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Körperasymmetrie und Depressivität: Erfassung der Zusammenhänge und Entwicklung eines emotionalen Stroop-Tests

Scholary Paper (Seminar), 2000, 17 Pages
Authors: Harald Lothaller, Gudrun Schweninger , Andrea Stipacek
Subject: Psychology - Clinic and Health Psychology, Abnormal Psychology

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2000
Pages: 17
Grade: 2
Language: German
Archive No.: V97997
ISBN (E-book): 978-3-638-96448-7

File size: 56 KB


Fulltext (computer-generated)

Körperasymmetrie und Depressivität 1

WS 1999/2000

Körperasymmetrie und Depressivität:

Erfassung der Zusammenhänge und Entwicklung eines emotionalen Stroop-Tests

Harald Lothaller, Gudrun Schweninger, Andrea Stipacek

Institut für Psychologie

Karl-Franzens-Universität Graz

Zusammenfassung

Physiologische Stressoren wie der pränatale Testosteron-Spiegel können vom ursprünglichen

genetischen Plan abweichende Entwicklungen sowohl im Zentralnervensystem als auch in

peripheren anatomischen Strukturen nach sich ziehen. Ziel dieser Untersuchung war es,

mögliche Zusammenhänge zwischen Körperasymmetrien, operationalisiert als Differenz der

Fingerlängen beider Hände, und Depressivität, erhoben mittels einer Subskala des Freiburger

Persönlichkeitsinventars, zu finden. Zusätzlich wurde ein emotionaler Stroop-Test zur

Messung von Depressivität entwickelt. Die Stichprobe bestand aus 60 Personen (30 Männer,

30 Frauen). Der emotionale Stroop-Test war nur bei Frauen geeignet, Depressivität zu

erfassen, jedoch ergab sich kein Zusammenhang zwischen Körperasymmetrie und

Depressivität. Bei Männern fand sich ein negativer Zusammenhang zwischen diesen beiden

Variablen, asymmetrische Männer waren also weniger depressiv.

Schlagwörter: Körperasymmetrie, Fingerlänge, Depressivität, Stroop-Test

Abstract

Physiological stressors such as the prenatal testosterone level may cause deviations of the

developmental plan in the central nervous system and in peripheral anatomic structures. The

purpose of this work was to investigate possible links between fluctuating asymmetry,

measured as differences of right and left digit lengths, and depressiveness, measured by a

subscale of the Freiburger Persönlichkeitsinventar. In addition an emotional Stroop task was

developed. The sample consisted of 60 subjects (30 men, 30 women). The emotional Stroop

task was able to measure depressiveness only in women, but there was no correlation between

fluctuating asymmetry and depressiveness. In men a negative correlation was found between

those variables, i.e., asymmetric men reported less depressiveness.

key words: fluctuating asymmetry, digit length, depressiveness, Stroop task


Körperasymmetrie und Depressivität 2

Alle Lebewesen, einschließlich des Menschen, entwickeln sich nach einem genetisch

verankerten Plan. Bei der Umsetzung dieses Plans können Störfaktoren, wie physiologische

Stressoren, wirksam werden. Es gibt Hinweise darauf, dass Strukturen des menschlichen

Körpers, die an und für sich in einer perfekten Symmetrie angelegt wären, manchmal von

dieser abweichen, wobei es starke interindividuelle Unterschiede gibt. Ein möglicher Grund

für diese Abweichungen sind hormonelle Einflüsse. In diesem Zusammenhang wurde oft der

pränatale Testosteron-Spiegel als bedeutsam diskutiert.

Dieser trägt nicht nur zur Ausbildung des männlichen Urogenitalsystems bei, sondern

bestimmt auch wesentlich die Entwicklung des Gehirns mit und zieht dabei nicht nur positive

Effekte nach sich (Bardin & Caterall, 1981; McEwen, 1981; MacKlusky & Naftolin, 1981,

zitiert nach Martin, Manning & Dowrick, 1999). Möglicherweise führt ein hoher pränataler

Testosteron-Spiegel zu einer Verlangsamung des Wachstums der linken Hemisphäre und zu

einer relativen Beschleunigung des Wachstums der rechten Hemisphäre. Deshalb kann ein zu

hoher Testosteron-Level als Stressor wirken und zu bestimmten Fehlentwicklungen wie

beispielsweise Dyslexie, Autismus, Stottern, Migräne und reduzierter Immunfunktion führen

(Bardin & Caterall, 1981; McEwen, 1981; MacKlusky & Naftolin, 1981, zitiert nach Martin,

Manning & Dowrick, 1999).

