Bitte warten
Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.
Hauptseminararbeit, 2008, 28 Seiten
Autor: Martin Thiele
Fach: Theaterwissenschaft
Details
Institution/Hochschule: Universität Bayreuth
Tags: Aufführungsanalyse, Otello, Othello, Verdi, Shakespeare, Oper, Moshinsky, Wagner, Domingo, Bühnenbild, Opernhaus, Inszenierungsanalyse, Solti, Kostüm, Beleuchtung, Dualismen, Darsteller, Rollen, Hamlet, Adaption, Falstaff, Handlick, Tannhäuser, Aufführung, Inszenierung, Faccio, Tamagno, Covent Garden, Kanawa, BBC, Fischer-Lichte, Sartre, Musik, Donington, Regietheater, Werktreue, Konwitschny, Rigoletto, Opernaufführung, Jago, Desdemona, Cassio, Boito, Leiferkus, Montage, Verfilmung, Abfilmung, Dokumentation
Jahr: 2008
Seiten: 28
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 16 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-640-10691-2
ISBN (Buch): 978-3-640-12303-2
Dateigröße: 203 KB
Die Überlegungen zur Medienkritik, gestützt auf einschlägige Literatur, ist sehr überzeugend und benennt scharfsinnig die Probleme einer Aufführungsanalyse, sowie die Diskussion zwischen Werktreue und Regietheater. Die Analyse selbst, gestützt auf die Mittel von Farbe, Licht, Raum, ist ausgezeichnet gelungen. Stilistisch präzise Formulierungen, Bezug auf theoretische Literatur sowie nützlich Anwendbare Ideen zeichnen diese Arbeit aus.
Andere Nutzer haben sich auch für folgende Titel interessiert:
Zusammenfassung / Abstract
Eine der größten Otelloinszenierungen unserer Zeit wurde 1992 im Royal Opera House Covent Garden in London auf die Bühne gebracht. Neben Regisseur Elijah Moshinsky war die seltene Klasse der Produktion auch Dirigent Georg Solti zu verdanken. Doch auch die hochkarätige Besetzung mit Kiri Te Kanawa als Desdemona und Plácido Domingo in seiner einschlägigen Paraderolle als Otello trugen zum enormen Erfolg bei. Nicht zuletzt weil gerade diese beiden Opernkünstler ihre Rollen sowohl gesanglich als auch schauspielerisch verkörperten wie kaum ein anderer, wurde explizit diese Otelloinszenierung aus dem Royal Opera House mehrfach auf Tonträgern aufgezeichnet sowie filmisch von der BBC festgehalten. Diese Filmaufzeichnung von 1992 möchte ich nun zu einer Aufführungsanalyse heranziehen. Meine Arbeit teilt sich in drei Hauptuntersuchungspunkte ein. Zum ersten möchte ich mich mit Inszenierung selbst beschäftigen, das heißt, was genau bedeutet es überhaupt zu inszenieren. Zum zweiten werde ich mich der verfilmten Oper widmen. Denn nur durch das Kameraauge ist es mir möglich, diese Oper zu beurteilen, obgleich natürlich das Filmische meine Wahrnehmung an sich beeinflusst. An dritter Stelle werde ich mich konkreten Details der Inszenierung widmen. Hierfür beziehe ich mich auf den Fragenkatalog zur Inszenierungsanalyse von Patrice Pavis.
Textauszug (computergeneriert)
Hauptseminar
Aufführungsanalyse Verdis
Otello
im Vergleich der Inszenierungen
Wintersemester 2007/2008
___________________________________________________________________________
Hauptseminararbeit
___________________________________________________________________________
Aufführungsanalyse
der Oper Otello von Elijah Moshinsky
Martin Thiele
5. Fachsemester
B.A. Theater & Medien
Martin Thiele
Aufführungsanalyse der Oper
Otello
von Elijah Moshinsky
Hauptseminar: Aufführungsanalyse
Wintersemester 2007/2008
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
3
2.
Inszenierung
6
2.1 Der Begriff Inszenierung
6
2.2 Wort-Musik-Verhältnis in der Inszenierungspraxis
7
2.3 Werktreue wider Regietheater
9
3.
Oper als Film
12
3.1 Individualität von Opernaufführung und Film
12
3.2 Ist Oper als Film überhaupt möglich?
13
3.3 Verfälschung
15
4.
Aufführungsanalyse Otello
17
4.1 Bühnenbild
17
4.2 Beleuchtung
19
4.3 Farbe und Kostüme
20
4.4 Dualismus der Figuren
21
4.5 Darsteller und ihre Anlegung
22
5.
