somit
sind Strömungen zu finden, die Inhalte dieser Genese zurückwiesen oder
aufnahmen, wobei differente Gesel schaftsbezüge ausgebildet wurden (Kapitel 2 und
3). Die unüberbrückbaren Gegensätze zwischen Qumran- und Jesus-Gemeinde
sol en offenkundig werden. Infolgedessen wird nachvol ziehbar, warum die
Qumrangemeinschaft die sich am Ufer des Toten Meeres in Abgeschiedenheit
formierte nicht mit der frühchristlichen Gemeinde identisch gewesen sein kann.
Hiefür muss dargelegt werden, dass die Anhänger Jesu im Gegensatz zu den
Qumranbewohnern im Gesel schaftsverband blieben, den Tempel und die
römische Herrschaft nicht grundsätzlich ablehnten und sich gegen elitäres
3
Bewusstsein wandten. Ferner wird darauf verwiesen, dass Jesus von Nazareth eine
Reinheitsvorstel ung propagierte, die sich von der in Qumran angewandten Praxis
deutlich unterschied.
Ein weiterer Versuch Eisenmans, eine Übereinstimmung von Qumran- und Jesus-
Gemeinde zu betonen, muss in Anbetracht seiner Argumentationsdefizite als
unbeweisbar gelten: Die Bezugnahme auf den Apostelstreit, den die Autoren
Eisenman/Wise im Qumrankorpus ausmachen, ist unzureichend. Auf den ,,Jakobus-
Paulus-Konflikt" sol daher in den Kapiteln 4 und 5 eingegangen werden.
1. DIE GENESE DER JÜDISCHEN GLAUBENSKONZEPTION
Nach jüdischem Glauben wurde die Welt durch den einzigen und wahren Gott ins
Leben gerufen, der sich seiner Schöpfung zuwendet.1 Sie sol Entfaltung finden, doch
ist der Gott, der Lebensraum und Freiheit schenkt, gleichermaßen bereit in die
Geschichte einzugreifen (Exodus-Geschehen)2. Ein Leben, das auf den Konditionen
der Würde menschlicher Existenz basiert, sol auf diese Weise sichergestel t werden.
Die machtvol e Zuwendung Gottes ging einher mit dem Erhalt von Land und Gesetz.
In diesem Kontext offenbarte der Ewige, wie nach seinem Wil en in freier
Selbstbestimmung ein positives Verhältnis zur Gottheit und unter den Menschen
realisiert werden kann. Das heißt, der göttliche Wil e, die bestmögliche Lebensweise
wurde erkennbar, da sie mit dem Handeln Gottes einherging. Diese Erfahrung wurde
in der Thora (Weisung) manifestiert, wodurch die entstehende Volksidentität zugleich
mit dem Charakter einer gottverbundenen Heilsgemeinschaft versehen wurde.
Die Übereinstimmung von individuel er Lebensgestaltung und den Bestimmungen
der Thora verheißt nach jüdischem Glauben Gnade und Segen.3 Die Beachtung der
göttlichen Weisung erwirkt somit Heil für ganz Israel. Durch das Geschenk der Thora
sieht sich Israel auf besondere Weise an den Ewigen gebunden. Ihre Beachtung
durch das erwählte Volk wird als Bejahung des Gottesbundes verstanden; die
Deviation betrifft die ganze Glaubensgemeinschaft. Sie muss vermieden werden,
1 Gen 1-2
2 Ex 5-40
3 vgl. Oeming, S. 198.
4
sofern das Volk Gottes nicht in ein Missverhältnis zum Schöpfer gesetzt werden wil ,
wodurch es vom Heilswirken des Ewigen abgeschnitten ist.4
Die Identität von Volk und Glaubensgemeinschaft bewirkte die Ausbildung einer
national-theokratischen Gesel schaft, die auf der Vorstel ung von göttlicher
Suprematie beruhte. Diese Auffassung bestand fort, obgleich in späterer Zeit der
Verlust der Eigenstaatlichkeit gegeben war. Der Niedergang des Reiches wurde
jedoch nicht mit der Schwachheit Jahwes begründet.5 Statt dessen entwickelte sich
eine Theologie, die eine Störung der Bundesbeziehung auf Verfehlungen des Volkes
zurückführte. Folglich wurde verstärkt die Ausrichtung auf den Ewigen intendiert und
sein heilbringendes Eingreifen erhofft. Obgleich die national-theokratische Ordnung
erneut instal iert wurde, konnte ihre Korrosion in den Zeiten wechselnder
Fremdbestimmung
auf
Dauer
nicht
vermieden
werden.
