Register or log in at GRIN

Your e-mail-address or password is wrong
Register now
For new authors: free, easy and fast
This will be used as your user name, please specify a valid e-mail address

Lost password

Your e-mail-address or password is wrong

Request a new password
Einflüsse von Umweltbildungseinrichtungen auf Tourismus und Naturschutz in der N... close

Please wait

Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.

Einflüsse von Umweltbildungseinrichtungen auf Tourismus und Naturschutz in der Nationalparkregion Harz

Other, 1998, 7 Pages
Author: Friedhart Knolle
Subject: Environmental Sciences

Details

Category: Other
Year: 1998
Pages: 7
Language: German
Archive No.: V96436
ISBN (E-book): 978-3-638-09112-1

File size: 58 KB


Fulltext (computer-generated)

Vortragsmanuskript ANU-Bundesfachtagung 1998:
Dipl.-Geol. Friedhart Knolle, Nationalparkverwaltung Harz

Einflüsse von Umweltbildungseinrichtungen auf Tourismus und Naturschutz in der Nationalparkregion Harz

Zur Rolle der Nationalparke in der nachhaltigen Regionalentwicklung

 

Nach klassischer Definition waren die Nationalparke primär auf ihre eigene Fläche konzentrierte Naturschutz- und Erholungsprojekte und definierten sich auch so - international wie national. In diesem Punkt hat sich jedoch viel verändert - provokativ könnte man formulieren: ,,Opas Nationalpark ist tot" ! Auf dem 4. Nationalpark-Weltkongreß in Caracas wurde 1992 die Auffassung zu Grabe getragen, man könne Schutzgebiete wie Inseln in ihrem Umfeld vor den meisten menschlichen Einflüssen bewahren. An Stelle dieser überholten Ansicht ist die Ansicht getreten, daß die Schutzgebiete im Zentrum der Bemühungen um eine nachhaltige Form der Regionalentwicklung stehen (NATIONALPARKKOM-MISSION DER IUCN 1994).

Zu den wichtigsten Aufgaben der Nationalparke, auch des 11. deutschen Nationalparks Harz, gehört es, im Rahmen des Schutzzwecks einem möglichst großen Kreis von Menschen nachhaltige Begegnungen mit Natur und natürlichen Prozessen zu ermöglichen und gleichzeitig Entwicklungen zu induzieren, die der nachhaltigen Regionalentwicklung und damit indirekt wiederum dem Schutz des Gebietes dienen. Diese Naturbegegnungen sollen Verständnis für die Schutzziele und damit gleichzeitig die Akzeptanz für den Nationalpark bei Einheimischen und touristischen Besuchern fördern. Die Förderung der Umwelt- und Naturschutzbildung unmittelbar in den Natur selbst spielt gerade im historisch vorbelasteten Harz eine besondere Rolle. Angesichts der Lage des Nationalparks Harz mitten in Europa und der ca. 9 - 10 Mio. Jahresbesuche in der Nationalparkregion ist der Komplex der Bildungsarbeit zur Förderung des Verständnisses natürlicher Prozesse eine besondere Herausforderung und Verpflichtung dieses Großschutzgebietes.

Der Nationalpark Harz ist bereits heute ein wichtiger touristischer Wertschöpfungsfaktor. Nach regelmäßigen Untersuchungen des DWIF für den Harzer Verkehrsverband gibt ein Übernachtungsgast im Harz pro Tag im Durchschnitt ca. 116 DM aus. Bezogen auf die Übernachtungsgäste im direkten Einzugsgebiet des Nationalparks Harz im Bezugsjahr 1995 bedeutet dies einen Fremdenverkehrsumsatz von ca. 55 Mio. DM. Im Ergebnis der Befragungsaktion der GWMC (1995) kann festgestellt werden, daß bereits im zweiten Jahr der Nationalparkausweisung 8,4% der Besucher ausschließlich wegen des Nationalparks gekommen sind, bei 37,6% der Besucher war die Urlaubsentscheidung durch die Existenz des Nationalparks stark beeinflußt. Im Analogieschluß läßt sich daraus ableiten, daß etwa 25 Mio. DM entsprechend 46% des tourismusbedingten Einkommens in der Nationalparkregion im direkten Zusammenhang mit dem Nationalpark stehen. Diese Zahl ist in der Tendenz sicherlich sogar noch zu niedrig gegriffen, denn die Ausgaben der Übernachtenden auf Campingplätzen, in Jugendherbergen, Ferienwohnungen und Privatquartieren sowie die Ausgaben der Tagesbesucher sind in der genannten Summe noch nicht berücksichtigt.

Obwohl der ökonomische Ausstrahlungseffekt eines Nationalparks nicht isoliert von der wirtschaftlichen Gesamtbedeutung des Tourismus in der Nationalpark-region betrachtet werden kann, zeigt diese Modellrechnung doch, daß der Nationalpark Harz als touristischer Wertschöpfungsfaktor zunehmend an Bedeutung gewinnt. Zu den direkt dem Nationalpark zuzurechnenden Umsätzen und Einkommen sind noch indirekte Einkommenseffekte hinzuzurechnen, die dem Nationalpark eine über den Tourismus hinausgehende Bedeutung zuweisen.

Als ständige Querschnittsaufgabe aller Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung steht die Informations-, Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit des Nationalparks Harz im internationalen Rahmen der Themen der Agenda 21. Wichtige Themen wie die Notwendigkeit der Erhaltung der Naturvielfalt, die Schonung der natürlichen Lebensgrundlagen und die Sicherung ihrer Regenerationsfähigkeit unter Berücksichtigung der Entwicklungsprinzipien natürlicher Systeme (Wildnisent-wicklung, Vernetzung, Vielfalt und Selbstorganisation) können nirgends besser thematisiert werden als in großen Schutzgebieten wie dem Nationalpark Harz, die ihre spezifische Rolle als nicht wirtschaftlich genutzte Referenzflächen im Rahmen der nachhaltigen Entwicklung spielen.

Aufgrund der Kürze der vorhandenen Redezeit sollen anhand einiger ausgewählter konkreter Beispiele Möglichkeiten dargestellt werden, mit denen der Nationalpark Harz Impulse zur nachhaltigen Regionalentwicklung gibt.

Nationalpark-Bildungszentrum St. Andreasberg und Multiplikatorenausbildung

Das herausragende touristische Interesse am Nationalpark Harz wird bereits heute durch die große Nachfrage nach speziell auf den Nationalpark ausgerichteten Programmen deutlich (Naturerlebnis-Führungen, themenorientierte Fach-exkursionen oder Wanderungen). Mit einer durchschnittlichen Zahl von 2.000 durchgeführten großen und kleinen Veranstaltungen ist die Nationalpark-Um-weltbildung bereits heute ein wesentliches touristisches Angebot für die gesamte Harzregion; seine Ausweitung ist geplant.

Ein wichtiger Baustein im Netz der dezentralen Einrichtungen ist das Nationalpark-Bildungszentrum St. Andreasberg, in dem die Umweltbildungsaktivitäten für die Nationalparkregion Harz koordiniert werden. Für die Informations- und Bildungsarbeit stehen hier drei Büros und ein kleiner Vortragsraum mit medialer Grundausstattung zur Verfügung.

Die hohe Besucherfrequenz des Nationalparks Harz, die unzureichende personelle Ausstattung der Nationalparkverwaltung und der Bildungsauftrag des Nationalparks gemäß den Zielen der IUCN machen es erforderlich, mit einem System von Multiplikatoren personell neue Wege zu beschreiten. Zur Unterstützung der Nationalparkverwaltung wird deshalb durch das Nationalpark-Bil-dungszentrum im Rahmen einer umfassenden Waldführerausbildung eine Gruppe von Interessierten aus der Bevölkerung der Harzregion weitergebildet, die willens ist, ihr Wissen über den Nationalpark bei Vorträgen, bei Waldführungen und Walderlebnistagen weiterzugeben. Da die Waldführer den unterschiedlichsten Berufsgruppen angehören, ist es sinnvoll, sie zielgruppenorientiert entsprechend den speziellen Bedürfnissen von Besuchergruppen einzusetzen. Somit sind die Waldführer wesentliche Mittler zwischen der Nationalparkverwaltung einerseits und den Besuchern des Nationalparks andererseits. Dieser Bedeutung wird vom Nationalpark durch eine fachlich fundierte Ausbildung Rechnung getragen. Den interessierten Waldführern werden auf freiwilliger Basis im Rahmen von Vorträgen und Exkursionen Kenntnisse über alle nationalparkrelevanten Themengebiete vermittelt. Die Ausbildungsreihe umfaßt für Anfänger 20 Veranstaltungen, von denen mindestens 12 besucht werden müssen, um in den Besitz einer für das Folgejahr geltenden Auszeichnungsplakette zu gelangen. Diese Plakette muß jährlich neu erworben werden und wurde eigens für die Nationalpark-Waldführer entwickelt. Sie macht die Waldführer für die Besucher als kompetente Ansprechpartner in Sachen Nationalpark kenntlich. Wurde die Plakette bereits zweimal erworben, so erfolgt eine Einstufung des Waldführers in die Fortgeschrittenengruppe, was bedeutet, daß auf Grund des erreichten Wissensstandes nur noch 6 angebotene Veranstaltungen besucht werden müssen.

Der Einsatz der Waldführer wird im wesentlichen durch die Nationalparkverwaltung koordiniert. Den Waldführern steht es aber auch frei, in Eigeninitiative oder in Zusammenarbeit mit dem Harzklub, mit Kur- und Stadtverwaltungen oder anderen Trägern eigene Veranstaltungen durchzuführen.

Besucherlenkung durch Information und Bildung

Der Wunsch nach Erholung in möglichst vielfältigen Bereichen macht besonders in Nationalparken effektive Lenkungsmaßnahmen notwendig, um Ruhezonen zu erhalten oder zu entwickeln. Vielfach lassen sich Lenkungs- und Entflechtungserfolge bereits durch unmerkliche, psychologisch durchdachte Vorkehrungen erreichen. Wesentliche Voraussetzung für die Realisierung von Lenkungsmaßnahmen ist die Evaluation des menschlichen Verhaltens. So bestehen gravierende Unterschiede im Verhalten von Langzeit- und Kurzzeittouristen im Nationalpark Harz. Die zentrale Lage und die fast vollkommene touristische Erschließung zieht insbesondere an den Wochenenden eine Vielzahl von Kurzzeittouristen an. Vielfältige Probleme sind die Folge: überlastete Straßen und Parkplätze, Lärm sowie hohe Konzentration der Erholungssuchenden besonders in den parkplatznahen Bereichen des Nationalparks einschließlich der damit verbundenen Müllproblematik. Die durch die Kurzzeitbesucher entstehenden Probleme sind ihrerseits als Störfaktoren für die Langzeittouristen anzusehen, denn Langzeittouristen suchen in der Mehrzahl Erholung in der Stille intakter oder möglichst unberührter Natur. Im Nationalpark Harz ist daher durch entsprechende Lenkungsmaßnahmen diesen unterschiedlichen Bedürfnissen Rechnung zu tragen und gleichzeitig die Störung oder gar Schädigung der Naturräume so gering wie möglich zu halten.

Touristen unterliegen grundsätzlich dem Gruppentrieb (,,gregarischer Effekt"). So neigen 85 - 95% der Bevölkerung in der Kurz-Freizeit dazu, gerade Bereiche aufzusuchen, die auch von anderen frequentiert werden (BARTH 1995). Aus diesem Verhalten ergibt sich die Chance, durch intensive Ausstattung solcher Attraktionsbereiche die Menschen in weniger gefährdeten Naturräumen zu konzentrieren und dabei empfindliche Zonen zu beruhigen und zu schonen. Insbesondere die überlegte Anlage von Parkplätzen vermag die automobil anreisenden Erholungssuchenden in ganz bestimmten Bereichen zu konzentrieren.

Die Möglichkeiten der Lenkung sind vielfältig. Zu berücksichtigen ist jedoch, daß die größten Lenkungserfolge nicht durch Verbote, sondern durch die Ausnutzung unbewußter Verhaltensweisen der Menschen zu erreichen sind. So kann der gregarische Effekt in Verbindung mit der Tatsache, daß die meisten Menschen unbewußt optischen Reizen folgen, selbst in stark frequentierten Bereichen kleinräumig als ,,gewinnende" Lenkung genutzt werden.

Wichtiges Instrument der Besucherlenkung im Nationalpark Harz sind die Erholungsbereiche Torfhaus, Oderbrück, Sonnenberg und Königskrug. Sie umfassen die im Nationalpark Harz liegenden Skiabfahrten, Hüttensiedlungen und Fremdenverkehrseinrichtungen; in dem am stärksten frequentierten Erholungsbereich Torfhaus wird das Nationalparkhaus Altenau-Torfhaus als Besucherservicestelle betrieben. Die Arbeit des Nationalparks Harz eröffnet innerhalb und außerhalb der Erholungsbereiche weitere spezielle Möglichkeiten der Besucherlenkung:

_ Besucherlenkung durch optische Reize: Optische Reize können zur Lenkung beitragen. Optische Attraktionsobjekte wie Bänke, Informationseinrichtungen oder Loipentore wirken besucherlenkend.

_ Besucherlenkung durch Information und Bewußtseinsbildung: Lenkungsmaßnahmen sollen die Besucher nicht in ihrem Wohlbefinden in der Natur einschränken. Deshalb ist es erforderlich, ihr Verhalten durch gezielte und aktive Aufklärung zu ändern.

_ Besucherlenkung durch Verkehrslenkungsmaßnahmen: Der starke Individualverkehr in der Nationalparkregion verursacht vielfältige Probleme. Zum Schutz der Natur und zur Erhaltung der touristischen Attraktivität der Region unterstützt der Nationalpark daher alle Maßnahmen, welche die Zugänglichkeit so zu steuern vermögen, daß eine gewünschte umweltschonende Erholungsnutzung gestärkt und unerwünschte, schädigende Nutzungen eingeschränkt werden.

Die Akzeptanz von Besucherlenkungsmaßnahmen hängt davon ab, daß der Bedeutung des Fremdenverkehrs als wichtigster Wirtschaftsfaktor der Region Rechnung getragen wird. Eine Ausrichtung am Schutzzweck des Nationalparks bedeutet in diesem Zusammenhang auch einen Gewinn für den Erholungswert der Landschaft. Nur ein solches Zusammenspiel von Naturschutz und Fremdenverkehr macht in der Nationalparkregion eine optimale Verwirklichung der Ziele beider Partner möglich. Die Nationalparkgemeinde St. Andreasberg beispielsweise geht diesen Weg konsequent.

Bei der gemeinsamen Erarbeitung einer neuen Tourismusstrategie des ,,nach-haltigen Fremdenverkehrs" sind die Belange der vor Ort lebenden Menschen besonders zu berücksichtigen. Sie stehen im Mittelpunkt aller touristischen Erfolge, die sich im Einklang mit der Region vollziehen. Der Nationalpark Harz bietet für diese Entwicklungen einen Katalysatoreffekt, der Initiativen und Aktivitäten der Bevölkerung und der Tourismusverantwortlichen befördern kann. Ein Beispiel für eine solche touristische Neuentwicklung ist das 1995/96 in enger Kooperation aller Betroffenen entwickelte Harzer Loipenpaket - auch ein Beispiel für Lenkung durch Information und positive Anreize.

Die dargestellten Beispiele konnten nur ein Ausriß aus der Arbeit der Nationalparkverwaltung Harz sein; weitere im Thema liegende Arbeiten zur nachhaltigen Regionalentwicklung finden sich z.B. im Tätigkeitsbericht 1997 des Nationalparks Harz (NATIONALPARK HARZ 1997).

Schrifttum

BARTH, W.-E. (1995): Naturschutz: das Machbare. - 467 S., 2. Aufl., Hamburg: Parey

GWMC WIRTSCHAFTSFORSCHUNG GMBH (1995): Ergebnisse der Besucherbefragung im Nationalpark Harz (Herbst 1995).- Unveröff., Passau

KNOLLE, F. (1994): Bausteine eines ökologisch orientierten Fremdenverkehrs im künftigen Nationalpark Harz. - In: HEIL, D. & KRÜGER, R.: Bewußtes Reisen - Sanfte Angebote - Regionales Handeln. Berichte aus der Praxis des umweltverträglichen Tourismus - Dokumentation einer Tagung des BURG-Pro-jektes. - 136 S., Bibliotheks- und Informationssystem der Universität Oldenburg

NATIONALPARK HARZ (1997): Tätigkeitsbericht 1997. - 34 S., St. Andreasberg

NATIONALPARKKOMMISSION DER IUCN (1994): Parke für das Leben: Aktionsplan für Schutzgebiete in Europa. - 154 S., Gland & Cambridge

Weitere Informationen: www.nationalpark-harz.de


Comments

No comments yet

Add Comment
Your comment is reviewed before being published

Other users also were interested in the following titles:

Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit

Author: Claudia Nickel
Presentations, Models, Tutorials, Instructions, 2006 Download as PDF-file for 4,99 EUR

Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens

Author: Maik Philipp
Presentations, Models, Tutorials, Instructions, 2004 Download as PDF-file for 5,99 EUR

This text can be quoted and accessed from this url:

http://www.grin.com/e-book/96436/einfluesse-von-umweltbildungseinrichtungen-auf-tourismus-und-naturschutz
please wait Please wait