Fazit
25
6.
Quellen
26
6.1 Literatur
26
6.2 Audiovisuelle Medien
27
2
Martin Thiele
Aufführungsanalyse der Oper
Otello
von Elijah Moshinsky
Hauptseminar: Aufführungsanalyse
Wintersemester 2007/2008
1. Einleitung
Seit dem siebzehnten Jahrhundert sind Shakespeares Dramen immer wieder Gegenstand der
Opernadaption geworden. Winton Dean listet fast 200 Opern auf, welche im Ursprung auf
Werken des Weltliteraten basieren. Zu den Berühmtesten hierunter zählen wohl Gounods
Romeo et Juliette,
Ambroise Thomas′
Hamlet
, Bellinis
I Capuleti e i Montecchi
, Nicolais
Die
Lustigen Weiber von Windsor
und allem voran die drei Umsetzungen
Macbeth, Falstaff
und
Otello1
von Guiseppe Verdi.2 Vor allem für das Schaffen Verdis hatten Shakespeares Werke
eine nachhaltige Wichtigkeit. Zwar bezeichnete der italienische Komponist in seinen späteren
Lebensjahren sein
Macbeth
als eine Jugendsünde, doch waren es gerade die beiden weiteren
Shakespeareadaptionen, die Verdis Lebenswerk die verdiente Krone aufsetzten. Gerade
Otello
sorgte dafür, dass Verdis Schaffenskrise, in welcher er oftmals im Schatten Wagners gesehen
wurde, ein Ende nahm. Immer wieder griffen zwar Verdikritiker die angebliche stilistische
Nähe zu Wagners Opern als Verdikt auf, letztlich jedoch überwogen die Lobeshymnen ge-
genüber
Otello
um ein vielfaches. Einer der ersten Autoren, die Verdi gegen die Vorwürfe der
Nachahmung Wagners in Schutz nahm, war Eduard Handlick, der das vermeintlich Wagneri-
anische aus Verdis individueller Entwicklung zu erklären versuchte3: ,,Verdi trifft im ,Othel-
lo′ vielfach mit Wagnerschen Grundsätzen zusammen. Daß er diesen Stil erst durch Wagner
erfaßt, etwa gar von Wagner angenommen habe, das kann nur glauben, wer seinen ,Don Car-
los′ nicht kennt, der zwanzig Jahre vor ,Othello′ erschienen ist, zu einer Zeit, da Verdi von
Wagner nichts als die Tannhäuser-Overtüre gehört hatte"4. Mag man der Theorie über die
Entwicklung Verdis glauben schenken oder nicht die damalige Bedeutung der Oper; die bis
heute als Meisterwerk der Opernliteratur anerkannt ist, ist unmissverständlich.
Aida
kam am
24.12.1871 zur Uraufführung und sollte Verdis letztes Opernwerk darstellen. 15 Jahre muss-
ten ins Land gehen, bis Verdi das vorläufige Schweigen mit
Otello
am 05.02.1887 brach. In
der gleichen Zeitspanne brachte der junge Verdi nicht weniger als 19 Werke hervor, was al-
lerdings genauso wenig als Normalzustand des künstlerischen Schaffens zu betrachten ist.5
1 Sowohl die Schreibweise
Otello,
als auch
Othello
ist gebräuchlich. Da im Regelfall allerdings das Schauspiel
als
Othello
und die Oper als
Otello
betitelt ist, werde ich im Verlauf der Arbeit nur noch letzteren Titel verwen-
den.
2 Vgl. Hawes, Jane Delap, ,,Verdi′s ,Otello′: An analysis of its faithfulness to Shakespeare", S. 1.
3 Vgl. Einsfelder, Stefan, ,,Zur musikalischen Dramaturgie von Giuseppe Verdis
Otello
", S. 1.
