In letzter Zeit werden neue Medien zu Lernzwecken (E-Learning) in der Ärztefortbildung verstärkt eingesetzt und jüngst eingeführte gesetzliche Regelungen schufen günstige Rahmenbedingungen für das Aufkommen von didaktisch und lernpsychologisch eher simplen E-Learning-Lösungen in Form von Web-Based-Trainings (WBT), welche in der Ärztefortbildung derzeit durch den Begriff Online-CME (Continuing Medical Education) geprägt sind. Gesundheitspolitisch wurde auf den Qualifizierungsbedarf mit einer Fortbildungspflicht für Ärzte reagiert. Auf der anderen Seite findet Ärztefortbildung seit jeher freiwillig statt und ist als moralische Pflicht bereits in der Medizinethik und der Zulassung zur Ausübung des Arztberufes verankert. Die vorliegende Dissertation versucht hieraus entstehende Forschungsfragen zu beantworten: E-Learning-Situation in der Ärztefortbildung: Wie wirken sich aktuelle gesundheitspolitische Entwicklungen auf das Thema "E-Learning" in der Ärztefortbildung aus? Wie sehen derzeitige E-Learning-Angebote in der Ärztefortbildung aus? Welche weiteren E-Learning-Szenarien entwickeln sich momentan in der Ärztefortbildung? Wie gestalten sich berufsspezifische Rahmenbedingungen der ärztlichen Berufsausübung im Setting "Arztpraxis"? Motivation beim E-Learning in der Ärztefortbildung: Welcher Zusammenhang zwischen Fortbildungsmotivation und Lernverhalten zeigt sich bei den Ärzten? Wie wirken sich gesundheitspolitische Regelungen für Ärztefortbildung auf die Motivation der Ärzte aus? Einschätzung von E-Learning in der Ärztefortbildung: Wie betrachtet die Zielgruppe der Ärzte das Thema "E-Learning" in der Ärztefortbildung? Wie schätzen Fachexperten das Thema "E-Learning" in der Ärztefortbildung, seine Gesamtsituation und Entwicklungen ein? Im Rahmen dieser Dissertation wurden zwei Befragungen mit Kooperationspartnern (DocCheck Medical Services GmbH, Sandoz Pharmaceuticals GmbH) in Form einer Online-Befragung (150 teilnehmende Ärzte) und einer Paper-Pencil-Befragung (90 teilnehmende Ärzte) durchgeführt. Leitfadengestützte Experteninterviews (5 Interviews) mit Fachexperten für Ärztefortbildung bilden eine zusätzliche Datenbasis.
Inhaltsverzeichnis
KAPITEL 0: EINLEITUNG
0. Einführung
0.1 Die ärztliche Realität hat zwei Gesichter: ein narrativer Einstieg
0.2 Zielsetzung der Arbeit
0.3 Forschungsfragen
0.4 Aufbau und Struktur der Arbeit
KAPITEL 1: E-LEARNING IN DER ÄRZTEFORTBILDUNG – EINE BESTANDSAUFNAHME
1.1. Rahmenbedingungen für E-Learning in der Ärztefortbildung
1.1.1 Wissenszuwachs
1.1.2 Bevölkerungswandel
1.1.3 Veränderte Patientenanforderungen
1.1.4 Digitalisierung
1.1.5 Auswirkungen auf die Qualifizierung von Ärzten
1.2 Die aktuelle E-Learning-Situation in der Ärztefortbildung
1.2.1 Medieneinsatz und E-Learning-Angebote in der Ärztefortbildung
1.2.2 Vermehrtes Auftreten von Online-CME
1.2.3 Beispiele für Online-CME
1.2.4 Bewertung der aktuellen Situation
1.3 Zusammenfassung
KAPITEL 2: LERNEN UND MOTIVATION IN DER ÄRZTEFORTBILDUNG
2.1 Wie Ärzte lernen
2.1.1 Die Komplexität des ärztlichen Lerngegenstandes
2.1.2 Exkurs in den Konstruktivismus
2.1.3 Wissen und Lernen aus konstruktivistischer Sicht
2.1.4 Formelle und informelle Lernprozesse im Vergleich
