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Thesis (M.A.), 2002, 109 Pages
Author: MA Julia Mann
Subject: German - Genres
Details
Tags: Phantastische, Elemente, Kinder-, Jugendliteratur, Vergleich, Erwachsenenliteratur
Year: 2002
Pages: 109
Grade: 1,3
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-16393-4
ISBN (Book): 978-3-638-69783-5
File size: 350 KB
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Abstract
Die Phantastik ist eine der umstrittensten Literaturgattungen unserer Zeit. Der Beginn ihrer Entstehung wird von den meisten Forschern in der Zeit der Romantik angesetzt, als sich die Menschen der dunklen Nachtseite der menschlichen Seele in Literatur und Kunst zuwandten. Seit dem versuchen Literaturforscher eine Definition dieses Genres zu geben. Besonders die Franzosen sind auf diesem Gebiet weit vorgedrungen. Die Phantastik oder das Phantastische bedeutet immer etwas Unerwartetes, ein Auftauchen neuer, fremder Welten, das Ineinanderdringen zweier Sphären, von denen die eine uns, den Lesern und den Helden, unbekannt ist. Schließlich begann sich die Phantastik auch in der Literatur für Kinder und Jugendliche auszuweiten. Dabei wandelte sie sich aber von der erschreckenden, grauenerregenden Literatur zu einer kindgerechten Lektüre. Wir sehen heute bedeutende Unterschiede zwischen Kinder- und Jugendliteratur sowie Erwachsenenliteratur. Es ist an der Zeit gerade die Lektüre jüngerer Leser zum Gegenstand literaturwissenschaftlicher Untersuchungen zu machen.
Excerpt (computer-generated)
Phantastische Elemente der Kinder- und Jugendliteratur
im Vergleich zur Erwachsenenliteratur
Hausarbeit zur Erlangung des
Akademischen Grades
einer Magistra Artium
Vorgelegt dem Fachbereich 13 Deutsche Philologie
der Johannes Gutenberg – Universität Mainz
von
Julia Mann
2002
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung ... 7
2 Definition des Begriffes Pha ntastik ...8
3 Die kognitive und moralische Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen ...11
3.1 Das Entwicklungsmodell von Piaget ...11
3.2 Das Entwicklungsmodell von Kohlberg ...13
3.3 Das Entwicklungsmodell nach Erikson ...15
4 Untersuchung ausgewählter Kinderbücher auf phantastische Elemente
hin ...17
4.1 Märchenhaft – phantastische Bücher ...22
4.1.1 Die Geschichte und Herkunft der Märchen ...22
4.1.2 Merkmale herkömmlicher Märchen im Vergleich mit Die Brüder
Löwenherz von Astrid Lindgren ...24
4.1.3 Das Phantastische in Die Brüder Löwenherz ...29
4.2 Komisch – phantastische Bücher ...34
4.2.1 Phantastik und Komik ...34
4.2.2 Komik in der phantastischen Kinderliteratur am Beispiel von Paul Maars
Sams ...38
4.2.3 Surrealismus und Nonsens als Möglichkeit der Komik in phantastischen
Kinderbüchern ...42
4.3 Realistisch – phantastische Bücher ...46
4.3.1 Der Gurkenkönig als Problemliteratur ...47
4.3.2 Das Phantastische und das Realistische und die Funktion des Phantastischen
in Der Gurkenkönig ...47
5 Untersuchung ausgewählter Jugendbücher auf phantastische Elemente hin ...53
5.1 Abenteuer – Phantastik ...55
5.1.1 Das Reisemotiv in Märchenmond als phantastisches Motiv ...57
5.1.2 Gut und Böse als zentrales Element phantastischer Jugendliteratur und seine
Funktion ...60
5.2 Fantasy – Phantastik ...67
5.2.1 Unterschiede zwischen Fantasy und Phantasik ...68
5.2.2 Die Narnia Chroniken als phantastische Literatur oder Fantasy? ...73
5.2.3 Der religiös – philosophische Aspekt in den Narnia – Chroniken Literatur für
Erwachsene... 78
5.3 Unheimlich – düstere Phantastik ...83
5.3.1 Der Sagengehalt von Preußlers Jugendroman Krabat ...84
5.3.2 Die Funktion des Phantastischen – die Auseinandersetzung des jugendlichen
Lesers mit der Entwicklung und dem Tod ...87
5.3.3 Krabat als jugendlich – erwachsene Phantastik ...91
6 Versuch einer Definition von Phantastik in Kinder- und Jugendliteratur ...93
6.1 Die Veränderung der Funktion phantastischer Elemente in der Kinder- und Jugend-
literatur zur Erwachsenenliteratur hin ...94
6.2 Der Begriff der phantastischen Kinder- und Jugendliteratur ...100
7 Schlussbemerkung ...104
