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Diploma Thesis, 1996, 145 Pages
Author: Ingo Kallenbach
Subject: Pedagogy - Adult Education
Details
Tags: Unfallverhütung, Betrieb, Entwicklung, Konzeption, Mitarbeiterschulung, Automobilunternehmens
Year: 1996
Pages: 145
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 135 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-09994-8
File size: 557 KB
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Abstract
Trotz größter Sicherheitsvorkehrungen kommt es immer wieder zu Unfällen in Betrieben. Diese Arbeit untersucht, inwiefern aufgrund pädagogisch-psychologischer Erkenntnisse, hier insbesondere im Bereich der Motivation, Maßnahmen zur Unfallverhütung ergriffen werden können. Aufgrund dieser Erkenntnisse wird ein Trainingskonzept entwickelt, dass die Mitarbeiter dazu motivieren soll, bestehende Unfallverhütungsmaßnahmen einzuhalten und umzusetzen.
Excerpt (computer-generated)
Diplomarbeit
zur Erlangung des Grades eines Diplom - Pädagogen des Fachbereichs
Erziehungswissenschaften der Universität Koblenz-Landau,
Abtlg. Landau
Unfallverhütung im Betrieb -
Entwicklung einer Konzeption zur Mitarbeiterschulung
innerhalb eines Automobilunternehmens
Ingo Kallenbach
Landau, den 23. November 1996
Inhaltsverzeichnis
1. KAPITEL - EINLEITUNG
3
2. KAPITEL - UNFALLVERHÜTUNG IM BETRIEB
7
2.1 Grundbegriffe
7
2.2 Gesetzliche Grundlagen
10
2.3 Unfallverhütung in der BRD
12
2.4 Maßnahmen zur Unfallverhütung: Technik, Organisation, Verhalten
14
2.5 Attribution von Unfällen
21
2.6 Ursache-Wirkungs-Modelle mit ganzheitlicher Sichtweise
24
3. KAPITEL - DARSTELLUNG DER SICHERHEITSARBEIT DER MERCEDES-
29
BENZ AG, WERK WÖRTH
3.1 Strukturelle Arbeitssicherheitsorganisation im Werk Wörth
31
3.2 Aufgaben und Ziele des Arbeitsschutzes
34
3.3 Bisherige Maßnahmen zur Arbeitssicherheit
40
3.4 Gruppenarbeit im Werk Wörth und ihre Relevanz für die Seminarkonzep-
44
tion
4. KAPITEL - KLEINGRUPPENKONZEPTE IN ORGANISATIONEN 47
4.1 Charakteristika von Gruppen in Organisationen
47
4.2 Durch Kleingruppen Mitarbeiter motivieren
54
4.3 Zusammenfassende Bewertung mit Ausblick auf die Seminarkonzeption
62
5. KAPITEL - SEMINARKONZEPTION 68
5.1 Gedanken zur Planung
68
5.2 Seminarverlauf (grob) und Rahmenplanung
76
5.3 Gegliederter Seminarverlauf: Zeit, Inhalt, Methode/Durchführung, Lern-
78
ziele
5.4 Seminarinhalt und Durchführung
88
6. KAPITEL - RESÜMEE UND AUSBLICK 130
7. KAPITEL - LITERATURVERZEICHNIS 135
2
Kapitel 1
Einleitung
Die Naturgesetze sind unveränderlich; es gibt jedoch keine
menschliche Einrichtung, nichts Menschliches überhaupt,
das nicht verändert werden könnte - angefangen (oder bes-
ser aufgehört) beim Menschen selbst.
(André Gide)
Jedem1 sind wohl Namen wie Bhopal, Seveso oder Tschernobyl ein Begriff. Sie stehen
für Katastrophen mit beträchtlichem Ausmaß. Im Anschluß an konsternierende Ereig-
nisse wie diese folgt meist die fassungslose Frage nach den Ursachen. Wie konnte es zu
solch einem Unfall kommen? Wer trägt die Schuld daran? Wie können Unfälle dieser
Art in Zukunft vermieden werden?
