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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 42 Pages
Author: Janina Richts
Subject: Communications: Media Economics, Media Management
Details
Institution/College: University of Paderborn
Tags: Filesharing, Ende, Musikindustrie, Medienökonomie
Year: 2008
Pages: 42
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 46 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-09811-8
File size: 466 KB
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Abstract
Der Wechsel vom Industrie- zum Informationszeitalter hat zu starken Veränderungen in der Musikbranche geführt. Durch das Internet und die zunehmende Digitalisierung nutzen Konsumenten Musik mehr als je zuvor. Sie wird nicht mehr nur konsumiert, sondern auch immer mehr untereinander getauscht. Laut einer Studie der ipoque GmbH verursachen Tauschbörsen in Deutschland mittlerweile bis zu 70% des gesamten Internetverkehrs. Knapp ein Viertel der Dateien, die heruntergeladen werden, sind Musikdateien. (Abb. 5). Diese Zahlen werden von der Musikindustrie in Verbindung gebracht mit den starken Umsatzrückgängen, die die Plattenfirmen im Tonträgergeschäft seit Jahren zu verzeichnen haben und die auch durch den Aufbau von Online-Music-Stores bisher nicht ausgeglichen werden konnten. Ob – und wenn ja, inwieweit – die Peer-to-Peer-Netzwerke tatsächlich den Musikmarkt zerstören, wie von Vertretern der Musikindustrie befürchtet wird, oder ob sich die Branche infolge der Digitalisierung nur neu strukturieren muss, soll in dieser Arbeit untersucht werden. Fokussiert wird hierbei der deutsche Musikmarkt, da aufgrund der unterschiedlichen Urheberrechtsgesetze eine weltweite Betrachtung zu komplex für diese Arbeit wäre. Nachdem ein kurzer Überblick über die grundlegenden Begriffe sowie die Entwicklung des Filesharing basierend auf der Digitalisierung gegeben wird, soll anschließend festgestellt werden, welche Auswirkungen diese Entwicklung auf die Musikindustrie hat. Dies ist nur möglich, wenn zunächst die Situation der Branche analysiert wird, damit die konkreten Probleme, mit der der Musikmarkt konfrontiert ist, sichtbar gemacht werden. Die Branchenanalyse beruht auf Michael Porter, dessen Ansatz in dem Werk „Strategisches Management – Analyse, Entwicklung und Implementierung von Unternehmensstrategien“ (2006) von Robert Grant und Michael Nippa ausführlich dargestellt wird und aus dem in dieser Arbeit zitiert wird. Um zu einer objektiven Beurteilung gelangen zu können, soll sowohl die Sichtweise der Musikindustrie dargestellt werden, die das Filesharing aufgrund der Umsatzverluste, für die sie es verantwortlich macht, bekämpfen will, als auch die entgegengesetzte Sichtweise, nach der das Filesharing nicht die Ursache für die rückläufigen Umsätze sein kann. [...]
Excerpt (computer-generated)
Universität Paderborn
Fakultät für Wirtschaftswissenschaften
01.03.2008
Lehrstuhl für Organisation & Unternehmensführung, insbesondere Medienwirtschaft
Seminararbeit zum Thema:
Filesharing Das Ende der Musikindustrie?
Seminar Medienökonomie
Wintersemester 2007/2008
Janina Richts
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis III
1.
Einleitung 1
2. Grundlagen 3
2.1 Definition Filesharing 3
2.2 Entwicklung des Filesharing 3
2.2.1 Vorraussetzungen 3
2.2.2 Von Napster zu Bittorrent 4
3. Auswirkungen auf die Musikindustrie 6
3.1 Die Situation der Branche (Analyse der Wettbewerbskräfte) 6
3.2 Die unterschiedlichen Sichtweisen 11
3.2.1
Kontra
11
3.2.1.1 Filesharing als Ursache für Umsatzverluste 11
3.2.1.2 Lösung: Bekämpfung des Filesharing 13
3.2.2
Pro
15
3.2.2.1 Ursachen für die Umsatzverluste 16
3.2.2.2 Fehler der Musikindustrie 18
3.2.2.3 Argumente für Filesharing 23
4. Lösungsvorschläge: Filesharing als Chance begreifen 25
4.1 Die Kulturflatrate 28
5. Ergebnis 29
Literaturverzeichnis 31
Anhang 36
II
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Die 5 Wettbewerbskräfte nach Porter 7
Abbildung 2: Das Lebenszykluskonzept 17
Abbildung 3: Singles Shipped 18
Abbildung 4: Gesamtumsatz des Phonomarktes in Deutschland, 1997-2006 19
Abbildung 5: Bittorrent: Anzahl der getauschten Dateien, Deutschland, Oktober 2006 36
Abbildung 6: P2P-Protokollverteilung nach Volumen, Deutschland 2007 36
Abbildung 7: Mit Musik bespielte Rohlinge und verkaufte CD-Alben, 2000-2006 37
Abbildung 8: Musikdownloads, 2000-2006 37
Abbildung 9: Reichweite legaler/illegaler Musikdownloads, 2005/2006 38
III
1. Einleitung
Der Wechsel vom Industrie- zum Informationszeitalter hat zu starken Veränderungen in
der Musikbranche geführt. Durch das Internet und die zunehmende Digitalisierung nutzen
Konsumenten Musik mehr als je zuvor. Sie wird nicht mehr nur konsumiert, sondern auch
immer mehr untereinander getauscht. Laut einer Studie der ipoque GmbH verursachen
Tauschbörsen in Deutschland mittlerweile bis zu 70% des gesamten Internetverkehrs.1
Knapp ein Viertel der Dateien, die heruntergeladen werden, sind Musikdateien.2 (Abb. 5).
