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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 46 Pages
Author: Linda Kim Wegener
Subject: German - Genres
Details
Tags: Drama, Deutschunterricht
Year: 2008
Pages: 46
Bibliography: ~ 27 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-07032-4
File size: 249 KB
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Abstract
Im Folgenden soll davon ausgegangen werden, dass das Drama zwar immer durch seinen geschichtlichen Hintergrund geprägt wird, dass es jedoch im Sinne des Allgemeinbegriffs als Summe seiner wesentlichen Merkmale dagegen zeitlos ist, sich demnach in den rund zweieinhalb Jahrtausenden seiner Geschichte nicht verändert hat. Bereits Aristoteles versuchte das Wesen des Dramas zu bestimmten. In seiner Poetik, der bis heute bedeutendsten Dramentheorie, nennt er sechs bestimmende Elemente für das Drama. Die Elemente beansprucht er zwar für die Tragödie, doch wenn man das sechste Element als nicht notwendig erachtet, sondern als möglich einstuft, können die Elemente auch für das Drama im allgemeinen gelten. Die sechs Bestandteile, die danach jede Tragödie aufzuweisen hat, sind: mythos (Handlung), ethe (Charaktere), lexis (Rede, Sprache), diánoia (Gedanke, Absicht), opsis (Schau, Szene) und melopoiía (Gesang, Musik). Nach Aristoteles beziehen sich die ersten beiden Elemente sowie das vierte (Handlung, Charakter und Absicht) auf das, was dargestellt wird, die restlichen auf Art bzw. Szenerie und Mittel bzw. Sprache/Gesang der Darstellung. Im Folgenden soll auf der Basis der drei wichtigsten Elemente (Handlung, Sprache und Szenerie) die Eigenart des Dramas näher bestimmt werden (wobei nach Aristoteles die Charaktere der Handlung zuzuordnen sind). Das wichtigste im Drama ist nach Aristoteles die Handlung, er meint damit kaum mehr als den Ereigniszusammenhang, der den Inhalt des Dramas ausmacht. Im Vordergrund stehen dabei sozial-kommunikative Verhaltensäußerungen. Die Handlung ergibt sich aus einer Kette von Begebenheiten, an denen meist mehrere Personen beteiligt sind. Die zusammenhänge Handlungsfolge unterscheidet das Drama zwar von beschreibenden Texten, die ein räumliches Nebeneinander darstellen, sowie von gedanklich-assoziativen Texten (Lyrik) jedoch nicht von der Erzählliteratur (Epik). Aristoteles schrieb dem Epos eine dramatische Struktur zu. Zur Abgrenzung von der Epik bedarf das Drama also einer zusätzlichen Bestimmung. Diese findet sich im Bereich der Sprache bzw. Figurenrede. Handeln schließt das Reden ein, im Drama ist es die beherrschende Art des Handelns und gleichzeitig Medium außersprachlicher, wie z.B. innerer Vorgänge. Das normale Drama ist also ein Sprechdrama.[...]
Excerpt (computer-generated)
Freie Universität Berlin
Ausarbeitung zur mündlichen Prüfung
Das Drama im Deutschunterricht
Linda Kim Wegener
Grundschulpädagogik / Deutsch
1
Inhaltsverzeichnis
1.