2.2 Warum Ärzte lernen
2.2.1 Fortbildungspflicht und Fortbildungsbereitschaft in der Ärztefortbildung
2.2.2 Motivationspsychologische Betrachtung der Ärztefortbildung
2.2.3 Motivationsmodell für Ärztefortbildung
2.3 Zusammenfassung
KAPITEL 3: E-LEARNING IN DER ÄRZTEFORTBILDUNG – EINE MÖGLICHE SITUATION
3.1 Geeignete Ansätze und Modelle für E-Learning in der Ärztefortbildung
3.1.1 E-Learning-Szenarien aus dem Hochschulbereich
3.1.2 Online-Communities als informelle E-Learning-Szenarien
3.1.3 Bewertung der möglichen Situation
3.2 Implementation von E-Learning in der Ärztefortbildung
3.2.1 E-Learning als Bildungsinnovation in der Ärztefortbildung
3.2.2 Der Arzt als Kleinstunternehmer – Implementationsbedingungen für E-Learning in der Arztpraxis
3.3 Zusammenfassung
KAPITEL 4: BEFRAGUNGEN ZUM THEMA ÄRTZEFORTBILDUNG
4.1 Fragebogen zum Thema Ärztefortbildung
4.1.1 Ziel und Zielgruppe der Befragungen
4.1.2 Inhaltsblöcke des Fragebogens
4.1.3 Fragebogen
4.2 Onlinebefragung zum Thema Ärztefortbildung
4.2.1 Kooperationspartner und Durchführung der Befragung
4.2.2 Online-Fragebogen
4.3. Offlinebefragung zum Thema Ärztefortbildung
4.3.1 Kooperationspartner und Durchführung der Befragung
4.3.2 Offline-Fragebogen
4.4. Ergebnisse der Befragungen
4.4.1 Zielgruppenverteilung, Praxisart und Internetzugang
4.4.2 Fortbildungsverhalten
4.4.3 Motivation im Beruf
4.4.4 Mediennutzung
4.4.5 Idealvorstellung von Fortbildungsangeboten
4.5 Interpretation der Ergebnisse der Befragungen
4.5.1 Vergleich der beiden Befragungen
4.5.2 Ärztliches Fortbildungsverhalten
4.5.3 Ärztliche Mediennutzung zu Fortbildungszwecken
4.5.4 Idealvorstellung von ärztlichen Fortbildungsangeboten
4.6 Zusammenfassung
KAPITEL 5: EXPERTENINTERVIEWS ZUM THEMA ÄRTZEFORTBILDUNG
5.1 Interviewleitfaden zum Thema Ärztefortbildung
5.1.1 Ziel und Zielgruppe der Interviews
5.1.2 Zusammensetzung der befragten Experten
5.1.3 Inhaltsblöcke des Interviewleitfadens
5.1.4 Interviewleitfaden
5.2 Ergebnisse der Interviews
5.2.1 Auswirkungen von eHealth auf E-Learning in der Ärztefortbildung
5.2.2 Ärztliche Fortbildungspflicht
5.2.3 Einschätzung von Online-CME
5.2.4 Rahmenbedingungen von Fortbildungsangeboten
5.2.5 Idealvorstellung eines Fortbilungsangebots: Inhalt, Didaktik, Medieneinsatz
5.2.6 Zukunftsprognose für Ärztefortbildung
5.3 Interpretation der Ergebnisse der Interviews
5.3.1 Lernen und Motivation in der Ärztefortbildung
5.3.2 E-Learning in der Ärztefortbildung
5.4 Zusammenfassung
KAPITEL 6: HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN FÜR E-LEARNING IN DER ÄRZTE FORTBILDUNG
6.1 Zusammenfassung der Ergebnisse des theoretischen und empirischen Teils
6.2 Folgerungen für die Planung und Konzeption für E-Learning in der Ärztefort bildung
6.3 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Dissertation analysiert den Einsatz neuer Medien zur Unterstützung von Lernprozessen in der Ärztefortbildung in Deutschland. Das primäre Ziel ist es, unter Berücksichtigung der komplexen Rahmenbedingungen und Motivationsstrukturen der niedergelassenen Ärzteschaft, Handlungsempfehlungen für eine qualitätsorientierte Konzeption und Planung von E-Learning-Angeboten abzuleiten.