Da die Differenzierung der Gonaden und der Finger durch dieselben Gene (HOX-

Gene) erfolgt (Kondo et al.,1997; Piechel et al., 1997, zitiert nach Martin, Manning &

Dowrick, 1999), besteht die Annahme, dass auch die Fingerlänge mit der pränatalen

Testosteron-Konzentration korreliert ist (Manning et al., 1998, zitiert nach Martin, Manning

& Dowrick, 1999). In Untersuchungen dazu hat sich gezeigt, dass ein hoher Testosteron-

Spiegel besonders mit einem längeren Ringfinger zusammenhängt (Manning et al., 1998b,

zitiert nach Martin, Manning & Dowrick, 1999). Zusammenfassend kann man also sagen,

dass Testosteron einerseits Körperasymmetrien (

fluctuating asymmetry, FA

) beeinflusst,

andererseits zu verschiedenen ungünstigen Entwicklungsverläufen prädisponieren kann.

Nicht geklärt ist, ob sich dieser Zusammenhang zwischen der FA und Depressivität

auch in einer nicht-klinischen Stichprobe zeigt. Die vorliegende Untersuchung schließt direkt

an eine Arbeit von Martin, Manning und Dowrick (1999) an. Die Autoren zogen dabei sowohl

eine klinische als auch eine nicht-klinische Stichprobe heran und verwendeten die

Fingerlängen (außer Daumen), den maximalen Durchmesser der Handgelenke und den

größten horizontalen Abstand der Ohrmuscheln als Indikatoren der FA. Ergebnis dieser

Studie war, dass asymmetrische Männer tatsächlich signifikant höhere Werte im Beck

Depression Inventory (BDI, 1978) aufweisen als symmetrische Männer. Dabei erwiesen sich


Körperasymmetrie und Depressivität 3

besonders die Ringfinger als mit dem BDI-Score positiv korreliert. Für Frauen konnte ein

derartiger Zusammenhang zwischen Körperasymmetrien und Depression nicht nachgewiesen

werden.

Die vorliegende Untersuchung soll gewissermaßen eine Replikation dieser Studie in

einer nicht-klinischen, studentischen Stichprobe sein und darüber hinaus der Versuch, einen

emotionalen

Interferenztest nach Stroop

zur Messung von Depressivität zu entwickeln.

Dieses von J. Ridley Stroop (1935) erstmals eingesetzte Verfahren erhebt in seiner

ursprünglichen Form jene Interferenzen, die in der Verarbeitung von zwei gleichzeitig

auftretenden antagonistischen Stimulusaspekten entstehen. Stroop hat dafür entweder

Farbkästchen oder Farbwörter, die in verschiedenen Farben geschrieben waren (z.B. das Wort

,,rot" in blauer Farbe geschrieben), als Stimuli verwendet. Es zeigt sich generell, dass das

Benennen der Farbe schneller möglich ist, wenn es sich nur um farbige Kästchen handelt, also

wenn kein zweiter Stimulusaspekt gleichzeitig vorhanden ist. Der klassische Stroop-

Interferenz-Effekt tritt besonders deutlich dann auf, wenn die Farbbezeichnungen nicht der

Farbe, in der das Wort gedruckt ist, entsprechen. Erklärt wird dieses Phänomen so, dass das

Lesen ein hochgradig automatisierter Prozess ist und der Wortinhalt somit immer

Aufmerksamkeit auf sich lenkt und von der eigentlichen Aufgabe des Farbe-Benennens

abzieht.

Beim emotionalen Stroop-Test handelt es sich um eine Weiterentwicklung der

ursprünglichen Form. Die Idee dahinter ist, dass emotional relevante Wörter mehr Interferenz

erzeugen sollen als emotional neutrale (McNally, 1990). Somit sollte beispielsweise ein

Phobiker längere Latenzen bei der Farbbenennung der phobierelevanten Wörter (z.B.