Das Drama 2
1.1
Die wesentlichen Elemente des Dramas 2
1.1.1
Handlung 2
1.1.2 Sprache/Figurenrede
2
1.1.3
Szenerie/szenische Darbietung 3
1.2
Zur Geschichte des Dramas 3
1.3
Theorie des Dramas 5
1.3.1
Aristoteles (384 v. Chr. - 322 v. Chr.) 5
1.3.2
Pierre Corneille (1606 - 1684) 6
1.3.3
Gotthold Ephraim Lessing (1729 - 1781) 6
1.3.4
Jakob Lenz (1751 - 1792) 7
1.3.5
Berthold Brecht (1898 - 1956) 8
1.4
Dramatische Formen (Auswahl) 9
1.4.1 Tragödie
9
1.4.2 Komödie
9
1.4.3
Analytisches Drama 10
1.4.4
Bürgerliches Trauerspiel 10
1.4.5
Episches Theater 11
1.4.6
Dokumentarisches Theater 11
1.4.7 Tragikomödie
12
1.4.8
Geschlossene und offene Form im Drama 12
2. Dramendidaktik
14
2.1
Die Entwicklung der Dramendidaktik 14
2.2
Aktuelle didaktische Ansätze 15
2.2.1
Der gattungstheoretische Ansatz 15
2.2.2 Der
theaterpädagogische Ansatz 15
2.2.3
Der produktionsorientierte Ansatz 16
2.3
Didaktische Begründung für das Drama im Deutschunterricht 18
3.
Die szenische Interpretation mit dem Drama 19
3.1
Albrecht Schau 20
3.2
Marcel Kunz 23
3.3
Ingo Scheller 26
3.4
Die Rolle des Lehrers beim szenischen Interpretieren 30
4.
Szenische Interpretation mit Reiner Lückers und Stefan Reisners
Theaterstück Wasser im Eimer (3./4. Klasse) 31
4.1 Hinweise
zu
Wasser im Eimer
31
4.2 Mögliche Ansätze zur szenischen Interpretation 31
4.2.1 Sprechübungen
31
4.2.2
Figuren der Handlung werden angeklagt 33
5.
Szenische Interpretation mit Georg Büchners Woyzeck (9./10. Klasse) .35
5.1
Hinweise zu Georg Büchners Woyzeck 35
5.2
Mögliche Ansätze zur szenischen Interpretation nach Ingo Scheller 39
5.2.1
Aneignung der Lebenswelt 39
5.2.1.1 Standbilder 39
5.2.2
Szenische Interpretation der Handlung 40
5.2.2.1 Einfühlung in die Rollenfigur 40
Literaturverzeichnis 43
2
1. Das
Drama
1.1
Die wesentlichen Elemente des Dramas
Im Folgenden soll davon ausgegangen werden, dass das Drama zwar immer durch
seinen geschichtlichen Hintergrund geprägt wird, dass es jedoch im Sinne des
Allgemeinbegriffs als Summe seiner wesentlichen Merkmale dagegen zeitlos ist, sich
demnach in den rund zweieinhalb Jahrtausenden seiner Geschichte nicht verändert
hat.1
Bereits Aristoteles versuchte das Wesen des Dramas zu bestimmten. In seiner
Poetik
, der bis heute bedeutendsten Dramentheorie, nennt er sechs bestimmende
Elemente für das Drama. Die Elemente beansprucht er zwar für die Tragödie, doch
wenn man das sechste Element als nicht notwendig erachtet, sondern als möglich
einstuft, können die Elemente auch für das Drama im allgemeinen gelten. Die sechs
Bestandteile, die danach jede Tragödie aufzuweisen hat, sind:
mythos
(Handlung),
ethe
(Charaktere),
lexis
(Rede, Sprache),
diánoia
(Gedanke,
Absicht),
opsis
(Schau, Szene) und
melopoiía
(Gesang, Musik).
Nach Aristoteles beziehen sich die ersten beiden Elemente sowie das vierte
(Handlung, Charakter und Absicht) auf das, was dargestellt wird, die restlichen auf
Art bzw. Szenerie und Mittel bzw. Sprache/Gesang der Darstellung.
Im Folgenden soll auf der Basis der drei wichtigsten Elemente (Handlung, Sprache
und Szenerie) die Eigenart des Dramas näher bestimmt werden (wobei nach
Aristoteles die Charaktere der Handlung zuzuordnen sind).2
1.1.1 Handlung
Das wichtigste im Drama ist nach Aristoteles die Handlung, er meint damit kaum
mehr als den Ereigniszusammenhang, der den Inhalt des Dramas ausmacht. Im
Vordergrund stehen dabei sozial-kommunikative Verhaltensäußerungen. Die
Handlung ergibt sich aus einer Kette von Begebenheiten, an denen meist mehrere
Personen beteiligt sind.
1.1.2 Sprache/Figurenrede
Die zusammenhänge Handlungsfolge unterscheidet das Drama zwar von
beschreibenden Texten, die ein räumliches Nebeneinander darstellen, sowie von
gedanklich-assoziativen Texten (Lyrik) jedoch nicht von der Erzählliteratur (Epik).
1 Vgl.: Asmuth, Bernhard: Einführung in die Dramenanalyse. 4. Aufl. Stuttgart: Metzler, 1994. S. 1.
2 Vgl.: Ebd. S. 3f.
3
Aristoteles schrieb dem Epos eine dramatische Struktur zu. Zur Abgrenzung von der
Epik bedarf das Drama also einer zusätzlichen Bestimmung. Diese findet sich im
Bereich der Sprache bzw. Figurenrede. Handeln schließt das Reden ein, im Drama
ist es die beherrschende Art des Handelns und gleichzeitig Medium
außersprachlicher, wie z.B. innerer Vorgänge. Das normale Drama ist also ein
Sprechdrama.3
Zur endgültigen Unterscheidung von der Epik reicht die sprachliche oder mündliche
Form des Dramas indes nicht aus, denn auch das Erzählen erfolgt ursprünglich
mündlich. Das Kriterium, das zur Unterscheidung der dichterischen Gattungen seit
der Antike vorrangig bemüht wird, bezieht das redende Subjekt mit ein. Dies wird so
verstanden, dass im Drama nur die handelnden Figuren zu Wort kommen, in der
Lyrik nur der Autor selbst und in der Epik sowohl die Figuren (in Form der wörtlichen
Rede) und der Autor gleichermaßen.
Unter dem Gesichtspunkt des Redekriteriums erscheint also als wichtigstes Element
des Dramas der Dialog der Figuren, die Figurenrede.4
1.1.3 Szenerie/szenische Darbietung
Seine wahre Bestimmung findet das Drama erst auf der Bühne, als bloßes
Lesedrama bleibt jedes Stück unvollendet. Durch die szenische Darbietung wird das
Drama für das Publikum sinnlich wahrnehmbar, sowohl optisch als auch akustisch.5
1.2
Zur Geschichte des Dramas
Das Drama entwickelte sich in der griechischen Antike als Teil des Dionysoskultes
aus dem Chorgesang. Die Stoffe sind zumeist der mythologischen Überlieferung
entnommen. Die Komödie entstand aus der Verbindung dionysischer Maskenzüge
mit Stegreifspielen. Das römische Drama stellte im Wesentlichen eine Übernahme
des griechischen Dramas dar. Die Tragödie des Römers Seneca wirkte als formales
Vorbild für das Drama der Renaissance und des Barock.
Das geistliche Spiel des Mittelalters entstand aus liturgischen Wechselgesängen
(Osterliturgie) und entwickelte sich über szenische Darstellungen des Gesungenen in
der Kirche zu Aufführungen außerhalb der Kirche, vor allem auf Marktplätzen. Damit
ging die Ablösung des Lateinischen durch Volkssprachen einher.
3 Vgl.: Ebd. S. 8.
4 Vgl.: Ebd. S. 9.
5 Vgl.: Ebd. S. 10f.
4
Um die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert führte die Auseinandersetzung des
europäischen Humanismus mit der Antike zur Herausbildung eines vom geistlichen
Spiel unabhängigen Dramas nach antikem Vorbild (lateinisches Humanistendrama).
Von diesem und vom Fastnachtsspiel beeinflusst, wurde das Drama in der
Reformationszeit auch als Propagandainstrument der jeweiligen Parteien genutzt.
Das deutsche Drama stand im 16. und 17. Jahrhundert unter dem Einfluss der von
englischen Komödianten entwickelten Haupt- und Staatsaktionen. Für die weitere
Entwicklung spielten das deutschsprachige Schultheater und das lateinische
Jesuitentheater eine maßgebliche Rolle. Ein »goldenes Zeitalter« begann für das
Drama in Italien, Spanien, England und Frankreich aus der Spannung von christlicher
Transzendenz und renaissancehafter Diesseitsbejahung. In Italien entstanden an die
Antike anknüpfend die Renaissancekomödie und -tragödie; hier wurden die
Formelemente vereinigt, die das europäische Drama in künftigen Jahrhunderten
charakterisieren: die Einteilung in fünf oder (seltener) drei Akte, die Einheiten von
Ort, Zeit und Handlung sowie die Ständeklausel. In der zweiten Hälfte des 16.
Jahrhunderts entwickelte sich ein professionelles Schauspielwesen mit
Berufsschauspielern und eigenständigen Theaterbauten. Unmittelbar für seine
Theatergruppen schrieb u.a. Shakespeare.
Werke von Denis Diderot und P. A. de Beaumarchais machten das bürgerliche
Leben im 18. Jahrhundert bühnenfähig. In England begründete George Lillo die
Gattung des bürgerlichen Trauerspiels. In Deutschland schuf Lessing das deutsche
bürgerliche Trauerspiel und mit
Nathan der Weise
(1779) das klassische
Ideendrama, in dem die Gestaltung einer zentralen Idee in den Vordergrund rückte.
Der Sturm und Drang lehnte eine Bindung an strenge Kunstgesetze ab.
Zurückgreifend auf Lessing, Racine und Corneille sowie auf die attische Tragödie,
schufen Goethe und Schiller das klassische deutsche Drama, wobei Goethe den Typ
des symbolisch überhöhten, Konflikte ins Innere des Menschen verlegenden
Seelendramas bevorzugte. Schiller dagegen entwickelte in seiner
Wallenstein
-
Trilogie (1800) das Ideendrama weiter zu einem historischen Drama als Spiegel
menschlicher Größe, zum Charakterdrama. Auch bei Heinrich von Kleist wirkte eine
neue, eher tragische Selbst- und Welterfahrung.
Das frühe 19. Jahrhundert war geprägt von dem Versuch einer Fortschreibung und
Erweiterung der Weimarer Klassik, beziehungsweise von dem Bemühen um eine
realistische Darstellung (Georg Büchner). Seit dem 18. Jahrhundert prägte sich
5
zudem die populäre Form des sentimentalen Familiendramas oder Rührstücks aus.
Die sozialen Veränderungen der Moderne wurden von naturalistischen Dramen ab
den 1880er-Jahren auf der Bühne thematisiert (u.a. Georg Hauptmanns
Milieudramen). Zugleich entwickelten sich nichtrealistische Dramenformen wie das
symbolistische Drama sowie das expressionistische Drama. Im Bemühen um ein
politisches Theater arbeitete Berthold Brecht an seinem epischen Theater, während
andere Autoren (Carl Zuckmayer) eine Neubestimmung des Volksstücks anstrebten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm vor allem das Theater des Absurden von
Frankreich ausgehend eine dominierende Rolle ein. Mit der vergleichbaren
Zielsetzung, sich ästhetisch einer scheinbar zwingenden Sinnstiftung von Geschichte
zu verweigern, entwickelten Friedrich Dürrenmatt und Wolfgang Hildesheimer ihre
Form der grotesken Komödie.
In Deutschland übernahm das Theater in den 1960er-Jahren mit Dokumentarstücken
teilweise die Funktion einer Ersatzöffentlichkeit (Peter Weiss). Ab Mitte der 1970er-
Jahre avancierte Botho Strauß zu einem der bis heute meistgespielten deutschen
Dramatiker. In den 1980er-Jahren wurden vermehrt Dramen erprobt, denen
Sprachexperimente zugrunde liegen oder die mithilfe von Collagetechniken an einer
neuen Form des Geschichtsdramas (Heiner Müller) arbeiteten.
