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Fragen journalistischer Ethik und Grenzen der Recherche - Die Medien im Fall Joseph

Termpaper, 2002, 30 Pages
Author: Maik Philipp
Subject: Communications: Ethics in the Media

Details

Category: Termpaper
Year: 2002
Pages: 30
Grade: 2,0
Language: German
Archive No.: V9493
ISBN (E-book): 978-3-638-16186-2

File size: 396 KB


Excerpt (computer-generated)

Universität Lüneburg
Einzelveranstaltung: "Journalistische Recherche"
Fach: Sprache und Kommunikation, B2

Hausarbeit
Fragen journalistischer Ethik
und Grenzen der Recherche -
Die Medien im "Fall Joseph"

von

Maik Philipp

Wintersemester 2001/2002
Abgabetermin: 31. Januar 2002

Inhalt

Einleitung ... 1

1 Der Deutsche Presserat ... 1
1.1 Geschichtlicher Abriss, Struktur und Aufgaben ... 1
1.2 Der Pressekodex ... 3
1.3 Effizienzprobleme des Deutschen Presserats ... 3

2 Der "Fall Joseph" ... 4
2.1 Die Ereignisse im "Fall Joseph" ... 4
2.2 Die Berichterstattung im "Fall Joseph" ... 5
2.2.1 Phase des Mordvorwurfs ... 5
2.2.2 Phase des Zweifels ... 6
2.2.3 Phase der Klarstellung, Medienkritik und Folgen ... 7
2.2.4 Phase des Rau-Besuchs, Phase der Medienkritik, 
Phase "Folgen für die Familie" ... 8
2.3. Ursachenanalyse ... 8

Fazit ... 9

Literaturverzeichnis ... 11

Anhang ... 12


Einleitung

Medienskandale in deutschen Massenmedien scheinen zur Normalität zu gehören. In den 80er Jahren häuften sie sich eklatant. Die veröffentlichten Hitler-Tagebücher im "Stern" oder die Berichterstattung über das Geiseldrama in Gladbeck sind nur zwei Beispiele. Was damals begann, setzte sich bis heute fort. So kam es im Jahr 2000 zum Medienskandal im "Fall Joseph". Dieser Fall "… ist als einmalig in der Geschichte der bundesdeutschen Presse zu werten."1 Denn die Fehler in der Berichterstattung sind, anders als in den früheren Skandalen, nicht Fehlleistungen einzelner Journalisten oder Zeitungen, sondern die der gesamten deutschen Presse. Solche Skandale lieferten und liefern immer wieder den Brennstoff für die Diskussion um Ethik, Moral und Berufsethos der Journalisten und um Medienethik.2
Dieser Fall ist Gegenstand der vorliegenden schriftlichen Ausarbeitung zum Referat "Fragen journalistischer Ethik und Grenzen der Recherche", das der Verfasser am 21. November 2001 gehalten hat. Zunächst geht es um den Deutschen Presserat, die freiwillige Kontrollinstanz in Deutschland, und den von ihm erstellten Pressekodex. Danach wird der "Fall Joseph" behandelt. Hierbei werden zunächst die Ereignisse vor der Berichterstattung dargestellt. Danach ist die Berichterstattung über den "Fall Joseph", die in mehrere Phasen unterteilt wird, in der deutschen Presse das Thema. Im Anschluss folgt die Beschreibung der medialen Analyse, warum es zu den Fehlern in der Berichterstattung gekommen ist. Im Fazit wird der Bezug zum Presserat und -kodex hergestellt, gegen den im "Fall Joseph" massiv verstoßen wurde.

1 Der Deutsche Presserat
1.1 Geschichtlicher Abriss, Struktur und Aufgaben

Die Gründung des Deutschen Presserat am 20. November 1957 war die Reaktion auf einen Gesetzentwurf aus dem Jahre 1952. Jener sah ein nach Art. 75 GG mögliches Presserecht-Rahmengesetz vor: Es sollten Landespresseausschüsse und ein Bundespresseausschuss gegründet werden; letzterer hätte auf der Basis journalistischer Grundregeln bei Verstößen Verwarnungen und Berufsverbote aussprechen dürfen. Journalisten- und Verlegerverbände sahen darin Pressefreiheit und ihre Autonomie bedroht. Es wurde eine freiwillige Kontrollinstanz vorgeschlagen.3 Gründungsmitglieder waren je fünf Zeitungsverleger und Journalisten. 1957 trat der Bundesverband Deutscher Zeitschriftenverleger (BVDZ) dem Presserat bei; 1960 folgte die IG Druck und Papier mit der ihr angehörigen Journalistenunion dju (heute: IG Medien, Fachgruppe Journalismus). Vorrangiges damaliges Ziel war es, für die Pressefreiheit einzutreten.
Bis in die 70er Jahre bestand die Arbeit des Presserats vorrangig darin, sich nach Außen hin für die Interessen der Presse einzusetzen. Beispielsweise äußerte sich der Presserat 1958 zum Gesetzesentwurf des so genannten "Lex Soraya", sprach sich 1962 im Rahmen der "Spiegel-Affäre" öffentlich für den Schutz der Pressefreiheit aus und arbeitete an den Entwürfen der Landespressegesetze aktiv mit.4
Ab 1970 änderte sich der Aufgabenschwerpunkt. In jenem Jahr wurde eine Beschwerdekommission gegründet. 1972 verabschiedete der Presserat eine verbindliche Beschwerdeordnung, 1973 wurde der Pressekodex erstellt. Er ist eine Sammlung ethischer Grundsätze, die in der täglichen journalistischen Arbeit Anwendung finden sollen. Seit dieses Instrumentarium in Verbindung mit der Beschwerdeordnung existiert, ist die Bearbeitung der Beschwerden eine der wichtigsten Aufgaben des Presserates.5

[...]


1 Willkommen, Anja: Joseph, Sebnitz und die Presse. In: Sächsische Staatskanzlei (Hg.): Ein bemerkenswerter Fall. Joseph, Sebnitz und die Presse. Dresden 2001, S. 1 - 78, S. 40.

2 Es muss betont werden, dass sich die Beschreibung dieser Problematik nicht an der Individual-, Mediensystem-, oder der Publikumsethik orientiert. Grundlage ist ausschließlich der Pressekodex.

3 Vgl. Meyn, Hermann: Moralische Instanz. In: Medium (19) 1989, H. 2, S. 34 - 38, S. 34.

4 Vgl. Weyhand, Arno H.: Chronik des Deutschen Presserates 1956 - 2000. In: Deutscher Presserat (Hg.): Jahrbuch 2001. Konstanz 2001, S. 437 f.

5 Die gesamte Geschichte des Presserats kann hier aus Platzgründen nicht dargestellt werden. Ausführlich wird diese im Jahrbuch des Presserats beschrieben. Vgl. Deutscher Presserat (Hg.): Jahrbuch 2001, S. 437 ff.


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