Diese Zahlen werden von der Musikindustrie in Verbindung gebracht mit den starken
Umsatzrückgängen, die die Plattenfirmen im Tonträgergeschäft seit Jahren zu verzeichnen
haben und die auch durch den Aufbau von Online-Music-Stores bisher nicht ausgeglichen
werden konnten.
Ob und wenn ja, inwieweit die Peer-to-Peer-Netzwerke tatsächlich den Musikmarkt
zerstören, wie von Vertretern der Musikindustrie befürchtet wird, oder ob sich die Branche
infolge der Digitalisierung nur neu strukturieren muss, soll in dieser Arbeit untersucht
werden. Fokussiert wird hierbei der deutsche Musikmarkt, da aufgrund der
unterschiedlichen Urheberrechtsgesetze eine weltweite Betrachtung zu komplex für diese
Arbeit wäre.
Nachdem ein kurzer Überblick über die grundlegenden Begriffe sowie die Entwicklung
des Filesharing basierend auf der Digitalisierung gegeben wird, soll anschließend
festgestellt werden, welche Auswirkungen diese Entwicklung auf die Musikindustrie hat.
Dies ist nur möglich, wenn zunächst die Situation der Branche analysiert wird, damit die
konkreten Probleme, mit der der Musikmarkt konfrontiert ist, sichtbar gemacht werden.
Die Branchenanalyse beruht auf Michael Porter, dessen Ansatz in dem Werk
,,Strategisches Management Analyse, Entwicklung und Implementierung von
Unternehmensstrategien" (2006) von Robert Grant und Michael Nippa ausführlich
dargestellt wird und aus dem in dieser Arbeit zitiert wird.
Um zu einer objektiven Beurteilung gelangen zu können, soll sowohl die Sichtweise der
Musikindustrie dargestellt werden, die das Filesharing aufgrund der Umsatzverluste, für
die sie es verantwortlich macht, bekämpfen will, als auch die entgegengesetzte Sichtweise,
nach der das Filesharing nicht die Ursache für die rückläufigen Umsätze sein kann. Da die
Forschungslage in Bezug auf die Auswirkungen der kostenlosen Downloadplattformen auf
1 Vgl. Ipoque GmbH (Hg). Internetstudie 2007. Online im Internet.
2 Downloads über das Bittorrent-Netzwerk.
1
die Musikindustrie nicht eindeutig ist, werden unterschiedliche Studien zu diesem Thema
vorgestellt.
Zuletzt sollen Lösungsvorschläge erarbeitet werden, die beiden Seiten entgegenkommen.
Außerdem soll die Ausgangsfrage beantwortet werden, ob Filesharing das Ende der
Musikindustrie bedeutet oder aber neue Chancen bietet.
Als Leitfaden für den Untersuchungsgegenstand werden die frei verfügbare Online-
Ausgabe des Buches ,,Mix, Burn und R.I.P. Das Ende der Musikindustrie" (2003) von
Janko Röttgers sowie die wissenschaftliche Arbeit ,,Digitale Musikdistribution
Grundlagen, Potenziale, Strategien" von Frank Oepkemeier verwendet.
2
2. Grundlagen
2.1 Definition Filesharing
Mit Filesharing wird der anonymisierte Austausch von Dateien zwischen Nutzern im
Internet bezeichnet. Mit Filesharing können z.B. Musikdateien oder Filme ausgetauscht
werden. [...]. Technisch wird das Filesharing regelmäßig über peer2peer-Software
realisiert.3
,,Peer" bedeutet soviel wie ,,Gleichgestellter" oder ,,Ebenbürtiger". Eine Peer-to-Peer-
Software stellt daher eine Kommunikation zwischen Gleichgestellten dar, bezogen auf ein
Netzwerk von Computern. Die einzelnen Teilnehmer können in diesem Netzwerk sowohl
Dienste in Anspruch nehmen (Download) als auch Dienste zur Verfügung stellen
(Upload).4 Damit ist es möglich, über die so genannten Tauschbörsen beliebige Dateien
unbegrenzt zu vervielfältigen. Hierbei müssen die geltenden Urheberrechtsbeschränkungen
beachtet werden. Zu unterscheiden ist zwischen legalen Tauschbörsen, bei denen für den
Download einer Datei bezahlt wird, und illegalen Tauschbörsen, die sich seit Jahren immer
größerer Beliebtheit erfreuen. Die meist getauschten Dateien sind Filme, Musik und
Software, wobei sich diese Arbeit ausschließlich auf den Austausch von Musikdateien und
die daraus resultierenden Veränderungen für die Musikindustrie beschränkt.