Zur Mitte der 1990er-Jahre zeichnete sich ein nationaler und internationaler Trend zu
naturalistischen, soziale und familiäre Härten beschreibenden Dramen ab. Poetisch-
märchenhafte, bisweilen absurde Züge kennzeichnen hingegen die seit Mitte der
1990er-Jahre zunehmend gespielten Stücke von Roland Schimmelpfennig, während
die seit dieser Zeit ebenso vermehrt inszenierten Bühnenwerke von Albert
Ostermaier v.a. lyrischen Charakter besitzen.6
1.3
Theorie des Dramas
1.3.1 Aristoteles (384 v. Chr. - 322 v. Chr.)
Im Mittelpunkt der Dramentheorie von der Antike über den Humanismus, die
Renaissance und den Barock bis hin zum Klassizismus steht die
Poetik
des
Aristoteles. Sie diente u.a. Julius Cäsar Scaliger, Martin Opitz und Johann Christoph
Gottsched als Richtmaß. Dementsprechend blieb die aristotelische Forderung nach
einer Einheit von Ort (der Schauplatz des Dramas bleibt unverändert), Zeit (Spielzeit
und gespielte Zeit sind identisch) und Handlung (Geschlossenheit und Stringenz der
6 Vgl.: http://lexikon.meyers.de/meyers/Drama_(Sachbegriffe) 18.05.08
6
Darstellung bleibt gewahrt) im deutschsprachigen Raum bis zu Johann Gottfried von
Herder bzw. bis zum Sturm und Drang verbindlich.
Eine weitere gattungskonstituierende Forderung der aristotelischen Poetik ist die
nach der Darstellung eines der Tragödie angemessenen außergewöhnlichen
Schicksals. Aus dieser Forderung entwickelte sich in der Renaissance, die
Außerordentlichkeit zumeist mit sozialem Rang verknüpfte, der Gedanke einer
Ständeklausel, demzufolge nur Menschen von hohem Adel tragödienfähig seien.
Charakteren niederen Standes sollte die Komödie vorbehalten bleiben.
Bedeutsam ist schließlich noch Aristoteles Beurteilung der Wirkung der Tragödie auf
den Zuschauer: Die Tragödie soll Jammer (éleos) und Schaudern (phóbos)
hervorrufen und somit eine Reinigung (Katharsis) von derartigen
Erregungszuständen bewirken.7
1.3.2 Pierre Corneille (1606 - 1684)
Pierre Corneille übersetzte und verstand die von Aristoteles geforderte Katharsis als
Reinigung von Leidenschaften durch das Hervorrufen von Furcht und Mitleid. Die
Affekte müssen aber nicht gleichzeitig auftreten: Einerseits kann der Held ein
Bösewicht sein, der durch seine Leidenschaften Angst und Schrecken verbreitet. Mit
ihm empfindet der Zuschauer zwar kein Mitleid, kann sich jedoch vor dessen
Leidenschaften fürchten. Andererseits kann der Held auch ein Heiliger und Märtyrer
sein, der durch seine Tugend über allen Leidenschaften steht. Dieser wird vom
Zuschauer bemitleidet und gleichzeitig auch für seine Erhabenheit bewundert. Somit
erweitert Corneille das Affektpaar Furcht und Mitleid, das den Zuschauer von seinen
Leidenschaften reinigen soll, um einen dritten Affekt, nämlich die Bewunderung.
1.3.3 Gotthold Ephraim Lessing (1729 - 1781)
Im Zentrum der von Lessing thematisierten Empfindungen steht das Mitleid, das
sowohl von den Figuren praktiziert als auch bei den Zuschauern als primärer Affekt
erzeugt werden soll.
Das Drama (Bürgerliches Trauerspiel) muss demzufolge das größtmögliche Ausmaß
an Mitleid erwecken. Lessing betonte vor allem den allgemeinmenschlichen,
universalen und gesellschaftlichen Charakter dieser Empfindung. Sie sollte nicht auf
den privaten Raum der Familie beschränkt bleiben, sondern die Menschen besser
7 Vgl.: http://www.gymnasium-borghorst.de/nathan/drama.htm 15.05.08
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