,,Schlange") aufweisen als bei neutralen Wörtern (z.B. ,,Haus"). Ob sich dieses Prinzip auch

bei der Depressivität zeigt, ist eine Fragestellung dieser Untersuchung. In zahlreichen

Arbeiten mit klinischen Stichproben wurde untersucht, ob der emotionale Stroop-Test eine

geeignete Methode ist, um emotionale Störungen wie zum Beispiel Posttraumatische

Belastungsstörungen, Angststörungen und Major Depression nachzuweisen (McNeil et al.,

1999; Mogg et al., 1993; für einen Überblick siehe Williams et al., 1996). Die Ergebnisse

dazu sind allerdings nicht eindeutig.

Das Ziel der vorliegenden Studie ist es also, die Beziehung zwischen Depressivität

und FA zu untersuchen und die Frage zu klären, ob sich dieser Zusammenhang auch bei

Operationalisierung der Depressivität mittels eines emotionalen Stroop-Tests abbilden lässt.


Körperasymmetrie und Depressivität 4

Die Hypothesen, die sich somit ergeben sind:

1. Je depressiver eine Person ist, desto höher ist auch ihr Aufmerksamkeitsbias für

depressivitätsrelevante Informationen, wobei sich Frauen und Männer hinsichtlich ihrer

Depressivitätsausprägungen nicht unterscheiden.

2. Je höher die FA einer Person ist, desto depressiver ist sie und desto höher ist auch ihr

Aufmerksamkeitsbias für depressivitätsrelevante Informationen.

Methode

Stichprobe

Die Stichprobe bestand aus 30 weiblichen und 30 männlichen Studierenden bzw.

SchülerInnen. Das Durchschnittsalter betrug 23 Jahre (Frauen: 22 Jahre, Männer: 24 Jahre),

die Spannweite reichte von 16 bis 39 Jahren bei den Männern und von 16 bis 34 bei den

Frauen. Der Großteil der Frauen waren Studierende der Psychologie an der Karl-Franzens-

Universität Graz, die Stichprobe der Männer setzte sich hingegen aus Studierenden

verschiedener Studienrichtungen zusammen.

Material, Apparatur

Es wurde die Subskala

Depressivität

des Freiburger Persönlichkeitsinventars (FPI 3,

Fahrenberg, J., Hampel, R., Selg, H., 1978) verwendet, die geschlechtsunabhängig den Grad

an Depressivität erfassen soll. Diese Skala besteht aus 28 Items mit einem dichotomen

Antwortformat (,,trifft zu" und ,,trifft nicht zu"). Der in Kooperation mit Peter Holzer

entwickelte emotionale Stroop-Test für Depressivität und der FPI 3, von Dr. Papousek für

Microsoft Word adaptiert, wurden auf einem Personalcomputer des Typs 86486-DX33 und

einem 14-Zoll-VGA-Farbmonitor S30 dargeboten.

Der Stroop-Test bestand aus einem Übungsdurchgang mit 20

depressivitätsirrelevanten Items und vier Blocks à 40 Items (20 depressivitätsrelevante, 20

depressivitätsirrelevante Substantiva) in der Testphase mit jeweils 15 Sekunden Pause

zwischen den einzelnen Blocks. Die depressivitätsrelevanten Wörter wurden sinngemäß aus

klinischen Tests zur Erfassung von Depression (Beck Depressionsinventar (BDI), Hautzinger,

M., Bailer, M., Worall, H., Keller, F., 1994; Hamilton Depressions-Skala (HAMD), Hamilton,

M., 1986; Selbstbeurteilungs-Depressions-Skala (SDS), Zung, W.W.K., 1986; Depressions-

Status-Inventar (DSI), Zung, W.W.K., 1986) entnommen (z.B. Trauer, Selbstmord,

Müdigkeit), bei den Kontrollwörtern handelte es sich um Begriffe aus dem Themenbereich


Körperasymmetrie und Depressivität 5

,,Haushalt" (z.B. Vorhang, Mikrowelle, Blumenvase). Die zwei Itemkategorien waren der

Länge nach gematcht und die Wörter wurden je einmal in vier Farben (gelb, blau, rot, grün)

dargeboten. Die Reihenfolge der Items wurde so festgelegt, dass jedes Wort einmal pro Block

und dieselbe Farbe nicht unmittelbar hintereinander vorkam. Die Items wurden einzeln in der

Mitte des Bildschirms in DOS-Standardschriftgröße dargeboten. Zwischen zwei Items war

eine Pause von zwei Sekunden, unmittelbar vor jedem Item erschien ein Fixationspunkt.

