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Diploma Thesis, 2001, 78 Pages
Author: Alexander Pilic
Subject: Politics - International Politics - Topic: Peace and Conflict Studies, Security
Details
Tags: Deutschlandpolitik, Supermächte, UdSSR, Ende, Jahre, Wiedervereinigung
Year: 2001
Pages: 78
Grade: 1,7
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-16538-9
ISBN (Book): 978-3-638-69788-0
File size: 521 KB
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Abstract
Fast zwei Jahrzehnte nach Überwindung der Spaltung Deutschlands ist es angesichts der vollzogenen Osterweiterung der Europäischen Union kaum noch vorstellbar, daß Europa fast ein halbes Jahrhundert durch den Eisernen Vorhang getrennt war und sich auf dessen beiden Seiten zwei waffenstarrende und scheinbar unversöhnliche politische Systeme gegenüberstanden. Diese Situation fand erst ein Ende, als in den späten achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts politische Reformen und demokratische Oppositionsbewegungen in Mittel- und Osteuropa die meisten der kommunistischen Regime zu Fall brachten und mit dem Auseinanderbrechen der Sowjetunion schließlich der gesamte Ostblock kollabierte. Mit der Auflösung des Warschauer Pakts und dem Verbleib der Vereinigten Staaten als einziger Supermacht verlor auch der Ost-West-Konflikt an Bedeutung, der seit dem Beginn des Kalten Krieges Ende der vierziger Jahre bestimmend für die internationalen Beziehungen geworden war. Damals wurden besonders deutlich die anscheinend unüberbrückbaren ideologischen Gegensätze zwischen westlicher Demokratie und stalinistischem Kommunismus sichtbar, die während des Kampfes gegen den Nationalsozialismus in den Hintergrund getreten waren. Gleichermaßen war die unmittelbare Nachkriegszeit auch geprägt von politischen Entwicklungen, die später auf die Gründung der beiden deutschen Staaten hinausliefen. Die temporale Parallelität dieser beiden Prozesse, einerseits die Zunahme der Spannungen zwischen USA und UdSSR, andererseits die sich abzeichnende Teilung Deutschlands, legt die Vermutung nahe, daß ein Zusammenhang zwischen diesen beiden historischen Abläufen besteht. In meiner Diplomarbeit werde ich der Frage nachgehen, welche Rückschlüsse sich aus der Interdependenz von Kaltem Krieg und deutscher Teilungsgeschichte für den Grad der Selbstständigkeit ziehen lassen, den Bundesrepublik beziehungsweise DDR in politischer Hinsicht gegenüber der Führungsmacht ihres jeweiligen Staatenblockes innehatten.
Excerpt (computer-generated)
Die Deutschlandpolitik der Supermächte USA und UdSSR
seit Ende der sechziger Jahre bis zur Wiedervereinigung
Der Kalte Krieg und die Auswirkungen des Ost-West-Konfliktes auf den Verlauf
der deutschen Teilungsgeschichte
Diplomarbeit
von
Alexander Pilic
8 / 2001
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungen
Einleitung
1.Der Kalte Krieg
1.1 Begriffsklärung und geschichtlicher Verlauf
1.2 Theoretische Überlegungen zu den Ursachen des Kalten Krieges
1.2.1 Die Ost-West-Beziehungen
1.2.2 Die Ursachen für den Kalten Krieg
2. Die Zeit der Entspannungspolitik
2.1 Von der friedlichen Koexistenz zur Phase der Entspannung zwischen den
Supermächten
2.2 Die Entspannungsdiplomatie der Ära Nixon/Kissinger
2.3 Das Ende der Entspannungsphase
3.Wiederaufrüstung und der Zweite Kalte Krieg
3.1 Die wachsende Spannung zwischen den Supermächten
3.2 Erneute Blockkonfrontation
4. Das Ende des Kalten Krieges
4.1 Erneute Entspannung zwischen Washington und Moskau
4.2 Der Zusammenbruch des Ostblocks
5. Die Auswirkungen des Ost-West-Konfliktes auf Deutschland
5.1 Die Strategie des Friedens und ihre Folgen für Bundesrepublik und DDR
5.2 Westdeutsche Entspannungspolitik
5.3 Bundesrepublik und DDR nach dem Ende der Entspannung zwischen den
Supermächten
6. Die internationalen Rahmenbedingungen der Vereinigung Deutschlands
Schlußbetrachtung
Literaturverzeichnis
Anhang
Abkürzungsverzeichnis
[...]