Menschen neigen dann dazu, die Schuld im oft vermeintlich schwächsten Glied der Ket-
te, dem menschlichen Verhalten, zu suchen. Der
Mensch als Sicherheitsrisiko
, der im-
mer weniger mit der hochtechnisierten, durch Rationalisierung und Lean Production
geprägten Umwelt zurecht kommt, der unter Zeitdruck zu unüberlegten Handlungen
neigt, der durch gruppendynamische Prozesse zu riskantem Verhalten tendiert, der sich
in einem Zustand der Sorglosigkeit befindet und glaubt, daß das bisherige Ausbleiben
negativer Konsequenzen Bestand haben wird und der die durch Sicherheitsvorschriften
eingeschränkte Freiheit durch sicherheitswidriges Verhalten wieder zurückerobern
möchte.
Nicht verwunderlich ist es also, daß das Verhalten des Menschen immer mehr in den
Blickpunkt von Managern und Sicherheitsfachkräften eines Unternehmens tritt, die aus
rechtlichen, betriebswirtschaftlichen und letztlich volkswirtschaftlichen Gründen ein In-
teresse am sicherheitsgerechten Verhalten des Mitarbeiters haben. Als Zauberwort und
zugleich erfolgversprechende Methode der Verhaltensbeeinflussung gilt dabei die
Moti-
vation
. Wie können Mitarbeiter zu sicherheitsgerechtem Verhalten veranlaßt werden,
1 Wenn ich in der vorliegenden Arbeit nur die männliche Form benutze, so geschieht das aus Gründen
der Einfachheit und Lesbarkeit und ist in keinster Weise diskriminierend zu verstehen.
3
und umgekehrt, wie kann erreicht werden, daß Mitarbeiter sicherheitswidriges Verhal-
ten unterlassen?
Antworten auf diese Fragen werden meist in der Psychologie, vornehmlich der Arbeits-,
Organisations- und Sozialpsychologie, gesucht. In weit geringerem Ausmaß konnte sich
bisher die Pädagogik in diesem Bereich etablieren, was eigentlich erstaunlich ist, bietet
doch gerade die Pädagogik im methodisch-didaktischen Bereich wertvolle Erkenntnis-
se, hier v.a. in der Erwachsenenbildung und Berufspädagogik. In der vorliegenden Ar-
beit greife ich deshalb auf psychologische und pädagogische Erkenntnisse zurück.
Motivation
ist auch das Schlüsselwort dieser Arbeit. Ziel ist die
Entwicklung einer Se-
minarkonzeption
, die zur Motivation der Mitarbeiter der Mercedes-Benz AG im Werk
Wörth beitragen soll. Die Idee, eine Seminarkonzeption zu entwickeln, enstand in Ge-
sprächen mit dem Arbeitsschutz in Wörth, insbesondere mit ihrem Leiter, Herrn Kipf-
müller. Anfangs war noch unklar, wer eigentlich geschult werden sollte: die Sicher-
heitsingenieure selbst oder die in der Produktion beschäftigten Mitarbeiter. Verschiede-
ne Möglichkeiten wurden in Erwägung gezogen, über deren Vor- und Nachteile reflek-
tiert, schließlich eine Entscheidung getroffen: Zielgruppe der geplanten Weiterbil-
dungsmaßnahme sind die
Gruppensprecher
, die in jeder Gruppe des Unternehmens als
eine Art Vermittler zwischen Gruppe und Vorgesetztem fungieren, wobei sie die Inte-
ressen der Gruppe vertreten.
Damit ist das Ziel beleuchtet, aber der Weg dorthin noch dunkel. Den Gegenstand er-
hellen, um ein letztes Mal im Bild zu bleiben, soll u.a. das zweite Kapitel.