Nachfolgend soll erklärt werden, wie die Entstehung von Tauschbörsen überhaupt möglich
werden konnte und warum sich diese in kürzester Zeit so stark verbreitet haben.
2.2 Entwicklung des Filesharing
2.2.1 Vorraussetzungen
In der modernen Welt, in der der Einfluss von Computertechnik immer mehr zunimmt,
hat sich die Digitalisierung als eine der nachhaltigsten Veränderungen erwiesen.
Die Digitalisierung ist der Schlüssel für den Zugang zu den nahezu unbegrenzten
Bearbeitungsmöglichkeiten mit Computern. Diese Vielfalt findet ihre Entsprechung in der
Nutzung von Computernetzen.5
Da Musik ein Produkt ist, das im Gegensatz zu anderen Produkten in digitalisierter
Form auf einfache Weise verbreitet werden kann, ist die Musikwirtschaft von dieser
Veränderung besonders stark betroffen. Große Teile der mit Musik
zusammenhängenden Medientechnologien sind bereits von der Digitalisierung erfasst
und diese Entwicklung wird in den nächsten Jahren voraussichtlich noch stark
3 O.V. (Lexeakt.de, o.Jg.): Filesharing. Online im Internet.
4 Vgl. o.V. (Wikipedia, 2008): Peer-to-Peer. Online im Internet.
5 BUROW (1998), S. 165.
3
zunehmen.6 Die Digitalisierung bildet die Grundlage für die Distribution über
elektronische Massenmedien. Hinzukommende begünstigende Faktoren sind die
exponentiell steigende Anzahl von Internetnutzern, das zunehmende Angebot an
kostengünstigen und schnellen Internetanschlüssen sowie verbesserte Methoden zur
Datenkomprimierung.7
Diese Vorraussetzungen führten zu einem ,,gigantischen Umwälzungsprozess"8, von
dem die Musikindustrie besonders stark betroffen ist. Während Musik früher ein
privates Gut darstellte, indem beispielsweise eine CD nur einer Person zur Verfügung
stand und sich nicht ohne Qualitätseinbußen vervielfältigen ließ, ist sie zu einem
öffentlichen Gut geworden, bei dem etliches Kopieren ohne Qualitätsverlust auf dem
digitalen Weg ohne weiteres möglich ist. Das Kriterium der Ausschließbarkeit für ein
privaten Gutes ist daher nicht mehr gegeben.9
Durch die Simplizität der digitalen Vervielfältigung stieg auch die Zahl der
Pirateriedelikte10 erheblich an und wird durch die wachsende Vernetzung noch weiter
zunehmen.11 Einer von Ipoque im Jahr 2007 durchgeführten Studie zufolge erzeugt das
Peer-to-Peer-Filesharing mit etwa 70% im Internet mehr Verkehr als alle anderen
Anwendungen zusammen.12 Ob und wenn ja welche Auswirkungen dies auf die
Umsätze der Musikindustrie hat, soll später in dieser Arbeit untersucht werden.
2.2.2 Von Napster zu Bittorrent
Die neuen Möglichkeiten, die das Internet offenbarte, interessierten 1999 auch den
damals 19jährigen Informatikstudenten Shawn Fanning. Besonders der Download
von MP3-Musikdateien über Websites oder Suchmaschinen faszinierte ihn.
Angeregt durch die schnelle Internetanbinung seines Studentenwohnheimes an der
Bostoner Universität, kam ihm die Idee, man müsse doch auch ohne zentrale
Instanzen wie das Web oder Suchmaschinen auskommen können, um MP3s
miteinander auszutauschen. Dabei sollten die Nutzer direkt auf die Festplatten der
anderen Nutzer zugreifen können. Aus diesem Gedanken heraus entstand die
6 Vgl.: BUROW (1998), S.264.
7 Vgl. SCHÖNER (2001) , S.93.
8 RÖTTGERS (2003), S.166.
9 Vgl. OEPKEMEIER (2007), S.9; vgl. DETERS (Inprekorr, 2001): MP3, Napster und die Folgen. Online im
Internet.
10 Definition Piraterie: ,,Heute wird der Begriff Piraterie [...] verwendet für die Bezeichnung von Imitationen von
Handels- oder Gewerbegütern ohne Zustimmung des Berechtigten." (KRUG (2000), S.19).
11 Vgl. SCHÖNER (2001), S.93.
12 Vgl. Vgl. Ipoque GmbH (Hg). Internetstudie 2007. Online im Internet.
4
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