Scholary Paper (Seminar), 1999, 16 Pages
Author: Carola Jenter
Subject: Sport - Sport Psychology
Details
Tags: Angst, Schwimmen
Year: 1999
Pages: 16
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-07679-1
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INSTITUT FÜR SPORT UND SPORTWISSENSCHAFTEN
DER CHRISTIAN-ALBRECHTS-UNIVERSITÄT ZU KIEL
Schriftliche Hausarbeit I
ANGST IM SCHWIMMEN
vorgelegt von: Carola Jenter
Kiel, 8. 09. 1999
0. Inhaltsverzeichnis
0. INHALTSVERZEICHNIS 2
1. EINLEITUNG 3
2. DEFINITIONSANSÄTZE DER ANGST 3
3. ANGST BEIM ANFÄNGERSCHWIMMER 6
3.1 Merkmale des Angstverhaltens 7
3.2 Ursachen des Angstverhaltens 8
3.2.1 Hartmut Gabler über die Ursachen der Angst 9
3.2.2 Kurt Wilke über die Ursachen von Angst 9
3.3 Möglichkeiten der Angstreduzierung 12
4. DIE ANGST DES WETTKAMPFSCHWIMMERS 14
5. ZUSAMMENFASSUNG 14
6. LITERATURVERZEICHNIS 15
1. Einleitung
Noch immer ist keine eindeutige Definition des Begriffs Angst vorhanden. Aus diesem Grund soll in der vorliegenden Arbeit zunächst ein Überblick über verschiedene Angstdefinitionen gegeben werden. Im folgenden werden die Ursachen und Merkmale der Angst des Anfängerschwimmers sowie des Wettkampfschwimmers und schließlich Maßnahmen zur Angstüberwindung aufgezeigt.
2. Definitionsansätze der Angst
Betrachtet man die Definitionsansätze der verschiedenen Wissenschaftler, so gibt es
zwar Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede, die bei Nichtbeachtung zu
Mißverständnissen führen könnten. Im folgenden sollen nun die Definitionsansätze von
John M. Hogg, Ralf Schwarzer, Walter von Baeyer / Wanda von Baeyer-Katte, Franz Thurner,
H. Roth und Marion Boisen vergleichend herangezogen werden.
John M. Hogg unterscheidet Eigenschaftsangst von Zustandsangst. Dabei versteht er unter
Eigenschaftsangst eine "Verhaltensdisposition (...), die ein Individuum besitzt und
die es veranlaßt, objektiv ungefährliche Dinge als bedrohlich wahrzunehmen"1. Zustandsangst sei "ein vorübergehender emotionaler
Zustand innerer Spannung und Befürchtung, der in seiner Intensität für das Individuum,
das eine solche Situation empfindet, unterschiedlich ausgeprägt ist"2. Außerdem führt Hogg noch den Begriff der Wettkampfangst
an: "Wettkampfangst beschreibt individuelle Unterschiede in der Tendenz,
Wettkampfsituationen als Bedrohung zu empfinden und auf diese Situation mit Zustandsangst
verschiedener Intensität zu reagieren"3.
Ralf Schwarzer betrachtet Angst als einen "Gefühlszustand, der als unangenehm erlebt wird"4. Dabei sei die Angstemotion ein "Ergebnis von kognitiven Prozessen", die bewirken, daß aufgrund der Einschätzung eines Ereignisses als bedrohlich, sich Erregung ausbreite, "die vom Individuum in Übereinstimmung mit dem Bedeutungsgehalt der Situation als ängstliche Erregung interpretiert wird. Die Bedrohung kann auf die körperliche Unversehrtheit oder auf das Selbstkonzept gerichtet sein. (...) In beiden Fällen werden das Situationsmodell und das Selbstmodell zueinander in Beziehung gesetzt, wobei die Situation als stark fordernd und das Selbst als zu schwach zur Gegenwehr eingeschätzt werden"5.
Es gibt allerdings auch Wissenschaftler, die zusätzlich eine Abgrenzung von Angst und Furcht vornehmen. So definieren Baeyer/ Baeyer-Katte Angst als "unbestimmte, gegenstandslose, anonyme, unmotivierte Emotion", während "Furcht die bestimmte, auf einen Gegenstand oder eine gefährliche Situation gerichtete, benennbare, entsprechend motivierte Gefühlslage, eben Furcht ′vor etwas′"6 ist.
Thurner differenziert Angst und Furcht nach den angstauslösenden Reizen: "Der
durch äußere Reize, beispielsweise einen sich annähernden Stier, ausgelöste Affekt
wird vielfach als Furcht bezeichnet und der Name Angst auf den durch eine bestimmte Klasse
innerer Reize, z.B. einem nach Erfüllung drängenden verpönten Triebwunsch, ausgelösten
Affekt eingeschränkt"7.
H. Roth8 sieht Furcht als objektdefiniert, also Furcht
vor etwas, und Angst als "freiflottierende Furcht, die kein bestimmtes Objekt hat,
für die aber gegebenenfalls alles Furchtobjekt werden kann".
Marion Boisen schließlich hat die Definitionsansätze verschiedener Theoretiker
verglichen und dabei festgestellt, daß für sie keine befriedigende Aussage vorhanden
war. Aufgrund dessen zog sie zusätzlich den psychoanalytischen Ansatz Freuds und den
lern- und verhaltenstheoretischen Ansatz zur Angstentstehung hinzu. So kam sie letztlich
zu folgender Begriffserklärung9:
1. "Angst ist eine emotionale Reaktion, die durch einen Lernprozeß (Konditionierung,
Generalisierung) erworben wird.
2. Dieser ist durch die Mechanismen von Belohnung und Bestrafung direkt beeinflußbar.
3. Diese Mechanismen werden von Autoritäten (Staat, Lehrer, Arbeitgeber, Eltern) bewußt
oder unbewußt eingesetzt, um eine Anpassung an von ihnen gesetzte Normen zu erreichen.
Das von der Autorität abhängige Individuum lernt unter Anwendung und Androhung von
Strafe oder durch Belohnung nur des erwünschten Verhaltens, auf die Befriedigung von
Bedürfnissen zu verzichten, wobei Angst entsteht.
4. Das von der Autorität nicht erwünschte Verhalten wird unterdrückt, und es wird eine
Anpassung an von ihr erwünschte Verhaltensweisen erreicht.
5. "Die Unterwerfung unter fremde Bedürfnisse aus Abwehr (von Angst, M. Boisen)
setzt sich im Erwachsenenalter fort als völlige Anpassung an gegebene
Herrschaftsverhältnisse und in der Identifikation mit ihnen."10"
3. Angst beim Anfängerschwimmer
"Bei guter Beachtung der Grundgesetze des Schwimmens gelangt der aufmerksame Schwimmschüler schon nach kurzem Üben zur freien Wasserlage, die das Ziel der am Beginn des Lernens stehenden Wassergewöhnung ist ... Die psychologische Aufgabe besteht beim Kleinkind mehr darin, Hemmungen aus Angstgefühlen heraus nicht erst aufkommen zu lassen."11
So oder ähnlich klingen viele Betrachtungen von Theoretikern der Zeit. Sie betrachten Angst nicht als bedeutsames Problem, sondern gehen davon aus, "daß mit Hilfe der jeweils vorgeschlagenen methodischen Wege möglicherweise bestehende oder entstehende Angst leicht überwunden werden kann"12.
