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Thesis (M.A.), 2008, 114 Pages
Author: Björn Pötters
Subject: German Studies - Comparative Literature
Details
Tags: Michel, Houellebecqs, Elementarteilchen, Text, Film
Year: 2008
Pages: 114
Grade: 2
Bibliography: ~ 40 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-09972-6
ISBN (Book): 978-3-640-11766-6
File size: 2695 KB
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Abstract
Michel Houellebecqs Karriere als Schriftsteller fand 1998 (in Deutschland 1999) einen entscheidenden Höhepunkt mit "Elementarteilchen". Seine bis dato produzierten Gedichtbände und sein Erstlings-Roman "Ausweitung der Kampfzone" legten den Grundstein für eine wütende Abrechnung mit der individualistischen und modernen Welt. Literarisch anspruchsvoller und weitaus komplexer als in seinem ersten Roman erzählt Houellebecq die Geschichte zweier Halbbrüder, einer ein beziehungsunfähiger Molekularbiologe, der andere ein destruktiver Literat mit ausgeprägtem Streben nach unmittelbarer Lustbefriedigung. Beide Lebenswege enden in zwischenmenschlichen Katastrophen. Als posthumanistischer Lösungsvorschlag wird ein geklontes, geschlechtsloses und unsterbliches Wesen jenseits von Egoismus und sexuellem Elend erschaffen. Nach zahlreichen Theateradaptionen wurde der Roman zuletzt von Constantin im Jahre 2005 verfilmt. In meiner Arbeit möchte ich Roman und Film gleichermaßen behandeln und analysieren. Da die inhaltliche Komplexität der Textvorlage die Möglichkeiten des Films bei weitem übersteigt, wird der textanalytische Fokus auch auf die filmische Adaption ausgerichtet. Nach einer grundlegenden Analyse der wesentlichen Aspekte des Romans mit literatursoziologischem Schwerpunkt soll der Film rezeptionsästhetisch und im Kontext seiner Vorlage betrachtet werden. Inwieweit hat der Film den Roman umgestaltet und welche Konsequenzen ergeben sich daraus? Einerseits im formal adaptiven Sinne, andererseits gelingt dem Autor und Regisseur Roehler eine Neubesetzung von funktionalen Werten und die Umschreibung einiger Charakterzüge der Protagonisten. Es soll nach der Romananalyse geklärt werden, inwieweit diese Änderungen sich abgrenzen oder ergänzen, welche Auswirkungen das Filmmedium selbst auf die Essenz der Buchvorlage hat und ob die Transformierung mit grundlegend neuen oder modifizierten Wertvorstellungen spielt. Auszug aus dem Inhalt: 1. Einleitung 2. Michel Houellebecq – Leben und Werk 3. Textanalyse "Elementarteilchen" 3.1 Ausweitung der Kampfzone bis ins Elementare 3.2 Analytische Grundlagen 3.2.1 Figuren 3.2.2 Inhalt 3.2.3 Narrativik 3.3 Metaphysische Grundlagen 3.4 Interpretation 3.4.1 Literarische Raum- und Zeitmotive 3.4.2 Michels physikalistisches Weltbild 3.4.3 Brunos Obsessionen 3.4.4 Die posthumanistische Perspektive ...
Excerpt (computer-generated)
Michel Houellebecqs Elementarteilchen
Text und Film
Wissenschaftliche Arbeit
zur Erlangung des akademischen Grades
Magister Artium
an der Universität Paderborn
vorgelegt von
Björn Pötters
Einreichungsdatum:
26.03.2008
,,Selbstverständlich symbolisierte der Viehzüchter Gott."
Michel Houellebecq1
1 Houellebecq, Ausweitung der Kampfzone, S. 13.
2
Inhalt
1.
Einleitung
5
2.
Michel Houellebecq Leben und Werk
6
3.
