Please wait
Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 74 Pages
Authors: M.A. Péter Szász, Thomas Göymen
Subject: Sociology - Classics, Basics and Theoretical Directions
Details
Institution/College: University of Göttingen (Soziologisches Seminar)
Tags: Vielfalt, Handelns, Kritik, Erweiterung, Jürgen, Habermas´, Handlungstypologie, Problemfelder, Theorie, Handelns, Jürgen, Habermas
Year: 2002
Pages: 74
Grade: 1,3
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-16357-6
File size: 594 KB
Other users also were interested in the following titles:
Excerpt (computer-generated)
Thomas Göymen
Péter Szász
Die Vielfalt des Handelns
Kritik und Erweiterung von Jürgen Habermas′
Handlungstypologie und andere Problemfelder der TKH
Vorgelegt im Rahmen des Hauptseminars (WS 1999/2000):
,,,Die Theorie des kommunikativen Handelns` von Jürgen Habermas"
Inhaltsverzeichnis
I EINLEITUNG 3
II KOMMUNIKATIVES HANDELN UND DIE KREATIVITÄT DES HANDELNS 7
1. Instrumentelles, strategisches und kommunikatives Handeln: ein knapper Überblick über Habermas´ Handlungstheorie 9
2. Die Befreiung der Kommunikation und die Marginalisierung des Spielerisch-Kreativen: Lob für und Kritik an Habermas´ Handlungstypologie 11
3. Kritik der Teleologie, der Bewusstseinsautonomie und der Instrumentalisierung des Körpers: Joas´ Dekonstruktionsvorschläge der Selbstverständlichkeiten gängiger Rationalitätsvorstellungen 14
3.1 ,,Eine nicht-teleologische Deutung der Intentionalität des Handelns" 17
EXKURS zur Gestalttherapie oder: Bedürfnisse, Emotionen und Ziele im Feld kreativer Organismus-Welt-Relationen 22
4. Die Kreativität des Handelns als Differenzierungsgrundlage für Habermas´ Handlungstypologie 26
4.1 Kreative und welterschließende Potenziale des kommunikativen Handelns: Gegen die Engführungen einer rationalistischen ,Logik der besseren Argumente` 26
4.2 ,,Normengeleitetes" und ,,dramaturgisches" Handeln ohne situative Normgenese und spontane Expression? - Vorschlag einer Erweiterung 30
4.3 Instrumentelles Handeln als lediglich ein Aspekt der möglichen Relationen von Menschen zur ,objektiven Welt`: die Kreativität der Mensch-Welt-Relationen 35
4.4 Systematisierung der Gedanken zu einer erweiterten Typologie von Handlungen 37
5. Ausblick und mögliche praktisch-politische Implikationen 41
III SYSTEMTHEORETISCHE PERSPEKTIVEN 43
1. Luhmann´s Definition von Handlung und Rede wider den Rationalitätsbegriff 43
2. Münch und die ,,verkürzte Rationalität" 49
IV WEITERE KRITIK UND KEIN ENDE...: EIN KURZER ÜBERBLICK MIT ANMERKUNGEN UND (OFFENEN) FRAGEN 53
1. System und Lebenswelt 53
2. ,,Sinnverlust" und andere Pathologien 57
3. Der Imperativ und die Bedeutung der sprachanalytischen Grundlagen bei Habermas 64
V FAZIT 68
LITERATUR 71
I Einleitung
Eines von Jürgen Habermas´ großen Verdiensten für die soziologische Handlungstheorie ist ohne Zweifel, einen Handlungsbegriff deutlich beschrieben zu haben, der zwar in der Soziologie nicht ohne Vorwehen ist1, aber dennoch von Habermas gewissermaßen ins Leben gerufen wurde: Das Modell des kommunikativen Handelns in der gleichnamigen ,,Theorie des kommunikativen Handelns"2. Es gelingt dem Sozialphilosophen mit diesem Konzept nicht nur, die Kommunikation selbst als einen Basismodus aller sozialer Interaktion zu konzipieren, sondern - und ohne diese gewichtigen Zusätze wäre Habermas´ Theorie aus seiner Perspektive sicher nicht halb soviel Wert - er entwickelt zweitens einen Rationalitätsbegriff, der in der Lage ist, die innere Logik, den Telos dieses Handlungsbegriffes zu beschreiben, ohne ihn der zersetzenden Kritik an der Rationalität der Moderne auszusetzen, wie ihn die Frankfurter Schule Adorno´scher couleur z.B. in der ,,Dialektik der Aufklärung" formulierte. Es gelingt ihm dabei, den Begriff der kommunikativen Rationalität eben nicht nur deskriptiv einzuführen, sondern aus den