"In der Praxis zeigt sich jedoch, daß einzelne ängstliche Kinder und Erwachsene
trotz intensiver methodischer Bemühungen
· Das Schwimmen unlustvoll erleben, obwohl sie sich darauf freuen, schwimmen zu können;
· Das Schwimmen bedeutsam langsamer erlernen als andere, obwohl sie es auch gerne
schneller lernen möchten;
· Schließlich nur schwer oder teilweise gar nicht dazu zu bewegen sind, ins Wasser zu
gehen, obwohl auch für sie das Schwimmenkönnen einen großen Anreiz darstellt."13
Im folgenden sollen nun zuerst die Verhaltensweisen der Ängstlichen dargestellt werden,
um dann die Merkmale, Ursachen und Maßnahmen zur Angstreduzierung aufzuzeigen. Hartmut
Gabler beschreibt vier Auffälligkeiten von ängstlichen Schwimmschülern:
1. Sie bevorzugen Dynamik und Aktivität anstelle einer statischen Schwimmlage, um
potentielle Gefahren realisieren zu können.
2. Um den Blickkontakt mit dem Wasser nicht zu verlieren, bevorzugen sie die Bauchlage
statt der Rückenlage.
3. Sie neigen zu einer embryoartigen Haltung, um sich bei Bedarf im Wasser abstützen zu
können, anstelle einer entspannten Lage, die der des "Toten Mannes" ähnelt.
4. Ängstliche neigen also eher zu einer verkrampften Wasserlage als zu einer lockeren und
gelösten.14
3.1 Merkmale des Angstverhaltens
Hartmut Gabler differenziert psychische und motorisch-vegetative Reaktionen bei Angst. Psychische Reaktionen seien durch "unangenehme Gefühle der Bedrohung"15 gekennzeichnet, während sich motorisch-vegetative Reaktionen vor allem in gehemmter Motorik darstellten. Unter gehemmter Motorik versteht er eine "vermehrte Muskelanspannung bis zur Verkrampfung, aber auch ... verminderte Muskelanspannung ("weiche Knie"), weiterhin starre Mimik, sowie beschleunigte Atmung, Herzklopfen u.a."16.
Kurt Wilke bemerkte zudem steife, gehemmte Bewegungen, einen Wechsel von einem
ängstlichem Gesichtsausdruck mit Verlegenheitslächeln, einen ständigen Harndrang, der
bereits vor Eintritt ins Wasser vorhanden ist und schließlich sogar Brechreiz.17
Außerdem kann es zu
· erhöhter Schweißabsonderung, vor allem an den Händen,
· Erröten,
· Zittern,
· Magenschmerzen,
· motorischer Unruhe, z.B. Reiben der Fingerkuppen, von einem Bein aufs andere treten,
· aggressivem Verhalten, z.B. Stören des Unterrichtsablaufs bzw. Ärgern von
Mitschülern,
· regressivem Verhalten, z.B. Verweigerung von bekannten Übungen,
· Koordinationsstörungen,
· Fluchtverhalten (Helferfunktionen anbieten), Weinen,
· sich zurückziehen, andere vorlassen etc.
kommen18.
Es ist nicht immer sichtbar, ob jemand Angst hat. Wenn man es
jedoch erkannt hat, ist es sehr wichtig, die Angst des Betroffenen nicht als nichtig oder
vorgespielt abzutun, sondern sie ernst zu nehmen und nach den Ursachen zu suchen, um diese
mittels bestimmter Vorgehensweisen, die später genauer erläutert werden, beseitigen zu
können.
3.2 Ursachen des Angstverhaltens
Bei den Ursachen der Angst stellt sich die Frage, ob es sich um situationsbedingte Angst oder um Angst als Persönlichkeitsmerkmal handelt19. "Für beide Arten der Angst gilt jedoch, daß der Reiz des Wassers negativ besetzt ist und zum Erlebnis der Bedrohung führt, sei dies nun aufgrund spezifischer Erfahrungen oder aufgrund allgemeiner Ängstlichkeit gegenüber Gefahr beinhaltender Situationen."20
3.2.1 Hartmut Gabler über die Ursachen der Angst
Hartmut Gabler geht davon aus, daß durch sogenannte "neue Umwelterfahrungen" Angst entstehen kann. So nennt er folgende Möglichkeiten, die Ursachen der Angst sein könnten:
· Verlust der gewohnten Orientierungskriterien
· Neue Erlebnisse durch Druck und Auftriebswirkung
· Ausschalten der Sinnesorgane Auge und Ohr, der Atemwege Nase und Mund und des Kommunikationsorgans Mund beim Eintauchen des Kopfes ins Wasser
· Intensivierung dieser Erfahrungen durch unruhiges Wasser (Wellen, Spritzer),
Chlorgehalt oder zu niedrige Temperatur.
