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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 27 Pages
Author: M.A. Katharina Legnowska
Subject: Musicology
Details
Institution/College: University of Leipzig (Institut für Musikwissenschaft)
Tags: Tauris“, Franz, Schuberts, Antikenlieder, Texten, Johann, Mayrhofer, Prinzipien, Schubert-Liedes
Year: 2004
Pages: 27
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 12 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-06972-4
File size: 105 KB
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Abstract
Lieder nehmen im Schaffen Franz Schuberts einen bedeutenden Platz ein und sind auch heute aus dem Konzertleben nicht wegzudenken. Er vertonte Texte von Dichtern wie Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich Heine und Friedrich Schiller, deren literarischer Rang unbestritten ist und deren Werke auch heute noch rezipiert werden. Aber seinen Liedern liegen auch Texte von weniger bekannten Dichtern zugrunde, wie z. B. Gedichte von Johann Mayrhofer. Diese Lieder finden sowohl in der Konzertpraxis als auch in der musikwissenschaftlichen Forschung eher wenig Beachtung. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Liedern, die Schubert zu Texten von Mayrhofer schrieb. Dabei werden vor allem die Antikenlieder „Philoktet“ (D 540), „Memnon“ (D 541) und „Orest auf Tauris“ (D 548) berücksichtigt.
Excerpt (computer-generated)
Universität Leipzig
Institut für Musikwissenschaft
,,Philoktet" (D 540), ,,Memnon" (D 541) und ,,Orest auf Tauris" (D 548) Franz
Schuberts Antikenlieder zu Texten von Johann Mayrhofer
Seminar: Prinzipien des Schubert-Liedes
Sommersemester 2004
Katharina Maaß
6. Fachsemester
Inhalt
Einleitung
Seite 1
1.
Franz Schubert und Johann Mayrhofer
Seite 1
2.
Johann Mayrhofer
Seite 3
3.
Die Antikenlieder Schuberts zu Texten
Seite 6
von Johann Mayrhofer
3. 1
Antikenlieder
Seite 6
3. 2
Der Sagenkreis um Troja
Seite 7
3. 3
,,Philoktet" D 540
Seite 8
3. 4
,,Memnon" D 541
Seite 13
3. 5
,,Orest auf Tauris" D 548
Seite 17
4.
Die Antikenlieder Mythologie, Sprache und Musik
Seite 19
Literaturnachweis
Anhang
Einleitung
Lieder nehmen im Schaffen Franz Schuberts einen bedeutenden Platz ein und sind
auch heute aus dem Konzertleben nicht wegzudenken. Er vertonte Texte von
Dichtern wie Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich Heine und Friedrich Schiller,
deren literarischer Rang unbestritten ist und deren Werke auch heute noch rezipiert
werden. Aber seinen Liedern liegen auch Texte von weniger bekannten Dichtern
zugrunde, wie z. B. Gedichte von Johann Mayrhofer. Diese Lieder finden sowohl in
der Konzertpraxis als auch in der musikwissenschaftlichen Forschung eher wenig
Beachtung. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Liedern, die Schubert zu
Texten von Mayrhofer schrieb. Dabei werden vor allem die Antikenlieder ,,Philoktet"
(D 540), ,,Memnon" (D 541) und ,,Orest auf Tauris" (D 548) berücksichtigt.
1.
Franz Schubert und Johann Mayrhofer
Franz Schubert bekleidete nach seinem Studium an einer Lehrerbildungsanstalt
eine Anstellung als Schulgehilfe an der Schule seines Vater in Lichtental, einer
Wiener Vorstadt. Im Herbst 1816 ließ er sich von der Schulbehörde beurlauben und
wohnte bis Ende August 1817 im Hause der Familie seines Freundes Franz von
Schober. Schubert war das erste Mal in seinem Leben unabhängig und widmete sich
ganz der Musik. In dieser Zeit entstanden viele Lieder. Auffällig ist die große Anzahl
der Vertonungen von Gedichten seines Freundes Johann Mayrhofer. Schubert
vertonte in dieser Zeit 24 Gedichte Mayrhofers, davon behandeln acht Gedichte die
antike Mythologie.