Auslasser (keine Reaktion innerhalb von drei Sekunden) und Fehler (falsche Farbwahl)

wurden am Ende jedes Blocks noch einmal vorgegeben, so dass für jedes Wort vier ,,gültige"

Reaktionszeiten vorlagen. Die Aufgabe der Versuchsperson bestand darin die Farbe, in der

das Wort geschrieben war, richtig zu erkennen und möglichst rasch mittels Tastendruck

einzugeben. Die Antwort war mit beiden Händen gleichzeitig per PC-Standard-Tastatur

einzugeben. Für jede Farbe als Antwortmöglichkeit waren also zwei Tasten möglichst rasch

zu drücken, wobei die erste Anschlagzeit als Testwert herangezogen wurde. Die Tasten waren

,,a" und ,,ö" für gelb, ,,s" und ,,l" für grün, ,,d" und ,,k" für blau und ,,f" und ,,j" für rot. Die

Tastatur war mit entsprechenden Farbstickern gekennzeichnet, die Finger sollten während des

gesamten Versuches auf den Tasten liegen.

Zur Bestimmung der Fingerlängen wurden die Hände der Vpn mit einem

Fotokopiergerät kopiert und anschließend die Länge der ventralen Oberfläche jedes Fingers

von der basalen Falte bis zur Spitze vermessen.

Scores

Stroop-Interferenz-Scores

Für jeden Versuchsteilnehmer wurde die Latenzzeit bei jedem Item bis zum

Tastendruck gemessen. Für jede Person und jedes Wort wurde dann der Median der vier

Latenzen und anschließend jeweils ein Mittelwert dieser Mediane für die 20

depressivitätsrelevanten und 20 depressivitätsirrelevanten Items berechnet. Die Differenz

dieser Werte ergaben den Stroop-Interferenz-Score, die

durchschnittliche Mehrzeit für
depressivitätsrelevante Wörter.
FPI 3-Scores

Es wurde für jede Vp ein Summenscore aller in Richtung Depressivität weisenden

Antworten berechnet.

FA-Scores

Für jeden Versuchsteilnehmer wurde für jeden Finger ein FA-Score berechnet nach

der Formel zur Berechnung der relativen FA nach Martin et al. (1999): L-R / .5*(L+R).


Körperasymmetrie und Depressivität 6

Versuchsablauf

Alle Einzeltests wurden zwischen 29.11. und 16.12.1999 in einem Versuchsraum des

Instituts für Psychologie an der Karl-Franzens-Universität Graz durchgeführt. Die Instruktion

für den emotionalen Stroop-Test wurde am Bildschirm dargeboten, anschließend folgte der

Übungsdurchgang. (Der genaue Wortlaut der Instruktion ist dem Anhang zu entnehmen.)

Danach wurde der Stroop-Test ohne weitere Unterbrechungen durchgeführt. Nach

Beendigung des Stroop-Tests wurden die Hände der Versuchspersonen außerhalb des

Versuchraums am Psychologie-Instituts kopiert und anschließend wurde der FPI 3 wiederum

am PC vorgegeben. (Die Instruktion des FPI 3 liegt ebenfalls im Anhang bei.)

Ergebnisse

Die Stroop-Interferenz-Scores (mittlere Mehrzeit für depressivitätsrelevante Items)

waren normalverteilt (Kolmogorov-Smirnov-Z = 1.060, n = 58, p = .211). Es gab keine

Unterschiede hinsichtlich der Geschlechtszugehörigkeit (t = .683, df = 58, p = .978). Die

mittlere Mehrzeit für depressivitätsrelevante Items war auch nicht korreliert mit dem Alter der

Probanden (Pearsons Korrelationskoeffizient = -.017, n = 60, p = .897).

Die FPI 3-Summenscores wiesen einen Mittelwert von 10.87 und eine Spannweite von

1 bis 22 auf, wobei der Mittelwert der weiblichen Probanden 13.63 (Spannweite: 2 bis 22,

Streuung: 5.07) und der der männlichen 8.10 (Spannweite: 1 bis 16, Streuung: 3.92) betrug.