Einleitung
Mehr als ein Jahrzehnt nach Überwindung der Spaltung Deutschlands ist es angesichts der derzeitigen Diskussion über die bevorstehende Osterweiterung der Europäischen Union kaum noch vorstellbar, daß Europa fast ein halbes Jahrhundert durch den Eisernen Vorhang getrennt war und sich auf dessen beiden Seiten zwei waffenstarrende und scheinbar unversöhnliche politische Systeme gegenüberstanden.
Diese Situation fand erst ein Ende, als in den späten achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts politische Reformen und demokratische Oppositionsbewegungen in Mittel- und Osteuropa die meisten der kommunistischen Regime zu Fall brachten und mit dem Auseinanderbrechen der Sowjetunion schließlich der gesamte Ostblock kollabierte.
Mit der Auflösung des Warschauer Pakts und dem Verbleib der Vereinigten Staaten als einziger Supermacht verlor auch der Ost-West-Konflikt an Bedeutung, der seit dem Beginn des Kalten Krieges Ende der vierziger Jahre bestimmend für die internationalen Beziehungen geworden war. Damals wurden besonders deutlich die anscheinend unüberbrückbaren ideologischen Gegensätze zwischen westlicher Demokratie und stalinistischem Kommunismus sichtbar, die während des Kampfes gegen den Nationalsozialismus in den Hintergrund getreten waren.
Gleichermaßen war die unmittelbare Nachkriegszeit auch geprägt von politischen Entwicklungen, die später auf die Gründung der beiden deutschen Staaten hinausliefen. Die temporale Parallelität dieser beiden Prozesse, einerseits die Zunahme der Spannungen zwischen USA und UdSSR, andererseits die sich abzeichnende Teilung Deutschlands, legt die Vermutung nahe, daß ein Zusammenhang zwischen diesen beiden historischen Abläufen besteht.
Tatsächlich wird in der Fachliteratur diese Annahme bestätigt. So führt Colschen aus, daß die deutsche Frage, wie sie aus den Folgen des Zweiten Weltkrieges resultierte, von den vier Siegermächten entscheidend mitgestaltet wurde und später die weltpolitische Gesamtlage für die Erklärung des deutschlandpolitischen Handelns der Alliierten eine tragende Rolle spielte.1 Auch Link betont die Bedeutung der internationalen Politik und spricht von ihr als dem durchgängig entscheidenden Faktor der deutschen Teilungsgeschichte bis hin zur Wiedervereinigung, welche sich aus dem Ende des Kalten Krieges als Möglichkeit ergab.2
Der von mir gewählte Untersuchungszeitraum beginnt in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre, als sich zum ersten Mal seit Ende des Zweiten Weltkrieges eine rüstungs- und machtpolitische Parität zwischen USA und UdSSR einstellte. Diese mitunter als „große Epochenwende“3 der Nachkriegsära bezeichnete Zeit, für die das Jahr 1968 symbolisch wurde, ging einher mit einer Reihe von tiefgreifenden politischen Ereignissen: Angefangen von demokratischen Regierungswechseln in der westlichen Hemisphäre, wie dem Übergang von der Johnson- zur Nixon-Administration in Washington oder dem Ende der Großen Koalition in Bonn, der eine sozialdemokratisch geführte Regierung nachfolgte, über die gewaltsame Niederschlagung der tschechoslowakischen Reformbewegung durch die Warschauer-Pakt-Staaten bis hin zu den Protesten gegen den Ende der sechziger Jahre an Härte zunehmenden Vietnamkrieg begann diese Periode mit Entwicklungen, die das Verhältnis zwischen den beiden deutschen Staaten und deren internationale Rolle neu definieren sollten.
In meiner Diplomarbeit werde ich der Frage nachgehen, welche Rückschlüsse sich aus der Interdependenz von Kaltem Krieg und deutscher Teilungsgeschichte für den Grad der Selbstständigkeit ziehen lassen, den Bundesrepublik beziehungsweise DDR in politischer Hinsicht gegenüber der Führungsmacht ihres jeweiligen Staatenblockes innehatten.
Meinen Ausführungen möchte ich eine Darstellung des Kalten Krieges voranstellen, der nach dem Sieg über das Deutsche Reich die Koalition gegen Hitler entzweite und den bereits schwelenden Ost-West-Konflikt verschärfte. Neben einer kurzen Skizzierung der historischen Fakten soll das erste Kapitel verschiedene theoretische Überlegungen bezüglich der Entstehung des Kalten Krieges enthalten. Dabei soll von besonderem Interesse sein, wie die miteinander konkurrierenden Entstehungstheorien angesichts späterer Entwicklungen des Ost-West-Konfliktes beziehungsweise den Umständen der Entschärfung desselben gegen Ende der achtziger Jahre aus heutiger Sicht beurteilt werden müssen.
Danach folgt eine in drei zeitgeschichtliche Phasen gegliederte Beschreibung der Politik der Supermächte und deren Auswirkungen auf das bilaterale Verhältnis zwischen Washington und Moskau beziehungsweise auf den Status des Ost-West-Konfliktes insgesamt. Die Auflösung des Ostblocks und die damit einhergehenden politischen Veränderungen für Mittel- und Osteuropa werden den Abschluß dieses Bereichs meiner Diplomarbeit bilden. Hier schließt sich ein Kapitel über die Rolle der beiden deutschen Staaten im Kalten Krieg an, wobei sowohl das außenpolitis che Auftreten von Bundesrepublik und DDR in ihren jeweiligen Blöcken, als auch die innerdeutschen Beziehungen über den gesamten Zeitraum der drei voranstehenden Kapitel untersucht werden sollen. Zur Abrundung des Themas werde ich abschließend auf die internationalen Rahmenbedingungen des deutschen Vereinigungsprozesses eingehen. Die Schlußbetrachtung wird die Erörterung meiner Fragestellung und weitere Überlegungen zum Themenkomplex meiner Diplomarbeit umfassen. Im Anhang zu dieser Diplomarbeit finden sich in der Reihenfolge ihrer Verwendung die Ausdrucke der Internetseiten, auf die ich mich im Verlauf meiner Argumentation beziehe.
1. Der Kalte Krieg
1.1 Begriffsklärung und geschichtlicher Verlauf
Der Begriff „Kalter Krieg“ wurde geprägt von Herbert Bayard Swope, der als Redenschreiber für den US-amerikanischen Präsidentenberater Bernard Baruch tätig war. Baruch äußerte am 24. Oktober 1948 vor einem Senatsausschuß, daß sich die Vereinigten Staaten seiner Ansicht nach in einem „Kalten Krieg“ mit der Sowjetunion befänden. Die Presse griff sein Schlagwort auf und allmählich wurde Kalter Krieg Teil der Alltagssprache.4 Die Mehrzahl der Quellen verweist allerdings auf den amerikanischen Journalisten Walter Lippmann, der den Begriff Kalter Krieg bereits 1947 in seinem gleichnamigen Buch verwendete. Lippmann wies darin darauf hin, daß die Beziehungen zwischen der UdSSR und ihren Kriegsalliierten USA und Großbritannien sich derart verschlechtert hätten, daß sie denen während eines Krieges gleichkämen, ohne allerdings wirkliche militärische Auseinandersetzungen hervorzurufen.5
Der Terminus beschreibt also die Periode nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges, die von feindseligen, aber nicht in einen direkten bewaffneten Konflikt gipfelnden Beziehungen zwischen USA und UdSSR gezeichnet war. Im Jahre 1945 kristallisierten sich Washington und Moskau als die zwei Führungsmächte im vom Krieg geschwächten Europa heraus, wobei die Sowjetunion mit der Roten Armee große Teile Osteuropas kontrollierte und die Vereinigten Staaten teils als Befreier der zuvor von Hitler besetzten Staaten, teils als Alliierter der Länder Westeuropas auftrat. Nachdem noch auf den Konferenzen von Jalta und Potsdam im Februar beziehungsweise Juli 1945 von den Siegermächten versucht wurde, Rahmenbedingungen für eine Nachkriegsordnung in Europa zu schaffen, traten bald ernsthafte Differenzen zwischen Washington und Moskau zutage. Nach Ansicht der Westmächte USA, Großbritannien und Frankreich beabsichtigten die Sowjets, mit der Errichtung von kommunistischen Marionettenregimen in Osteuropa die Demokratisierung in ihrem Einflußbereich zu verhindern. Obwohl die Sowjetunion die von ihr unterstützten Regierungen in Mittel- und Osteuropa mit dem Hinweis auf deren breitgefächerten, antifaschistischen Ursprung zu legitimieren versuchte, nahmen die USA die Sowjetunion künftig als aggressive Gegner der liberalen Demokratien Westeuropas und selbst Nordamerikas wahr. Umgekehrt empfand Moskau die Vereinigten Staaten als Bedrohung für den Kommunismus und seine eigene Sicherheit.
Die frühen Jahre des Kalten Krieges waren von bedeutenden Ereignissen wie der Berlin -Blockade 1948/49, der Machtergreifung Maos 1949, dem Ausbruch des Koreakriegs 1950, den im Mauerbau 1961 gipfelnden Berlin-Krisen und schließlich dem amerikanisch-sowjetischen Streit über die Stationierung von Raketen im kommunistischen Kuba gekennzeichnet. Während dieser Zeit festigten die Amerikaner ihre Position als Führungsmacht des Westens indem sie mittels des „Marshall-Plans“ den Staaten Westeuropas wirtschaftliche Unterstützung gewährten und den transatlantischen Verteidigungspakt NATO ins Leben riefen. Die Sowjetunion bildete ihrerseits den „Warschauer Pakt“ mit den kommunistisch regierten Staaten Osteuropas als Gegenstück zur NATO.
Nach der friedlichen Beilegung der Kubakrise verbesserten sich die offiziellen Beziehungen zwischen Moskau und Washington allmählich. Verschiedene bilaterale und multilaterale Vereinbarungen wurden getroffen, um Spannungen abzubauen und vor allem die Situation im geteilten Europa zu entkrampfen. Obwohl das Ost-West-Verhältnis nach wie vor von weltweiten Stellvertreterkriegen und dem Wettrüsten geprägt war, endete mit Beginn der siebziger Jahre der Kalte Krieg in seiner ursprünglichen Form und machte einer Ära Platz, die den Leitbildern von Kooperation und friedlicher Koexistenz folgte.
Allerdings fand diese Entspannungsphase Ende der siebziger Jahre mit dem sowjetischen Einmarsch in Afghanistan und der umfangreichen Nachrüstung der NATO-Staaten bereits wieder ihr Ende. Der in den frühen achtziger Jahren zu konstatierende Rückfall in die Anfangsphase des Ost-West-Konfliktes wird häufig wegen der Parallelen zu den fünfziger Jahren hinsichtlich der praktizierten Sicherheitspolitik und der Härte der ideologischen Auseinandersetzung als „Zweiter Kalter Krieg“ bezeichnet. Mit Beginn der Amtszeit Michail Gorbatschows kehrten die Supermächte allerdings wieder zu Verhandlungen über Abrüstung und weitere Zusammenarbeit zurück.
Vor allem aufgrund wirtschaftlicher Ursachen sah sich die neue Sowjetführung nicht mehr in der Lage, ihre Führungsrolle im Ostblock so beizubehalten wie bisher, so daß in den späten achtziger Jahren ein machtpolitischer Erosionsprozeß zu ungunsten Moskaus einsetzte, der in der Auflösung des Ostblocks und 1991 der Sowjetunion selbst mündete.6
[...]
1 Vgl. L. Colschen (1999), S.267
2 Vgl. W.Link (1999), S.195 sowie M. Meimeth (1999), S.607
3 K. Schwabe (2001), S. 11
4 Vgl. J. Shafritz (Hrg.),(1993), S.96
5 Vgl. http://encarta.msn.com (5.4.2001)
6 Vgl. P. Byrd (1996), S.79ff.
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