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„Terror, Counter-Terror”- Das ewige Opfer Frau

Subtitle: Krieg und seine Auswirkungen auf Frauen aus feministischer Perspektive

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2007, 27 Pages
Author: Janett Menzel
Subject: Sociology - Gender Studies

Details

Event: Gender Mainstreaming in der Sicherheitspolitik
Institution/College: Free University of Berlin (Soziologie)
Tags: Counter-Terror”-, Opfer, Frau, Gender, Mainstreaming, Sicherheitspolitik
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2007
Pages: 27
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 16  Entries
Language: German
Archive No.: V94264
ISBN (E-book): 978-3-640-10087-3
ISBN (Book): 978-3-640-13398-7
File size: 136 KB
Notes :
Ich finde sie sehr gut. Wie ich schon gesagt habe, gefällt mir insgesamt die Gestaltung. Kurz zum Inhalt: die Arbeit ist klar gegliedert und gut strukturiert, zusätzlich zu dem besprochenen Sammelband wurden relevante Quellen herangezogen, viele Einzelthemen, die für den Gesamtkomplex „Krieg und seine Auswirkungen … aus feministischer Perspektive“ von Bedeutung sind wurden angesprochen, die Arbeit ist insgesamt flüssig geschrieben und gut formuliert.


Abstract

Die Charakteristika der Geschlechter werden als implizit und als gegeben angenommen. So wie Frauen häufig als Mütter und als schwaches Glied in Strukturen betrachtet werden, wird das männliche Geschlecht häufig als Inbegriff einer Machtdynamik zwischen und unter Männern verstanden. Diese Nachteile, die aus angenommenen Gegebenheiten wachsen, finden sich nicht nur in traditionellen Gesellschaften, sondern auch in modernen. Die Abgrenzung und Positionierung beider Geschlechter ist Bestandteil von vielen Machtsystemen und hat eigene Dynamiken, die sich gerade in Situationen, in denen es um Macht und die Erhaltung von bestimmten Strukturen geht, widerspiegeln. Dies trifft insbesondere auf Kriege und in Zeiten von Konflikten zu. Denn in allen Kriegen bleiben Frauen die Betroffenen, unabhängig von der Region, in der sie leben: ob in Somalia, in Ruanda, in Tschetschenien, in Afghanistan, im Gazastreifen, im Irak oder im Libanon. Gleichgültig ist auch, um welche Art Krieg es sich handelt(e): Weltkrieg, Bürgerkrieg, Unabhängigkeitskrieg, Völkermord oder ein bewaffneter Konflikt innerhalb eines Staates. Jede gewalttätige Auseinandersetzung betrifft und fordert Frauen am stärksten. Häusliche Gewalt ist ein Frühwarnzeichen von Konflikten, die auf dem Rücken von Frauen ausgetragen werden, um Macht zu demonstrieren. Frauen verlieren ihre Männer und Söhne, die als Soldaten im Krieg dienen und sterben; Mütter werden ihrer Kinder beraubt, weil sie für den internationalen Frauenhandel missbraucht werden; Frauen müssen mit ansehen, wie ihre Männer und Söhne im Zuge der Kriegsweiten sterben. Frauen werden ihrer Menschenrechte beraubt und entwertet und so auf jeder sozialen und häuslichen Ebene zu einem Opfer: ob als Mensch, als Frau, als Ehefrau oder als Mutter. Die Frauenarbeit der vergangen 30 Jahre hat versucht, immer wieder darauf hinzuweisen, dass ein Ungleichgewicht zwischen den Machtbeziehungen von Männern und Frauen Teil der Problematik sind. Daher erhoben zahlreiche Frauen ihre Stimme, die in der Anthologie „Terror, Counter-Terror. Women speak out“ ihren Ausdruck finden und brachten zugleich Vorschläge und deren Relevanz in kriegerischen und männlich-dominierten Sphären hervor.