Textanalyse Elementarteilchen
8
3.1
Ausweitung der Kampfzone
bis ins Elementare
9
3.2
Analytische Grundlagen
11
3.2.1 Figuren
11
3.2.2 Inhalt
16
3.2.3 Narrativik
22
3.3
Metaphysische Grundlagen
23
3.4
Interpretation
26
3.4.1 Literarische Raum- und Zeitmotive
25
3.4.2 Michels physikalistisches Weltbild
39
3.4.3 Brunos Obsessionen
44
3.4.4 Die posthumanistische Perspektive
48
3.5
Intertextualität
51
3.5.1 Kopenhagener Deutung
52
3.5.2 Quantenphysik und Molekularbiologie
53
3.5.3 Positivismus und Wiener Kreis
54
3.5.4 Huxley
55
3.6
Formalästhetik, Struktur und Einordnung
57
3.7
Kritik und Wertung
62
3
4.
Filmanalyse Elementarteilchen
64
4.1
Inhaltliche Reformation der Romanvorlage!?
64
4.2
Regisseur und Produktionsfirma
65
4.3
Inhalt und formaler Aufbau
66
4.4
Interpretation und Vergleiche
70
4.4.1 Der Ausgangspunkt: Michaels Forschung
71
4.4.2 Einführung in den Charakter Bruno
74
4.4.3 Erste Erinnerungen
76
4.4.4 Bruno als Schriftsteller
77
4.4.5 Erstes gemeinsames Treffen der Halbbrüder
79
4.4.6 Sexuelle Belästigung und Psychiatrie
80
4.4.7 Wiedersehen mit Annabelle
86
4.4.8 Die Mutter auf dem Sterbebett
87
4.4.9 Michael und Annabelle
88
4.4.10 Bruno und Michael im Ort der Begegnung
89
4.4.11 Gentechnologisches Institut Irland
90
4.4.12 Ort der Wandlung
92
4.4.13 Michael setzt seine Arbeit fort
93
4.4.14 Bruno und Christiane
94
4.4.15 Annabelles Schwangerschaft
94
4.4.16 Michaels Sehnsucht
95
4.4.17 Swinger-Club und Liebesglück
96
4.4.18 Michaels und Annabelles Schicksal
97
4.4.19 Brunos und Christianes Tragödie
97
4.4.20 Ausflug zum See und Ende
99
4.5
Intertextualität und Intermedialität im Film
102
4.6
Die Rezeption des Films
103
5. Synthetisches Resümee aus Text und Film
105
6. Schluss
106
7. Literaturverzeichnis
108
4
Einleitung
1. Einleitung
Michel Houellebecqs Karriere als Schriftsteller fand 1998 (in Deutschland 1999) ei-
nen entscheidenden Höhepunkt mit
Elementarteilchen
. Seine bis dato produzierten
Gedichtbände und sein Erstlings-Roman
Ausweitung der Kampfzone
legten den
Grundstein für eine wütende Abrechnung mit der individualistischen und modernen
Welt. Literarisch anspruchsvoller und weitaus komplexer als in seinem ersten Ro-
man erzählt Houellebecq die Geschichte zweier Halbbrüder, einer ein beziehungs-
unfähiger Molekularbiologe, der andere ein destruktiver Literat mit ausgeprägtem
Streben nach unmittelbarer Lustbefriedigung. Beide Lebenswege enden in zwi-
schen-menschlichen Katastrophen. Als posthumanistischer Lösungsvorschlag wird
ein geklontes, geschlechtsloses und unsterbliches Wesen jenseits von Egoismus und
sexuellem Elend erschaffen.
Nach zahlreichen Theateradaptionen wurde der Roman zuletzt von
Constantin
im
Jahre 2005 verfilmt. In meiner Arbeit möchte ich Roman und Film gleichermaßen
behandeln und analysieren. Da die inhaltliche Komplexität der Textvorlage die Mög-
lichkeiten des Films bei weitem übersteigt, wird der textanalytische Fokus auch auf
die filmische Adaption ausgerichtet. Nach einer grundlegenden Analyse der wesent-
lichen Aspekte des Romans mit literatursoziologischem Schwerpunkt soll der Film
rezeptionsästhetisch und im Kontext seiner Vorlage betrachtet werden. Inwieweit
hat der Film den Roman umgestaltet und welche Konsequenzen ergeben sich dar-
aus? Einerseits im formal adaptiven Sinne, andererseits gelingt dem Autor und Re-
gisseur Roehler eine Neubesetzung von funktionalen Werten und die Umschreibung
einiger Charakterzüge der Protagonisten. Es soll nach der Romananalyse geklärt
werden, inwieweit diese Änderungen sich abgrenzen oder ergänzen, welche Aus-
wirkungen das Filmmedium selbst auf die Essenz der Buchvorlage hat und ob die
Transformierung mit grundlegend neuen oder modifizierten Wertvorstellungen
spielt.
