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Aggression und ihre Beeinflussung durch situationale Hinweisreize

Script, 1999, 15 Pages
Author: Stefanie Plener
Subject: Psychology - General

Details

Event: Rehabilitationspsychologie (Lehramt), Seminar: Motivation aggressiven Verhaltens
Institution/College: Martin Luther University
Tags: Aggression, Beeinflussung, Hinweisreize, Rehabilitationspsychologie, Seminar, Motivation, Verhaltens
Category: Script
Year: 1999
Pages: 15
Language: German
Archive No.: V96986
ISBN (E-book): 978-3-638-09661-4

File size: 146 KB


Fulltext (computer-generated)

 Referentin: Stefanie Plener

Aggression und ihre Beeinflussung durch situationale Hinweisreize

Literatur:

Berkowitz, Leonard: Aggression Its Causes, Consequences and Control, New York, McGraw-Hill, 1993

Baron, Robert, Richardson, Deborah: Human Aggression, 2. Edition, New York, Plenum Press, 1994

Ceh, Johann: Konflikte und Aggressionen bewältigen, 2.Auflage, Landsberg, moderne verlagsgesellschaft mbh, 1988

Geen, Russell, Donnerstein, Edward (Hg.): Human Aggression Theories, Research, and Implications for Socioal Policy, San Diego, Academic Press, 1998

Klockhaus, Ruth, Habermann-Morbey, Brigitte: Psychologie des Schulvandalismus, Göttingen, Hogrefe Verlag für Psychologie, 1986

Mees, Ulrich (Hg.): Psychologie des Ärgers, Göttingen, Hogrefe Verlag für Psychologie, 1992

Nolting, Hans-Peter: Lernfall Aggression, Reinbek, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1987

Selg, Herbert, Mees, Ulrich, Berg, Detlef: Psychologie der Aggressivität, 2.Auflage, Göttingen, Hogrefe Verlag für Psychologie, 1997

1. Einleitung

(= > Flipchart 1)

Mein Interesse für dieses Thema habe ich aus einer Beobachtung während eines Schulpraktikums in der Sprachheilschule In Halle. In den Pausen konnte ich oft Zeugin von aggressiven Handlungen werden: Beschimpfen, aber auch tätliche Übergriffe waren an der Tagesordnung. Meiner Ansicht nach war ein entscheidender Grund dafür, daß der Schulhof den vielen SchülerInnen nur wenig Platz bot, so daß diese beinahe zwangsläufig aneinandergeraten mußten. Ich nahm also an, daß ein Grund außerhalb, der einzelnen Personen und ihrer Interaktionen für das aggressive Verhalten verantwortlich war.
Leider habe ich keine Untersuchung gefunden, die sich mit diesem Thema beschäftigt hat, ich bin aber auf eine Studie mit einem verwandten Thema gestoßen:
Die Autorinnen Klockhaus und Habermann-Morbey haben das Phänomen Schulvandalismus untersucht. Dabei handelt es sich, um intendiertes, schädigendes und normverletzendes Verhalten gegen Sachen (Als normverletzend werden hier angenommen das Beschädigen, Zerstören oder Wegnehmen fremden Eigentums).
Bei der Untersuchung wurde festgestellt, daß Aggressivität (Tendenz zur absichtlichen Schädigung von Lebewesen) in hohem Maße mit schwerwiegender Form von Sachbeschädigung korrelierte. Man kann daher auch annehmen, daß ähnliche Gründe für vandalistisches wie für aggressives Verhalten sprechen. Ich habe aus den verschiedensten ermittelten Zusammenhängen, die herausgesucht, die außerhalb der Personen liegen.
Dazu wurden SchülerInnen befragt zu Aspekten der Attraktivität und des Sich-Wohlfühlens in der Schule. Die Befragungen erbrachten eine signifikant negative Beziehung zwischen Aspekten der ästhetischen Wirkung von Schulen und dem Ausmaß vandalistischen Verhaltens. Je schlechter die Anmutung der Innenräume, der bauliche Zustand, die Varietät der architektonischen und farblichen Gestaltung von den SchülerInnen beurteilt wurde, um so höher war das vandalistische Verhalten.

2. Theoretischer Hintergrund

Es geht bei den Untersuchungen und Veröffentlichungen zum Thema der situationalen Hinweisreize um eine Form von aggressivem Verhalten, die wir als Ärger-Aggression gekennzeichnet haben, d.h. daß das aggressive Verhalten eine Reaktion auf eine vorausgegangene Frustration ist.

Frustration (Situation, nicht emotionale Befindlichkeit) liegt vor, wenn ein zielgerichtetes Verhalten gestört wird. Eine Person bemüht sich, ein Ziel zu erreichen, jedoch wird sie am erreichen des Zieles gehindert. Beispiel: spannenden Film ausschalten. Dies wird als Frustration im engeren Sinne verstanden. Zu der Frustration im weiteren Sinne kommen noch zwei Typen hinzu:


= > Mangelzustände (unbefriedigte Triebe)
= > Angriffe, Provokationen und Belästigungen (schädigende Reize)

Damit sind letztlich alle aversiven Reize gemeint.

Wir haben auch schon einmal erwähnt, daß eine (konstruierte) Frustration nicht zwangsläufig Aggression als Folge haben muß, daß auch noch viele andere Verhaltensmöglichkeiten denkbar sind, wie z.B. Weinen, Rückzug etc.


Exkurs Emotion: (= > Flipchart 2)
Es gibt eine qualitative Dimension, handelt es sich also um ein angenehmes Gefühl (anstreben) oder um ein unangenehmes Gefühl (meiden).
Dann gibt es die quantitative Dimension, das Gefühl wird als stark oder schwach eingeordnet.
Wilhelm Wundt fordert jedoch noch eine dritte Dimension zur Einordnung der Gefühle, danach soll beschrieben werden, ob die Emotion eher aktiv oder passiv ist. Zum Beispiel sind Wut und Trauer unangenehme Gefühle, die auch beide ziemlich stark sein können, jedoch ist Wut eher aktiv und Trauer eher passiv.

Nach einer Frustration, fühlen viele ein Gefühl wie Ärger /Wut / Zorn, <anger>. <anger> ist ein Gefühl, das unangenehm, stark und aktiv ist.


Frustration = > <anger> = > Aggression

Man kann dies nicht als Reaktionskette lesen, aber wenn durch Frustration ein Gefühl wie Ärger / Wut / Zorn hervorgerufen wird, dann wird eine aggressive Verhaltensweise wahrscheinlicher, als ohne ein entsprechende Emotion.
Ein anderes Gefühl, das diese drei Eigenschaften aufweist, ist Furcht.
Flight or Fight
Kommt es nach einer Frustration zu Ärger, dann wird aggressives Verhalten besonders dann gezeigt, wenn zusätzlich Hinweisreize mit aggressiver Bedeutung vorhanden sind. Die Bedeutung wurde im Prozeß der Konditionierung erworben. Hinweisreize sind von der jeweiligen Situation abhängig. (= > Schaubild Psychisches System verdeutlichen)

3. Was können situationale Hinweisreize sein?


3.1. Hitze

Hitze wird in unserem Sprachgebrauch häufig im Zusammenhang mit Ärger gebraucht.
Die zentrale Ärger-Metapher ist die folgende (nach dem Liguist Kövecses):

Ärger ist eine erhitzte Flüssigkeit in einem Behälter:
- er kochte vor Wut
- sie mußte Dampf ablassen
- Kühle und Ruhe sind das Gegenteil von Ärger
- bleib ruhig!
- bleib cool!

Wenn die Intensität des Ärgers wächst, schwillt die Flüssigkeit:
- sein Ärger wallte auf
- ihr Ärger baute sich langsam auf
- Hitze erzeugt Schaum bzw. Dampf sowie Druck auf den Behälter
- er schäumte vor Wut
- sie platzte vor Wut
- er explodierte vor Wut

Die physiologische Reaktion wird deutlich in Wörtern wie:
Hitzkopf, Heißsporn, Zornesröte

Ein möglicher Kontrollverlust wird angezeigt:
Blind vor Wut, Rotsehen

Kann man aus den Redewendungen und sprachlichen Bildern ableiten, daß eine zunehmende Temperatur mehr aggressive Handlungen provoziert?
Dazu wurden eine Reihe von Untersuchungen angestellt. Die Ergebnisse waren sehr kontrovers.

Baron (1972,a):

 
verärgert

nicht verärgert

hohe Temperatur
   

angenehme Temperatur
   

Es sollte untersucht werden, ob erhöhte Temperaturen, besonders bei verärgerten Versuchsteilnehmern leichter zu aggressivem Verhalten führt. Männliche Teilnehmer erhielten die Möglichkeit, sich einem Mitwisser der Versuchsleiters gegenüber aggressiv zu verhalten (Elektroschocks verschiedener Intensität und Länge zu vergeben), der eine Hälfte der Gruppe zuvor verärgert hat und die andere Hälfte nicht. Bei einer Gruppe wurde das Experiment bei angenehmen Temperaturen, etwa 22 - 24°C (72 - 75°F), bei der anderen Gruppe unter sehr heißen Bedingungen, etwa 33 - 35°C (91 - 95°C) durchgeführt.
Die Hypothesen bestätigten sich nicht. Nur die Gruppe der verärgerten Personen verhielt sich aggressiver gegenüber dem Komplizen des Versuchsleiters. Die Gruppe mit der hohen Temperatur verhielt sich nicht aggressiver als die entsprechende Vergleichsgruppe.
Aber nicht zuletzt die Aussage der Beteiligten unter der Hitze-Bedingung, daß sie nur milde und kurze Schocks vergeben haben, um Streitigkeiten zu verhindern, die möglicherweise ihre unangenehme Situation verlängert hätten, führte u.a. dazu, daß weitere Untersuchungen angestellt wurden.

Abbildung 1: nach Baron & Bell (1976)

Bell & Baron (1976): Die Einflüsse von drei Variablen auf aggressives Verhalten wurde untersucht:
1. angenehme kühle (C) / unangenehm heiße Bedingung (H)
2.negative (N) / positive (P) Beurteilung durch den Komplizen des Versuchsleiters
3. Ähnlichkeit (S) / Unähnlichkeit (D) mit dem Komplizen

Es wurde in diesem Experiment gezeigt, daß bei erhöhter Temperatur aggressives Verhalten in erhöhtem Maße gezeigt wird, daß jedoch in anderen Kombinationen von Variablen ebenfalls verstärktes aggressives Verhalten gezeigt wird. Eine Anhäufung negativer Empfindungen führt aber anscheinend dazu, daß aggressives Verhalten wieder abnimmt.

(= > Folie Kriminalität)

Häufig wird berichtet, daß mit zunehmender Temperatur auch die Zahl und Intensität von gewalttätigen Auseinandersetzungen in den Städten steigt. Zusammenhänge solcher Art wurden häufig untersucht, so z.B. von Anderson (1987). er vermutete, daß gewalttätige (violent) Verbrechen bei hohen Temperaturen häufiger vorkommen als nichtgewalttätige (nonviolent). Dazu wurden Daten aus dem Zeitraum von 1971 bis 1980 ausgewertet. Zu den gewalttätigen Verbrechen zählen: Mord, Vergewaltigung, schwere Angiffe (aggraveted assaults), zu den nichtgewalttätigen Verbrechen zählen: Raub, Einbruch, Bestehlen von Personen, Kfz-Diebstahl. Tage an denen es heißer war als etwa 32° C (90°F) wurden als heiße Tage gezählt. Diese wurden in Bezug gesetzt zu einem Jahr und der Kriminalitätsrate.
Die Kriminaltiätsrate stieg bei beiden Formen von Verbrechen mit steigender Zahl heißer Tage an. Bei den gewalttätigen Verbrechen allerdings sehr deutlich.

Abbildung 2: nach Anderson (1987)

Allerdings sprechen auch andere Gründe dafür, daß es in heißen Sommermonaten zu vermehrter Kriminalität kommt:
= > im Sommer sind mehr Leute auf den Straßen
= > vermehrter Alkoholkonsum
= > längere Helligkeit
= > ...


3.2. Kälte

Möglicherweise trägt auch unangenehme Kälte zu aggressivem Verhalten bei.
In einem Experiment von Berkowitz, Cochran & Embree (1981) wird das bestätigt.

 
kaltes Wasser

angenehmes Wasser

Bestrafung hilft
   

Bestrafung schadet
   

Studentinnen wurde die Aufgabe eines Aufsehers angetragen. Sie sollten einen Arbeiter für gute Arbeit belohnen und für schlechte Arbeit bestrafen. Ein Teil der Frauen mußte ihre Hände für die 6-minütige Testzeit in ca. 6°C (42°F) kaltes Wasser halten, der andere Teil in angenehm temperiertes Wasser. Als weitere Variabel wurde einem Teil der Frauen gesagt, daß Bestrafung dem Arbeiter helfen würde und dem anderen Teil, daß Bestrafung dem Arbeiter schaden würde. Die meisten Bestrafungen erhielten die Arbeiter in der Kombination kaltes Wasser und die Behauptung, daß die Bestrafung, dem Arbeiter schaden würde. In dieser Kombination wurden auch die wenigsten Belohnungen erteilt.


3.3. Lärm

In der zivilisierten Welt ist Lärm fast allgegenwärtig. Donnerstein & Wilson (1976) fanden heraus, daß es einen Zusammenhang zwischen Lärm und aggressivem Verhalten gibt.

 
verärgert

nicht verärgert

85 db
   

65 db
   

In einer ähnlichen Versuchsanordnung wie bei vorherigen Experimenten wurde Männer aufgefordert einen Mitwisser des Versuchsleiters zu bestrafen, dabei trugen sie Kopfhörer über die eine Beschallung mit geringer Intensität (65 db) oder mit hoher Intensität (85 db) zu hören war. Wurden die Männer zusätzlich zu der Variable Lärm vom Komplizen zuvor verärgert, war die Bestrafung durch Schocks am größten.
Bei einem ähnlichen Experiment von Geen & McCown wurde den Teilnehmern in einer Bedingung keine Lärmbeschallung, in einer zweiten Lärmbeschallung mit der Möglichkeit, den Lärm zu unterbrechen (durch Drücken eines Knopfes) und in einer dritten Lärmbeschallung ohne Kontrollmöglichkeit dargeboten. Die Schockintensität stieg von der 1. über die 2. zur 3. Variable stark an.


3.4. Enge

Immer mehr Menschen müssen sich die Erde als Aufenthaltsort teilen. Die Weltbevölkerung wächst. Besonders in Ballungsgebieten leben sehr viele Menschen auf gedrängtem Raum, kommt es durch die Dichte an Menschen zu vermehrten aggressiven Handlungen?
Worchel & Teddlie (1976) (= > Flipchart 3) vermuteten, daß nicht der tatsächlich vorhandene Raum pro Individuum ausschlaggebend für Unwohlsein ist, sondern der Abstand zwischen den Individuen entscheidend ist. Dazu führten sie folgendes Experiment durch: Sie wählten einen größeren Raum (low-density) und einen kleineren Raum (high-density). Die Stühle für die Versuchspersonen wurden in einen Kreis gestellt und zwar einmal so, daß sich deren Beine schon berühren mußten (close condition) und einmal so, daß zwischen den Stühlen ein Abstand von etwa 40 cm blieb (1 ft.) (far condition). Die Männer sollten Fragen beantworten, Wörter in einer Aufgabe ergänzen und schließlich darüber diskutieren wie man einen jugendlichen Delinquenten behandeln soll. Die Raumgröße hatte keinen Einfluß auf das Ergebnis, aber die Bedingung Enge führte zu mehr aggressiven Äußerungen in der Diskussionsrunde. Die Beteiligten wurden anschließend auch über ihre Meinung zu den anderen Gruppenmitgliedern befragt, dabei stellte sich heraus, daß die Männer in der Bedingung Enge ihre Gegenüber als deutlich weniger attraktiv und aggressiver einschätzen als in der weiten Bedingung. Worchel & Teddlie arbeiteten aufgrund der Ergebnisse den Unterschied von Dichte (objektiv) und Enge (crowding; subjektiv) als Einflußfaktoren auf aggressives Verhalten heraus. Dichte ist dabei wenig relevant, allerdings erzeugt das Gefühl der Enge ein Unwohlsein, daß zu vermehrten aggressiven Handlungen führen kann.
Welch & Booth (1975) untersuchten die Ursachen von Familienstreitigkeiten, dabei fanden sie heraus, daß nicht eine kleine Wohnnung an sich (density) zu vermehrten Streitigkeiten führt, sondern das Gefühl beengt zu sein (crowding).


3.5. Luftqualität

Rotton, Barry, Frey & Soler (1978) berichteten, daß Teilnehmer eines Experimentes dadurch daß sie schlechtem Geruch ausgesetzt waren, einen Mitwisser des Versuchsleiters als unsympathisch einstuften. 1979 wurde von Rotton et al. eine Untersuchung durchgeführt, in der die Teilnehmer einen Komplizen des Versuchsleiters, der vorher einen Teil der Personen geärgert hatte, mit Elektroschocks bestrafen konnten, dabei waren sie guter Luft, etwas unangenehmem Geruch und sehr schlechtem Geruch ausgesetzt. Bei etwas unangenehmem Geruch war die Anzahl aggressiver Handlungen am größten.

 
verärgert

nicht verärgert

gute Luft
   

etwas unangenehmer Geruch
   

sehr unangenehmer Geruch
   

Rotton & Frey (1985) fanden durch Nachforschungen heraus, daß an Tagen mit erhöhten Ozonwerten mehr Anrufe bei der Polizei wegen Familienstreitigkeiten eingingen.


3.6. gelernte aggressive Bedeutung

3.6.1. bei Sachen

Die bisher genannten situationalen Hinweisreize sind für alle Menschen in etwa ähnlich im Auslösen negativer Gefühle. Die nun folgenden Beispiele unterliegen sehr stark der persönlichen Interpretation und der individuellen Lerngeschichte.
Am berühmtesten ist hierbei das Experiment von Berkowitz & Le Page (1967), das in der Literatur unter dem Stichwort ,,Waffen-Effekt" zu finden ist. Für eine Menge Menschen haben Waffen eine aggressive Bedeutung, die im Verlauf des Lebens gelernt wurde. Hat allein die Anwesenheit von Waffen ein verstärktes aggressives Verhalten zur Folge? (= > Blatt ausgeben)

 
7 Schocks

1 Schock

Schußwaffen
   

neutrale Gegenstände
   

keine Gegenstände
   

Den Teilnehmern wurde gesagt, daß sie mit einem weiteren Student (Komplize des Versuchsleiters) an einem Experiment zum Thema Streß teilnehmen. Der jeweilige Partner wird das Verhalten während einer Arbeitsphase beurteilen. Er hat die Möglichkeit mit einer Anzahl von Schocks schlechte Arbeit herabzuwürdigen. Der unbedarfte Partner machte sich zuerst an das Lösen der Aufgaben und erhielt entweder einen oder sieben Schocks. Dann erfolgte der Wechsel: Die Teilnehmer sahen in ihrem Überwachungsraum entweder eine Schußwaffe, einen Badminton-Schläger, Federballspiel oder keinen Gegenstand auf dem Tisch liegen. Die Dinge wurden dann beiseite geräumt mit der Bemerkung, daß sie von einem vorherigen Experiment liegen geblieben sein.
Die Gruppe, die sieben Schocks erhalten hatte, erteilte auch selbst mehr Schocks, am meisten, wenn vorher die Schußwaffe gesehen wurde. Bei der Gruppe, die nur einen Schock erhalten hatte, führte die Anwesenheit von Schußwaffen sogar dazu, daß weniger Schocks verteilt wurden. Als mögliche Begründung wird von den Autoren angegeben, daß in dieser Situation die Waffen als eher angsteinflößend interpretiert wurden.

In einem Experiment von Zuzul (Zagreb) wurden Kinder (6 Jahre alt) frustriert, indem sie nicht an einem attraktiven Spiel teilnehmen durften. Einer Gruppe wurden echte Waffen gezeigt, einer zweiten Gruppe Spielzeugwaffen und einer dritten Gruppe keine Gegenstände. Außerdem wurde den Kindern eine Geschichte erzählt, die die Einstellung des Untersuchers zu aggressiven Verhaltensweisen deutlich machen sollte. In einer wurde eine strenge Haltung gegenüber aggressivem Verhalten deutlich, in einer anderen wurde eine positive Einstellung gegenüber aggressivem Verhalten deutlich, in der dritten Geschichte wurde das Thema Aggressivität nicht berührt. Anschließend wurden die Kinder in einer freien Spielsituation für eine halbe Stunde beobachtet. Aggressive Handlungen wie unfaires Schubsen und Stoßen wurden gezählt. Bei der negativen Einstellung des Versuchsleiters gab es die wenigsten Übergriffe überhaupt. Die positive Einstellung bewirkte das Gegenteil, besonders nach dem Anblick von echten Waffen kam es zu vielen Übergriffen. Bei der neutralen Einstellung gab es die meisten Übergriffe nach dem Anblick von Spielzeugwaffen. Diese haben also einen größeren Einfluß auf das Verhalten von (frustrierten) Kindern als man allgemein glaubt.
Die Farbe ,,grün" erhielt durch eine Versuchsanordnung von Fraczek (1974) eine negative Bedeutung. Männliche Studenten wurden angewiesen, immer, wenn ein Lichtstrahl der gleichen Farbe wie ein vor ihnen befindlicher Knopf aufstrahlte, diesen Knopf zu drücken. Für einige der Versuchspersonen wurde bei der Versuche nach einem grünen Lichtstrahl ein Elektroschock verabreicht, so daß eine Verbindung zwischen grüner Farbe und Schmerz bei diesen Personen erreicht wurde. Später übernahmen die Versuchspersonen die Aufgabe von Lehrern, die ihre Schüler für Fehler durch Elektroschocks bestrafen sollten. Einige der Schockapparate waren von grüner Farbe, andere in neutralen Farben. Die Gruppe, die nach der grünen Farbe Schocks erhalten hatte, erteilte an den grünen Schockapparaten die Schocks mit der längsten Dauer.


3.6.2. im sozialen Kontext

Auch und besonders im sozialen Miteinander kann erreicht werden, daß bestimmte Reize zu aggressive Handlungen führen.
Greenwell & Dengerink (1973) stellten heraus, daß allein die Vorstellung, daß jemand anderes einem Schaden zufügt oder zufügen will, das Ausmaß aggressiver Handlungen ansteigen läßt. Dazu wurden Studenten aufgefordert, an einer Art Reaktionstest teilzunehmen, dabei wurde ihnen mitgeteilt, daß in einem anderen Raum ihr Konkurrent sitzt, der falsche Lösungen mit Schocks bestraft. Anhand einer Anordnung von Lampen erhielten die Studenten einmal die Information, daß ihr Gegner das Schocklevel kontinuierlich erhöhte und zum anderen war die Information, daß der Gegner konstant moderate Schocks verteilte. Außerdem wurde bei einer Gruppe tatsächlich die Intensität der Schocks erhöht, bei der anderen Gruppe blieb die Intensität der Schocks gleich. Später wurde die Rolle vertauscht. Die Untersuchung ergab, daß es wesentlich größere Rolle spielte, welche scheinbare Absicht der Gegner hatte, als die tatsächlich erhaltenen Elektroschocks. So fiel die Bestrafung durch die Versuchspersonen hoch aus, wenn sie glaubte, daß ihr gegenüber zuvor die Intensität der Schocks erhöht hatte.
Manchmal kann ein Name entscheidend sein für das Verhalten, daß einer Person gegenüber an den Tag gelegt wird. Berkowitz & Geen (1966) stellten bei einer Untersuchung einen Mitwisser einmal als Bob Anderson und einmal als Kirk Anderson vor. Eine Gruppe sah anschließend einen Boxfilm mit Kirk Douglas in der Hauptrolle. Die eine Hälfte war zuvor verärgert worden, die andere Hälfte nicht. Später konnten die Versuchspersonen wieder Schocks an den Komplizen vergeben. Die verärgerten Personen gaben deutlich mehr Schocks, aber in beiden Gruppen (angry / not angry) war die Anzahl der Schocks höher bei der Person, die ihnen als Kirk vorgestellt wurde.

(= > Folie aggressives Verhalten)

Abbildung 3: Fitz, 1976

Den Versuchspersonen wurden bei Fitz (1976) drei Personen vorgestellt, der Provokateur, ein Freund des Provokateurs und ein Fremder. Der Provokateur würdigt die Versuchspersonen später in verletzender Weise herab. Den Versuchspersonen wurde anschließend mitgeteilt, daß nun eine zweite Phase des Experiments beginnt, in der die drei Mitstreiter beurteilt werden sollen, wenn diese nicht genügend Kreativität an den Tag legen, sollen sie mit einem unangenehmen Geräusch verschiedener Intensität bestraft werden. Der einen Hälfte wurde dazu mitgeteilt, daß (P) sie später für schlechte Arbeit mit Elektroschocks bestrafen wird (Anger High fear), die andere Hälfte erhielt zuvor keine Information (Anger Low fear). Bei großer Angst vor dem Provokateur richtet sich das aggressive Verhalten vermehrt auf den Freund von P.

4. Wie beeinflussen situationale Hinweisreize aggressives Verhalten?

(= > Folie Flight or Fight)


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