Jeder Bereich bringt seine eigene Fachsprache mit sich. Auch der Arbeitsschutz bildet
hier keine Ausnahme, weshalb ich vorab grundlegende Begriffe kläre, die zugleich ei-
nen ersten Eindruck von der Thematik vermitteln sollen. Den aktuellen Stand der
Un-
fallentwicklung in der BRD
und die
rechtlichen Grundlagen
, auf denen jegliches Han-
deln des Arbeitsschutzes basiert, spiegeln Kapitel 2.2 und 2.3 wieder, wobei ich einer-
seits aufzeige, daß angesichts einer seit zehn Jahren stagnierenden Unfallentwicklung
neue Ansätze dringend gebraucht werden und andererseits, daß die Weiterbildung des
Mitarbeiters in Sachen Sicherheit gesetzlich vorgeschrieben ist.
Verschiedene
Maßnahmen
tragen dazu bei, Unfälle zu vermeiden und Sicherheit zu ge-
währleisten (Kapitel 2.4). Diese Maßnahmen sind technischer, organisatorischer und
verhaltensbezogener Natur, wobei ich besonders die im Arbeitsschutz gängigen
verhal-
4
tensbezogenen Maßnahmen
vorstelle. Hier knüpft das anschließende Kapitel 2.5 an, in-
dem beschrieben wird, wo die
Ursachen für Unfälle
liegen und warum Menschen dazu
tendieren, die Schuld eines Unfalls meist im menschlichen Versagen zu sehen, was an-
hand einer Untersuchung von Packebusch (1990) deutlich wurde, in der über 90% der
befragten Personen menschliches Fehlverhalten als Unfallursache angaben. Kapitel 2.6
zielt genau in diese Problematik. Anhand von zwei
Ursache-Wirkungs-Modellen
werde
ich zeigen, daß eine ganzheitliche Ursachenanalyse notwendig ist, will man nicht durch
oberflächliche Analysen allein, getreu dem Motto "errare humanum est", den Menschen
als Übeltäter an den Pranger stellen.
Im dritten Kapitel werde ich näher auf die spezifischen Bedingungen bei Mercedes-
Benz eingehen. Nach einer kurzen Einführung, welche die momentane Situation im
Werk Wörth umreißt, werde ich die
strukturelle Arbeitssicherheitsorganisation
skizzie-
ren, die sich aus den gesetzlichen Vorschriften ergibt. Von Bedeutung ist in diesem Zu-
sammenhang die Stellung des Arbeitsschutzes und der Gruppensprecher in der Sicher-
heitsstruktur, denn diese bilden schließlich die Zielgruppe der Seminarkonzeption. In
Kapitel 3.2 werden die unterschiedlichen
Aufgaben
und
Ziele des Arbeitsschutzes
fest-
gestellt, wobei zu sehen sein wird, daß sich die Ziele des Arbeitsschutzes der Mercedes-
Benz AG teilweise deutlich von anderen Unternehmen (z.B. DuPont) unterscheiden.
Um die Seminarkonzeption den spezifischen Bedingungen bei Mercedes-Benz anpassen
zu können, mußte untersucht werden, welche
Maßnahmen
bisher eingesetzt wurden, um
Unfälle zu vermeiden und für Sicherheit zu sorgen. Neben technischen und organisato-
rischen Maßnahmen werden v.a. verhaltensbezogene Maßnahmen fokussiert, die im
Rahmen dieer Arbeit natürlich von besonderem Interesse sind. Es wird deutlich werden,
daß die bisherigen Maßnahmen vorwiegend die
extrinsische Motivation
der Mitarbeiter
ansprechen und folglich weniger auf die
intrinsische
Motivation
ausgerichtet sind. Das
nächste Kapitel (3.4) widmet sich der
Gruppenarbeit
im Werk Wörth, die seit 1992 peu
à peu eingeführt wird. In diesem Kapitel werde ich veranschaulichen, warum die Grup-
pensprecher als Zielgruppe ausgewählt wurden und welche Konsequenzen daraus resul-
tieren.