Des weiteren seien Erfahrungen in den ersten Lebensjahren zu berücksichtigen, wie zum
Beispiel das ungewollte Untertauchen des Kopfes beim Baden oder Duschen. Schließlich
sieht Gabler noch Ursachen in der Darstellung von Schiffskatastrophen, Überschwemmungen,
DLRG-Einsätzen etc. in den Medien.
3.2.2 Kurt Wilke über die Ursachen von Angst
Kurt Wilke21 stellt die Ursachen der Angst aus
einer anderen Sichtweise als Hartmut Gabler dar. Er bezeichnet in diesem Fall die Angst
als Furcht, da es konkrete Ursachen, also eine Furcht vor etwas, gibt. Wilke differenziert
die Furcht des Anfängerschwimmers in fünf Bereiche:
1. Furcht vor dem sichtbaren Mißerfolg, vor der Blamage;
2. Furcht vor dem Lehrer;
3. Furcht vor der Tiefe oder Weite des Wassers;
4. Furcht vor dem Wasserschlucken;
5. Furcht vor der Bedrohung durch das Wasser.
Diese Aspekte sollen im folgenden genauer betrachtet werden. Der Zustand des
Nichtschwimmers ist für den Betroffenen derart unangenehm und peinlich, daß er selbst
engen Freunden dieses verschweigt. Der Nichtschwimmer umgeht daher Situationen wie
Schwimmbadbesuche, Badeurlaub oder Wassersport, die zur Offenbarung der Schwäche führen
würde. Das Schamgefühl ist meistens sogar so immens, daß selbst der Besuch eines
Schwimmkurses vermieden wird, obwohl das Zusammenkommen mit anderen Nichtschwimmern die
Furcht vor Blamage deutlich verringert werden würde. "Je weniger Aufhebens die
soziale Umgebung von der Tatsache seines Nichtschwimmenkönnens und von seiner Teilnahme
am Schwimmkurs macht, desto geringer empfindet der Nichtschwimmer das Risiko eines
möglichen Mißerfolgs"22 Das Beisammensein mit
Nichtschwimmern der gleichen Altersstufe trägt an dieser Stelle eindeutig zur
Angstverringerung bei.
Die Furcht vor dem Lehrer spielt bei Kindern eine größere Rolle als bei Erwachsenen. In diesem Zusammenhang spielen sowohl die Überforderung durch den Lehrer als auch ein energischer Unterrichtston eine bedeutende Rolle. "erfahrungsgemäß bauen auch sehr gezielte Anweisungen des Lehrers Furcht oder Angst nicht ab, sondern erhöhen sie eher. Im Gegenteil, die Aufforderung zu einer ´strammen` Haltung bewirkt zusätzliche Muskelanspannung und verhindert die wünschenswert einfühlsamen Bewegungen im Wasser"23. Sollte eine Korrektur der möglicherweise fehlerhaften Lehrmethode unwirksam sein oder eine unvereinbare Differenz zwischen Lehrer und Schüler bestehen, sollte ein Lehrerwechsel erwogen werden.
Wenn ein Schüler Furcht vor der Tiefe oder Weite des Wassers hat, kann dies zwar bereits während der Anfängerübungen bemerkt werden, eindeutig wird diese Furcht aber erst, wenn der Anfänger das erste Mal im tiefen Becken schwimmen soll. Auffallend ist bei dieser Art von Furcht, daß die Fähigkeit zu schwimmen in dem Moment vollständig vergessen wird, in dem sich der Schüler dessen bewußt wird, daß keine Möglichkeit zum Stehen mehr vorhanden ist. Es tritt beim Erkennen eine Art Lähmung seiner Glieder ein. Um diese Furcht zu überwinden, sollte keinesfalls zum Mittel der bewußten Täuschung gegriffen werden (z.B. Schüler vom flachen Bereich in den tiefen Bereich schwimmen lassen, ohne ihn von der zunehmenden Tiefe in Kenntnis zu setzen), da dies mit Sicherheit nicht zur Dankbarkeit seitens des Schülers führen wird, sondern eher eine Steigerung der Angst mit sich bringt.
