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Ob einem man zu nehmen sey ein eelichs weyb - Kontroverse um Nutzen und Zweck der Ehe im Epos 'Der Ring' von Heinrich Wittenwiler

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 1998, 39 Pages
Author: Bianka Rademacher
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik

Details

Event: HS: Der Ring von Heinrich Wittenwiler
Institution/College: Humboldt-University of Berlin (Ältere Deutsche Literatur)
Tags: Kontroverse, Nutzen, Zweck, Epos, Ring, Heinrich, Wittenwiler, Ring, Heinrich, Wittenwiler
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 1998
Pages: 39
Grade: 1,3
Language: German
Archive No.: V9875
ISBN (E-book): 978-3-638-16470-2

File size: 249 KB
Notes :
Sehr dichte Arbeit - einzeiliger Zeilenabstand. Inkl. Referatshandout. 440 KB



Excerpt (computer-generated)

Ältere Deutsche Literaturwissenschaft
Humboldt-Universität zu Berlin
HS: Der Ring von Heinrich Wittenwiler
7. Fachsemester
WS 1997/1998

 

,,Ob einem man zu nehmen sey ein eelichs weyb"
Kontroverse um Nutzen und Zweck der Ehe
im Epos ,,Der Ring" von Heinrich Wittenwiler

 

Bianka Rademacher

 

Inhaltsverzeichnis:
 

1. Einleitung ...3 - 4

2. Die Ehe als Institution im Mittelalter ...4 - 9

3. Inhaltliche Positionen der Ehedebattenteilnehmer ...9 - 19

4. Formale rhetorische Regeln für den Gesprächstypus der Debatte ...20 - 22

5. Die Ehedebatte als Logik-Persiflage? ...23 - 27

6. Zusammenfassung ...27 - 28

7. Literaturverzeichnis ...29 - 30

 

1. Einleitung

In meiner Hausarbeit befasse ich mich mit dem Thema: Kontroverse um Nutzen und Zweck der Ehe im Epos ,,Der Ring" von Heinrich Wittenwiler. Der Kern meiner Arbeit drückt sich in den Worten: ,,Ob einem man zu nehmen sey ein eelichs weyb" (Eyb1) aus. Dieses Thema war eingebunden in das Seminarthema: Der Ring von Heinrich Wittenwiler.

Heinrich Wittenwiler lebte in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts. Er zählt zu den spätmittelhochdeutschen Satirikern und Lehrdichtern, die sich in ihren Werken durch ernste Weltklugheit und derbe Komik auszeichnen. Damit steht er in der Nachfolge Neidharts von Reuental2, den er auch handelnd einführt.


,,Des lesten namen ich enwaiss;
Doch cham er auf den selben chraiss
Geritten mit eim fuchszagel.
Ich wän, es wär der pauren hagel,
Her Neithart, trun, ein ritter chluog,
Der allen törpeln hass truog." (V. 155-160)

Anfang des 15. Jahrhunderts schrieb Wittenwiler das erste komische Epos in deutscher Sprache, die Bauernparodie ,,Der Ring" (9699 Verse)3. Diese Parodie4 hat zum Thema die Liebes- und Hochzeitsgeschichte des Tölpels Bertschi Triefnas mit der Bauerndirne Mätzli Rüerenzumpf.

Im ersten Teil meiner Arbeit gehe ich auf die Ehe als Institution im Mittelalter ein, damit ich davon ausgehend Bezüge zum Text aus weltlicher und kirchlicher Sicht zur Ehe herstellen und darstellen kann. Damit verbinde ich dann das Aufzeigen der inhaltlichen Positionen der Ehedebattenteilnehmer, wobei die kontroversen Standpunkte hinsichtlich des Nutzens und Zwecks der Ehe sichtbar werden. Klar erkennbar wird sein, welche grundsätzlich unterschiedlichen Meinungen die Männer und Frauen im Mittelalter in Bezug auf die Ehe haben. Ich stelle dabei auch dar, daß die Meinungen der Männer einer spezifischen Richtung folgen und die der Frauen ebenso. Meine These hierzu lautet, daß die Mann-Frau-Konfrontationen in einem Gegenüberstellen von Qualitätsurteilen enden. Anschließend untersuche ich die rhetorischen Regeln des Gesprächstypus Debatte, um festzustellen, ob mir hier eine Debatte oder eine andere Gesprächsform in den Versen 2623-3524 vorliegt. Hier ließe sich aus dem Material von Plate5 die These formulieren: ,,Es wird keine Debatte geführt, sondern ein Schlagabtausch aus Rede und Gegenrede". Warum scheitert die Debatte? Dann hinterfrage ich diese Ehedebatte als Logik-Persiflage6, wie Plate sie darstellt. Ich beziehe mich hier näher auf Plates These: ,,Wer logisch redet, muß widerspruchsfrei reden". Mir ist es wichtig herauszufinden, nach welcher Logik Bertschi sein Anliegen vorträgt, ob sein Anliegen uns logisch erscheinen kann und soll oder ob H. Wittenwiler bewußt zur Persiflage als sprachliches Mittel greift, um dem Leser den Widersinn des Gesprochenen in der Debatte vor Augen zu führen. Daraus ergibt sich dann eine meiner Kernfragen: Wozu baut H. Wittenwiler diese Debatte in den Ring ein? Weiterhin bleibt zu untersuchen, ob H. Wittenwiler Stellung für oder gegen die Ehe bezieht und warum? Ich schließe die Arbeit mit einer Zuammenfassung.
Das Ziel meiner Hausarbeit wird die Überprüfung der schon genannten Thesen auf ihren Gehalt hin sein und die Auseinandersetzung mit den aufgeworfenen Fragestellungen.

Die Arbeit schließt mit dem Literaturverzeichnis meiner benutzten Primär- und Sekundärliteratur.

[...]


1 Deutsche Schriften des Albrecht von Eyb. hrsg. und eingeleitet von Max Herrmann. 1. Bd. Das Ehebüchlein. Berlin, Weidmannsche Buchhandlg. 1890.

In: Schriften zur germanistischen Philologie hrsg. von Dr. Max Roediger A. o. Professor an der Universität Berlin. 4. Heft.

2 Neidhart von Reuental, um 1190 mhd. Minnesänger, am höfischen Minnesang geschult, durchbrach dessen enge höfische Fesseln als 1. Vertreter der an volkstümlichen Traditionen anknüpfenden sogenannten ,,höfischen Dorfpoesie", die das Bauerntum in den Minnesang einführt und ihre Reize aus dem Kontrast von höfischer Sprache und Form mit bäuerlich-derbem Inhalt bezieht.

3 Geron von Wilpert: Lexikon der Weltliteratur. Stuttgart 1988.

4 Parodie: komische Umbildung ernster Dichtung; scherzhafte Nachahmung

5 Plate, Bernward: Wittenwilers , Ehedebatte` als Logik-Persiflage. In: Festschrift Paul Klopsch. Göppingen 1983 S. 370-384.

6 Persiflage:geisteicher Spott, spottende Nachahmung


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