Vernunftpotenzialen der Kommunikation selbst abzuleiten. Nur sekundär ist der Telos dieses Rationalitätskonzeptes ,Erfolg`, primär jedoch, und daran führe in jeder Kommunikation kein Weg vorbei, ,Verständigung`3. Drittens, worauf wir4 in dieser Arbeit nur am Rande Bezug nehmen werden, baut Habermas das Konzept einer gemeinsam geteilten Lebenswelt aus. Die Lebenswelt diene als universaler und nicht hintergehbarer Hintergrund aller sozialen Interaktion. Sie stellt das z.B. im Alltagshandeln aktualisierbare, aber punktuell auch immer wieder problematisierbare Reservat selbstverständlichen Wissens dar. Habermas´ theoretischer Clou in Bezug auf das Lebensweltkonzept ist nun, dass die Lebenswelt nicht nur als Hintergrund aller Kommunikation steht, sondern gewissermaßen auch in kommunikativen Prozessen erweitert und verändert werden kann. Man könnte sie sich im Zuge der gesellschaftlichen Rationalisierungsprozesse (nicht nur) der Moderne vielleicht grob als das Auffangbecken der Vernunft vorstellen, denn nur das gelange auf dem heutigen Niveau der auch alltagsweltlichen Prüfung von Aussagen in eine sinnstrukturierte Lebenswelt, was vorher ,geprüft` wurde: Ist diese Aussage im Habermas´schen richtig, wahr und wahrhaftig? - Man könnte diese Reihe noch fortsetzen, über Habermas´ ordnungstheoretisches Konzept von System und Lebenswelt, auf das wir stellenweise in Kapitel III 2. und insbesondere in Kapitel IV 1. eingehen werden, bis hin zur Gegenwartsanalyse Habermas´, und hätte wahrscheinlich dennoch nicht alle zentralen Ideen der TKH benannt. U. a. wegen dieser Komplexität ist so etwas wie eine abschließende Bewertung ihrer philosophisch-gesellschaftstheoretischen Bedeutung eigentlich kaum möglich, und bereits der Versuch wäre wahrscheinlich schon fatal, wie Jan Philipp Reemtsma in seiner Laudatio anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels erkennt, wenn er die ,,Versuche [...], die Bedeutung des Werks von Jürgen Habermas durch Historisierung zu dementieren" (Reemtsma 2001), anprangert. Außerdem würde dies bedeuten, die Möglichkeit zu verkennen, eine der zentralen Ideen der TKH, nämlich die ,,Leitidee der Anschließbarkeit"(ebd.), auf diese selbst anzuwenden, denn ,,Habermas zu historisieren heißt [vielmehr - Anm. d. A.], die von ihm selbst betonte Offenheit seines Werks als Anschluss-Chance zu nutzen, mit ihm über das 21. Jahrhundert nachzudenken." (ebd.)
Was ist nun das Ziel dieser Hausarbeit? In der schönen Tradition der zahlreichen AutorInnen, die sich kritisch mit der TKH auseinandergesetzt haben, ist nach der ,Standortbestimmung` und Hervorhebung ihrer Bedeutung im obigen Abschnitt nun die Zeit für das unvermeidliche ,Aber` gekommen. Allerdings wollen wir uns dabei keineswegs nur altbekannter Kritik anschließen, wie bspw. den Zusammenhang der einzelnen Teile von Habermas´ Theorie in seiner inneren Logik als insgesamt widersprüchlich und sie daher als unbrauchbar zu bezeichnen, oder diese Teilkonzepte einzeln aus diesen oder jenen Gründen zu verwerfen. Das Vorhaben der hier vorliegenden Arbeit lässt sich vielmehr vielleicht so zusammenfassen: Die Theorie des Kommunikativen Handelns von Jürgen Habermas konstruktiv statt destruktiv zu kritisieren, sie aufgrund der aufzuzeigenden Schwächen nicht zu falsifizieren oder zu degradieren, sondern durch ergänzende Vorschläge womöglich Wege aufzuzeigen, die sie noch fruchtbarer machen könnten, als sie es ohnehin schon ist.5
Bei diesem Vorhaben werden wir an vielen Stellen keine ausführliche Darstellung der Habermas´schen Gedanken im Sinne einer Einführung in seine Theorie geben können und müssen deswegen an vielen Stellen eine Grundkenntnis der zentralen Ideen und Begrifflichkeiten der TKH voraussetzen. Bei Bedarf werden wir diese allerdings teilweise noch einmal skizzieren, wenn dies für das Verständnis unserer Argumentationsführung wichtig erscheint.
Im Besonderen wenden wir uns dabei Habermas´ handlungstheoretischen Überlegungen zu und versuchen zu zeigen, dass er zwar ,,die Kommunikation als solche aus der prallgefüllten Residualkategorie des nicht-instrumentalen Handelns" (Joas 1986, S. 149) befreit hat, er aber wichtige Stränge der soziologischen Handlungstheorie, die zum Teil aus dem Symbolischen Interaktionismus stammen, zum Teil auf frühere Autoren der Chicagoer Schule zurückzuführen sind, nicht hinreichend berücksichtigt. Durch die Unterbelichtung besonders der kreativen Potenziale des Handelns, wie sie Hans Joas mit Bezug auf John Dewey ausführt, geraten Habermas wichtige welterschließende und sozial koordinierende Handlungstypen aus dem Blickfeld, die zu berücksichtigen einige Reformulierungen der TKH erfordern würde. Wir werden in dieser Arbeit die Habermas´sche Handlungstheorie kurz vorstellen (Kap. II 1.) und kritisch würdigen (Kapitel II 2.). In Kapitel II 3. kommen wir dann zu den erwidernden Gedanken Joas´ aber auch anderer TheoretikerInnen, die sich am Leitfaden der Dekonstruktion des Rationalitätsbegriffes - oder besser beider in Habermas´ Werk vorhandenen Rationalitätsbegriffe, der kognitiv-instrumentellen Rationalität, wie der kommunikativen Rationalität - zu einer Theorie der Kreativität des Handelns vorarbeiten. Das kreative Potenzial des Handelns konsequent in den theoretischen Überlegungen einer Handlungstheorie berücksichtigt, führt dann zu einigen Erweiterungen der Handlungstypologie der TKH. Wie das aussehen könnte, werden wir in Kapitel II 4. durchspielen, um zu einer ,Systematisierung der Gedanken zu einer erweiterten Typologie von Handlungen` (Kap. II 4.4) zu gelangen. Wir weisen hier noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass es sich dabei um eine Anregung für weitere Theoriearbeit handeln kann, nicht aber um eine ausgereifte neue Handlungstheorie; besonders gelingt es uns hier nicht, die derart erweiterte Handlungstypologie konsequent an eine Theorie der sozialen Ordnung anzuknüpfen. In Kapitel II 5. werden wir dann abschließend zu den Gedanken zur Handlungstheorie einen Ausblick geben, welche Folgen eine solche Handlungstypologie für z.B. die Organisation von öffentlichen Planungsprozessen haben können. Zusätzlich zu dem von Habermas konzipierten Diskursmodell kämen vor der Folie unseres Ansatzes dabei nun auch Situationen des kreativen Austausches und des welterschliessenden, intensiven Umgangs mit den Dingen oder Problemlagen stärker zur Geltung.
Die beiden folgenden Kapitel III und IV sind einerseits als direkte Grundlage bzw. Ergänzung und Weiterführung unserer zentralen Gedankenführung (Kap. II) zu verstehen, und andererseits darüber hinaus als ansatzweiser Überblick über solche weiteren möglichen Kritikpunkte der TKH, die wir zwar vorne nicht mehr explizit aufgegriffen haben, deren Darstellung aber u.E. zum Verständnis der Komplexität der TKH beitragen und außerdem implizit unsere spezielle Sichtweise der TKH wesentlich mitgeprägt haben. In Kapitel III gehen wir zunächst auf zwei Vertreter verschiedener systemtheoretische Ansätze näher ein, Niklas Luhmann und Richard Münch. Das Kapitel III 1. dient u.a. als theoretisches Hintergrundmaterial zu der Frage, was denn nun Handlung überhaupt sei, die uns auch bereits in Kapitel II 3. beschäftigt. Dabei greifen wir Luhmann´s Kritik an Habermas´ Begriff des kommunikativen Handelns auf und versuchen Luhmann´s unnachahmliche Weise, den Begriffen auf den Grund zu gehen, nachzuzeichnen. Richard Münch´s systemtheoretischer Hintergrund hingegen ermöglicht diesem eine Kritik der TKH (Kap. III 2.), die auf handlungstheoretischer Ebene viele Anregungen für unsere Kernthesen im Kapitel II geben, gleichzeitig aber auch darüber hinausgehend weitere Aspekte der TKH aufgreifen, wie z.B. Habermas´ System-Lebenswelt-Konzeption oder die Gegenwartsdiagnose. Dieses Kapitel ist somit auch als Überleitung und Sensibilisierung zu Kapitel IV zu verstehen, wo wir, zum Teil orientiert an den Überlegungen zur Kreativität des Handelns, auf weitere aus unserer Sicht zentrale Problemstellen der TKH eingehen.
Den Abschluss bildet ein knappes Fazit (Kap. V), das die vorigen Gedanken und Darstellungen noch einmal abrunden soll. Wir haben uns hier bewusst kurz gefasst, da insbesondere Kapitel II über eigene ,Zwischenbilanzen` verfügt, wir die Redundanz also in Maßen halten wollten, und im Übrigen die einzelnen Kapitel weitestgehend für sich stehen.
[...]
1 Vgl. z.B. Schelskys Aufsatz ,,Ist Dauerreflexion institutionalisierbar?"(1965), in dem es ihm, freilich aus einem religionssoziologischen Kontext heraus, um eben eine Gesellschaftstheorie geht, die ihn einen Begriff des kommunikativen Handelns nahezu auf die Zunge läge - nur das er ihn nicht weiter systematisch ausführt. Schelsky, H. (1965)
2 Aus pragmatischen Gründen und zum Wohle der LeserInnen im Folgenden mit ,,TKH" abgekürzt.
3 Was natürlich nicht bedeutet, dass aus der Perspektive der Akteure nicht auch erfolgsorientiert kommuniziert werden könnte, aber hierzu spätestens in Kapitel II, wo zu Beginn kurz die für diese Arbeit interessanten Grundideen der TKH erklärt werden.
4 Mit ,,wir" meinen sich in dieser Arbeit immer die Autoren. Die LeserInnen sind nicht mitgemeint, da wir ja nicht wissen, was diese wollen. Wir hoffen allerdings, dass an der einen oder anderen Stelle die LeserInnen unsere Vorschläge für sinnvoll erachten mögen.
5 Wir geben natürlich zu, dass dies für eine Hausarbeit im vorgegeben Rahmen möglicherweise prätentiös oder zumindest schwer zu leisten ist, finden aber, an der einen oder anderen Stelle vielleicht wirklich auf Möglichkeiten gestoßen zu sein, Probleme zu relativieren, die uns intuitiv an Habermas´ Theoriegebäude störten.
Comments
No comments yet
Other users also were interested in the following titles:
Jürgen Habermas` Theorie des kommunikativen Handelns. Ausgewählte Aspekte - Universalpragmatik / kommunikative Kompetenz
Author: Antje LeupoldGerman Studies - Miscellaneous, 2000 Download as PDF-file for 7,99 EUR
Zu: Jürgen Habermas, Theorie kommunikativen Handels und Diskursethik
Author: Maia TabukashviliSociology - Classics, Basics and Theoretical Directions, 2003 Download as PDF-file for 7,99 EUR
Wahrheit als Konsens
Author: Raphael BeerPhilosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language), 1997 Download as PDF-file for 9,99 EUR
Das Bild der normannischen Eroberung Englands in der anglonormannischen Geschichtsschreibung: Herrschaftsideologie und Propaganda
Author: Ulrike KemperHistory - Middle Ages, Early Modern, 1997 Download as PDF-file for 5,99 EUR
This text can be quoted and accessed from this url: