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Scholary Paper (Seminar), 2008, 31 Pages
Author: Birger Jaspers
Subject: Economics / Business: Banking, Stock Exchanges, Insurance, Accounting
Details
Institution/College: University of Hannover (Institut für Versicherungsbetriebslehre)
Tags: Volkskrankheiten, Erkrankungen, Schwerpunkt, Versorgung, Externes, Seminar, Steuerung, Gesundheitsverhaltens, Spannungsfeld, Paternalismus, Freiheit
Year: 2008
Pages: 31
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 32 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-10024-8
File size: 187 KB
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Abstract
Im Gegensatz zu den sogenannten Volkskrankheiten moderner Industriestaaten stehen seltene Erkrankungen und die davon betroffenen Menschen erst seit kurzer Zeit im Blickpunkt öffentlichen Interesses. So stehen seltene Erkrankungen in Europa erst seit 1999 auf der politischen Agenda. Die niedrige Prävalenz führt grundsätzlich dazu, dass die Entwicklung von Medikamenten zur Linderung seltener Krankheiten für die Pharmaunternehmen auf Grund der geringen Nachfragemenge aus betriebswirtschaftlicher Sicht unprofitabel erscheint. Daher wird in diesem Zusammenhang in der Fachliteratur auch von „orphan drugs“ und „orphan diseases“ (deutsch: verwaiste bzw. vernachlässigte Medikamente und Krankheiten) gesprochen. Einer WHO-Schätzung zu Folge sind allerdings bis zu 30 Millionen EU-Bürger von einer seltenen Erkrankung betroffen, Die Feststellung, dass „seltene Erkrankungen gar nicht so selten“ ist somit berechtigt und die historische Nichtbeachtung dieses Themas öffentlicher Gesundheitsversorgung erscheint auch unter Gerechtigkeitsaspekten heraus problematisch. In der vorliegenden Arbeit wird vor dem Hintergrund des Themenbereichs „Sel-tene Erkrankungen in Not?“ zunächst eine Abgrenzung der Begriffe seltene Erkrankungen und Volkskrankheiten vorgenommen (Kapitel 2). Anschließend werden die ethischen, rechtlichen und ökonomischen Implikationen für die Allokationsentscheidungen von begrenzten Ressourcen im Gesundheitswesen aufgezeigt und verschiedene Evaluationsansätze genannt (Kapitel 3). In Kapitel 4 werden daraus Vorschläge für einen gerechten Priorisierungsprozess im Allgemeinen und für eine effiziente Schwerpunktsetzung in der Versorgung seltener Erkrankungen und Volkskrankheiten im Speziellen entwickelt. Kapitel 5 schließt die Arbeit mit einem Fazit und Ausblick ab.
Excerpt (computer-generated)
Leibniz Universität Hannover
Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät
Institut für Versicherungsbetriebslehre
Hausarbeit
im Rahmen des
Versicherungswissenschaftlichen Seminars
,,Steuerung des Gesundheitsverhaltens im Spannungsfeld zwischen staatlichem
Paternalismus und individuel er Freiheit"
Volkskrankheiten versus seltene Erkrankungen
wo sollte der Schwerpunkt der Versorgung liegen?
Birger Jaspers
vorgelegt am: 14. April 2008
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis II
1. Einleitung 1
2. Grundlagen 2
2.1 Begriffsbestimmungen 2
2.2 Entwicklung der Versorgung bei seltenen Erkrankungen 3
3. Ressourcenallokation im Gesundheitswesen 5
3.1 Ethische Prinzipien 5
3.2 Rechtliche Hintergründe 11
3.3 Ökonomische Aspekte 15
4. Vorschläge für eine Verteilung begrenzter Ressourcen 16
4.1 Priorisierung im Gesundheitswesen als gesel schaftlicher Prozess 16
4.2 Prioritätensetzung bei Volkskrankheiten und seltenen Erkrankungen 18
5. Fazit und Ausblick 21
Literaturverzeichnis 22
I
Abkürzungsverzeichnis
Abs.
Absatz
ACHSE
Al ianz Chronischer Seltener Erkrankungen
Anm.
Anmerkung
Art.
Artikel
BIP
Bruttoinlandsprodukt
BGBl.
Bundesgesetzblatt
BMBF
Bundesministerium für Bildung und Forschung
bzw.
beziehungsweise
d.
des
d.h.
das heißt
DSAI
Deutsche Selbsthilfe Angeborene Immundefekte
engl.
englisch
et al.
et ali
etc.
et cetera
EG
Europäische Gemeinschaft
EU
Europäische Union
EURORDIS
European Organisation for Rare Diseases
e.V.
eingetragener Verein
evtl.
eventuel
G-BA
Gemeinsamer Bundesausschuss
GG
Grundgesetz
Hrsg.
Herausgeber
lat.
lateinisch
lt.
laut
NIRK
Netzwerk für seltene Erkrankungen
NHS
National Health Service
Nr.
Nummer
OECD
Organisation for Economic Co-operation and Development
o. O.
ohne Ort
o. V.
ohne Verfasser
II
QALY
Quality-adjusted life years
s.
siehe
S.