Das vierte Kapitel spannt anfangs den Bogen weit auf, indem es
charakteristische
Merkmale von Gruppen
analysiert. Interessant wird in diesem Zusammenhang sein,
wann die Gruppenleistung der Einzelleistung überlegen ist und inwiefern dies für die
Seminarkonzeption genutzt werden kann. Ebenfalls wird das in der Sozialpsychologie
5
oft untersuchte Phänomen des Risikoschubs hinsichtlich seiner Bedeutung für die Se-
minarkonzeption geprüft. In Kapitel 4.2 wird der Blickwinkel auf bestimmte Formen
von
Kleingruppenkonzepten
eingegrenzt. Es kann im folgenden gezeigt werden, daß die
Arbeitsorganisation im Werk Wörth den spezifischen Merkmalen des Qualitätszirkel-
konzepts nahe kommt. Im Mittelpunkt des Interesses stehen neben der Beschreibung der
verschiedenen Kleingruppenkonzepte v.a. Ergebnisse empirischer Untersuchungen, die
den Motivationseffekt, der von Konzepten dieser Art ausgehen soll, einer kritischen Be-
trachtung unterzieht. Das folgende Kapitel (4.3) vergleicht die unterschiedlichen Klein-
gruppenkonzepte, faßt die erhaltenen Ergebnisse zusammen und zeigt Konsequenzen
für das Seminarkonzept auf.
Schwerpunkt der Arbeit bildet Kapitel 5, da es die entwickelte Seminarkonzeption be-
inhaltet. Bevor jedoch der Seminarverlauf im einzelnen erläutert wird, werden in Kapi-
tel 5.1 Vorüberlegungen dargelegt, welche die
Planung des Seminars
beeinflussen. Da-
bei werden zum einen Ergebnisse aus teilnehmenden Beobachtungen und unstrukturier-
ten Interviews berücksichtigt, zum anderen Einflußgrößen aufgezeigt, die bei der Pla-
nung eines Seminars in Wechselwirkung zueinander stehen, wie z.B. Lernziele, Wahl
der Methode, Zielgruppe, Rahmenbedingungen usw. Aus diesen Überlegungen heraus
werden dann die Lernziele und Grundelemente des Seminars entwickelt. Das kurze Ka-
pitel 5.2 gibt eine Übersicht über den groben
Seminarverlauf
und zeigt die
Rahmenpla-
nung
in tabellarischer Form. Der eigentliche Kern des Seminars wird im folgenden Ka-
pitel thematisiert. Der
zeitliche
,
inhaltliche
und
methodisch-didaktische Ablauf
wird hier
in tabellarisch übersichtlicher Form präsentiert. Das sich anschließende Kapitel erläutert
Inhalt
und
Durchführung
des Seminars. Hier werden Hintergründe zu den im Seminar
benutzten Modellen erklärt, das genaue Vorgehen des Kursleiters beschrieben und Be-
gründungen geliefert, die Zeitpunkt, Methodik und Didaktik betreffen.
Das letzte Kapitel
resümiert
die gewonnenen Erkenntnisse, untersucht, inwiefern Ziele
erreicht wurden und stellt fest, welche Fragen offen geblieben sind.
6
Kapitel 2
Unfallverhütung im Betrieb
2.1 Grundbegriffe
Um den Einstieg in die Thematik zu erleichtern, sollen a priori einige Begriffe geklärt
werden, die in der Fachliteratur immer wieder auftauchen. Leider sind die Begriffe, wie
so oft, nicht einheitlich definiert. Ich werde mich deshalb auf die Definitionen beziehen,
die mir persönlich plausibel und zweckmäßig erscheinen.
Klärungsbedarf besteht bei den Begriffen Unfall, Gefahr, Gefährdung, Risiko, Gefah-
renkognition.
Unfall
wird nach Skiba (1973) definiert als das ,,plötzliche, ungewollte, eine Körperver-
letzung bewirkende Zusammentreffen eines Menschen mit einem Gegenstand" (S. 24).
Das Modell in Abbildung 1 verdeutlicht diesen Zusammenhang.