Franz Schubert hatte Johann Mayrhofer bereits im Jahre 1814 durch seinen Freund
Joseph von Spaun kennen gelernt, denn dieser war mit Spauns jüngerem Bruder
Anton von Spaun befreundet.1 Um Anton von Spaun bildete sich ein Freundeskreis
literarisch interessierter Jünglinge, dem auch bald Franz Schubert angehörte. In den
Jahren 1816 und 1817 gaben Anton von Spaun und Johann Mayrhofer die
,,Beiträge
zur Bildung für Jünglinge"
heraus, worin sie ihr Programm vorstellten. Es wies
Freundschaft, Tugend und Bildung große Bedeutung zu. Der Almanach wurde jedoch
aufgrund seines geringen Erfolgs nach zwei Jahrgängen eingestellt.
Mayrhofer und Schubert verband eine enge Freundschaft, vom November 1818 bis
Ende 1820 bewohnten sie gemeinsam ein Zimmer in der Wipplinger Straße in der
Wiener Innenstadt.2 Nach Schuberts Tod erschien zu Beginn des Jahres 1829 ein
Nachruf von Mayrhofer, in dem er sich zu ihrem Verhältnis äußert:
,,[...] die Liebe für Dichtung und Tonkunst machten unser Verhältnis inniger; ich dichtete, er
komponierte, was ich dichtete und wovon vieles seinen Melodien Entstehung, Fortbildung
und Verbreitung verdankt [...] Während unseres Zusammenwohnens konnte es nicht fehlen,
daß Eigenheiten sich kundgaben [...] Seine frohe, gemütliche Sinnlichkeit und mein in sich
geschlossenes Wesen traten schärfer hervor und gaben Anlaß, uns mit entsprechenden
Namen zu bezeichnen, als spielten wir bestimmte Rollen."3
1821 kühlte sich dann das Verhältnis von Schubert und Mayrhofer ab. Schubert zog
aus dem gemeinsamen Zimmer aus und mietete ein eigenes Zimmer ebenfalls in der
Wipplinger Straße in Wien. Mayrhofer bemerkte:
,,Der Strom der Verhältnisse und der Gesellschaft, Krankheit und geänderte Anschauung
des Lebens hatten uns später auseinandergehalten."4
1 Zum Begriff der Freundschaft in Schuberts Freundeskreis und speziell bei Johann Mayrhofer vgl.
Dürhammer, Ilja:
Schuberts literarische Heimat. Dichtung und Literaturrezeption der Schubert-
Freunde
, Wien/ Köln/ Weimar 1999, S. 221233.
2 Mögliche homoerotische Neigungen Schuberts und Mayrhofers werden erläutert in:
Youens, Susan:
Schubert′s poets and the making of lieder
, Cambridge 1996, S. 159f.
3 Mayrhofer, Johann: Erinnerungen an Franz Schubert. In:
Neues Archiv für Geschichte,
Staatenkunde, Literatur und Kunst
Nr. 16 (1829), S. 121123.
Zitiert nach: Dürr, Walther: Schubert in seiner Welt. In:
Schubert-Handbuch
, hrsg. v. W. Dürr und
A. Krause, Kassel 1997, S. 24.
4 Ebenda.
2.
Johann Mayrhofer Dichter und Zensor
Johann Mayrhofers Leben war geprägt von Spannungen, denn er war seit 1814
Zensor am k. k. Bücherrevisionsamt und bekleidete diese Position bis zu seinem
Freitod 1836. In dieser Position stabilisierte er die gesellschaftlichen Zustände, die er
in seinen Dichtungen anprangert. Nach Goethe und Schiller ist Mayrhofer der meist
vertonte Dichter in Schuberts OEuvre.
Dürhammer versuchte durch statistische Untersuchungen zu erklären, welche Texte
Schubert zu einer Vertonung reizten und ging nach inhaltlichen Kriterien vor.5
,,Demnach ist Liebe das häufigste Thema, ihm sind etwa 50% der veröffentlichten Texte
gewidmet; fast 50% haben mit dem Gefühl der Wehmut zu tun, oft in Zusammenhang mit
Abend- oder Nachtstimmung. Gut 20% der veröffentlichten Texte behandeln das Thema
Wandern, Reisen oder eine andere Form der Bewegung, weitere fast 20% das Motiv
′Wasser′. Etwa 10% der veröffentlichten Texte sind Frühlingslieder; immerhin mehr als 15%
widmen sich der Todesthematik. Fast ein Drittel der veröffentlichten Texte endet mit einem
deutlichem Resumée oder einer Aporie, der Benennung einer ausweglos erscheinenden
Situation. Die Hälfte der veröffentlichten Texte sind Rollengedichte."6
Aus diesen statistischen Erhebungen konstruiert Dürhammer den fiktiven Typus
eines Gedichtes, das Schuberts Vorstellungen ideal entsprochen und ihn zur
Vertonung gereizt hätte. Das Gedicht hätte
,,drei bis fünf Strophen zu jeweils vier
alternierenden Versen, möglichst mit jambischen Tri- oder Tetrametern und
Kreuzreimen. Sein Thema wäre eine wehmütige Liebesgeschichte in nächtlichem
Ambiente mit Wasserstimmung oder -symbolik, und es sollte mit einem lakonischen
Satz, einer Frage oder einer Aufforderung schließen. Mit 50% wäre es ein
Rollengedicht."7
5 Dürhammer, Ilija:
Zu Schuberts Literaturästhetik.
In:
Schubert durch die Brille
Nr. 14 (1995), S.
4654.
6 Ebenda, zitiert nach:
Dittrich, Marie-Agnes: ,,Für Menschenohren sind es Harmonien". Die Lieder. In:
Schubert
Handbuch
, hrsg. v. W. Dürr und A. Krause, Kassel 1997, S. 173.
7 Ebenda.
Diese Beschreibung trifft auf die Gedichte Wilhelm Müllers zu, der die Texte für die
Liederzyklen ,,Die schöne Müllerin" und die ,,Winterreise" dichtete, die zu Schuberts
wichtigsten Werken gehören. Auch die häufige Vertonung von Goethe-Gedichten
entspricht Dürhammers These, denn sie bedienen
,,häufig die beliebte Liebesthematik
und zeichnen gern pittoreske Abendbilder und wehmütige Stimmungen"8
, so z. B. in
dem Lied ,,An den Mond" (D 259), in dem das artikulierte Ich in der Nacht am Ufer
eines Flusses die vergängliche Liebe beklagt.
Die Gedichte von Mayrhofer entsprechen auf den ersten Blick nicht dem von
Dürhammer dargelegten Idealtypus, sie
,,handeln weniger von Liebe, drücken aber
viel Wehmut und Sehnsucht aus."9
Sehnsucht nach Verlorenem und die Frage nach
Schuld und Erlösung sind Themen, die in den meisten Gedichten Mayrhofers
bearbeitet werden. Mayrhofer wendet sich auch
,,einer klassizistisch geprägten, von
Schiller beeinflußten Romantik"
zu.10 Friedrich Schiller veröffentlichte 1795 die
Abhandlung
,,Über naive und sentimentalische Dichtkunst".
Auf diesem Programm
fußen die Romantiker. Nach Schiller teilt sich die Dichtung in zwei große Gruppen:
naive und sentimentalische Dichtung. Die naive Dichtung zeichnet sich durch
unreflektierte Übereinstimmung mit der Natur aus, z. B. Volksdichtung.
Sentimentalische Dichtung entsteht aus dem Gefühl heraus, dass die Einheit des
Menschen und der Natur verloren ging. Die Moderne ist von diesem Denken geprägt
und die Menschen leiden am Verlust der Naivität. Schiller vertritt in seinem Aufsatz
die Position, dass sich wahre Dichtung immer auf dieses Thema beziehen müsse. Des
weiteren kann sentimentalische Dichtung zwei Grundhaltungen einnehmen: als
Satire, die den Zustand der Entfremdung dominant zum Thema macht und Kritik
daran übt oder als Elegie, in der die Trauer über das Verlorene dominiert. Schiller
sieht den modernen Dichter als Satiriker oder Elegiker und er verbindet seine
Anschauungen von Kunst mit Hegels Geschichtsphilosophie, nach der Geschichte ein
unendlicher Fortschritt auf einen Endzustand hin ist. Diesen Gedanken folgend prägte
Friedrich Schlegel den Begriff der progressiven Universalpoesie. Der Dichter weiß
8 Ebenda.
9 Ebenda.
10 Dürr, Walther: Schubert in seiner Welt. In:
Schubert-Handbuch
, hrsg. v. W. Dürr und A. Krause,
Kassel 1997, S. 25.
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