Seite
SGB
Sozialgesetzbuch
u.a.
unter anderem
Verf.
Verfasser
vgl.
vergleiche
WHO
World Health Organisation
z.B.
zum Beispiel
ZEFQ
Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im
Gesundheitswesen
III
1. Einleitung
Im Gegensatz zu den sogenannten Volkskrankheiten moderner Industriestaaten
stehen seltene Erkrankungen und die davon betroffenen Menschen erst seit
kurzer Zeit im Blickpunkt öffentlichen Interesses. So stehen seltene Erkrankun-
gen in Europa erst seit 1999 auf der politischen Agenda.1 Die niedrige Präva-
lenz2 führt grundsätzlich dazu, dass die Entwicklung von Medikamenten zur
Linderung seltener Krankheiten für die Pharmaunternehmen auf Grund der ge-
ringen Nachfragemenge aus betriebswirtschaftlicher Sicht unprofitabel er-
scheint. Daher wird in diesem Zusammenhang in der Fachliteratur auch von
,,orphan drugs" und ,,orphan diseases"3 (deutsch: verwaiste bzw. vernachlässig-
te Medikamente und Krankheiten) gesprochen. Einer WHO-Schätzung zu Folge
sind al erdings bis zu 30 Mil ionen EU-Bürger von einer seltenen Erkrankung
betroffen,4 Die Feststel ung, dass ,,seltene Erkrankungen gar nicht so selten"5 ist
somit berechtigt und die historische Nichtbeachtung dieses Themas öffentlicher
Gesundheitsversorgung erscheint auch unter Gerechtigkeitsaspekten heraus
problematisch.
In der vorliegenden Arbeit wird vor dem Hintergrund des Themenbereichs ,,Sel-
tene Erkrankungen in Not?" zunächst eine Abgrenzung der Begriffe
seltene
Er-
krankungen
und
Volkskrankheiten
vorgenommen (Kapitel 2). Anschließend
werden die ethischen, rechtlichen und ökonomischen Implikationen für die Al o-
kationsentscheidungen von begrenzten Ressourcen im Gesundheitswesen auf-
gezeigt und verschiedene Evaluationsansätze genannt (Kapitel 3). In Kapitel 4
werden daraus Vorschläge für einen gerechten Priorisierungsprozess im Al ge-
meinen und für eine effiziente Schwerpunktsetzung in der Versorgung seltener
Erkrankungen und Volkskrankheiten im Speziel en entwickelt. Kapitel 5 schließt
die Arbeit mit einem Fazit und Ausblick ab.
1 Vgl. Verordnung (EG) Nr. 141/2000 (1999).
2 Prävalenz: Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen eines Ereignisses.
3 Vgl. z.B. McCabe, C. / Tsuchiya, A. / Claxton, K. et al.(2006), S. 2.
4 Vgl. Stolk, P. / Wil emen, M. J. C. / Leufkens H. G. M. (2006), S. 745.
5 Vgl. DSAI e.V. (2006).
1
2. Grundlagen
2.1 Begriffsbestimmungen
Seltene Erkrankungen
Zurzeit sind 30.000 Krankheiten bekannt, von denen fünf bis sieben Tausend zu
den seltenen Erkrankungen gezählt werden. Nach europäischer Definition, wird
eine Krankheit als selten eingestuft, wenn in der Bevölkerung weniger als fünf
von zehntausend Personen6 betroffen sind (Prävalenz). Al erdings wird dieser
Schwel enwert von der Mehrzahl seltener Leiden deutlich unterschritten, so
dass diese Patientengruppen besonders klein ausfal en. So sind auf Grund der
extremen Seltenheit vieler seltener Krankheiten viele statistisch nicht erfasst
oder werden häufig unter ,,andere...Erkrankungen"7 zusammengefasst. So sind
80 % der seltenen Erkrankungen sind genetischen Ursprungs, lebensbedrohlich
und chronisch. Für viele sind die betroffenen Gene (auf Grund zu geringer For-
schungsaufwendungen in der Vergangenheit) noch nicht gefunden worden.8 Ein
Beispiel: Ichthyosen sind schwerwiegende genetischbedingte Hauterkrankun-
gen, die mit einer Gesamtprävalenz von 1:100.000 in Deutschland vorkommen,
wobei zwischen 20 Formen unterschieden wird, die wiederum 20 Ausformun-
gen besitzen.9
Trotzdem ist zu konstatieren, dass die Summe seltener Erkrankungen ein Mas-
senphänomen darstel t, denn je nach Schätzung leiden in den 25 EU-
Mitgliedsstaaten zwischen 13,510 und 30 Mil ionen Menschen11 an einer selte-
nen Erkrankung.
6 Vgl. Verordnung (EG) Nr. 141/2000 (1999).
7 EURORDIS (2005), S. 4.
8 Vgl. BMBF (2007a).
9 Vgl. NIRK Netzwerk für seltene Erkrankungen (2006), S. 1.
10 Vgl. Aymé, S. und Schmidke, J. (2007), S. 1477.
11 Vgl. Stolk, P. / Wil emen, M. J. C. / Leufkens, H. G. M. (2006), S. 745.
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