Excerpt (computer-generated)

,,Terror, Counter-Terror"-

Das ewige Opfer Frau

Krieg und seine Auswirkungen auf Frauen aus feministischer

Perspektive

Hausarbeit zum Hauptseminar ,,Gender Mainstreaming in der Sicherheitspolitik"

Fachbereich Soziologie, Freie Universität Berlin

Sommersemester 2007

Name:

Janett

Menzel

Fachsemester:

9, Soziologie Nebenfach

Abgabedatum:

29. September 2007


2 ,,Terror, Counter-Terror"- Das ewige Opfer Frau

Inhaltsverzeichnis

1. Problemstellung 3

2. Rückblick auf 9/11 und die US-amerikanische Kriegserklärung 4

3. Die Anthologie ,,Terror, Counter ­Terror: Women Speak Out" 5

4. Das Geschlecht des Krieges 6

4.1 Männlichkeit des Krieges 6

4.2 Krieg gegen Frauen 8

5. Frauen gegen Krieg 10

5.1 Versuch eines geschichtliches Abrisses der Frauenfriedensbewegung 11

5.2 Aktivistinnen und ihre Motive 12

5.2.1 Frauenvereinigungen 13

5.2.2 Individuelle Frauen 16

6. Lösungsansätze 19

6.1 Vorschläge von Aktivisten und Wissenschaftlern 19

6.2 Resolution 1325 des UN-Sicherheitsrates 21

7. Zusammenfassung 23

Literaturverzeichnis 25


3 ,,Terror, Counter-Terror"- Das ewige Opfer Frau

1. Problemstellung

Die Charakteristika der Geschlechter werden als implizit und als gegeben angenommen1. So

wie Frauen häufig als Mütter und als schwaches Glied in Strukturen betrachtet werden, wird

das männliche Geschlecht häufig als Inbegriff einer Machtdynamik zwischen und unter

Männern verstanden2. Diese Nachteile, die aus angenommenen Gegebenheiten wachsen,

finden sich nicht nur in traditionellen Gesellschaften, sondern auch in modernen. Die

Abgrenzung und Positionierung beider Geschlechter ist Bestandteil von vielen

Machtsystemen und hat eigene Dynamiken, die sich gerade in Situationen, in denen es um

Macht und die Erhaltung von bestimmten Strukturen geht, widerspiegeln. Dies trifft

insbesondere auf Kriege und Zeiten von Konflikten zu. Denn in allen Kriegen bleiben Frauen

die Betroffenen, unabhängig von der Region, in der sie leben: ob in Somalia, in Ruanda,

Tschetschenien, in Afghanistan, im Gazastreifen, im Irak oder im Libanon. Gleichgültig ist

auch, um welche Art Krieg es sich handelt(e): Weltkrieg, Bürgerkrieg, Unabhängigkeitskrieg,

Völkermord oder ein bewaffneter Konflikt innerhalb eines Staates. Jede gewalttätige

Auseinandersetzung betrifft und fordert Frauen am stärksten. Häusliche Gewalt ist ein

Frühwarnzeichen von Konflikten, die auf dem Rücken von Frauen ausgetragen werden, um

Macht zu demonstrieren. Frauen verlieren ihre Männer und Söhne, die als Soldaten im Krieg

dienen und sterben; Mütter werden ihrer Kinder beraubt, weil sie für den internationalen

Frauenhandel missbraucht werden; Frauen müssen mit ansehen, wie ihre Männer und Söhne

im Zuge der Kriegsweiten sterben. Frauen werden ihrer Menschenrechte beraubt und

entwertet und so auf jeder sozialen und häuslichen Ebene zu einem Opfer: ob als Mensch, als

Frau, als Ehefrau oder als Mutter.

Die Frauenarbeit der vergangen 30 Jahre hat versucht, immer wieder darauf hinzuweisen, dass

ein Ungleichgewicht zwischen den Machtbeziehungen von Männern und Frauen Teil der

Problematik sind. Nachweislich werden Frauen im Zuge von Konflikten ihrer Rechte beraubt,

Teil einer Gesamtkriegsstrategie, weil sie als Besitz von Männern, die einen Staat dominieren,

betrachtet werden und weil sie der verletzliche Teil des Gliedes sein und sich nicht wehren

können.

Trotz zahlreicher Versuche eine Genderperspektive aufzubauen und nachhaltig in die Politik

und in friedenssichernde Maßnahmen zu implementieren, gerade auch im Zuge der UN

1 Cockburn, Cynthia. In: Giles, Wenona & Hyndman, Jennifer (Hrsg.): Sites of Violence: Gender and Conflict

Zones. University of California Press, 2004. S. 25

2 (ebd.)