- Konstruktivistische Lerntheorien und deren Anwendung in der medizinischen Fortbildung.
- Die Implementationsbedingungen von E-Learning aus Sicht des Arztes als Kleinstunternehmer.
- Quantitative Bedarfsanalyse (Online- und Offlinebefragungen) zur Ermittlung von Fortbildungsverhalten und Mediennutzung.
- Qualitative Experteninterviews mit Vertretern aus Wissenschaft, Verlagswesen und Berufsvertretungen.
- Entwicklung von Strategien für ein Blended-Learning-Konzept in der ärztlichen Praxis.
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Exkurs in den Konstruktivismus
Leben wir in einer realen oder in einer durch unser Gehirn produzierten Welt? Ist unser Leben Traum oder Realität? Schein oder Wirklichkeit? – Genau dieses Thema streckt sich als roter Faden durch die futuristische Trilogie namens Matrix. Im Jahre 2019 wird die Welt von Maschinen beherrscht, welche die Menschen als Energiequellen in Form von schlafenden, menschlichen Batterien nutzen. Damit die Energiequelle „menschliche Rasse“ nicht rebelliert, wird den Menschen eine Computersimulation (die sogenannte Matrix), nämlich die reale Welt aus dem Jahre 1999 vorgespielt … Aber es existieren einige von den Batterien abgekoppelte Menschen, die sich der maschinellen Unterdrückung widersetzen. So wird Neo, der Held der Trilogie, von seinem späteren Meister und Lehrer Morpheus in der Matrix aufgesucht; dieser bietet ihm die Pille der Erkenntnis an, welche Neo den Unterschied zwischen Traum und Wahrheit, zwischen vorgetäuschter Realität und Wirklichkeit erkennen lässt ... Das Thema, welches sich durch die komplette Saga zieht, ist das der Konstruktion der Welt durch unser Gehirn. Wir empfinden die Welt nicht so vor, wie sie tatsächlich in der Realität existiert, sondern so, wie wir sie in unserer eigenen Wirklichkeit konstruieren und interpretieren. Die Wirklichkeit ist folglich unsere subjektive Realitätskonstruktion … Morpheus führt Neo in die Welt außerhalb der Matrix und lehrt ihm mittels Computersimulationen die Kampfkunst, damit er zu gekommener Zeit die Matrix beherrschen und die Menschheit retten kann …
Um die rechte Kampfkunst erlernen zu können, muss Neo zuerst seine Sichtweise ändern, damit er verstehen kann, wie seine Erkenntnis und sein Wissen zustande kommen. In einer mysteriösen Szene sagt Morpheus zu ihm: „Was ist Realität? Was du siehst, hörst, fühlst, riechst und schmeckst? Wenn das so ist, dann ist Realität nichts weiter als elektrische Signale, interpretiert von deinem Gehirn“ (Kolodzey, 2005). Die Lösung auf die Frage findet Neo in einer Begegnung mit einem kleinen Mönchsjungen, der durch die Kraft seiner Gedanken einen Löffel verbiegt.
Zusammenfassung der Kapitel
KAPITEL 0: EINLEITUNG: Die Einleitung motiviert das Thema durch persönliche Erfahrungen und definiert die Zielsetzung sowie die Forschungsfragen der Arbeit.
KAPITEL 1: E-LEARNING IN DER ÄRZTEFORTBILDUNG – EINE BESTANDSAUFNAHME: Dieses Kapitel analysiert die Rahmenbedingungen und den aktuellen Stand von Online-Angeboten in der ärztlichen Fortbildung.
