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Termpaper, 2004, 22 Pages
Author: Linda Fischer
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: University of Dusseldorf "Heinrich Heine"
Tags: Mythologische, Elemente, Hermann, Brochs, Roman, Verzauberung, Grundseminar, Gesamtwerke, Autors, Broch)
Year: 2004
Pages: 22
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 8 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-09719-7
File size: 187 KB
Eine ausgezeichnete und intelligente Arbeit, die gleicherweise durch problemorientierte Darstellung wie eigenständige Interpretationen beeindruckt. (Kommentar Dozentin)
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Abstract
In Hermann Brochs Roman „Die Verzauberung“ ist eine Vielzahl von Symbolen, Elementen und Allegorien zu finden, welche größtenteils der antiken Mythologie und ihren Göttern und Geschichten zuzuordnen sind. Der Autor Hermann Broch verwendet neben diesen Elementen aus der antiken griechischen Mythologie auch noch christliche und heidnische Symbole. Mit dieser Arbeit soll der Nachweis von antiken Göttergestalten und mythologischen Elementen respektive Symbolen in der „Verzauberung“ erbracht werden. Welche mythologischen Elemente verwendet Broch in der “Verzauberung“? Bei der Untersuchung dieser Fragestellung soll ein Bezug zwischen den Hauptromanfiguren und den Göttern der Mythologie hergestellt werden. Weiter soll geklärt werden, ob und inwiefern die Romanfiguren der antiken Göttervorlage entsprechen oder ob sich Abweichungen in der Gestaltung der Charaktere herausstellen. Der Schwerpunkt liegt besonders bei den Gemeinsamkeiten und ihrer Umsetzung. Als Primärquelle dieser Arbeit dient der Roman „Die Verzauberung“ von Hermann Broch. Bei der Untersuchung wurden besonders Texte und Bücher der antiken römischen und griechischen Mythologie, sowie Sekundärliteratur über biblische Symbole und allgemeine Symbolik, die auch antike und heidnische Aspekte beinhalten, herangezogen. Eine Grundlage bietet zunächst die Darstellung der antiken Göttergestalten, die später in ihrem Bezug und in ihrer Umsetzung im Roman analysiert werden. Anschließend werden passende Symbole aufgegriffen, die zum einen Attribute der Göttergestalt und zum anderen das der entsprechenden Romanfigur sind. Diese dienen als Verbindungselemente zwischen der antiken Mythologie und Brochs Romanumsetzung. Ein primäres Symbol wird näher beleuchtet, andere fließen in der Figurenanalyse mit ein. Zum Schluss werden die Romanfiguren in ihrer Entsprechung zur antiken mythologischen Vorlage und unter Berücksichtigung der Bedeutung und Auslegung des jeweiligen Symbols verglichen und analysiert. Da der Roman eine Fülle von mythologischen Bezügen aufweist, werden hier nur ausgewählte Elemente, exemplarisch für die vielen Parallelen, erläutert.
Excerpt (computer-generated)
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Grundseminar:
Gesamtwerk eines Autors/ Hermann Broch
SoSe 2004
Mythologische Elemente in Hermann Brochs
Roman ,,Die Verzauberung"
Linda Fischer
Germanistik, Soziologie
Inhaltsverzeichnis
1.
Einleitung
S. 1
2.
Die Göttergestalten der antiken Mythologie
2.1
Demeter S.2
2.2
Persephone
S.
2
2.3
Hades
S.
3
3.
Ausgewählte
mythologische Elemente der Antike und in der ,,Verzauberung"
3.1
Die
Erde
S.
4
3.2
Der
Apfel
S.
5
3.3
Das
Gold
S.
5
4.
Die Romanfiguren
4.1
Mutter
Gisson
S.
6
4.2
Irmgard S.8
4.3
Marius
S.12
5.
Resümee
S. 17
6.