8 Literaturverzeichnis ...107
8.1 Quellen: ...107
8.1.1 Kinderliteratur ...107
8.1.2 Jugendliteratur ...107
8.2 Forschung ...108
8.2.1 Kinder- und Jugendliteratur: ...108
8.2.2 Zur kognitiven und moralischen Ent wicklung bei Kindern und
Jugendlichen ...109
8.2.3 Zur Definition von Phantastik ...110
1 Einleitung
Die Phantastik ist eine der umstrittensten Literaturgattungen unserer Zeit. Der Beginn ihrer Entstehung wird von den meisten Forschern in der Zeit der Romantik angesetzt, als sich die Menschen der dunklen Nachtseite der menschlichen Seele in Literatur und Kunst zuwandten. Seit dem versuchen Literaturforscher eine Definition dieses Genres zu geben. Besonders die Franzosen sind auf diesem Gebiet weit vorgedrungen. Die Phantastik oder das Phantastische bedeutet immer etwas Unerwartetes, ein Auftauchen neuer, fremder Welten, das Ineinanderdringen zweier Sphären, von denen die eine uns, den Lesern und den Helden, unbekannt ist. Schließlich begann sich die Phantastik auch in der Literatur für Kinder und Jugendliche auszuweiten. Dabei wandelte sie sich aber von der erschreckenden, grauenerregenden Literatur zu einer kindgerechten Lektüre. Wir sehen heute bedeutende Unterschiede zwischen Kinder- und Jugendliteratur sowie Erwachsenenliteratur. Es ist an der Zeit gerade die Lektüre jüngerer Leser zum Gegenstand literaturwissenschaftlicher Untersuchungen zu machen.
Es ist eine Aufgabe der Kinder- und Jugendliteraturforschung zu untersuchen, ob die Genres der Kinder- und Jugendliteratur dieselben sind wie die Genres der Erwachsenenliteratur.1 Wie so oft wird auch das Phantastische in der Kinder- und Jugendliteratur vernachlässigt und als „trivial“ abgetan. Doch die jungen Leser von heute sind die erwachsenen Leser und Autoren von morgen. Es muss daher interessieren, was Kinder und Jugendlichen heute lesen, was sie zum Gegenstand und Inhalt ihrer jungen Leben machen. Die Forschung zur Kinder- und Jungendliteratur hat erst in den letzten Jahren wirklich Aufwind bekommen.
Das Faktum, das diese Art von Literatur erst in den letzten Jahrzehnten den vollen Durchbruch schaffte, dürfte auch damit zusammenhängen, daß dem kindlichen Denken mehr Aufmerksamkeit geschenkt und nicht wie bisher versucht wurde, im Kind lediglich den späteren Erwachsenen zu sehen.2
Bei Kindern wie auch Jugendlichen steht häufig die Phantasie im Vordergrund. Sie hilft zu vermitteln, befreit die Kinder von Zwang und Stress im Alltag und unterhält nicht, wie von vielen Forschern impliziert, auf niedrigem Niveau. Was ist an der Phantasie bedeutsam, dass sie so oft den Weg in die Bücher der Kinder und Jugendlichen macht? Welche Funktion hat sie bei den Lesern, welche bei den Erwachsenen? Inwiefern steht sie im Zusammenhang mit der Phantastik, an der sich erwachsene Leser mit wohligem Schauer erfreuen? Entwickelte sie sich aus dieser Gattung heraus, ist sie eine eigenständige Gattung und wie hängt sie mit anderen typischen Kinder- und Jugendliteraturgenres zusammen? Dies sind Fragen die diese Arbeit im Folgenden zu erklären versucht.
Zuerst soll eine kurze Definition von Phantastik gegeben werden, wie sie in der gegenwärtigen Forschung für die Erwachsenenliteratur gängig ist. An diese Definition werden wir uns halten, wenn wir die Kinder- und Jugendliteratur auf ihre Unterschiede und Gemeinsamkeiten hin untersuchen werden. Beschäftigt man sich mit Literatur für Kinder und Jugendliche, muss auch die Entwicklung der Leser berücksichtigt werden. Hierfür sollen verschiedene Theorien der kognitiven und moralischen Entwicklung von Kindern dargestellt und etwaige Verbindungen zwischen dem Stand der Entwicklung und dem Umgang der Leser mit der Literatur untersucht werden. Im Folgenden sollen einige Beispiele aus der Kinder- und Jugendliteratur konkret zum Untersuchungsgegenstand werden. Hierbei wird unterschieden werden zwischen Literatur für Kinder (ca. 6 – 12 Jahre) und Literatur für Jugendliche (12 – 18 Jahre). Der Übergang und die Unterschiede der erarbeiteten Ergebnisse zur Erwachsenenliteratur sollen schließlich kurz angerissen werden.
Zu den benutzten Primärtexten ist noch folgendes zu sagen: Sie entstammen alle aus der Kinder- und Jugendlektüre, die nach Hans – Heino Ewers als von Kindern und Jugendlichen freiwillig gelesene Texte darstellen. Ebenso treffen die meisten der Titel aber auch auf die intentionale Kinder- und Jugendliteratur zu, d.h. es sind Texte, die auch von Erwachsenen als für Kinder- und Jugendliche geeignet verstanden werden. Die weitere Unterteilung, die Ewers hier vornimmt, muss leider außer Acht gelassen werden.3
2 Definition des Begriffes Phantastik
Um einen Begriff der Phantastik für die Kinder- und Jugendliteratur entwerfen zu können, müssen wir von den gängigen Definitionen in der Erwachsenenliteratur ausgehen. Die Theorie von Tzvetan Todorov soll hier den Ausgangspunkt bilden. 4 Weitestgehend wird sich diese Arbeit an seinem Begriff von Phantastik orientieren. Einige Punkte seiner Arbeit sollen jedoch für den hier benutzten Begriff ausgeklammert oder durch Theorien anderer Kritiker ersetzt werden.
Nach Todorov muss Literatur insbesondere drei Kriterien erfüllen, um als phantastische Literatur bezeichnet zu werden. Als Erstes nennt er die Unschlüssigkeit, die der Text beim Leser auslösen soll und zwar dadurch, dass dieser die Welt der handelnden Personen wie eine Welt lebender Personen betrachtet. Weiterhin kann diese Unschlüssigkeit auch vom Helden der Geschichte selbst empfunden werden. Wichtig und unabdingbar für Todorov ist jedoch die Zurückweisung einer allegorischen oder poetischen Interpretation. 5
Von Todorov ausgehend zeigt sich, dass in den Hauptmerkmalen phantastischer Literatur sich die Forschung im Großen und Ganzen einig ist. Bei den einschlägigen Werken wird Phantastik zumeist mit der Konfrontation zweier unterschiedlichen aber in sich stimmigen Welten definiert. So z. B. bei Callois6, Vax7, Zgorgelski8 oder Marzin9. Auch das Merkmal, dass durch das Auftreten einer zweiten, bis dahin unbekannten Ebene, Gefühle wie Unschlüssigkeit, Angst, etc. auftreten sollen, ist bei den meisten der Kritiker zu finden, so bei Vax (S. 12), Callois (S. 46/56) und Zgorgelski (S. 61).
Nach Todorov währt das Phantastische aber nur so lange wie dieses Gefühl der Unsicherheit. Ein wenig uneinig ist sich die Forschung dann aber doch bei der Frage, bei wem diese Unsicherheit ausgelöst werden soll. Leser, Held oder beide?
Über die Themen, die das Phantastische behandeln oder behandeln sollte, lässt sich so einfach keine genaue Eingrenzung erzielen. Todorovs Theorie der Ich- und Du – Themen soll hier nicht zum Einsatz kommen, da diese (schon aufgrund ihres teils sexuellen Inhaltes) gerade bei der Kinder- und Jugendliteratur nicht anwendbar ist. Der größte Teil der Forschung begnügt sich damit, bekannte Themen und Motive phantastischer Literatur aufzuzählen, wie bei Vax oder Callois.
Spontan wird man wohl bei der Motivik ansetzen und das Phantastische vor allem in den ´irrealen´ Wesenheiten und ´kontraempirischen´ Vorgängen sehen wollen, also in den Marsmenschen, der revitalisierten Leiche und dem Jahrhundertschlaf. Wenn man ´Phantastik´ als allgemeine, Literatur, bildende Kunst und andere nichtsprachliche Medien umgreifende ästhetische Kategorie postulieren will, bleibt dies in der Tat der einzige Mögliche Ansatzpunkt. (...) Entscheidend kann aber eben nicht ihr (die phantastischen Elemente J.M.) bloßes Vorhandensein und der Grad ihrer Phantastizität sein, der sich ohnehin nicht absolut und isoliert bestimmen läßt, sondern, wie sie eingesetzt werden, ob sie bloß punktuelle oder temporäre Störungen in einer ansonsten ´realistischen´ Erzählwelt bewirken oder deren Grenzen grundlegend überschreiten und erweitern. (...) Das sind Wirklichkeitsbereiche, die – wenngleich aus unterschiedlichen Gründen – aus dem rationalen Weltbild als nicht erfahrbar bzw. unbeschreibbar ausgegliedert worden sind. Sie werden deshalb in der ´normalen´ Literatur entweder gar nicht betreten (Zukunft, Weltraum) oder nur realistisch kolonisiert in die Erzählwelt aufgenommen (Unbewusstes).10
Zusammenfassend möchte ich festhalten, dass Phantastik sich vor allem durch ein Gefühl der Angst und/oder Unschlüssigkeit beim Leser (und auch beim Helden der Geschichte) definiert, das durch das Aufeinandertreffen zweier Welten entsteht, von denen eine die dem Leser (und auch dem Helden) bekannten Realität entspricht.
Die Phantastik hat viele verwandte Gattungen wie die Science Fiction, der Horror oder die Groteske:
Inhaltlich wird das Phantastische oft im Zusammenhang gesehen mit dem Grotesken, dem Manieristischen, dem Absurden, dem Unheimlichen und dem Wunderbaren.11 Doch können all diesen phantastischen Formen hier nicht einzeln Beachtung geschenkt werden. Die einzelnen Unterschiede der Forschung zur Phantastik hierzu (z. B. Marzins Bezeichnung der Welten als Handlungskreise, etc.) sollen hier erst einmal vernachlässigt
[...]
1 Klingberg, Göte: Die phantastische Kinder- und Jugenderzählung. S. 226. In: Kinder- und Jugendliteratur. Zur Typologie und Funktion einer literarischen Gattung. Hrsg. Von Gerhard Haas. Stuttgart. 1974. S. 220 – 241.
2 Meissner, Wolfgang: Phantastik in der Kinder- und Jugendliteratur der Gegenwart. Theorie und exemplarische Analyse von Erzähltexten der Jahre 1983 und 1984. Würzburg. 1989. S. 224.
3 Anm.: Eine genauere Untersuchung, inwieweit sich Unterschiede ergeben, was das Phantastische angeht, bei beispielweise bei sanktionierter und nicht – sanktionierter Kinder- und Jugendliteratur, usw. wäre ein weiterer interessanter Gesichtspunkt, unter dem eine solche Arbeit laufen könnte. Dafür fehlt hier allerdings der Platz, diese Unterscheidung noch vorzunehmen. Zur Unterteilung der Kinder- und Jugendliteratur nach dieses Sparten vgl. Ewers, Hans – Heino: Literatur für Kinder und Jugendliche: eine Einführung in grundlegende Aspekte des Handlungs- und Symbolsystems der Kinder- und Jugendliteratur, mit einer Auswahlbibliographie Kinder- und Jugendliteraturwissenschaft. München. 2000.
4 Todorov, Tzvetan: Einführung in die fantastische Literatur. München. 1972.
5 Vgl. ebd. S. 33.
6 Callois, Roger: Das Bild des Phantastischen. Vom Märchen bis zur Science Fiction. In: R. A. Zondergeld (Hrsg.),: Phaicon 1. Frankfurt. 1974. Callois definiert das Phantastische als ein „Ärgernis, ein Riß, ein befremdender, fast unerträglicher Einbruch in die wirkliche Welt.“ S. 45.
7 Vax, Louis: Die Phantastik. In: R. A. Zondergeld (Hrsg.): Phaicon 1. Frankfurt. 1974. Nach Vax „findet das Phantastische gerade seinen Ursprung in den Konflikten zwischen dem Realen und dem Möglichen“. S. 12.
8 Zgorgelski, Andrzej: Zum Verständnis phantastischer Literatur. In: R.A. Zondergeld (Hrsg.) Phaicon 2. Frankfurt. 1975. Nach Zgorgelski ist die Folge eines Bruchs der inneren Gesetze der fiktiven Welt das In – Erscheinung – Treten des Phantastischen. Vgl. S. 58.
9 Marzin, Florian F.: Die phantastische Literatur. Eine Gattungsstudie. Diss. Frankfurt. 1982. „Wesentlich ist jedoch die Interdependenzen zwischen den beiden Handlungskreisen, da das Vorhandensein des einen oder anderen allein noch keine phantastische Literatur entstehen lässt.“ S. 117.
10 Jehmlich, Reimer: Phantastik – Science Fiction – Utopie. Begriffsgeschichte und Begriffsabgrenzung. S. 24 f. In: Phantastik in Literatur und Kunst. Hrsg. Von Christian W. Thomsen und Jens Malte Fischer. Darmstadt. 1980. S. 11 – 34.
11 Penning, Dieter: Die Ordnung der Unordnung. Eine Bilanz zur Theorie der Phantastik. S. 34. In. Phantastik in Literatur und Kunst. S. 34 – 52. werden. Poetische und allegorische Lesart soll vermieden werden sowie das Grauen, das die Phantastik hervorrufen soll, ins Lächerliche zu ziehen.
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