KAPITEL 2: LERNEN UND MOTIVATION IN DER ÄRZTEFORTBILDUNG: Hier werden theoretische Grundlagen des Lernens und der Motivation aus konstruktivistischer Sicht mit direktem Bezug auf die ärztliche Tätigkeit diskutiert.
KAPITEL 3: E-LEARNING IN DER ÄRZTEFORTBILDUNG – EINE MÖGLICHE SITUATION: Es werden didaktische Modelle sowie Implementationsfaktoren für E-Learning unter Berücksichtigung der ärztlichen Arbeitsumwelt vorgestellt.
KAPITEL 4: BEFRAGUNGEN ZUM THEMA ÄRTZEFORTBILDUNG: Das Kapitel präsentiert die empirische Bedarfsanalyse, bestehend aus einer Online- und Offlinebefragung niedergelassener Ärzte.
KAPITEL 5: EXPERTENINTERVIEWS ZUM THEMA ÄRTZEFORTBILDUNG: Experten aus verschiedenen medizinischen Fachbereichen bewerten die aktuelle Situation und Zukunft des E-Learnings in der Ärztefortbildung.
KAPITEL 6: HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN FÜR E-LEARING IN DER ÄRZTEFORTBILDUNG: Abschließend werden konkrete Empfehlungen für die Planung und Konzeption von E-Learning-Angeboten abgeleitet.
Schlüsselwörter
E-Learning, Ärztefortbildung, konstruktivistisches Lernen, Online-CME, ärztliche Motivation, Blended Learning, Medizindidaktik, Fortbildungspflicht, Medieneinsatz, digitale Gesundheitskarte, Online-Communities, Wissensmanagement, ärztliche Praxis, Implementationsfaktoren, Selbststeuerung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den aktuellen Status und das Potenzial von E-Learning im Kontext der kontinuierlichen ärztlichen Fortbildung in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Lernkultur von Ärzten, die Auswirkungen von Fortbildungspflichten auf die Motivation sowie die didaktische und technologische Gestaltung von E-Learning-Angeboten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu ermitteln, wie E-Learning-Angebote gestaltet sein müssen, damit sie den Bedürfnissen und dem Arbeitsalltag von Ärzten entsprechen und einen echten Mehrwert für die medizinische Qualitätssicherung bieten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einem Methodenmix, der eine Literaturrecherche, quantitative Bedarfsanalysen (Online- und Offlinebefragungen) und qualitative halbstandardisierte Experteninterviews kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Lernen, Motivation, E-Learning-Modelle), eine empirische Analyse der Ärztefortbildung sowie die daraus resultierenden Handlungsempfehlungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
E-Learning, Ärztefortbildung, Konstruktivismus, Fortbildungspflicht, ärztliche Motivation, Blended Learning und ärztliche Praxis.
Warum spielt die Fortbildungspflicht eine so zentrale Rolle?
Die gesetzliche Fortbildungspflicht verändert die Rahmenbedingungen für Ärzte radikal; sie führt zu einer Reglementierung durch "CME-Punkte", beeinflusst die Motivation und zwingt zur Auseinandersetzung mit der Qualität und dem Nutzwert von Fortbildungsangeboten.
Wie unterscheidet sich die Onlinebefragung von der Offlinebefragung?
Die Onlinebefragung richtete sich an eine eher medienaffine Zielgruppe über das DocCheck-Netzwerk, während die Offlinebefragung mittels Papierfragebögen über den Vertrieb eines Pharmakonzerns eher weniger medienaffine Ärzte abdeckte.
Warum wird "Blended Learning" als Strategie empfohlen?
Die Experten und die Theorie legen nahe, dass eine Kombination aus Präsenz- und Online-Elementen die Vorteile von persönlichem Austausch mit der Flexibilität digitaler Medien optimal vereint und so eine höhere Lernerfolgsquote ermöglicht.
- Quote paper
- Dr. Axel Gerstenberger (Author), 2007, E-Learning in der Ärztefortbildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/94197