4 Ebd., zit. n. Hanslick, Eduard, ,,Othello von Verdi".
5 Vgl. Einsfelder, S. 7.
3
Martin Thiele
Aufführungsanalyse der Oper
Otello
von Elijah Moshinsky
Hauptseminar: Aufführungsanalyse
Wintersemester 2007/2008
Otello
brachte Verdi zurück zu einer würdigen Position in der europäischen Opernwelt, wel-
che zu diesem Zeitpunkt vollkommen vom Musikdrama Richard Wagners dominiert war. Die
Uraufführung unter Franco Faccio mit Francesco Tamagno als Otello wurde als triumphaler
Erfolg gefeiert. Die deutschsprachige Erstaufführung erfolgte bereits ein Jahr später in Ham-
burg.6 Um 1894 den Pariser Opernnormen Genüge zu tun, komponierte Verdi sogar eigens
ein Ballett für die dortige Inszenierung. Doch allem voran, war die Aufführung in London
1889 für den italienischen Meister von besonderer Bedeutung, da er hier, mit seiner Adaption
im Land des ursprünglichen Schöpfers, William Shakespeare, auftrat. Womöglich gerade weil
Verdi oftmals betonte, dass es sich hierbei selbstverständlich nicht um einen italienischen Er-
folg handelte, wurde auch die Aufführung dort euphorisch gefeiert.
Seit dieser Zeit sind nunmehr gut 200 Jahre vergangen und immer noch ist
Otello
in zahlrei-
chen Spielplänen europäischer Opernhäuser zu finden. Eine der größten
Otello
inszenierungen
unserer Zeit wurde 1992 im Royal Opera House Covent Garden in London auf die Bühne ge-
bracht. Neben Regisseur Elijah Moshinsky war die seltene Klasse der Produktion auch Diri-
gent Georg Solti zu verdanken. Doch auch die hochkarätige Besetzung mit Kiri Te Kanawa
als Desdemona und Plácido Domingo in seiner einschlägigen Paraderolle als Otello trugen
zum enormen Erfolg bei. Nicht zuletzt weil gerade diese beiden Opernkünstler ihre Rollen
sowohl gesanglich als auch schauspielerisch verkörperten wie kaum ein anderer, wurde expli-
zit diese
Otello
inszenierung aus dem Royal Opera House mehrfach auf Tonträgern aufge-
zeichnet sowie filmisch von der
BBC
festgehalten.
Diese Filmaufzeichnung von 1992 möchte ich nun zu einer Aufführungsanalyse heranziehen.
Meine Arbeit teilt sich in drei Hauptuntersuchungspunkte ein. Zum ersten möchte ich mich
mit Inszenierung selbst beschäftigen, das heißt, was genau bedeutet es überhaupt zu inszenie-
ren. Zum zweiten werde ich mich der verfilmten Oper widmen. Denn nur durch das Kamera-
auge ist es mir möglich, diese Oper zu beurteilen, obgleich natürlich das Filmische meine
Wahrnehmung an sich beeinflusst. An dritter Stelle werde ich mich konkreten Details der In-
szenierung widmen. Hierfür beziehe ich mich auf den Fragenkatalog zur Inszenierungsanalyse
von Patrice Pavis7.
Um meine Untersuchung einzugrenzen, möchte ich im Vorfeld darauf hinweisen, dass ich das
ursprüngliche Schauspiel Shakespeares außen vor lassen werde. Auch eine musikwissen-
6 Vgl. Fath, Rolf & Würz, Anton, ,,Reclams Opern- und Operettenführer", S. 393.
7 Vgl. Pavis, Patrice, ,,Semiotik der Theaterrezeption", in: Balme, Christopher, ,,Einführung in die Theaterwis-
senschaft", Band. 99.
4
Martin Thiele
Aufführungsanalyse der Oper
Otello
von Elijah Moshinsky
Hauptseminar: Aufführungsanalyse
Wintersemester 2007/2008
schaftliche Betrachtung werde ich allenfalls anschneiden und mich vornehmlich den formel-
len Eigenheiten dieser Inszenierung widmen. Im dritten Kapitel der Arbeit, welche sich mit
der filmischen Übertragung der Oper beschäftigt, möchte ich vor allem auf die Wirkung ein-
gehen, die eine Filmaufzeichnung letztlich mit sich bringt. Die filmische Produktion und de-
ren Technik werde ich in der Folge außen vor lassen. Weiterhin werde ich im Rahmen der
Analyse nicht chronologisch vorgehen sondern mich schlichtweg auf die maßgeblichen As-
pekte der Aufführung konzentrieren. Dies wird natürlich dazu führen, dass gewisse Elemente,
die zwar nicht unwichtig sind aber doch als sekundär betrachtet werden, nur wenig mit einbe-
zogen werden. Dies gilt nicht zuletzt für die Nebenrollen des Stücks.
5
Martin Thiele
Aufführungsanalyse der Oper
Otello
von Elijah Moshinsky
Hauptseminar: Aufführungsanalyse
Wintersemester 2007/2008
2. Inszenierung
2.1 Der Begriff Inszenierung
Sowohl im Alltag als auch im weiten Feld des Theaters ist der Begriff Inszenierung allgegen-
wärtig, dabei ist er noch recht jung und erst seit Beginn des 19. Jahrhunderts gebräuchlich.
Übernommen wurde der Begriff aus dem Französischen, ,,La mise en scène", was mit dem
,,In die Szene setzen, Inscenierung" gleichzusetzen ist.8 Im Laufe der Zeit haben sich vor al-
lem aus dem französischen Raum vielfältige Bedeutungen mit haarfeinen Unterschieden er-
geben. ,,Ihre Semantik bedeutet sowohl, jemanden oder etwas zum Gegenstand des Theaters
machen, als auch jemandem oder etwas einen Platz in einem literarischen oder anderen künst-
lerischen Werk (zum Beispiel in einem Gemälde) anzuweisen."9 Dieser Prozess der 1820er
Jahre allerdings, war mehr als eine dialektische Wortschöpfung sondern ging einher mit der
Neuerung der Position des Regisseurs, der vorher oftmals gar nicht auf den Theaterzetteln ge-
nannt wurde. Erst mit der Erkenntnis, dass es zur Aufführung eines Stückes nicht nur darum
geht, den vorhandenen Text auf die Bühne zu bringen, bekam der Regisseur eine Künstlerpo-
sition zugeschrieben. Fischer-Lichte meint zur Position der Regie im 19. Jahrhundert:
,,Während sie im 19. Jahrhundert das dramatische Werk vollständig zur Anschauung
bringen sollte, um [...] die Intention des Dichters zu ergänzen und die Wirkung des
Dramas zu verstärken, [...][soll] sie [nun] Unsichtbares zur Erscheinung bringen."
10
Dieses Unsichtbare sind zum einen jene Feinheiten, die nicht umgehend aus dem Text bzw.
dem Libretto ersichtlich werden, zum anderen all jenes, was im Stück erst durch die Einbet-
tung in einen gewissen zeitlichen oder räumlichen Kontext entsteht. Kurz gesagt, hatte ein
Drama welches vor 200 Jahren verfertigt wurde, damals eine andere Bedeutung als heute, ob-
gleich in ihm immer noch eine äußerste Relevanz wohnen kann. Eine Inszenierung nunmehr
versucht diese Relevanz aus dem Stück zu Tage zu fördern. Um die Bedeutung des Regis-
seurs hierfür greifbar zu machen, muss man zunächst die textliche Vorlage, oder im Falle der
Oper Libretto und Partitur, als leblos betrachten. Alle Formen des Textes sind nach Jean-Paul
Sartre zunächst irreale Objekte, die von sich aus keine Kraft haben und nicht handeln kön-
8 Vgl. Garaventa, Alexandra, ,,Regietheater in der Oper", S. 107.
9 Ebd.
10 Fischer-Lichte, in: Garaventa, ,,Regietheater in der Oper", S. 108f.
6
Kommentare
Bisher keine Kommentare
Andere Nutzer haben sich auch für folgende Titel interessiert:
Die Passionen von Johann Sebastian Bach
Autor: Elisabeth HeideckerMusikwissenschaft, 2002 Als PDF-Datei downloaden für 5,99 EUR
Die Geschichte der Gesangskastraten unter besonderer Berücksichtigung Farinellis
Autor: Elisabeth HeideckerTheaterwissenschaft, 2007 Als PDF-Datei downloaden für 9,99 EUR
Richard Wagners Gesamtkunstwerk
Autor: Angela SchaafTheaterwissenschaft, 2003 Als PDF-Datei downloaden für 3,49 EUR
Verdis spätes Opernschaffen
Autor: Franziska WeiseMusikwissenschaft, 2008 Als PDF-Datei downloaden für 5,99 EUR
Dimitrij Schostakowitsch und die 7.Sinfonie (Leningrader Sinfonie)
Autor: Susanne SchmidtRussistik / Slavistik, 2000 Als PDF-Datei downloaden für 5,99 EUR
Arnold Schönberg - sein Einfluss auf die künstlerische Moderne Wiens
Autor: M.A. Uta ZieglerGermanistik - Literaturgeschichte, Epochen, 2001 Als PDF-Datei downloaden für 9,99 EUR
Identifikation und Darstellung der Gründe für das häufige Misslingen der Teamarbeit
Autor: Diplom-Kauffrau (FH) Viktoria LaukartWirtschaft - Unternehmensführung, Management, Organisation, 2002 Als PDF-Datei downloaden für 8,99 EUR
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden: