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Scholary Paper (Seminar), 2002, 34 Pages
Author: Marjan Rosetz
Subject: Politics - Didactics, Political Education
Details
Institution/College: University of Frankfurt (Main) (Inst. f. Didaktik d. Sozialwissenschaften)
Tags: Politische Bildung ; Sozialwissenschaft; Didaktik; Grundschule; Elementarstufe
Year: 2002
Pages: 34
Grade: Keine Benotung
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-16234-0
ISBN (Book): 978-3-638-64110-4
File size: 306 KB
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Abstract
Die Grundschule ist die erste Institution, die alle Kinder gleich durchlaufen, und so allen Kindern die gleiche politische Bildung vermitteln könnte. Doch inwieweit verfolgt die Schule dieses Ziel, bzw. inwieweit sind sich Lehrer dieser Tatsache bewußt? Was für Themen kann man Kindern zutrauen und welche sind ungeeignet? Schon Kinder können sich ,,politisch" verhalten, doch was ,,das Politische" in ihren Augen ist, stimmt nur zum Teil mit dem erwachsenen Bild von Politik überein. Erwachsenen fallen in Bezug auf Politik sofort Themen wie Regierung, Wirtschaftspolitik, Finanzwesen, etc. ein. Doch die Vorstellung solcher Schwerpunkte mit den Schülern zu bearbeiten, scheint einfach unmöglich. Dennoch können Politik und Themen des Gemeinwesens durchaus Aufgaben für die Grundschule werden. So wird mit dem Themenschwerpunkt "Schule/ Schulleben" der schulische Nahraum in besonderer Weise als Feld demokratischen Lernens und Handelns in der Grundschule genutzt. Dazu gehören Schülerparlamente ebenso wie die Gestaltung von unterrichtsfreien Zeiten und Räumen sowie Schulhofeinrichtung und Pausenversorgung. Die Einübung in parlamentarische Formen und Einrichtungen wie z. B. den Klassen- oder Schülerrat kann schon mit Acht- bis Zehnjährigen ,,kindergemäß" erfolgen. Geprägt wird dieses Feld also von Projekten der Organisation, Gestaltung und Koordination des Lebensraums Schule und der Interessen der Schülerschaft. Besonders aber die Vielfalt von Lernanlässen, wo methodisch- didaktischer Herausforderung und Anbindungen des Lernens an eine zumindest innerschulische Öffentlichkeit sind auffällig. Die Kinder können dabei erfahren, daß die Schule und ihr Lernen mit ihnen selbst zusammenhängt. Zudem können sie erleben, daß sie die Bedingungen ihrer Schule und damit die Art und die Themen ihres Lernens selbst mitgestalten können. Achtung vor den Personen, den Individualitäten, auch den Denkweisen der Kinder sind ausschlaggebend für eine demokratische Denkkultur. Reformpädagogen entwickeln immer wieder neue Formen des Arbeitens, in denen die Arbeitsweisen und Rollen der Kinder wechseln, den Kindern der soziale Kontext aber immer deutlich ist: Sozialformen, die von den Kindern mit getragen und verbessert werden.
Excerpt (computer-generated)
Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main
SS 2002
Seminar: Einführung in die Didaktik der Sozialwissenschaften II
Hausarbeit:
Politische Bildung in der Grundschule
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Ist politische Bildung in der Grundschule überhaupt möglich? 3
2. Was bedeutet der Begriff " Politik " 5
2.1. Dimensionen politischen Lernens in der Grundschule 6
2.2 polity im politischen Lernen der Grundschule 6
2.3 policy im politischen Lernen der Grundschule 7
2.4 politics im politischen Lernen der Grundschule 9
2.5 Hilfestellungen zur Erschließung politischer Aspekte im Schulalltag 10
3. Was fordert der Rahmenplan Grundschule / Hessen ? 11
3.1 Übergreifende Orientierungen / Die Grundschule als Ort
grundlegender Erfahrungen 12
3.2 Sinnerfahrung, Werterfahrung, religiöse Erfahrung 13
3.3 Didaktische Grundsätze 14
3.4 Pläne der Fächer/ Lernbereiche 16
3.5 Die Grundschule als Lebensraum und Lernstätte
4. Demokratisches Lernen in der Grundschule 19
4.1 Demokratische Beteiligung
4.2 SchülerInnen erlernen Demokratie als handelndes Subjekt 22
4.3 Handlungsorientierter Unterricht - demokratisches, wie auch soziales
Lernen 23
4.4 Handlungsorientierter Unterricht in der Praxis 24
5. Ergebnisse einer Umfrage zur politischen Bildung in der Grundschule aus
dem Jahre 1983 25
5.1 Ziele und Inhalte der Sozialkunde in der Grundschule 27
5.2 Wie politisch ist die politische Bildung im Spiegel der LehrerInnenmeinung? 28
6. Auswertung der selbst durchgeführten LehrerInnenbefragung 29
7. Literaturverzeichnis 33
Anhang: Fragebogen an GrundschullehrerInnen zur politischen Bildung 34
1. Einleitung: Ist politische Bildung in der Grundschule überhaupt möglich?
Die Grundschule ist die erste Institution, die alle Kinder gleich durchlaufen, und so allen Kindern die gleiche politische Bildung vermitteln könnte. Doch inwieweit verfolgt die Schule dieses Ziel, bzw. inwieweit sind sich Lehrer dieser Tatsache bewußt? Was für Themen kann man Kindern zutrauen und welche sind ungeeignet?
Schon Kinder können sich ,,politisch" verhalten, doch was ,,das Politische" in ihren Augen ist, stimmt nur zum Teil mit dem erwachsenen Bild von Politik überein. Erwachsenen fallen in Bezug auf Politik sofort Themen wie Regierung, Wirtschaftspolitik, Finanzwesen, etc. ein. Doch die Vorstellung solcher Schwerpunkte mit den Schülern zu bearbeiten, scheint einfach unmöglich. Dennoch können Politik und Themen des Gemeinwesens durchaus Aufgaben für die Grundschule werden. So wird mit dem Themenschwerpunkt ,,schule/ Schulleben" der schulische Nahraum in besonderer Weise als Feld demokratischen Lernens und Handelns in der Grundschule genutzt. Dazu gehören Schülerparlamente ebenso wie die Gestaltung von unterrichtsfreien Zeiten und Räumen sowie Schulhofeinrichtung und Pausenversorgung. Die Einübung in parlamentarische Formen und Einrichtungen wie z. B. den Klassen- oder Schülerrat kann schon mit Acht- bis Zehnjährigen ,,kindergemäß" erfolgen. Geprägt wird dieses Feld also von Projekten der Organisation, Gestaltung und Koordination des Lebensraums Schule und der Interessen der Schülerschaft. Besonders aber die Vielfalt von Lernanlässen, wo methodisch- didaktischer Herausforderung und Anbindungen des Lernens an eine zumindest innerschulische Öffentlichkeit sind auffällig. Die Kinder können dabei erfahren, daß die Schule und ihr Lernen mit ihnen selbst zusammenhängt. Zudem können sie erleben, daß sie die Bedingungen ihrer Schule und damit die Art und die Themen ihres Lernens selbst mitgestalten können. Achtung vor den Personen, den Individualitäten, auch den Denkweisen der Kinder sind ausschlaggebend für eine demokratische Denkkultur. Reformpädagogen entwickeln immer wieder neue Formen des Arbeitens, in denen die Arbeitsweisen und Rollen der Kinder wechseln, den Kindern der soziale Kontext aber immer deutlich ist: Sozialformen, die von den Kindern mit getragen und verbessert werden. Der Kreis, die Tischgruppe, das Projekt - Ensemble, die jahrgangsübergreifende (oder kulturübergreifende) Gruppe, die Feier- oder Exkursionsgemeinschaft, die sportlichen Teams haben jeweils verschiedene Stile von Führung, Aufgabenverteilung, Mitgestaltung oder Mitbestimmung im Gefolge. Insofern sind gerade die Projekte bedeutsam, die die Offenheit des Verfahrens mit Flexibilität beim Erreichen und Gestalten von Zielen verbinden.
Gerade Grundschulkinder der ersten Klasse sind in einem Entwicklungsstadium, welches eine gute Basis ist, um Regeln des Zusammenlebens gemeinsam erarbeiten zu können und somit demokratisches Verhalten zu lernen.
Um die eigene Schulklasse als demokratischer Kultur erleben zu können, ist es für die Kinder notwendig, daß sie die Voraussetzungen erfahren, auf denen demokratische Spielregeln aufbauen. Grundlagen jeder demokratischen Gemeinschaft sind gelebte Vorstellungen über zwischenmenschliche Beziehungen. Grundlagen können z. B. sein:
- die Teilhabe an Entscheidungen
- die Möglichkeit der Teilhabe an politischen Informationen
- das Recht, seine eigene Deutung in die Diskussion einbringen zu können
- die Akzeptanz von Konflikten als Ausdruck der Unterschiedlichkeiten von Interessen
- das Wissen um die Würde und die des anderen
- die prinzipielle Gleichheit aller Beteiligten
- Toleranz gegenüber anderen Personen und Meinungen
- das Recht vorhandene Verhältnisse in Frage stellen zu können
Ein weiterer Themenschwerpunkt richtet sich auf das ,,lokale Umfeld" und die ,,Kommune". Es geht also um den unmittelbaren Lebensort der Kinder. Die lernende Auseinandersetzung mit Politik konzentriert sich aber auch auf Themen und Probleme, die in der Öffentlichkeit des Gemeinwesens und in der Politik insgesamt eine Rolle spielen: Asylrecht, Gewalt, Minderheit und Fremde. Die Prinzipien unserer Grund- und Menschenrechte können an einigen Beispielen, Geschichten und Projekten aufgenommen und zu Knotenpunkten der Welterkundung werden. Die Glaubens- und Meinungsfreiheit gehört dazu, die Friedfertigkeit und das Recht auf körperliche Unversehrtheit, die Achtung vor dem anderen Geschlecht und jetzt auch: die Erhaltung unserer Lebensgrundlagen.
,,Was hier (in der Grundschule) nicht gelernt wird an Ordnungsvorstellungen, an Sozialbeziehungen, wird wahrscheinlich nicht mehr so recht aufgeholt werden können" (Ziegler)
Politisches taucht nie isoliert auf, es ist immer verwoben mit dem schulischen Alltag, mit dem Leben und Beziehungen der Kinder, und gewinnt so für jedes einzelne Kind eine andere Bedeutung. Und diese subjektive Bedeutung für sich selbst und für andere zu sehen und zu akzeptieren ist wohl bereits ein äußerst wichtiger Teil politischen Lernens. Wichtiger als die Vermittlung von Wissen ist es, jedes Kind mit seinen Vorstellungen und Ängsten ernst zu nehmen, es zu Wort kommen zu lassen und zugleich dafür zu sorgen, daß unterschiedliche Sichtweisen nebeneinander existieren können.
[...]
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