Indem
das
,,Souveränitätsrecht Gottes über Judäa"6 faktisch aufgehoben war, befand sich das
religiöse System soweit keine Zerstörung oder Adaption erstrebt wurde in
Abhängigkeit von heidnischer Machtausübung.
Die Ausbildung von Apokalyptik und Messianismus gaben somit Antwort auf
entsprechende Ereignisse, die zunächst als Chaos wahrgenommen wurden.7 So
entwickelte sich zunehmend der Glaube, man befände sich in einem Zeitalter der
Bewährung, in dem sich die wahren Getreuen erweisen würden. Die Geschehnisse
wurden eschatologisch gedeutet und als Vorboten einer kommenden Zeit
verstanden, in der das ,
Israel der Gerechten`
durch das Wirken eines Gesalbten
durch einen göttlich erwählten König Befreiung und Wiederherstel ung erfahren
würde.8
Die Einbeziehung der Gerechten, die vor Anbruch des neuen Zeitalters verschieden
waren, war grundsätzlich angesichts der Gerechtigkeit Jahwes nicht
auszuschließen (Auferstehungshoffnung).9 Die Rekreation des Reiches wurde mit
einem optimalen Zustand des selben verbunden. Es wurde erwartet, dass nunmehr
die vom Ewigen aufgezeigte bestmögliche Lebensbedingung im Kontext einer
Intensivierung der Gottesbeziehung umgesetzt werde, so dass die Gottheit in einem
4 vgl. Oeming, S. 198.
5 Diese Feststellung ist das Ergebnis einer Reflexion, die infolge des Babylonischen Exils einsetzte.
6 Löning, S. 59.
7 vgl. Löning, S. 56.
8 Fabry, S. 419, Sp.1.
9 Jes 26,19; Dan 12,2; Weish 3,1-5,16.
5
Zustand der Nähe, ergo inmitten des Volkes erfahrbar sein würde. Diese al gemeine
Erwartung wird ebenfal s in der Qumrangemeinde zum Ausdruck gebracht:
4Q521- Fragment 1, Spalte 2
(Z5) Der Herr wird die Frommen (
hasidim
) aufsuchen, und die Gerechten (
zaddikim
) wird Er beim Namen
rufen
(Z6) Über den Sanftmütigen wird sein Geist schweben, und die Gläubigen wird Er wiederherstel en durch
Seine Macht.
(Z7) Die Frommen (
hasidim
) wird Er am Thron des Ewigen Reiches verherrlichen.
(Z8) Die Gefangenen wird Er befreien, die Blinden sehend machen und die Geknechteten aufrichten.
(Z12) dann wird Er die Kranken heilen, die Toten auferwecken und den Sanftmütigen Freude verkünden.
Die Vorstel ung einer ,,Manifestation Gottes unter den Menschen"10 und der daraus
resultierende Heilszustand konkret beschrieben durch Aufhebung von Leid, Tod
und Gewalt ist von daher nicht zwingend judenchristlich, sondern grundgelegt in
den prophetischen Schriften.
Zu Recht erkennen die Autoren Eisenman/Wise eine sprachliche Übereinstimmung
mit Jes 61,1.11 Dieser Vers beginnt mit der Formulierung
der Geist Gottes, des Herrn,
ruht auf mir.
Al ein das Vorhandensein des Wortes ,,Geist", das im alttestamentlichen
Text gegeben ist, kann nicht auf eine christliche Rezeption des Textes schließen
lassen.12 Das Vorhandensein des göttlichen Geistes wird im Jesajatext mit einer von
Gott initi erten und von daher positiv beurteilten Lebensbedingung gesehen. Eine
solche wird im vorausgehenden Vers (Jes 60,21) durch das Motiv der Pflanzung
veranschaulicht. Sie ist
das Werk seiner Hände, (durch das er seine Herrlichkeit
zeigt)
und zeichnet sich durch Beständigkeit aus.13
Die Erwartung eines dauerhaften Gottesreiches war vorhanden. Sie ging einher mit
der drängenden Frage, wie man sich in der gegenwärtigen Welt, die durch geistige
und soziale Veränderungen sowie durch Fremdeinflüsse bestimmt wurde, zu
verhalten habe.
10 Das Christentum sieht eine Gottesgegenwart in der Person Jesus Christus gegeben. Diese
spezifische Interpretation wird jedoch im konkreten Textabschnitt nicht ersichtlich.
11 Eisenman/Wise, S. 26.
12 Eine solche Vermutung wird implizit geäußert, da al gemein bekannt ist, dass der ,,Heilige Geist" ein
wesentlicher Faktor in der christlichen Theologie ist.
13 ,,
sie (die Gerechten) werden für immer das Land besitzen"
(Jes 60, 21).
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