Literaturverzeichnis
S. 19
1. Einleitung
In Hermann Brochs Roman ,,Die Verzauberung" ist eine Vielzahl von Symbolen,
Elementen und Allegorien zu finden, welche größtenteils der antiken Mythologie und
ihren Göttern und Geschichten zuzuordnen sind. Der Autor Hermann Broch verwendet
neben diesen Elementen aus der antiken griechischen Mythologie auch noch christliche
und heidnische Symbole.
Mit dieser Arbeit soll der Nachweis von antiken Göttergestalten und mythologischen
Elementen respektive Symbolen in der ,,Verzauberung" erbracht werden.
Welche mythologischen Elemente verwendet Broch in der "Verzauberung"?
Bei der Untersuchung dieser Fragestellung soll ein Bezug zwischen den
Hauptromanfiguren und den Göttern der Mythologie hergestellt werden. Weiter soll
geklärt werden, ob und inwiefern die Romanfiguren der antiken Göttervorlage
entsprechen oder ob sich Abweichungen in der Gestaltung der Charaktere herausstellen.
Der Schwerpunkt liegt besonders bei den Gemeinsamkeiten und ihrer Umsetzung.
Als Primärquelle dieser Arbeit dient der Roman ,,Die Verzauberung" von Hermann
Broch. Bei der Untersuchung wurden besonders Texte und Bücher der antiken
römischen und griechischen Mythologie, sowie Sekundärliteratur über biblische
Symbole und allgemeine Symbolik, die auch antike und heidnische Aspekte beinhalten,
herangezogen.
Eine Grundlage bietet zunächst die Darstellung der antiken Göttergestalten, die später in
ihrem Bezug und in ihrer Umsetzung im Roman analysiert werden. Anschließend
werden passende Symbole aufgegriffen, die zum einen Attribute der Göttergestalt und
zum anderen das der entsprechenden Romanfigur sind. Diese dienen als
Verbindungselemente zwischen der antiken Mythologie und Brochs Romanumsetzung.
Ein primäres Symbol wird näher beleuchtet, andere fließen in der Figurenanalyse mit
ein. Zum Schluss werden die Romanfiguren in ihrer Entsprechung zur antiken
mythologischen Vorlage und unter Berücksichtigung der Bedeutung und Auslegung des
jeweiligen Symbols verglichen und analysiert.
Da der Roman eine Fülle von mythologischen Bezügen aufweist, werden hier nur
ausgewählte Elemente, exemplarisch für die vielen Parallelen, erläutert.
1
2.
Die Göttergestalten der antiken Mythologie
2.1 Demeter
Demeter, Schwester des Zeus und Mutter der Persephone, ist eine griechische Erd- und
Fruchtbarkeitsgöttin und die Göttin des Wachstums, speziell bezogen auf den Ackerbau
und das Getreide. Sie gehört den olympischen Gottheiten an und wird von den Römern
mit Ceres1 gleichgesetzt. Mit der Erdgöttin Gaia2 verbindet sie der Schutzaspekt
gegenüber dem Ackerbau und dem Getreide, demnach wird sie auch als Schutz- oder
Heilsgöttin bezeichnet.
Der Name Demeter, abgeleitet von
ge-meter
bedeutet ,,Mutter Erde", bzw. ,,Erdmutter".
Bei den sogenannten Thesmophorien, einem großen Fest nur unter Frauen, spielte der
Fruchtbarkeitscharakter eine zentrale und primäre Rolle. Ferkel, Schlangen und
Pinienzapfen - wobei die Schlangen und Pinienzapfen eine phallische Konnotation
haben - wurden geopfert und als Gaben in ihre Höhle gebracht. Die Absicht und der
Glaube dahinter waren, die Wachstumskräfte der Erde
zu erwecken. 3
So wurden ihr zu Ehren die Eleusischen Mysterien begangen, bei welchen den Eingeweihten die
Angst vor dem Sterben durch die Zuversicht auf ein ewiges und glückliches Leben nach dem
Tode genommen werden sollte.4
Aufgrund ihrer Mütterlichkeit und besonders als Göttin der Frauen wurden ihr großes
Ansehen und Verehrung entgegengebracht5.
