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Kinderarmut in Deutschland

Subtitle: Die Zeit der Industrialisierung im Vergleich zu heute

Termpaper, 2005, 24 Pages
Author: Rebecca Brohm
Subject: Social Pedagogy / Social Work

Details

Event: Sozial Politik, Soziale Ungleichheit und Soziale Arbeit
Institution/College: University of Applied Sciences Esslingen
Tags: Kinderarmut, Deutschland, Sozial, Politik, Soziale, Ungleichheit, Soziale, Arbeit, Bildung, Industrialisierung
Category: Termpaper
Year: 2005
Pages: 24
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 7  Entries
Language: German
Archive No.: V94042
ISBN (E-book): 978-3-638-07268-7
ISBN (Book): 978-3-638-95703-8
File size: 179 KB

Abstract

Im 19. Jahrhundert wurde aufgrund der Arbeiterbewegung erstmals staatlich so etwas wie eine soziale Sicherung eingeführt. Durch diese Sozialversicherungen sollten soziale Risiken vermindert werden. Auch auf anderen Ebenen tat sich einiges um soziale Ungleichheit zu verringern. Hilfen für Arme institutionalisierten und professionalisierten sich. Die Industrialisierung steht somit nicht nur für wesentliche Veränderungen in der Wirtschaft und Gesellschaft, sondern auch für Änderungen im sozialen Sektor. Seit damals sind mittlerweile mehr als 100 Jahre vergangen. Zeit sich zu fragen, was aus diesen Änderungen geworden ist – wo wir heute stehen. Haben wir dazugelernt? Oder kämpfen wir heute noch mit ähnlichen Problemen wie damals? Mit vorliegender Arbeit soll im ersten Teil zunächst ein Überblick über die Situation von Armen während der Industrialisierung geschaffen werden. Im zweiten Teil möchte ich den Bezug zu heute herstellen und vergleichen, was sich seit damals geändert hat.


Excerpt (computer-generated)

Kinderarmut in Deutschland ­

Die Zeit der Industrialisierung im

Vergleich zu Heute

Hausarbeit Modul 1.1.

,,Sozial Politik, Soziale Ungleichheit und Soziale Arbeit"

Wintersemester 2004/2005


Gliederung

Seite(n)

Einleitung

3

1.

Kinderarmut zu Zeiten der Industrialisierung

1.1. Begriffsklärung

3-5

1.1.1.

,,Industrialisierung/Industrielle

Revolution"

3

1.1.2.

,,Proletariat"

4

1.2. Armutsverständnis

1.2.1.

,,relative" und ,,absolute Armut"

4-5

1.2.2.

gesellschaftliche Beurteilung von

Armut

5-6

1.3. Gesellschaftliche Ausprägung von Armut

6-9

1.4. Intervention

10-12

2.

Kinderarmut heute im Vergleich zu damals

2.1. Armutsverständnis

13-17

2.1.1.

politische Armutsgrenze

13

2.1.2.

relative Einkommensarmut

13-14

2.1.3.

kindergerechter Armutsbegriff

14-15

2.1.4.

gesellschaftliche Beurteilung von

Armut

15-17

2.2. Gesellschaftliche Ausprägung von Armut

17-21

2.2.1.

Stadt-Land-Gefälle

17

2.2.2.

Frauen- und Mädchenrolle bei

familiärer Armut

17-18

2.2.3.

Einführung von

Arbeitslosenversicherung/Sozialhilfe

= Bekämpfte Armut??

18-20

2.3. Intervention

21-22

Zusammenfassung und Schlussbemerkung

22

Literaturverzeichnis

23

- 2 -


Einleitung

Im 19. Jahrhundert wurde aufgrund der Arbeiterbewegung erstmals staatlich so etwas wie eine soziale

Sicherung eingeführt. Durch diese Sozialversicherungen sollten soziale Risiken vermindert werden.

Auch auf anderen Ebenen tat sich einiges um soziale Ungleichheit zu verringern. Hilfen für Arme

institutionalisierten und professionalisierten sich. Die Industrialisierung steht somit nicht nur für

wesentliche Veränderungen in der Wirtschaft und Gesellschaft, sondern auch für Änderungen im

sozialen Sektor.

Seit damals sind mittlerweile mehr als 100 Jahre vergangen. Zeit sich zu fragen, was aus diesen

Änderungen geworden ist ­ wo wir heute stehen. Haben wir dazugelernt? Oder kämpfen wir heute

noch mit ähnlichen Problemen wie damals?

Mit vorliegender Arbeit soll im ersten Teil zunächst ein Überblick über die Situation von Armen in der

Industrialisierung, geschaffen werden. Im zweiten Teil möchte ich den Bezug zu heute herstellen und

vergleichen, ob und was sich seit damals geändert hat.