5
M.H. Leben und Werk
2. Michel Houellebecq Leben und Werk2
Es ist nicht leicht, verlässliche biographische Informationen über den Autor Houel-
lebecq zu sammeln. Die einzige Biographie wurde von Denis Demonpion ver-
fasst und ist nicht autorisiert. Sie beinhaltet weitgehend Gespräche mit Houelle-
becqs Freunden, die er alle in Hinblick auf die Interviews als ,,Verräter" bezeichnet.
Demonpion selbst stellt zwei wichtige Aspekte zum Leben von Houellebecq fest:
,,Beim Spurenverwischen ist Houellebecq durchaus professionell vorgegangen" und
,,er will Herr über sein Bild sein, das nach außen dringt."3 Es ist also anzunehmen,
dass seine mediale Präsenz von inszenatorischen Motiven geleitet wird. Im Folgen-
den nun einige ge-sicherte Fakten zum Leben und Werk, die ohne Bezug auf die
vielfältigen mythischen Darstellungen im Internet auskommen sollen.
Houellebecq wurde 1958 auf La Reunion als erstes Kind eines Bergführers und einer
Ärztin geboren. Mit sechs wird er zu seiner kommunistischen Großmutter väterli-
cherseits nach Frankreich abgeschoben. Die Eltern folgen den Selbstverwirkli-
chungsidealen der Hippiebewegung, dessen Thematik er auch in den
Elementarteil-
chen
nachgeht. Nachdem er in Frankreich erfolgreich das Gymnasium als Internat-
schüler beendet hat, studiert er Agrarwirtschaft und macht 1980 sein Diplom als
staatlich geprüfter Agronom. Innerhalb kurzer Zeit heiratet er, zeugt einen Sohn,
wird geschieden und ist bald arbeitslos. Während dieser Zeit begibt er sich in psy-
chiatrische Behandlung. Später arbeitet er als Agraringenieur und Informatiker für
die Nationalversammlung, dessen Reflexion besonders in seinem ersten Roman
Ausweitung der Kampfzone
Ausdruck fand.
Nach der Veröffentlichung von Essays über H.P. Lovekraft (1991), den Gedichtbän-
den
Les sens du combat
,
Rester vivant
und
La poursuite du bonheur
erschienen die
Romane
Extension du domaine de la lutte
(Ausweitung der Kampfzone, 1998) und
Les Particules élémentaires
(Elementarteilchen, 1999) sowie der Essayband
Inter-
ventions
(Die Welt als Supermarkt, 1999).
Elementarteilchen
gilt als sein
Hauptwerk und machte ihn weltberühmt. Im Erscheinungsjahr 1998 ließ er sich auf
unbefristete Zeit beurlauben, heira-tete erneut und lebt nun als freier Schriftsteller
2 Informationen aus: Schober, Auf dem Prüfstand und Hegemann, Glück ohne Ende.
3 Amazon, http://www.amazon.de/Michel-Houellebecq, (26.1.08).
6
M.H. Leben und Werk
überwiegend in Irland. Im Jahre 2000 veröffentlichte er eine Kurzgeschichte und
einen Bildband über
Lanzarote
, wo er auch einen Wohnsitz hat. 2001 erschien sein
Roman
Plateforme
(Plattform) und 2004
La Possibilité d′une île
(Die Möglichkeit
einer Insel).
