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Institution/College: Dresden Technical University (Philosophie)
Tags: Beleuchtung, Medizinethik, Beispiel, Sterbehilfe, Umsetzung, Unterrichtspraxis, Hauptseminar, Praktische, Philosophie, Ethikunterricht
Year: 2008
Pages: 27
Grade: 1,0
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-07306-6
File size: 154 KB
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Abstract
Das Thema für diese Hausarbeit zu wählen, war nicht leicht, denn im Bereich der Ethik gibt es sehr viele interessante Teilbereiche. Aufgrund von aktuellen Diskussionen über die Sterbehilfe habe ich beschlossen mich tiefgründiger mit dieser Sachlage auseinanderzusetzen. Es ist bekannt, dass Sterbehilfe in Europa zum Teil legal, zum anderen Teil verboten ist. Zudem gibt es Befürworter der Sterbehilfe, aber auch viele Gegner. Nun stellt sich mir die Frage, was ich darüber denke. Diese zu beantworten, ist momentan für mich unmöglich. Meine reine Intuition lehnt die Sterbehilfe ab, aber mir fehlen die passenden Argumente, um diese intuitive Meinung zu vertreten. Es gibt Berichte von todkranken Patienten1, die mit allen Mitteln von Ärzten am Leben gehalten werden, entweder aus unzureichender Rechtskenntnis oder aus Angst in einer Grauzone zu handeln und bestraft zu werden. Solche Fälle ließen mich plötzlich an meiner Meinung zweifeln. Wie kann der Mensch heute in Würde sterben ohne Opfer des deutschen Rechts oder medizinischer Ausdauer zu werden? Verlängern wir mit dem Sterbehilfeverbot und dem rasanten technischen Fortschritt nicht sinnlos unser Leben? Andererseits vermag diese Untersagung eventuell eine Reihe von negativen Folgen zu verhindern. Beispielsweise könnte aus freiwilliger Sterbehilfe schnell unfreiwillige Sterbehilfe werden oder die Achtung vor dem Leben würde zunehmend sinken, wenn plötzlich auch andere Krankheitsfälle (behinderte oder alte Menschen) legale Sterbehilfe zu spüren bekämen. Um diese Fragen zu beantworten, bedarf es der gründlichen Recherche über medizinethische Aspekte, Formen der Sterbehilfe, sowie über rechtliche Grundlagen, die ich in den folgenden Kapiteln bearbeiten werde. Der praktische Teil dieser Hausarbeit besteht in der Umsetzung des Themas Sterbehilfe, indem die theoretischen Grundlagen in den Unterricht eingebracht werden sollen. Da ich noch nie einen Ethikunterricht gehalten habe, fiel es mir etwas schwer geeignete Vorschläge zu finden. Dennoch denke ich, dass meine Entwürfe für Berufsschüler im Gesundheitswesen geeignet und realisierbar sind.
Excerpt (computer-generated)
TU Dresden Dresden, 26.03.2008
Philosophische Fakultät
Hauptseminar: Praktische Philosophie im Ethikunterricht
WS 07/08
Thema der Hausarbeit:
,,Die Beleuchtung der Medizinethik am Beispiel der Sterbehilfe und deren Umsetzung in die
Unterrichtspraxis"