1. Kinderarmut zu Zeiten der Industrialisierung

1.1. Begriffsklärung

Zum besseren Verständnis der Ausführungen ist es zunächst wichtig, Begriffe zu klären, die

charakteristisch für die Zeit des 19. Jahrhunderts stehen..

1.1.1. ,,Industrialisierung/ Industrielle Revolution"

Industrialisierung

oder

auch

Industrielle

Revolution1

bezeichnet

den

Übergang

einer

landwirtschaftlichen (Agrar-)Gesellschaft in eine Industriegesellschaft. In England begann diese

Entwicklung bereits gegen Ende des 18.Jh (Beginn ca. 1750) mit der Erfindung der Dampfmaschine,

der Spinnmaschine und des mechanischen Webstuhls. Deutschland industrialisierte sich erst rund 100

Jahre später (ca. 1830/1840)2. Das traditionelle Handwerk wurde von Dampfmaschinen ersetzt. Da

diese ohne Wind- und Wasserkraft betrieben wurden, siedelten sich die großen Firmen in den Städten

an. Mit einher ging auch die Modernisierung der Landwirtschaft durch Erfindungen in der Chemie.

Auf diese Weise wurde die Landwirtschaft intensiviert, sie sollte die Ernährung der stetig wachsenden

Bevölkerung sichern3. Außerdem führten die neuen landwirtschaftlichen Methoden, die den Mensch

durch die Maschine ersetzten dazu, dass immer weniger Landarbeiter gebraucht wurden. Dadurch

1 Es lässt sich kein erwähnenswerter Unterschied zwischen den Begriffen feststellen. Auch im folgenden Text, werden die Begriffe als

Synonym gebraucht.

2 Vgl. auch Rosenbaum1982 S.383ff, hiernach dominierte bis 1850 noch im Bereich der gewerblichen Produktion Handwerk und

Hausindustrie. Erst 1873 habe die Zahl der Fabrikarbeiter erstmals die Zahl der Handwerke und Heimindustriellen überstiegen. Sie

veranschlagt 1849 als Beginn der industriellen Revolution.

3 Vgl. Enzyklopädie 2003 ,,Industrielle Revolution"

- 3 -


verstärkte sich die Abwanderung in bereits überbevölkerte Städte. Die Menschen träumten den Traum

des Reichtums in der Großstadt. Mit ihren handwerklichen Fähigkeiten kamen sie jedoch nicht gegen

die großen Industriemaschinen an. Steigende Arbeitslosigkeit in den Städten und auf dem Land war

die Folge. Zwar schaffte die Industrialisierung die große Massenarmut zu verringern, dennoch

entstand eine große Kluft zwischen Arm und Reich4. Mangelnde Soziale Sicherung führte zum

Aufkommen der sogenannten ,,Sozialen Frage" und zur Gründung von Arbeiterbewegungen5. Diese

waren treibend für die Einführung der verschieden sozialen Sicherungssystem (1883 Einführung der

Krankenversicherung;

1914

Arbeitslosenversicherung6,

1884

Unfallversicherung,

1889

Rentenversicherung7.).

Als Endpunkt der Industrialisierung bezeichnet Rosenbaum 1873, danach verlangsamte sich die

industrielle Entwicklung, was als ,,große Depression"8 (nicht im negativen Sinne) bezeichnet wird.

1.1.2.

Begriffsklärung ,,Proletariat"

Der Ursprung des Wortes ist lateinisch(proles, "Sprössling, Nachkomme"). Im antiken Rom

bezeichnete man die ärmste Bürgerschicht als Proletarier, da sie dem Staat nur durch das Gebären von

Kindern dienlich waren. Marx bezeichnete die durch die Industrialisierung entstandene Klasse9 der

Lohnarbeiter so. Zwar sei diese Bevölkerungsschicht im Gegensatz zu Leibeigenen frei, dennoch

verfüge sie über keine Produktionsmittel, was sie im krassen Gegensatz zur ausbeutenden

kapitalistischen Klasse (Bourgeoisie) stehen ließe. Marx sieht in diesem widersprüchlichen Verhältnis

eine kapitalistische Gesellschaft begründet. Die proletarische Klasse allerdings verfüge über ein

revolutionäres Potenzial, was nötig ist um den Klassengegensatz im sogenannten Klassenkampf zu

überwinden. Was auch durch die bekannte Kampfparole ,,Proletarier aller Welt vereinigt euch"10

deutlich wird. 11

1.2. Armutsverständnis

Um nachvollziehen zu können, wie sich das Leben für Kinder in Armut damals gestaltet hat, muss

zunächst einmal definiert werden, was unter Armut zu verstehen ist und wie Armut damals beurteilt

wurde.

1.2.1.

,,relative" und ,,absolute Armut"

Grundsätzlich lässt sich zwischen ,,absoluter Armut" und ,,relativer Armut" unterscheiden.

4 so nach Enzyklopädie 2003 ,,Industrielle Revolution". Anderenorts wird eher von gestiegener Armut gesprochen (z.B. Lindmeier 1998

S.67)

5 siehe Anm. 2

6 vgl. Rosenbaum 1982, S.391

7 Braun 2003, S.22

8 vgl. Rosenbaum 1982, S.385

9 Klasse bezeichnet ,,In der Soziologie und Politik eine Gruppen von Personen, die auf Grund gleicher Besitz- und Eigentumsverhältnisse in

soziale Klassen eingeteilt werden. In der marxistischen Theorie gehen Klassen aus der Entstehung des Privateigentums hervor; der

Antagonismus zwischen Proletariat und Bourgeoisie lasse notwendigerweise den Klassenkampf entstehen." (Enzyklopädie 2003 Stichwort

,,Klasse")

10 Enzyklopädie 2003 "Proletariat"

11 Enzyklopädie 2003 "Proletariat"

- 4 -


,,Relative Armut bezeichnet einen Zustand, in dem die Teilnahme am soziokulturellen Lebensstandard

einer Gesellschaft unmöglich ist."12 Diese Art von Armut wird auch als ,,neue Armut" bezeichnet und

meint nicht jene Armut, durch welche die Grundversorgung (Essen, Wohnung, etc.) bedroht ist.

Hierfür verwendet man den Begriff der ,,Absoluten Armut". Dies ,,...bezeichnet einen Zustand des

akuten Mangels, in dem ein Mensch direkt (Verhungern, Verdursten) oder indirekt (Krankheit) durch

den Tod bedroht ist." 13

Drohende Arbeitslosigkeit einhergehend mit niedriger unsicherer Bezahlung, mangelnde soziale

Absicherung bei Krankheit, Alter usw. führten dazu, dass proletarische Arbeiter nie sicher sein

konnten, ob sie den Nahrungsbedarf ihrer Familie sichern konnten. Man sah sich stets bedroht zu

verarmen oder von der Wohlfahrt abhängig zu werden.14 Die Grundversorgung war nicht mehr

gesichert. Dass dadurch das Leben insbesondere von Kindern in den Arbeiterfamilie gefährdet war,

belegen folgende Zahlen: 1901 starben bei 2 Millionen Geburten in Arbeiterfamilien 65.000 Babys

und weitere 500.000 Kinder vor dem 5. Lebensjahr.15

1.2.2. Gesellschaftliche Beurteilung von Armut

Die gesellschaftliche Auffassung über Armut hat sich im Zuge der industriellen Revolution verändert.

Sah man im Mittelalter Armut noch als einen gottgefälligen Zustand, wurden Arme nun oft als

arbeitsscheu und kriminell abgeurteilt. Ursache dafür war vor allem der erhöhte Geldumlauf. Zuvor

wurde in der Regel noch mit Naturalien oder Sachleistungen (Unterkunft, Nahrung etc.) bezahlt.

Bargeld wurde zuvor für Sonderausgaben verwandt und galt als Luxus. Dieser gesellschaftliche

Umbruch machte es der proletarischen Bevölkerung schwer sich an die neue Situation zu gewöhnen

und das sowieso knappe Geld für die Grundversorgung zu verwenden.16

Auch Wichern, um den es weiter unten noch ausführlicher gehen wird, vertrat diese

Armutsauffassung. Er unterschied zwischen ,,schamloser und verschuldeter Armut" und ,,gesegneter

Armut". Schamlose oder verschuldete Armut äußerte sich in Form von mangelndem Lebensmut,

fehlendem Gefühl der Eigenverantwortung bzw. der eigenen Würde, unzureichendem verbindlichen

Wertesystem, sowie durch Resignation, Arbeitsscheu und einer Anspruchshaltung gegenüber den

Trägern der Armenpflege.17 Seit dem ausgehenden 18. Jh. wurde in sozialpolitischer und

volkserzieherischer Literatur ein Phänomen genannt ,,Luxus der Armen"18 laut. Es wurde als

Hauptgrund für Armut proklamiert. So fand sich in den unteren Klassen ein gestiegener Kaffe-,

Tabak- und Branntweinkonsum, eine üppige Ernährungsweise, übertriebener Aufwand hinsichtlich der

12 Enzyklopädie 2003 ,,Armut"

13 a.a.O.

14 vgl. Rosenbaum 1982, S.391-393

15 vgl. Hering 2000

16 vgl. Lindmeier 1998, S.190-193

17 vgl. Lindmeier 1998, S.166

18 a.a.O., S.189 in Bezug auf Krämer 1963

- 5 -



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