2.2 Persephone
Die Tochter von Demeter ist Persephone6. Sie ist die Göttin der Unterwelt und gilt in
Verbindung mit Demeter ebenfalls als Vegetationsgöttin.
In der griechischen Mythologie ist sie die Tochter des Zeus und somit aus einem
inzestuösen Verhältnis zwischen diesem und seiner Schwester Demeter entstanden.
1 Anm.: Im Vergleich zu Demeter stand ursprünglich nur der Getreideanbau unter Ceres Obhut; aus:
Moormann, Eric M. u. Uitterhoeve, Wilfried: Lexikon der antiken Gestalten. Mit ihrem Fortleben in
Kunst, Dichtung und Musik. Stuttgart: Kröner 1995. S. 221.
2 Anm.: Gaia gilt als die Göttin der Erde im allgemeinen Sinn; Moormann S. 221.
3 Vgl. Lurker, Manfred: Lexikon der Götter und Dämonen. Namen, Funktionen, Symbole, Attribute. 2.
erw. Auflage. Stuttgart: Kröner 1989. S. 105.
4 Vgl. Moormann 1995: 222.
5 Coenen, Dorothea: Griechische und römische Mythologie. Freiburg: Herder 1981. S 56.
6 Anm.: Auch lateinisch ,,Proserpina" genannt.
2
Persephone wird als die Gemahlin von Hades, dem Gott der Unterwelt, bezeichnet.
Dieser entführte sie mit der Zustimmung ihres Vaters Zeus, als ,,kore"7, in sein
unterirdisches Reich, wo sie mit ihm zusammen über die Toten herrschen sollte.
Demeter suchte ihre Tochter vergebens und ließ dadurch die Ernte und Saat
verkommen. Durch die drohende Vernichtung der Menschheit sandte Zeus Hermes, den
Götterboten, in die Unterwelt, um seine Tochter wieder auf die Erde und zu Demeter
zurückzubringen. Hades folgte zwar dem Gebot des Zeus, steckte Persephone vorher
aber noch einen Granatapfelkern in den Mund. Daher kam diese nicht nüchtern aus dem
Totenreich auf die Erde zurück und war, da sie dort etwas zu sich genommen hatte,
diesem Reich für immer verbunden8. Seitdem muss sie ein Drittel des Jahres in der
Unterwelt verbringen, während auf der Erde die Pflanzen verdorren9. Die andere Zeit
darf sie zusammen mit ihrer Mutter Demeter auf der Erde weilen, ,,was zum Wechsel
der Jahreszeiten führte".10
Ein Kennzeichen ist der mit einem Ährenkranz geschmückte Kopf, der auf Kore
hinweißt, welche den ,,lebenspendenden Aspekt der Quellgöttin Arethusa" an sich
gezogen hat.11
Ihr werden die Ähre, Granatapfel und die schwarze Pappel als Unterweltssymbol
zugeordnet.12
2.3 Hades
Er ist Sohn des Kronos und der Rheia und der Gemahl der Persephone. Als die Welt in
ihre Herrschaftsbereiche aufgeteilt wurde, fiel ihm die Unterwelt zu, die er als
Unterweltsgott beherrscht.13
Die Seelen der Verstorbenen unterliegen seiner Macht und aus seinem Reich gibt es
kein Entkommen.14 Als ,,Torschließer" (,,Pylartes") wacht er vor dem Eingang seines
Reiches, um den eingegangenen Seelen die Rückkehr zu verwehren.
7 Anm.: gr. ,,kore" bedeutet ,,junges Mädchen". In der antiken Mythologie ist es eine Person, in Brochs
Romanumsetzung wird der Kore eine eigene Figur, Agathe, zugeordnet und nicht Irmgard.
8 Vgl. Moormann 1995: 543
9 Fink, Gerhard. Who`s who in der antiken Mythologie. 11. Auflage. München: dtv 2003. S. 250.
10 Moormann 1995: 543.
11 Vgl. Lurker 1989: 224.
12 Vgl. Ebd.: 326.
13 Ebd.: 158.
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