Mensch
Gegenstand
Unfall
Abbildung 1
Modell zum Begriff Unfall (nach Skiba, 1973, S. 24)
Diese Definition impliziert, daß Ereignisse nur dann als Unfälle bezeichnet werden,
wenn sie mit einem Personenschaden einhergehen. Ausgeschlossen werden dabei Er-
eignisse, die "nur" Sachschäden nach sich ziehen. Eine ähnliche Definition fand ich in
den Unterlagen von Mercedes-Benz, wo folgendes zu lesen ist: ,,Unfall ist ein plötzlich
von außen kommendes, unvorhergesehenes Ereignis mit Körperschaden" (Mercedes-
Benz, 1996b).
7
Bei beiden Definitionen ist der Unfall ein
punktuelles Ereignis
. Ursachen und Bedin-
gungen, die zu dem Unfall geführt haben, bleiben unbeachtet. Fokussiert werden v.a.
die Folgen, also die Körperverletzung einer Person.
Benner (1975) hat deshalb versucht, Beginn und Ende eines Unfalls genauer festzule-
gen. So beginnt für Benner (1975; zitiert nach Hoyos, 1980, S. 30) der Unfall ,,mit ei-
nem Störfall und endet mit dem letzten verletzenden oder schädigenden Ereignis inner-
halb einer Sequenz unfallfördernder Ereignisse". Als Störfall (
perturbation
) werden ex-
terne Einflüsse bezeichnet, die den Systemablauf behindern und aus dem Gleichgewicht
bringen (Hoyos, 1980). Kann von den beteiligten Personen auf den Störfall reagiert
werden, sodaß das System wieder in das ursprüngliche Gleichgewicht gebracht wird,
wird ein Systemversagen, und damit der Unfall, verhindert. Man spricht dann von ei-
nem
Beinahe-Unfall.
Der Ansatz von Benner ist interessant, da er eine
ganzheitliche
Betrachtungsweise bein-
haltet. Der Unfall wird nicht mehr als etwas völlig Unvorhersehbares gesehen, da be-
rücksichtigt wird, daß bestimmte "Ereignissequenzen" (Benner, 1975) Bedingungen er-
geben, aus denen letztlich ein Unfall resultieren kann.
Präventives Vorgehen
wird da-
durch erleichtert; folglich auch die Überlegung, welche Maßnahmen getroffen werden
müssen, um Konstellationen von Ereignissen zu vermeiden, die zu einem Unfall führen
können. Der Fokus liegt dadurch mehr bei den Ursachen und Bedingungen und weniger
bei den Folgen.
Nach Hoyos (1980, S. 38) ist
Gefahr
eine ,,potentielle, unabhängig vom Handelnden
vorhandene Möglichkeit für das Entstehen von Personen- oder Sachschäden durch frei-
werdende, schädigende Energien".
Energien können verschiedener Art sein. So gibt es Wärmeenergien (z.B. schmelzflüs-
sige Stoffe), chemische Energien (z.B. ätzende Stoffe), elektrische und magnetische
Energien, potentielle Energien (z.B. Gegenstände, die über einer Person schweben), ki-
netische Energien (z.B. Person beim Gehen, Stolpern...) usw.
Von diesen Energien gehen Gefahren aus, die wiederum an
Gefahrenträger
gebunden
sind. Gefahrenträger können sowohl Personen, als auch Gegenstände sein (Hoyos,
1980; Kirchner, 1996; Skiba, 1973).
8
Zu einer
Gefährdung
kommt es, wenn ,,die Möglichkeit besteht, daß Person und Gefahr
räumlich und zeitlich zusammentreffen" (Schneider, 1977, S. 1). Deshalb spricht Hoyos
(1980, S. 38) bei der Gefährdung auch von einer ,,Interaktion von Mensch und Gegens-
tand . . ., bei der mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit schädigende Energie übertragen
werden kann". Gährdung beschreibt demnach eine Situation, in der ein Aufeinandertref-
fen von Mensch und Gefahr möglich wird.
Abbildung 2 verdeutlicht den Unterschied zwischen Gefahr und Gefährdung. Während
bei einer Gefahr Mensch und Gegenstand so voneinander getrennt sind, daß sie nicht
zusammenkommen können, besteht bei einer Gefährdung die Möglichkeit, daß sie zu-
sammenstoßen.
Ein Beispiel: eine Kreissäge stellt durch ihr laufendes Sägeblatt eine Gefahr dar. Eine
Gefährdung entsteht jedoch erst, wenn eine Person in die unmittelbare Nähe des Säge-
blatts gelangt.
Grenze des natürlichen
Grenze des natürlichen
Gefahrenbereichs
Gefahrenbereichs
Mensch
Gegenstand
Mensch
Gegenstand
Gefahrenbereich
Gefährdungsbereich
Abbildung 2
Modell zu den Begriffen Gefahr (links) und Gefährdung (rechts) (nach Skiba, 1973, S.
26)
Hoyos (1980, S. 38) definiert als
Risiko
,,die subjektive Wahrscheinlichkeit eines Per-
son- oder Sachschadens". Der Mensch setzt sich bewußt einem Risiko aus oder geht
bewußt ein Risiko ein, wofür es unterschiedliche Gründe geben kann (s. Kapitel 4.1).
Eine Situation wird dann riskant, wenn die handelnde Person die Wahrscheinlichkeit als
relativ hoch einschätzt, daß Person- und/oder Sachschaden entsteht. Je höher die Wahr-
9
scheinlichkeit eines von der handelnden Person antizipierten Unfalls ist, desto größer
wird diese auch das Risiko bewerten, welches sie in ihrem Handeln eingeht. Dies wird
als Eintrittswahrscheinlichkeit eines Unfalls (Mercedes-Benz, 1996b) bezeichnet.
Die Höhe des Risikos ist aber nicht nur von der Eintrittswahrscheinlichkeit abhängig,
sondern auch von der geschätzten Unfallschwere.
Daraus ergibt sich:
Risiko = geschätzte Unfallschwere + Eintrittswahrscheinlichkeit
(Preuss, 1996). Die subjektive Komponente ist demnach entscheidend für die Einschät-
zung des Risikos und nicht die objektiv gegebene Situation wie bei der Gefährdung.
Die Risikoeinschätzung wiederum hängt von der
Gefahrenkognition
ab. Unter Gefah-
renkognition ist die
Wahrnehmung, Einschätzung und Erkennung von Gefahren
zu ver-
stehen (Hoyos, 1980; Musahl & Alsleben, 1990; Preuss, 1996).
Nach Zimolong (1995) entwickeln Menschen im Laufe ihres Lebens eine
Kompetenz-
erwartung
bzw.
Risikokompetenz
hinsichtlich der Bewältigung gefährlicher Situationen.
Diese subjektiven Vorstellungen prägen das sichere oder sicherheitswidrige Handeln
von Personen (Zimolong, 1995). Folglich gehen Personen, die eine hohe Risikokompe-
tenz haben, "leichtsinniger" mit Gefahren um, als Personen, die eine niedrige Risiko-
kompetenz aufweisen.
Ziel der Sicherheitsarbeit eines Unternehmens muß demnach sein, Bewußtsein für Ge-
fahren und den damit einhergehenden Risiken zu erwecken. Als besonders gefährdete
Zielgruppe sind Personen anzusehen, die Kraft ihrer Erfahrung eine sehr hohe Risiko-
kompetenz für sich in Anspruch nehmen und dadurch leichtsinnig mit Gefahren umge-
hen.
2.2 Gesetzliche
Grundlagen
Die Unfallverhütung stellt heute einen wichtigen Bereich in Unternehmen dar.
Neben Qualität und Produktivität nennen Unternehmen als Ziele in zunehmendem Ma-
ße auch
Sicherheit
und
Gesundheit
ihrer Mitarbeiter (Zimolong, 1995; König, Kirsch-
stein & Walter, 1995). Geschützt werden soll der Mitarbeiter also nicht nur vor Unfäl-
len, sondern auch vor gesundheitlichen Beeinträchtigungen als Folge von langfristigem
10
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