Die Summenscores zeigten keine signifikante Abweichung von einer Normalverteilung

(Kolmogorov-Smirnov-Z = .682, n = 60, p = .742). Ein t-Test für unabhängige Stichproben

ergab signifikant höhere Depressivitätswerte für Frauen (t = -4.732, df = 58, p = .000). Eine

Umwandlung der FPI 3-Testwerte in FPI 3-Standard-T-Werte getrennt für männliche und

weibliche Probanden laut Normtabellen der FPI-Handanweisung (1978) ließ diesen

Geschlechtsunterschied weiter bestehen (t = -3.394, df = 58, p = .001). Weiters waren die

männlichen Vpn auch signifikant älter als die weiblichen (t = 2.326, df = 58, p = .024).

Es ergab sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen FPI-T-Werten und Alter

(Pearsons Korrelationskoeffizient = -.418, n = 60, p = .001). Eine partielle Korrelation der FPI

3-T-Werte und der Stroop-Interferenz-Scores, wobei die Variable Alter kontrolliert wurde,

ergab für die männlichen Versuchsteilnehmer keinen signifikanten Zusammenhang

(r = -.0664, df = 27, p = .740). Bei den weiblichen Versuchsteilnehmern war diese Korrelation

jedoch signifikant (r = .3764, df = 27, p = .044).


Körperasymmetrie und Depressivität 7

Eine multiple lineare Regression nach der Rückwärts-Methode wurde getrennt für die

Geschlechter berechnet. Prädiktoren waren die fünf FA-Scores, Kriterium die FPI 3-T-Werte.

Für die männlichen Probanden ergab sich für ein Modell, das alle fünf Fingerscores enthält

ein multipler Korrelationskoeffizient R = .603 (F5, 24 = 2,748, p = .042), für ein Modell, das

nur den zweiten, dritten und vierten Finger als Prädiktoren enthält, ein Koeffizient R = .525

(F3, 26 = 3,297, p = .036; zweiter Finger: Beta = -.297, t = -1.659, p = .109; dritter Finger:

Beta = -.401, t = -2.261, p = .032; vierter Finger: Beta = -.306, t = -1.653, p = .110). Es ergab

sich also eine negative Korrelation zwischen FPI 3-T-Wert und dem FA-Score des dritten

Fingers, die selbe Tendenz erhält man auch beim zweiten und vierten Finger. Die gleiche

multiple lineare Korrelation für die weiblichen Probanden ergab keinerlei signifikanten

Zusammenhang.

Um auszuschließen, dass diese Korrelation bei den männlichen Vpn aufgrund eines

Einflusses der Richtung der Abweichung von der Symmetrie zustande gekommen ist, wurde

eine Kurvenanpassung für die männlichen Vpn durchgeführt, die als Prädiktor einen

Summenscore aus zweitem, drittem und vierten Fingerscore und als Kriterium den FPI 3-T-

Wert enthielt. Hier zeigte sich ein signifikant quadratischer Zusammenhang (F = 5.22, df =

27, p = .012; umgekehrt U-förmig).

Für die weiblichen Probanden wurde zusätzlich noch eine multiple lineare Korrelation

nach der Rückwärts-Methode mit den fünf Fingerscores als Prädiktoren und der mittleren

Mehrzeit für depressivitätsrelevante Items als Kriterium berechnet. Für das Modell, das alle

fünf Prädiktoren enthält, ergab sich ein multipler Korrelationskoeffizient R = .550 (F5, 24 =

2,077, p = .104) . Als bestes Modell stellte sich jenes heraus, das nur den zweiten und vierten

Finger als Prädiktoren berücksichtigt. Hierbei betrug der multiple Korrelationskoeffizient R =

.505 (F2, 27 = 4,626, p = .019; zweiter Finger: Beta = -.305, t = -1.779, p = .087; vierter

Finger: Beta = .487, t = 2.836, p = .009). Es gibt also bei Frauen einen positiven

Zusammenhang zwischen dem FA-Score des vierten Fingers und dem Stroop-Interferenz-

Score und eine gegenläufige Tendenz beim zweiten Finger.

Diskussion

Frauen zeigten der ersten Hypothese entsprechend einen signifikanten Zusammenhang

zwischen Depressivität (FPI 3-Score) und Aufmerksamkeitsbias für depressivitätsrelevante

Items (Stroop-Interferenz-Score), bei Männern fand sich diese Beziehung nicht. Somit gilt

auch nicht der Zusatz der Geschlechtsunabhängigkeit bei der ersten Hypothese. Zusätzlich


Körperasymmetrie und Depressivität 8

muß erwähnt werden, dass die in der FPI 3-Handanweisung angegebene Geschlechts-

unabhängigkeit für diese Untersuchung nicht haltbar ist, wobei sich dies möglicherweise auf

die Inhomogenität der Stichprobe bezüglich des Alters und der Studienrichtung zurückführen

läßt, da diese Unterschiede trotz Standardisierung der FPI 3-Summenscores bestehen blieben.

Männer wiesen eine negative Korrelation zwischen FA und Depressivität auf, was

gegenläufig zum Ergebnis von Martin et al. (1999) ist. Dieses Ergebnis läßt sich nicht auf

einen Einfluß der Richtung der Asymmetrie zurückführen - sowohl links als auch rechts

asymmetrische Männer weisen geringere Depressivitätswerte auf. Bei den weiblichen Vpn

konnte ebenso wie in der Arbeit von Martin et al. (1999) ein Zusammenhang zwischen

Depressivität und FA nicht festgestellt werden.

Da depressivere Frauen tatsächlich auch signifikant längere Latenzen bei den

depressivitätsrelevanten Items aufwiesen, wurde der Zusammenhang zwischen FA und der

mittleren Mehrzeit für depressivitätsrelevante Items untersucht, wobei sich nur der vierte

Finger als Indikator entsprechend der zweiten Hypothese erwies.

Der emotionale Stroop-Test war in unserer Untersuchung eine nur bedingt brauchbare

Technik, um Depressivität in der Normalbevölkerung zu erfassen. Hier ist wiederum auf die

Zusammensetzung der Stichprobe hinzuweisen: die Varianz der Depressivitätsausprägungen

bei den männlichen Vpn war im Vergleich zu den weiblichen Vpn stark eingeschränkt, was zu

einer Unterschätzung eines möglichen tatsächlichen Zusammenhangs zwischen FPI 3-Werten

und der mittleren Mehrzeit für depressivitätsrelevante Items geführt haben könnte.

Die hoch signifikante Korrelation zwischen der mittleren Mehrzeit für

depressivitätsrelevante Items und dem vierten Fingerscore bei den weiblichen Vpn weist

jedoch trotz mehrerer hypothesenwidriger Resultate unserer Meinung nach darauf hin, dass

die dieser Untersuchung zugrunde liegende Theorie des Einflusses des pränatalen

Testosteron-Levels Erklärungskraft besitzt ­ allerdings muß an der Operationalisierung der

FA noch gearbeitet werden. Die nichtsignifikanten Ergebnisse bzw. die gegenläufigen Trends

könnten Anzeichen dafür sein, dass ein Score, der sich aus mehreren FA-Indizes

zusammensetzt (vgl. Martin et al., 1999) deutlichere Ergebnisse bringen könnte.

Weitere Empfehlungen für nachfolgende Untersuchungen sind eine Anhebung der

Stichprobengröße und ­homogenität, um Geschlechts- und Alterseffekte auszuschalten und

eventuell vorhandene Korrelationen deutlicher aufzuzeigen. Die im emotionalen Stroop-Test

verwendeten Wörter sollten in Voruntersuchungen hinsichtlich ihrer Relevanz für depressive

Menschen getestet werden. Weiters ist das Kopieren der Hände zum Vermessen der


Körperasymmetrie und Depressivität 9

Fingerlängen (besonders des Daumens) ein suboptimales Verfahren, ideal wäre es, die Hände

zu röntgen.

Darüber hinaus ist grundsätzlich noch zu beachten, dass es sich bei den klinischen

Stichproben, die in den Vorgängerarbeiten untersucht wurden, um Personen mit der Diagnose

Depression handelte. Hier kann man also davon ausgehen, dass ein Trait-Merkmal erfasst

wurde. In der vorliegenden Untersuchung wurde hingegen Depressivität mittels einer

einmaligen Vorgabe eines Persönlichkeitsfragebogens gemessen, der aufgrund der

Itemformulierung ebenfalls ein überdauerndes Merkmal erfassen sollte. Es ist aber nicht

auszuschließen, dass hier auch Störvariablen, wie z. B. Life Events, wirksam wurden.


Körperasymmetrie und Depressivität 10

Literaturverzeichnis

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Zung, W.W.K. (1986). Selbstbeurteilungs-Depressions-Skala (SDS).

Internationale Skalen

für Psychiatrie (3., veraenderte Auflage).

Weinheim: Beltz.

* zur Verfügung gestellt von Prof. Schulter

** Fernleihe


Körperasymmetrie und Depressivität 11

ANHANG:

Instruktion zum Stroop-Test, dargeboten in vier Teilen vor beginnt des Übungsdurchgangs:

Teil 1:

Im folgenden werden Ihnen Worte in 4 verschiedenen Farben

(blau, rot, grün, gelb) dargeboten

Ihre Aufgabe besteht darin die Farbe, in der das Wort geschrieben

ist, richtig zu erkennen und so schnell wie möglich die

entsprechende Taste zu drücken.

Teil 2:

Legen Sie bitte jetzt die Finger der linken Hand auf die Buchstaben

a s d f

Legen Sie bitte jetzt die Finger der rechten Hand auf die Buchstaben

j k l ö

Die beiden Daumen lassen Sie bitte ruhig auf der Leertaste liegen.

Teil 3:

Antworten Sie auf jedes Wort bitte so schnell wie möglich mit

folgenden Fingern:

Bei einem blauen Wort drücken Sie bitte BEIDE Zeigefinger.

Bei einem roten Wort drücken Sie bitte BEIDE Mittelfinger.

Bei einem grünen Wort drücken Sie bitte BEIDE Ringfinger.

Bei einem gelben Wort drücken Sie bitte BEIDE kleinen Finger.

Ignorieren Sie dabei den Inhalt des Wortes!

Es geht also nicht darum, das Wort zu lesen, sondern Sie sollen nur

möglichst schnell seine Farbe richtig erkennen.

Teil 4:

Nochmals zur Wiederholung:

Beide Zeigefinger: BLAU

Beide Mittelfinger: ROT

Beide Ringfinger: GRÜN

Beide kleinen Finger: GELB

Falls Sie noch Fragen haben, wenden Sie sich bitte jetzt an

den/die VersuchsleiterIn.

Wenn Sie keine Fragen mehr haben, beginnen wir jetzt mit einigen

Übungsworten.


Körperasymmetrie und Depressivität 12

Instruktion zwischen Übungsitems und Testitems:

Falls Sie noch Fragen haben, wenden Sie sich bitte jetzt an

den/die VersuchsleiterIn.

Wenn Sie keine Fragen mehr haben, beginnen wir jetzt mit dem

Testdurchgang.

Instruktion in den Pausen zwischen den Testitems:

Es folgt nun eine kurze Pause von 15 Sekunden.

Lassen Sie bitte die Finger auf den Antworttasten

liegen. Wenn der Bildschirm wieder schwarz wird,

folgt der nächste Durchgang.

Items in dargebotener Reihenfolge und Farbe:

Farben:

1: rot

2: blau

3: grün

4: gelb

Übungsitems:

01 1 Zwirn

02 3 Pflanze

03 2 Kleiderbürste

04 4 Sessel

05 3 Kochlöffel

06 4 Herd

07 2 Schneidbrett

08 3 Mikrowellenherd

09 1 Gabel

10 4 Tischdecke

11 2 Kühlschrank

12 3 Tinte

13 4 Pfanne

14 1 Schreibtisch

15 2 Geschenkspapier

16 1 Tasche

17 4 Glas

18 3 Vorhangstange

19 1 Polster

20 2 Spiegel


Körperasymmetrie und Depressivität 13

Testitems:

001 3 Teller

002 1 Müdigkeit

003 4 Erschöpfung

004 2 Weinen

005 1 Radio

006 2 Wecker

007 3 Schuld

008 1 Waschmaschine

009 4 Schwermut

010 3 Vorhang

011 2 Selbstmord

012 3 Scham

013 1 Taschentuch

014 2 Zimmer

015 3 Wertlosigkeit

016 1 Sorge

017 4 Trauer

018 3 Zusammenbruch

019 2 Schachtel

020 4 Telefonbuch

021 1 Sterben

022 3 Kasten

023 2 Kritik

024 4 Kerze

025 1 Fön

026 2 Vorwurf

027 3 Blumenvase

028 1 Kochtopf

029 4 Schaukelstuhl

030 3 Tod

031 2 Trägheit

032 4 Einsamkeit

033 2 Verzweiflung

034 4 Bilderrahmen

035 1 Teppich

036 3 Schlüssel

037 4 Seife

038 1 Leere

039 2 Unsicherheit

040 4 Topflappen

(Pause)

041 3 Müdigkeit

042 4 Radio

043 1 Telefonbuch

044 3 Leere

045 4 Wertlosigkeit

046 1 Kerze


Körperasymmetrie und Depressivität 14

047 3 Schwermut

048 2 Taschentuch

049 4 Waschmaschine

050 2 Trauer

051 1 Unsicherheit

052 3 Fön

053 1 Verzweiflung

054 4 Zusammenbruch

055 3 Wecker

056 2 Sorge

057 1 Erschöpfung

058 2 Schaukelstuhl

059 4 Schuld

060 3 Seife

061 2 Bilderrahmen

062 1 Kasten

063 3 Zimmer

064 1 Selbstmord

065 4 Kochtopf

066 2 Teppich

067 1 Tod

068 4 Sterben

069 2 Blumenvase

070 4 Weinen

071 2 Topflappen

072 3 Vorwurf

073 4 Schachtel

074 2 Vorhang

075 1 Kritik

076 3 Trägheit

077 2 Teller

078 1 Scham

079 3 Einsamkeit

080 4 Schlüssel

(Pause)

081 4 Tod

082 3 Kochtopf

083 1 Blumenvase

084 2 Zusammenbruch

085 4 Kritik

086 1 Weinen

087 3 Topflappen

088 2 Radio

089 1 Seife

090 3 Telefonbuch

091 4 Unsicherheit

092 3 Schaukelstuhl

093 2 Fön

094 1 Teller


Körperasymmetrie und Depressivität 15

095 4 Vorhang

096 2 Schwermut

097 3 Bilderrahmen

098 1 Trägheit

099 2 Schuld

100 4 Verzweiflung

101 3 Kerze

102 4 Selbstmord

103 2 Müdigkeit

104 3 Sorge

105 1 Wecker

106 2 Kasten

107 3 Erschöpfung

108 2 Waschmaschine

109 4 Vorwurf

110 1 Wertlosigkeit

111 3 Trauer

112 4 Scham

113 1 Zimmer

114 4 Leere

115 2 Sterben

116 1 Schlüssel

117 3 Taschentuch

118 1 Schachtel

119 4 Teppich

120 2 Einsamkeit

(Pause)

121 1 Zusammenbruch

122 3 Radio

123 2 Erschöpfung

124 4 Fön

125 2 Wertlosigkeit

126 3 Kritik

127 4 Teller

128 1 Schuld

129 2 Telefonbuch

130 3 Weinen

131 2 Leere

132 4 Blumenvase

133 1 Schwermut

134 3 Teppich

135 4 Wecker

136 1 Schaukelstuhl

137 2 Tod

138 3 Waschmaschine

139 1 Trauer

140 4 Müdigkeit

141 2 Kochtopf

142 4 Sorge


Körperasymmetrie und Depressivität 16

143 3 Selbstmord

144 1 Topflappen

145 2 Seife

146 3 Sterben

147 4 Zimmer

148 2 Scham

149 1 Vorwurf

150 4 Taschentuch

151 1 Vorhang

152 2 Kerze

153 3 Verzweiflung

154 4 Kasten

155 3 Unsicherheit

156 1 Bilderrahmen

157 4 Trägheit

158 2 Schlüssel

159 3 Schachtel

160 1 Einsamkeit

Instruktion zum FPI 3:

Sie werden im folgenden eine Reihe von Aussagen finden, die persönliche

Eigenschaften und Einstellungen betreffen. Lesen Sie bitte jede Aussage

sorgfältig durch und beantworten Sie sie entweder mit ′stimmt′ oder mit

′stimmt nicht′. Markieren Sie bitte dafür das entsprechende Kästchen.

Es gibt keine richtigen oder falschen Antworten. Antworten Sie bitte so,

wie es für Sie am ehesten zutrifft. Arbeiten Sie bitte rasch, ohne lange

über ihre Antworten nachzudenken und überlegen Sie bitte nicht, welche

Antwort vielleicht den ′besten Eindruck′ machen könnte, sondern antworten

Sie so, wie es für Sie persönlich gilt.

Ihre Antworten bleiben anonym und werden streng vertraulich behandelt.



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