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Implikaturen - Entstehung und Typen einer Implikatur

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 1999, 19 Pages
Author: MA Julia Mann
Subject: German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 1999
Pages: 19
Grade: 2,7
Language: German
Archive No.: V9783
ISBN (E-book): 978-3-638-16397-2
ISBN (Book): 978-3-638-78728-4
File size: 186 KB

Abstract

Oft verstehen wir bei einem Sprechakt etwas anderes, als wirklich gesagt wurde. Wir implizieren eine weitere Bedeutung neben der rein semantischen in das Gesagte. Zum Beispiel bei Witzen ist das oft der Fall: Ein Mann reibt an einer Flasche und ein Dschinnie erscheint und sagt ihm, daß er einen Wunsch frei hätte. Darauf sagt der Mann: ,,Ich wünsche mit eine Autobahn von hier nach Hawaii." ,,Das ist zu schwierig," sagt der Dschinnie. Darauf sagt der Mann:" Dann erkläre mir die Frauen." Der Dschinnie erwidert: ,,Zwei- oder dreispurige Autobahn?" Der Hörer versteht jetzt wahrscheinlich, daß Die Erklärung der Frauen weitaus schwieriger sein muß, als eine Autobahn zu bauen. Aber wieso versteht er das? Denn genau das hat der Dschinnie nicht explizit behauptet. Würde er nur von dem Gesagten ausgehen, wäre der Witz nicht komisch. Also impliziert er eine andere Bedeutung, um den witzigen Gehalt des Sprechaktes zu erkennen. In der Pragmatik sagt man allerdings nicht implizieren oder Implikation, sondern man spricht von implikatieren oder der Implikatur. Die pragmatische Implikatur ist hier von der semantischen Implikation, die die einfache logische Schlußfolgerung aufgrund der rein wörtlichen Bedeutung von etwas gesagtem darstellt, abzugrenzen. Der Hörer implikatiert also einen propositionalen Gehalt. Wie kann er das so einfach machen? In dieser Arbeit versuche ich den Vorgang einer Implikatur deutlich zu machen. Es werden die verschiedenen Typen der Implikatur erläutert, und erklärt, wie eine Implikatur entstehen kann. Als Literatur hierzu wird hauptsächlich P. Grice und J. Meibauer, sowie ferner Davis, Levinson und Authenrieth hinzugezogen.


Excerpt (computer-generated)

Johannes - Gutenberg - Universität Mainz
Hauptseminar: Pragmatik
WS 99/00

Seminararbeit: Implikaturen

Julia Mann 
3. Semester : Germanistik

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung S. 1

2. Das Kooperationsprinzip nach Grice
und die Konversationsmaximen S. 1

2.1. Der Schlußprozeß S. 3
2.2. Implikatur durch Verletzung der Maximen S. 4
2.3. Implikatur durch Befolgung der Maximen S. 7

3. Ersetzen oder Umstellen der Maximen S. 9

3.1. Die Modalitätsmaxime und ihre Sonderstellung S. 9
3.2. Eine fünfte Maxime? S. 11

4. konversationell oder konventionell S. 11

4.1. Typen der konversationellen Implikatur S. 11
4.2. konventionelle Implikatur S. 13

5. & oder UND S. 14

6. Schluß S. 16

 

1. Einleitung

Oft verstehen wir bei einem Sprechakt etwas anderes, als wirklich gesagt wurde. Wir implizieren eine weitere Bedeutung neben der rein semantischen in das Gesagte. Zum Beispiel bei Witzen ist das oft der Fall:
Ein Mann reibt an einer Flasche und ein Dschinnie erscheint und sagt ihm, daß er einen Wunsch frei hätte. Darauf sagt der Mann: ,,Ich wünsche mit eine Autobahn von hier nach Hawaii." ,,Das ist zu schwierig," sagt der Dschinnie. Darauf sagt der Mann:" Dann erkläre mir die Frauen." Der Dschinnie erwidert: ,,Zwei- oder dreispurige Autobahn?"
Der Hörer versteht jetzt wahrscheinlich, daß Die Erklärung der Frauen weitaus schwieriger sein muß, als eine Autobahn zu bauen. Aber wieso versteht er das? Denn genau das hat der Dschinnie nicht explizit behauptet. Würde er nur von dem Gesagten ausgehen, wäre der Witz nicht komisch. Also impliziert er eine andere Bedeutung, um den witzigen Gehalt des Sprechaktes zu erkennen.
In der Pragmatik sagt man allerdings nicht implizieren oder Implikation, sondern man spricht von implikatieren oder der Implikatur. Die pragmatische Implikatur ist hier von der semantischen Implikation, die die einfache logische Schlußfolgerung aufgrund der rein wörtlichen Bedeutung von etwas gesagtem darstellt, abzugrenzen.
Der Hörer implikatiert also einen propositionalen Gehalt. Wie kann er das so einfach machen? In dieser Arbeit versuche ich den Vorgang einer Implikatur deutlich zu machen. Es werden die verschiedenen Typen der Implikatur erläutert, und erklärt, wie eine Implikatur entstehen kann. Als Literatur hierzu wird hauptsächlich P. Grice und J. Meibauer, sowie ferner Davis, Levinson und Authenrieth hinzugezogen.

2. Das Kooperationsprinzip nach Grice und die Konversationsmaximen

Der amerikanische Sprachphilosoph Paul Grice (* 1913 - + 1988) erstellte 1989 in dem Kapitel ,,Logic and Conversation" aus seinem Buch ,,Studies in the Way of Words"1 das Kooperationsprinzip. Hier geht er davon aus, das der Sprecher kooperativ gegenüber dem Hörer bei einem Sprechakt sein soll. Das heißt, man sollte eigentlich davon ausgehen können, daß der Sprecher etwas mitteilen will, er möchte also verstanden werden und muß sich deshalb auch dementsprechend verhalten. Grice drückte das folgendermaßen aus:


,,make your conversational contribution such as required, at the stage at which it occurs, by the accepted purpose or direction of the talk exchange in which you are engaged." 2

Du sollst also deinen Beitrag zum Sprechakt so machen, wie es dessen Zweck erfordert. Dieses Prinzip wird in den Maximen der Konversation, wie sie Grice nennt näher erklärt.
Die erste Maxime bezieht sich auf die Quantität des Gesagten, es handelt sich also um die

1. Quantitätsmaxime

a) make your contribution as informative as is required.
b) Do not make your contribution more informative than is required.3
d. h. man soll nur so viel sagen, wie es der Zweck erfordert, aber auch genug, um diesen Zweck erkennbar zu machen.
Die nächste Grice´sche Maxime beruft sich auf dem Wahrheitsgehalt des Sprechaktes, es ist die

2. Qualitätsmaxime

[...]


1 Vgl. Grice, P.: Logic and conversation. In: Grice, P.: Studies in the Way of Words. Cambridge. 1989.

2 Ebd.: S. 26.

3 Ebd. : S. 26.


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