Elementarteilchen
wurde an zahlreichen Bühnen als Theaterstück adap-
tiert und zuletzt von Constantin im Jahre 2005 verfilmt. Die Verfilmung von
Die
Möglichkeit einer Insel
ist in Frankreich in Planung.
Houellebecq ist mehrfach mit Literaturpreisen ausgezeichnet worden: Für den ers-
ten Lyrikband mit dem ,,Tristan-Tzara-Preis" und für den zweiten Band mit dem
,,Prix de Flore". 1998 erhielt er den ,,Grand Prix National des Lettres Jeunes Talents"
für sein Gesamtwerk und im gleichen Jahr für die
Elementarteilchen
den angesehe-
nen ,,Prix Novembre".
7
Textanalyse
3. Textanalyse Elementarteilchen
Der Roman löste nach seinem Erscheinen im Jahre 1999 einen Skandal aus. Houel-
lebecq war von da an als Bestsellerautor ein gefragter Mann und reihte sich neben
Philosophen, Soziologen, Medientheoretikern und anderen Wissenschaftlern in Dis-
kurse ein, die sich mit aktuellen gesellschaftlichen Pro-blemen auseinandersetzten.
Eine Podiumsdiskussion, die als Buch unter dem Titel
Glück ohne Ende - Kapitalis-
mus und Depression
erschien, wurde zum Beispiel auf der Grundlage einer Theater-
inszenierung von
Elementarteilchen
geführt. Houellebecq hatte nicht nur für Adap-
tionsstoff gesorgt, sondern eine ganze Welle an Diskussionen ausgelöst, die bis in
die Metaphysik hineinreichten und Philosophen wie Peter Sloterdijk auf den Plan
riefen. Aus diesem Grund möchte ich neben der eigentlichen Textanalyse das Phä-
nomen Houellebecq genauer beleuchten, seinen Erstlingsroman miteinbeziehen
und die metaphysischen Grundlagen von
Elementarteilchen
herausarbeiten, um so
den Ursachen der Wirkungsweise des Romans nachzuspüren.
Die Interpretation soll weitgehend Inhalte, die auch der Film aufgreift, berücksichti-
gen. Dennoch wird nicht nur in Hinblick auf den Film gearbeitet. Der Roman steht
zunächst in seiner isolierten Dimension als Schriftmedium im Vordergrund und soll
schlüssig analysiert werden. Es werden lediglich Passagen, die weder für die Basis-
handlung noch für die Charaktere und deren Entwicklung von Bedeutung sind, we-
niger beachtet; zum Beispiel die Thematik rund um die exzessive Gewalt (
Snuff Mo-
vies
, Satanismus) und die frühe Familiengeschichte. Der posthumanistische Ausblick
hingegen wird aufgrund seiner Brisanz erläutert, spielt aber in Hinblick auf die filmi-
sche Adaption eine marginale Rolle. Angesichts der geringen Anzahl vorhandener
Sekundärliteratur stehen eigene Aspekte, die freilich am Text belegt werden, im
Vordergrund. Kurze Handlungsabschnitte des Romans, die der Film explizit adap-
tiert, werden in der Filmanalyse literaturwissenschaftlich betrachtet, um den An-
sprüchen eines Vergleichs gerecht zu werden.
8
Ausweitung der Kampfzone bis ins Elementare
3.1 Ausweitung der Kampfzone
bis ins Elementare
In Michel Houellebecqs erstem Roman
Ausweitung der Kampfzone
seziert der Held
der Geschichte eine gefühlsfreie Welt, in der es nur um Karriere, Kapital und eroti-
sche Bedürfnisse geht: ,,Die Kampfzone im Titel des Romans ist eine um die Sexuali-
tät erweiterte Arena
."
4 Das ganze Buch verfügt über eine depressive Stimmung und
klagt den Werteverlust unserer westlichen Gesellschaft an, die sich eine Fassade der
Körperlichkeit und des Konsums aufgebaut hat. Für echte Gefühle ist es zu spät; der
Hauptcharakter beschreibt seine Umwelt mit einer erschütternden Nüchternheit.
Die Thematik rund um die individualisierte Gesellschaft und deren präzise Obdukti-
on erinnert stark an das Sujet von
Elementarteilchen
. Die Hauptcharaktere, ein na-
menloser Ich-Erzähler und Tisserand, sind vereinsamte Subjekte auf der erfolglosen
Jagd nach dem weiblichen Geschlecht, dessen Überreste nach dem Fall des Femi-
nismus nur noch ,,bestürzend"5 sind. Das zentrale Gefühl der Einsamkeit resultiert
wie bei
Elementarteilchen
aus der modernen Individualgesellschaft, die ihr Glück in
einem gesteigerten Subjektivismus sucht, aber auch schnell an den Grenzen der
eigenen Haut scheitern kann. So ergeht es dem Protagonisten, der die äußere Ob-
duktion der ,,Kampfzone" immer mehr in seinen inneren Zustand vordringen lässt
und sich so seinem einsamen und gescheiterten Leben bewusst wird. Obwohl er im
kapitalistischen Sinne gut versorgt ist und die Struktur seines Lebens gefestigt er-
scheint, plagen ihn Gedanken an den Tod und die zwischen-menschliche Vereinsa-
mung. Aspekte, die Houellebecq auch bei
Elementarteilchen
als zentralen Gegens-
tand manifestiert und durch den fiktionalen Posthumanismus aufhebt. In der
,,Kampfzone" befinden sich diese menschlichen Abgründe jedoch recht plakativ an
der Oberfläche; erst die Charakterstudien der
Elementarteilchen
zeigen detaillierte
Züge der individuellen Verzweiflung mit all ihren philosophischen und naturwissen-
schaftlichen Basen.
Ausweitung der Kampfzone
beschreibt die Basis des Unglücks in dem ,,Widerspruch
zwischen beruflichem Erfolg und privatem Misserfolg."6 Die Charaktere rund um
den Protagonisten inklusive ihm selbst stehen in einem soliden Arbeitsverhältnis
4 Houellebecq, Ausweitung der Kampfzone, S. 3.
5 Ebd., S. 8.
6 Kittlaus, http://www.single-generation.de/kritik/rez_kampfzone.htm, (10.11.07).
9
Ausweitung der Kampfzone bis ins Elementare
und sind gut situiert. Doch niemand hat Familie und alle scheinen in sexueller Hin-
sicht Verlierer zu sein. Die zwei Kampfzonen, das kapitalistische sowie das Sexual-
system, sind somit unabhängige Bereiche, in denen es auf beiden Seiten Verlierer
und Gewinner gibt. Bruno und Michel, die beiden Hauptprotagonisten in den
Ele-
mentarteilchen
, befinden sich in einer ähnlichen Situation. Es differenziert sich je-
doch durch ihre Individualität ein elementarer Unterschied zwischen beiden Le-
benswegen heraus, der das Sujet der Geschichte maßgeblich prägt.
Der gesteigerte Individualismus der Subjekte in der ,,Kampfzone" findet sein Pen-
dant im ,,Elementaren" durch den Charakter einer Erlebnis-Gesellschaft, in dieser
die Protagonisten resignieren.7 Diese Resignation begründet sich auch durch Ratio-
nalismus und Materialismus, die die moderne Wissenschaft mit sich gebracht ha-
ben. Die Sinnentleerung der Begriffe Familie, Partner und Gemeinschaft wirkt als
Konsequenz einer radikalen Diesseitsorientierung, die durch ein physikalistisches
Weltbild den ausufernden Individualismus erst ermöglicht.8 Ein Niedergang der e-
thischen und moralischen Werte, die primär nur durch die Religion gestiftet werden
können, mündet in einer metaphysischen Wandlung und dem Zerfall der menschli-
chen Zivilisation.
Elementarteilchen
,,setzte fort, was mit der ,Ausweitung der Kampfzone` begonnen
hatte."9
7 Vgl. Tabbert, Die Geburt des Posthumanismus..., S. 58ff.
8 Vgl. Ebd., S. 59.
9 Steinfeld, Das Phänomen Houellebecq, S. 11.
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