4 ,,Terror, Counter-Terror"- Das ewige Opfer Frau

Resolution 1325 aus dem Jahre 2000, verhalten sich mit wenigen Ausnahmen, alle militärisch

und politisch mächtigen Staaten bedeckt. Besonders vor dem Hintergrund des 11.September

erschien es immer wichtiger, darauf hinzuweisen, dass Krieg keine Antwort auf Probleme ist

und Frauen dem Terror hilflos ausgesetzt sind und das Nachsehen haben. Daher erhoben

zahlreiche Frauen ihre Stimme, die in der Anthologie ,,

Terror, Counter-Terror. Women speak

out

" ihren Ausdruck finden und brachten zugleich Vorschläge und deren Relevanz in

kriegerischen und männlich-dominierten Sphären hervor.

Diese Arbeit soll die Hintergründe der Anthologie sowohl aus sozialer, als auch politischer

und feministischer Perspektive aufzeigen, die Terrorproblematik aus einer gendersensiblen

Sicht im Zusammenhang präsentieren und die bislang versuchten Mittel zur Umsetzung von

Gendersensibilität auf allen Ebenen von Konflikten diskutieren.

2. Rückblick auf 9/11 und die US-amerikanische Kriegserklärung

Bei den Terroranschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon am 11.September

2001 verloren insgesamt 3003 Menschen ihr Leben. Diese Angriffe wurden von der

amerikanischen Regierung als militärisch eingestuft. Militärische Attacken auf das Festland

gab es in den USA seit 1814 nicht mehr. Diese Tatsache animierte die Vereinigten Staaten zur

kriegerischen Intervention in Afghanistan, ausgehend von dem Gedanken, dass Osama bin

Laden den Angriff von dort aus organisiert hatte. Diese absolute Kriegserklärung (,,gegen"

den Terror) wurde später mit militärischen Schritten auf den Krieg gegen den Irak 2003

ausgeweitet, beides unter dem Deckmantel der

Operation Enduring Freedom

. Die UN erließ

eine Resolution, die es den Vereinigten Staaten ermöglichte, dieser ,,

Bedrohung des

Weltfriedens und der internationalen Sicherheit"

3 durch militärische Intervention

entgegenzuwirken und ihr (USA)

,,naturgegebenes Recht zur individuellen oder kollektiven

Selbstverteidigung"

4

zu nutzen.

Abgesehen von den vielen unschuldigen Toten, hatte der 11. September demnach weit

reichende Konsequenzen. Doch nicht nur zuvor erwähnte politische Auswirkungen, sondern

auch die Negativseite, auf die viele Kritiker versuchten aufmerksam zu machen: die

3 Resolution des UN-Sicherheitsrats 1368. In: documentArchiv.de [Hrsg.], (WWW-Seite, Stand: 12.09.2001)

URL: http://www.documentArchiv.de/in/2001/res_un-sicherheitsrat_1368.html, (Abgerufen: 14. September

2007)

4 (ebd.)


5 ,,Terror, Counter-Terror"- Das ewige Opfer Frau

Beeinträchtigung von Menschenrechten, Bürgerrechten und demokratischen Werten in vielen

Nationen; die Aufhebung von Normen, wie Konflikte ausgetragen werden, sowie die

Verstärkung der Ideologie des Militärs und die Militarismus im Allgemeinen. Dies hatte zur

Folge, dass von nun an Gewalt durch Gewalt gelöst und begründet (

9/11-Syndrom

) wird.5 Die

Herausgeber der Anthologie ,,

Terror, Counter-Terror. Women speak out

" nennen das den

,,erneuerten Glauben an Gewalt".6

Das

9/11-Syndrom

wurde insbesondere durch George W. Bushs Aussagen am 11. September

gestützt: ,,

Every nation in every region has a decision to make

. [...]

Either you are with us or

you are with the terrorists

."7 Es kam zu einer scharfen Abgrenzung zwischen

us

(uns) und

them

(den anderen), und damit nicht nur zwischen USA-Sympathisanten und Terroristen,

sondern auch, unvermeidlich, zwischen Kriegsbefürwortern und Friedensaktivisten. Dass

Frauen auf der ganzen Welt durch ihre jahrzehntelange Aufklärungsarbeit zum Letzteren

gehören, liegt auf der Hand. Und damit wurden Bushs Sätze zu dem Hauptproblem für

Frauen, die Frieden fordern und Gewalt (in allen Formen und Instanzen) ablehnen. Seine

Sätze wurden zu einer Kriegserklärung für all die, die eine Beteiligung an seinem Kampf

ablehnten.

3. Die Anthologie ,,Terror, Counter ­Terror: Women Speak Out"

Die Herausgeber Ammu Joseph und Kalpana Sharma vereinen in ihrer 2003 erschienenen

Anthologie die verschiedensten Werke von jenen Frauen, die sich gegen Terrorismus,

Militarismus und Gewalt in Zeiten kriegerischer Auseinandersetzung oder Konflikten

ausgesprochen haben. In den unterschiedlichsten Genres bringen Einzelpersonen und

Frauenvereinigungen zum Ausdruck, dass diese Mittel im Endeffekt wieder auf die Frauen in

dieser Welt, als Teil der Gesellschaft, die angegriffen wird oder selbst angreift, zurückfällt.

Der Name ,,Terror, Counter-Terror" spricht dementsprechend für sich selbst.

Thematisieren können Frauen diesen Missstand, weil Frauen die Opfer waren und sind, und

wissen, wovon sie reden. Einige von ihnen haben am eigenen Leibe zu spüren bekommen,

welche unmenschlichen Konsequenzen Krieg und seine Art der Führung haben kann und wie

5 vgl. Joseph/ Sharma (Hrsg.): Terror, Counter-Terror. Women speak out. London/ New York, 2001. S. xi

6 Joseph/ Sharma 2001. S. xii

7 Mark L. Evans: Allied Naval Aviation in the war against terrorism: "every nation, in every region, now has a

decision to make. Naval Aviation News. (WWW-Seite, Stand: April 2002). URL:

http://findarticles.com/p/articles/mi_m0IAX/is_3_84/ai_108548251 (Abgerufen: 15. September 2007)


6 ,,Terror, Counter-Terror"- Das ewige Opfer Frau

Krieg nicht nur Leben nehmen kann, sondern auch das von Unschuldigen, jenen, nach denen

nicht gefragt wird, die unbeachtet und ausgeschlossen bleiben in politischen Diskussionen

und Entscheidungsfragen, zerstört.

Frauen wie beispielsweise Susan Sontag, Anisa Darwish, Rosalind Petchesky, Rohini

Hensman, Barbara Kingsolver, sowie viele Frauenbewegungen und ­organisationen legen

zudem dar, gerade auch vor dem Hintergrund der amerikanischen Kriegserklärung gegen den

Terror, wie notwendig eine andere Sicht auf Gewalt und Krieg ist und versuchen

herauszustellen, dass Auseinandersetzungen noch lange in Nachkriegs-/-konfliktzeiten weiter

lebt und tötet.

Die Publikationen, die aus den letzten zehn Jahren stammen, sind zumeist Schriften, die

entweder in Tageszeitungen veröffentlicht wurden oder aber nur im Internet in Blogs;

darunter sind Briefe (zum Beispiel an Präsident George W. Bush jr.) und Gedichte, Anklagen

und Apelle, die ohne diese Anthologie wahrscheinlich nie veröffentlicht worden wären.

Definitiv stießen sie aber auf großen Widerstand unter (männlichen) Befürwortern von Krieg

und Gewalt, so dass einigen Autorinnen nach der Veröffentlichung sogar mit Gewalt gedroht

wurde. Dieser Umstand machte es umso essenzieller, dass diese Anthologie publiziert wird

und die Meinung von jenen Frauen öffentlich bleibt.

4. Das Geschlecht des Krieges

4.1 Männlichkeit des Krieges

Krieg ist männlich. Krieg, Frieden, Terrorismus, Fundamentalismus und Faschismus sind

Verträge zwischen Männern: Männer machen die Regeln; sie entscheiden darüber, wann und

wie Kriege geführt werden und für was, wann Feuer eingestellt wird und wann, wie und auf

wessen Kosten Frieden verhandelt wird oder eben nicht. Damit einhergehend sprechen die

Herausgeber in der Einleitung von einer Umverteilung von Macht und stellen die These auf,

dass die Entmachtung von Frauen vor und in kriegerischen Auseinandersetzungen einer der

Gründe ist, warum Frauen, in ihrer traditionellen Rolle, weder Teil von Krieg oder Frieden

waren, es sei denn als Betroffene.

Die Frauen- und Politikwissenschaftlerin Rosalind Petchesky erklärt in ihrem Aufsatz



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