Dana Gál
Studiengang: Gesundheit und Pflege, Philosophie und Ethik
5. Semester
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2
2. Theoretische Grundlagen der Medizinethik
3
2.1 Die Aufgaben und Funktionen der Medizinethik
3
2.2 Meilensteine der Entwicklung der Medizinethik
4
2.3 Rechtliche Überlegungen 5
2.4 Ethische Prinzipien, Regeln und Beurteilungsentscheidungen 6
2.5 Begründungswege verschiedener ethischer Theorien 7
3. Sterbehilfe- ein Anwendungsgebiet der Medizinethik
8
3.1 Die Formen der Sterbehilfe
8
3.2 Rechtsbestimmungen
11
3.3 Sterbebegleitung und Sterbebeistand
13
3.3.1 Die Hospizbewegung
14
3.3.2 Initiative ,,OMEGA. Mit dem Sterben leben e.V."
15
3.3.3 Die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben e.V. (DGHS)
15
4. Unterrichtsvorschläge zum Thema Sterbehilfe
16
4.1 Unterrichtsidee: Dilemma- Diskussion über den ,,Welby- Fall"
16
4.2 Unterrichtsidee: Rollenspiel zum ,,Welby- Fall"
19
4.3 Unterrichtsidee: Deontologische und utilitaristische Argumentation am Beispiel
21
5. Schlussteil
23
6. Literaturverzeichnis
25
7. Vertrauenserklärung
26
1
1. Einleitung
Das Thema für diese Hausarbeit zu wählen, war nicht leicht, denn im Bereich der Ethik gibt
es sehr viele interessante Teilbereiche. Aufgrund von aktuellen Diskussionen über die
Sterbehilfe habe ich beschlossen mich tiefgründiger mit dieser Sachlage auseinanderzusetzen.
Es ist bekannt, dass Sterbehilfe in Europa zum Teil legal, zum anderen Teil verboten ist.
Zudem gibt es Befürworter der Sterbehilfe, aber auch viele Gegner. Nun stellt sich mir die
Frage, was ich darüber denke. Diese zu beantworten, ist momentan für mich unmöglich.
Meine reine Intuition lehnt die Sterbehilfe ab, aber mir fehlen die passenden Argumente, um
diese intuitive Meinung zu vertreten. Es gibt Berichte von todkranken Patienten1, die mit allen
Mitteln von Ärzten am Leben gehalten werden, entweder aus unzureichender Rechtskenntnis
oder aus Angst in einer Grauzone zu handeln und bestraft zu werden. Solche Fälle ließen
mich plötzlich an meiner Meinung zweifeln. Wie kann der Mensch heute in Würde sterben
ohne Opfer des deutschen Rechts oder medizinischer Ausdauer zu werden? Verlängern wir
mit dem Sterbehilfeverbot und dem rasanten technischen Fortschritt nicht sinnlos unser
Leben? Andererseits vermag diese Untersagung eventuell eine Reihe von negativen Folgen zu
verhindern. Beispielsweise könnte aus freiwilliger Sterbehilfe schnell unfreiwillige
Sterbehilfe werden oder die Achtung vor dem Leben würde zunehmend sinken, wenn
plötzlich auch andere Krankheitsfälle (behinderte oder alte Menschen) legale Sterbehilfe zu
spüren bekämen.
Um diese Fragen zu beantworten, bedarf es der gründlichen Recherche über medizinethische
Aspekte, Formen der Sterbehilfe, sowie über rechtliche Grundlagen, die ich in den folgenden
Kapiteln bearbeiten werde.
Der praktische Teil dieser Hausarbeit besteht in der Umsetzung des Themas Sterbehilfe,
indem die theoretischen Grundlagen in den Unterricht eingebracht werden sollen. Da ich noch
nie einen Ethikunterricht gehalten habe, fiel es mir etwas schwer geeignete Vorschläge zu
finden. Dennoch denke ich, dass meine Entwürfe für Berufsschüler im Gesundheitswesen
geeignet und realisierbar sind.
1 Um einer Diskriminierung aus dem Wege zu gehen, betone ich die generelle Verwendung von
Gattungsbegriffen gemäß den grammatischen Regeln z.B. der Patient.
2
2. Theoretische Grundlagen der Medizinethik
2.1 Die Aufgaben und Funktionen der Medizinethik
Beginnen möchte ich mit einer kurzen Darlegung, was unter Medizinethik zu verstehen ist.
Sie ist im weiten Sinne ,,die ethische Reflexion auf alle sich im Zusammenhang des Umgangs
mit Krankheit und Gesundheit stellenden Fragen und Probleme".2 Medizinethik versucht also,
als Subdisziplin der Angewandten Ethik, geltende moralische Grundsätze auf einem
bestimmten praktischen Gebiet anzuwenden.3 Zu diesen praktischen Themenkomplexen
gehören unter anderen die Diskussionen um Schwangerschaftsabbrüche, Euthanasie,
Apparatemedizin, Manipulation am Erbmaterial, Organverpflanzung, Humanexperimente und
die künstliche Erzeugung von Menschenleben.4 Diese ethisch problematischen Situationen
müssen grundsätzlich geklärt werden, damit der Arzt im entsprechenden Einzelfall adäquat
und mit ruhigem Gewissen seine Behandlungsstrategie planen und durchführen kann. Ein
Beispiel wäre die Frage, ob ein Arzt seinem schwerstkranken Patienten die Prognose seiner
Krankheit mitteilen sollte und ihm damit eventuell den letzten Hoffnungsschimmer im Kampf
gegen sein Leiden zu rauben. In der Medizinethik werden nun generell anerkannte Normen
gewichtet und Gründe gesucht, um präferierte Werte zu rechtfertigen. Um dies zu realisieren,
wurden Ethikkommissionen formiert, denen Ärzte, Juristen, Theologen, Ethiker u.a.