Sollte es einem Schüler nicht möglich sein, auf eine weite, offene Fläche hinauszuschwimmen, spricht man von einer Furcht vor der Weite des Wassers. Möglicherweise hat der Schüler Angst, die weite Strecke nicht bewältigen zu können, ohne daß ihn seine Kräfte verlassen und sich somit ein Gefühl der Hilflosigkeit einstellt. Es fällt jedoch bei dieser Form der Angst auf, daß die Schwimmfähigkeit in dem Moment wieder einsetzt, in dem der Blickkontakt zum Ufer oder Beckenrand wieder vorhanden ist.
"Die Furcht vor dem Wasserschlucken bezieht sich auf das unangenehme Erlebnis, einatmen zu wollen und statt dessen Wasser zu schlucken - genauer gesagt: Wasser einzuatmen."24 Durch das Einatmen von Wasser wird ein Hustenreiz ausgelöst, der sich möglicherweise zu einem "heftigen Brechreiz"25 steigert. Akute Atemnot, die als lebensbedrohlich empfunden wird, geht damit einher. Hat ein Anfänger erst einmal diese Erfahrung gemacht, befürchtet er, wieder in eine derartige Lage zu gelangen und ist gehemmt, das Gesicht ins Wasser zu legen, um auszuatmen. Um ein erneutes Auftreten einer solchen Situation zu vermeiden, ist also das Erlernen der Richtigen Atemtechnik unbedingt zu empfehlen.
Als letzten Punkt führt Wilke die allgemeine Furcht vor der Bedrohung durch das Wasser an. Hierbei nennt er etwa die gleichen Gründe wie Hartmut Gabler, ergänzt aber noch, daß ein übervorsichtiges Elternteil zur Angstentwicklung beitragen kann. Wilke geht hier vor allem auf die dramatische Schilderung von Gefahren durch die Mutter ein: "Nicht selten spielt eine übertriebene Vorsicht der Mutter eine gewichtige Rolle, wen sie unter dramatischer Schilderung möglicher Gefahren ihr Kind immer wieder davor warnt, zu nahe an das Wasser heranzugehen. So fällt beispielsweise auf, daß überdurchschnittlich viele erwachsenen Nichtschwimmer einen Elternteil haben, der ebenfalls nicht schwimmen kann."26
Er beschreibt allerdings auch den umgekehrten Fall, in dem die Eltern ihrem Kind schon
frühzeitig eine hohe Leistung abfordern, die dieses nicht erfüllen kann, was bei dem
Kind Unlust, Mißerfolg und Fehlleistungen hervorrufen kann.
Nicht zuletzt ist auch ein fehlende Wassergewöhnung eine Quelle zur Entstehung von Angst.
Schließlich gibt es noch jene Schüler, die trotz des Besuchs von mehreren Schwimmkursen das Schwimmen nicht erlernen. Diese Menschen sind persönlichkeitsbedingt ängstlich und können nur mit Hilfe von ausgedehnten Entspannungsübungen und Desensibilisierungstechniken ihre Angst abbauen.
3.3 Möglichkeiten der Angstreduzierung
Nachdem der Lehrer nun die Ursachen und Merkmale der Angst kennt, kann er dem betroffenen Schüler gezielt helfen, seine Ängste abzubauen. Im folgenden sollen nun verschiedene Wege zur Angstreduzierung aufgezeigt werden.
Als erster Punkt ist wohl eine angemessene Wassergewöhnung zu nennen, die allerdings
mit jedem Anfängerschwimmer und nicht nur mit ängstlichen Schülern durchzuführen ist.
Jedem Schüler sollten angemessene Aufgaben gestellt werden, um eine Überforderung zu
vermeiden.
Sollten spezifische Ängste vorhanden sein, müssen diese selbstverständlich
dementsprechend bewältigt werden. Wenn der Schüler beispielsweise Angst vor der Weite
oder Tiefe des Wassers hat, sind das Schwimmen am Beckenrand und später dann das
Schwimmen über Eck eine Hilfe, bis zum vollständigen Abbau der Furcht. Schwimmbretter,
Aufsichtspersonen am Beckenrand sowie die Hilfe durch einen Partner sind ebenfalls
nützlich. Außerdem bieten Gespräche mit dem Ängstlichen die Gelegenheit, ihm Wege zur
Selbsthilfe aufzuzeigen. So kann sich zum Beispiel ein Schüler, der in der Beckenmitte
keine Kraft zum Weiterschwimmen hat, sich auf den Rücken legen, tief einatmen und ruhig
liegen, bis er wieder zu Kräften kommt.
Für den Schwimmschüler können Fremdbekräftigung und Selbstbekräftigung ebenfalls eine
Hilfe beim Bewältigen von scheinbar schwierigen Situationen sein. Lob und Anerkennung,
gutes Zureden und rationale Argumente können möglicherweise sehr hilfreich beim Abbau
von Angst sein.
Bei Menschen, die Angst als ein Persönlichkeitsmerkmal haben, muß man zunächst zwischen Kindern und Erwachsenen unterscheiden. Während sich Kinder leicht durch Spiele ablenken lassen, ist bei Jugendlichen und insbesondere bei Erwachsenen die Beteiligung des Bewußtseins unumgänglich. Ihnen kann durch Entspannungsübungen und Desensibilisierungstechniken an Land, wie z.B. Autogenes Training oder Yoga sowie durch Atemübungen im Wasser in Ruhe und in Bewegung geholfen werden, ihre Angst zu reduzieren bzw. vollständig zu verlieren. Bei allen Mitteln der Angstreduzierung ist ein ernsthaftes und sensibles Auftreten des Lehrers sehr wichtig, damit sich die ängstlichen Schüler nicht erneut verunsichert fühlen.
4. Die Angst des Wettkampfschwimmers
Auch Wettkampfschwimmer können Angst empfinden. Sie beziehen sich allerdings nicht auf
die Angst vor dem Wasser, sondern speziell auf den bevorstehenden Wettkampf.
John M. Hogg beschreibt Wettkampfangst folgendermaßen: "Wettkampfangst beschreibt
individuelle unterschiede in der tendenz, Wettkampfsituationen als Bedrohung zu empfinden
und auf diese Situation mit Zustandsangst unterschiedlicher Intensität zu
reagieren."27
Die Merkmale für diese Art der Angst sind mit denen des Anfängerschwimmers vergleichbar,
zeigt aber zusätzlich folgende Reaktionen:
· Geringe Beachtung der bevorstehenden Wettkampfsituation, dafür Energieaufwendung für
nichtige Dinge;
· Plötzlicher Mangel an Mut und Entschlossenheit, obwohl normalerweise das Gegenteil der
Fall ist;
· Tiefer Wunsch nach Mißerfolg bzw. Angst vor dem Erfolg;
· Mangelndes Interesse, Lustlosigkeit oder überzogenes Selbstvertrauen, was sich im
allgemeinen in teilnahmslosem Auftreten äußert.
Doch auch beim Wettkampfschwimmer gibt es Möglichkeiten, seine Angst zu überwinden.
Diese sind Progressives Entspannungstraining, Autogenes Training, Selbstsuggestion,
transzendentale Meditation, Mentales Training, Hypnose durch einen Spezialisten,
Desensibilisierung sowie Biofeedbacktechniken.
5. Zusammenfassung
In der vorliegenden Arbeit habe ich versucht, möglichst viele Facetten des Angstbegriffs mittels der Verwendung verschiedener Quellen aufzuzeigen. Zunächst wurden die Definitionen verschiedener Theoretiker verglichen. Im Anschluß daran wurden die zahlreichen Merkmale der Angst des Anfängerschwimmers sowie deren mögliche Ursachen dargestellt. Schließlich folgten die Lösungsmöglichkeiten für die verschiedenen Arten der Angst. Zusätzlich habe ich noch die Angst des Wettkampfschwimmers angeführt, um zu zeigen, daß nicht nur Anfängerschwimmer mit dem Problem der Angst zu tun haben, sondern daß Angst auch im Wettkampfschwimmen durchaus vorhanden ist.
6. Literaturverzeichnis
1 John M. Hogg, "Die Angst des Wettkampfschwimmers" in Leistungssport, 9. Jahrgang, Nr. 6/1979, Seite 481
2 ebd.
3 ebd.
4 Ralf Schwarzer: Streß, Angst und Hilflosigkeit: die Bedeutung von Kognitionen und Emotionen die Regulation von Belastungssituationen- Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz: Kohlhammer, 1981, S.80/81
5 ebd.
6 Walter von Baeyer/Wanda von Baeyer-Katte, Angst, Frankfurt/M. 1973, S.23
7 Franz Thurner, Ängstlichkeit: Eine Persönlichkeitsvariable und ihre Auswirkungen in: Psychologische Rundschau, 21.Jg. 1970, Heft 3, S.187/188
8 Heinrich Roth, Erziehung als Umgang mit der Angst in: Die Deutsche Schule, 1969, Heft 4, S.190-196
9 Marion Boisen, Angst im Sport- der Einfluß von Angst auf das Bewegungsverhalten im Sport, Giessen / Lollar 1975
10 Anita Heiliger, Angst - Ursachen und Folgen kindlicher Ängste, Stuttgart 1972, S. 14
11 P. Andreas, Schwimmen, Lernen - Trainieren - Kämpfen. Frankfurt/ M. 1963 in: Hartmut Gabler, "Zum Problem der Angst beim Anfängerschwimmen" in Schwimmen in der Schule, Hofmann / Schorndorf 1977, S.121
12 ebd.
13 ebd.
14 ebd., S. 121/ 122
15 ebd., S. 122 f.
16 ebd., S.122
17 Kurt Wilke, Anfängerschwimmen, Hamburg 1979
18 siehe Referat von Elke Freimuth im Referat über "Ängste beim Schwimmen" im Schwimmen 1 Kurs im Sommersemester 1998 bei Barbara Siebrecht
19 nach Hartmut Gabler "Zum Problem der Angst beim Anfängerschwimmer" in "Schwimmen in der Schule" / Gunther Volck (Hrsg.), Schorndorf: Hofmann, 1977; (Schriftenreihe zur Praxis der Leibeserziehung und des Sports; Bd.109)
20 ebd.
21 Kurt Wilke, Anfängerschwimmen, Hamburg 1979
22 ebd., S.29
23 ebd.
24 ebd., S.32
25 ebd.
26 ebd., S.33
27 John M. Hogg, "Die Angst des Wettkampfschwimmers" in Leistungssport, 9. Jahrgang, Nr.6 /1979, S.481
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07.12.2007 22:41:09
Hallo, zunächst möchte ich mich für das zur Verfügung stellen dieser Arbeit bedanken. Ich fand sie wirklich interessant und gut aufgearbeitet. Ich bin gerade dabei das Thema Angst für mein Staatsexamen in Sport vorzubereiten. Auch wenn das Thema "Angst" hier nicht vollständig vorgestellt wird, so habe ich doch einen schönen praktischen Einblick erhalten. Das einzige, was ich kritisch anmerken möchte, ist die Beschreibung der Eigenschaftsangst (trait-anxiety) und Zustandsangst (state-anxiety). Das ist meiner Meinung nach etwas ungenau beschrieben worden. Ich bin auch nicht sicher, ob es wirklich Hogg war oder eher Spielberger. Aber sonst fand ich die Arbeit wie gesagt sehr gut und anschaulich. Gruß J.R.