angehören. Diese Institutionen erarbeiten Rahmenbedingungen für oben erwähnte ethische
Konfliktfälle und versuchen zudem falsche Argumentationsmuster zu falsifizieren. Sie sind
demnach essentiell und als Basis für ethisch vertretbare Entscheidungen zu sehen. 5
Als weitere Funktion der ärztlichen Ethik ist die Betrachtung der Medizinerhandlung als eine
Konkretisierung der allgemeinen Norm zu nennen. Diese Norm besteht in der adäquaten
medizinischen Hilfestellung des Arztes gegenüber kranken Menschen, das heißt er hat die
Aufgabe ,,wirksame Mittel zur Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit einzusetzen,
ohne dem Patienten in unzumutbarer Weise zu schaden oder ihn gegen seinen erklärten
Willen zu behandeln".6 Der Arzt ist gemäß dem Eid des Hippokrates gegenüber seinem
Patienten zu Respekt und humaner Fürsorge verpflichtet.7
2 Vgl. Ach, J.S.: Medizin und Ethik in: Rohbeck, J. (Hrsg.): Praktische Philosophie, 2003, S. 67.
3 Vgl. ebd. S. 68.
4 Vgl. Pieper, A.: Einführung in die Ethik, 2003, S. 93f.
5 Vgl. ebd. S. 95.
6 Vgl. ebd. S. 93.
7 Vgl. ebd. S. 93.
3
2.2 Meilensteine der Entwicklung der Medizinethik
Die Medizinethik reicht weit bis zur Entstehung der Medizin, also bis Hippokrates (460- 375
v. Chr.), zurück und war einst eine Berufs- oder Standesethik. Die Inhalte wurden von den
Ärzten selbst formuliert und diese regelten die medizinische Berufsordnung. Eine zentrale
Frage war beispielsweise, wie sich der Arzt gegenüber dem Patienten verhalten und welche
Tugenden er bei seiner Arbeit berücksichtigen soll. Als Beispiel wäre die Schweigepflicht des
Mediziners zu nennen. Der Eid des Hippokrates vereint diese Vorschriften bis heute und soll
den ärztlichen Stand vor einem Machtsmissbrauch schützen. Moralische Reflexion ist somit
schon immer ein Teil ärztlichen Wirkens.8
Ach beschreibt einige Gründe für die Ablösung der traditionellen Medizinethik durch die
Bioethik, die besonders in den USA seit Ende der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts
stattgefunden hatte. Diese sind vor allem ein wachsender Pluralismus an Wertvorstellungen
kombiniert mit einer besser über jegliche Fortschritte informierte Öffentlichkeit, die
amerikanische Bürgerrechtsbewegung, die das Misstrauen gegenüber mächtigen Institutionen
schürte und auf diese Weise die Gesellschaft auf die Minderheitendiskriminierung
aufmerksam machte, sowie tief greifende Veränderungen im Gesundheitssystem vor 1960.
Durch den technischen Aufschwung veränderten sich die ethischen Problemfälle, sowie die
gesellschaftlichen Bedingungen, besonders in der Zeit des Nationalsozialismus. Die
traditionelle Medizinethik reichte nicht mehr aus.9 Wichtige neue Behandlungsmöglichkeiten,
die seit Mitte der 50er Jahre existieren, sind beispielsweise Wiederbelebungsmaßnahmen und
künstliche Beatmung, Organtransplantationen, voraussagende genetische Diagnostik und die
Reparatur von Gendefekten. Solche Fortschritte verlangen nach neuartigen und komplexeren
Entscheidungen, wie es sie bisher nicht gab. Durch den moralischen Pluralismus entwickelte
sich schließlich eine interdisziplinäre und professionelle Medizinethik, die nicht mehr nur von
Ärzten ausgeübt wurde, sondern auch Theologen, Philosophen u.a. teilhaben lässt.10
Es ergeben sich drei wesentliche Unterscheidungsmerkmale der neuen biomedizinischen
Ethik gegenüber der traditionellen Medizinethik: erstens die Integration weiterer Personen,
z.B. des Pflegepersonals, in die moralische Reflexion, zweitens die Ausdehnung der
Themenbereiche auf neueste Technologien wie beispielsweise die Organtransplantation und
drittens die biomedizinische Ethik als öffentliche Reflexion über ärztliches Handeln.11
8 Vgl. Ach, J.S.: Medizin und Ethik in: Rohbeck, J. (Hrsg.): Praktische Philosophie, 2003, S. 68f.
9 Vgl. ebd. S. 69f.
10 Vgl. Schöne- Seifert, B.: Medizinethik in: Nida- Rümelin, J. (Hrsg.): Angewandte Ethik, 1996, S. 555.
11Vgl. Ach, J.S.: Medizin und Ethik in: Rohbeck, J. (Hrsg.): Praktische Philosophie, 2003, S. 70f.
4
Die geschichtlich erste externe Ethikvorschrift bildet der Nürnberger Kodex. Er entstand im
Zusammenhang mit den Nürnberger Ärzteprozessen von 1946 bis 1948, bei denen Nazi-
Ärzte wegen schrecklicher, oft tödlicher Menschenexperimente vor Gericht standen. Der
Kodex verpflichtet Mediziner zur Einholung eines freiwilligen und informierten
Einverständnisses ihrer Patienten oder Probanden vor jeder Art von medizinischen
Versuchen.12 Auf dem Gebiet der medizinischen Ethik entstanden schließlich das ,,Hastings
Center" (1969) und das ,,Kennedy Institute of Ethics" (1971)- zwei bis heute bedeutende
Einrichtungen. Zudem fanden an den medizinischen Fakultäten medizinethische Seminare
statt, Konferenzen wurden abgehalten und Veröffentlichungen zu diesbezüglichen Themen
begannen. In Deutschland entwickelte sich die Medizinethik erst etwa zwanzig Jahre später
gegenüber den USA. Gründe dafür sind zum Beispiel die Eugenikprogramme und
Menschenexperimente der Nationalsozialisten, sowie das Fehlen einer emanzipierten
Bürgerrechtsbewegung wie in den Vereinigten Staaten, die sich dort um Patientenrechte
bemühten.13
2.3 Rechtliche Überlegungen
Der zentrale Punkt bei vielen medizinethischen Konfliktsituationen besteht im Schutz des
Lebens von kranken oder dem Tod geweihten Menschen, Testpersonen oder Embryonen. Der
hohe Rang aller Individuen verlangt somit nach einer gesetzlichen Regelung dieser Fälle, vom
Strafrecht bis zum Standesrecht reichend, was zur Frage nach dem Verhältnis von Recht und
Moral führt.14 Solche Fälle sind oft kontrovers in ihrer ethischen Beurteilung wie
beispielsweise die Sterbehilfe oder die Abtreibung. Daraus resultiert eine Limitierung der
Handlungsgewalt von Medizinern, Krankenhauspersonal und Forschern durch die bestehende
Gesetzeslage. Die bereits oben erwähnte Aufgabe der Medizinethik ist es jene rechtlichen
Regelungen fundiert zu prüfen und gegebenenfalls zu reformieren.
Wonach soll sich ein Arzt nun richten- nach der Moral oder nach dem Gesetz? Das Problem
in diesem Bereich liegt darin, dass sich viele medizinethische Pflichten schlecht in ein
Gesetzesbuch packen lassen und wenn doch, dann könnte die Wahrung der Normen nur
mangelhaft kontrolliert werden. Ein Beispiel hierfür wäre die Verpflichtung des Arztes
gegenüber seinem Patienten zu Achtung, Empathie und Besonnenheit. Diese Tugenden
können unmöglich rechtlich kodiert und in ihrer Durchführung stets geprüft werden.
12 Vgl. Schöne- Seifert, B.: Medizinethik in: Nida- Rümelin, J. (Hrsg.): Angewandte Ethik, 1996, S. 556.
13 Vgl. ebd. S. 558f.
14 Vgl. ebd. S. 566.
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