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Die Positionen der Evangelischen und der Katholischen Kirche in der Wiederbewaffnungsdebatte

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2000, 18 Pages
Author: Alexander Pilic
Subject: History - Postwar Period, Cold War

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2000
Pages: 18
Grade: 1,5
Language: German
Archive No.: V9981
ISBN (E-book): 978-3-638-16553-2
ISBN (Book): 978-3-638-75730-0
File size: 101 KB

Abstract

Bezüglich der ethischen Aspekte der Wiederbewaffnungsdebatte erscheinen mir besonders die Positionen der beiden großen christlichen Kirchen Deutschlands untersuchungswürdig. Denn abgesehen vom Einfluß, die die Evangelische und die Katholische Kirche auf die Politiker und ihre jeweiligen Mitglieder hatten und haben, war damals bemerkenswert, daß trotz der anfänglich bei beiden Kirchen gleichermaßen vorhandenen Spaltung der Gläubigen in Befürworter und Gegner der Wiederbewaffnung sich die offiziellen Haltungen der Kirchenführungen stark voneinander unterschieden. Wie für die gesamte westdeutsche Gesellschaft, so war die Wiederbewaffnungsdebatte auch für die beiden großen Kirchen eine Bewährungsprobe als Teilnehmer einer unter pluralistischen Bedingungen zu führenden Auseinandersetzung in der noch jungen Demokratie der Bundesrepublik. Eine Sonderrolle nehmen sie meiner Meinung nach dennoch ein, da aus kirchlicher Sicht eine Wiedereinführung von Streitkräften besonders unter ethischen Gesichtspunkten abgewägt wurde und sie somit zumindest ansatzweise das "Gewissen der Nation" wiederspiegelten. Insbesondere zu Beginn der Wiederbewaffnungsdebatte stand man in Deutschland vor allem unter dem Eindruck der Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg und aus dem Dritten Reich. Daher erscheint es mir sinnvoll, vor der Gegenüberstellung der unterschiedlichen Standpunkte von Katholischer und Evangelischer Kirche bezüglich der Leistung eines Wehrbeitrages zunächst einen Blick auf die Zeit von 1933 bis 1945 zu werfen, um die Folgen der Hitlerdiktatur auf das Kirchenleben zu erläutern und eventuell Schlüsse auf das Verhalten der Kirchen im Nachkriegsdeutschland zu ziehen. Anschließend folgt eine chronologische Darstellung des Diskussionsverlaufes zunächst für die Katholische und danach für die Evangelische Kirche. Dabei werde ich auch die gesellschaftspolitische Auseinandersetzung Meinungsumfragen bezüglich der Wiederbewaffnung berücksichtigen. In diesem Rahmen möchte ich der Frage nachgehen, inwieweit die Haltungen der beiden Amtskirchen sich voneinander unterschieden und welche Ursachen es hierfür geben könnte. Nach Auswertung der möglichen Hintergründe für die verschiedenartige Teilnahme der Katholischen und der Evangelischen Kirche an der Wiederbewaffnungsdebatte werde ich abschließend Schlußfolgerungen bezüglich der Auswirkungen des kirchlichen Diskussionsbeitrages auf die Entscheidung für die Einrichtung der Bundeswehr ziehen können.


Excerpt (computer-generated)

Freie Universität Berlin
Seminar: Bundeswehr und Westdeutsche Gesellschaft
zur Wahrnehmung einer umstrittenen Organisation

Die Positionen der Evangelischen und der Katholischen
Kirche in der Wiederbewaffnungsdebatte

Hausarbeit

von 

Alexander Pilic

Inhaltsverzeichnis

Einleitung ... 3

1. Historische Einführung : Die Kirchen unter dem Hakenkreuz ... 4
2. Die Haltung der Katholischen Kirche ... 6
3. Die Haltung der Evangelischen Kirche ... 9

Schlußbetrachtung ... 15

Literaturverzeichnis ... 18


Einleitung
Nur wenige Jahre nach ihrer Gründung stand die Bundesrepublik Deutschland vor einer ihrer heftigsten innenpolitischen Auseinandersetzungen. Die Diskussion um die Aufstellung einer westdeutschen Streitmacht kurze Zeit nach dem verlorenen Krieg, der mit einer bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht des Dritten Reichs geendet hatte, riß tiefe Gräben zwischen Befürwortern und Gegnern auf. Die Wiederbewaffnungsdebatte begann vereinzelt bereits in den späten vierziger Jahren und reichte nach dem Scheitern der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft bis zum Entschluß der Adenauer-Regierung im Jahre 1955, die Bundeswehr aufzubauen. Bis dahin fand sie in allen Schichten der westdeutschen Gesellschaft statt und letztenendes handelte es sich nicht nur um ein simples Abwägen zwischen dem Für und Wider bezüglich der Einrichtung bundesdeutscher Verteidigungstruppen, denn die Auseinandersetzung berührte weitaus mehr Aspekte der deutschen Nachkriegswirklichkeit. Die Frage nach einer möglichen Gefährdung der deutschen Einheit spielte dabei genauso eine Rolle wie Überlegungen zur zukünftigen Integration der Bundesrepublik ins westliche Staatenbündnis oder zur weltpolitischen Gesamtlage, die damals unter dem Eindruck des Ost-West-Konfliktes und des Koreakrieges stand.

Der Streit um die Wiederbewaffnung hatte neben den eben beispielhaft erwähnten politischstrategischen Argumentationen aber auch eine emotional-moralische Seite. War es richtig, daß nach den schrecklichen Ereignissen des von Deutschen angefachten Zweiten Weltkrieges nun wieder eine deutsche Armee aufgestellt werden sollte? Hatten nicht die Alliierten, insbesondere die Amerikaner, die nun für eine neue Truppe eintraten, in den letzten Jahren immer wieder von Demilitarisierung gesprochen? Hatten die Beteuerungen der Politiker, daß nie wieder Krieg von deutschem Boden ausgehen werde, nun auf einmal keine Bedeutung mehr?

Bezüglich der ethischen Aspekte der Wiederbewaffnungsdebatte erscheinen mir besonders die Positionen der beiden großen christlichen Kirchen Deutschlands untersuchungswürdig. Denn abgesehen vom Einfluß, die die Evangelische und die Katholische Kirche auf die Politiker und ihre jeweiligen Mitglieder hatten und haben, war damals bemerkenswert, daß trotz der anfänglich bei beiden Kirchen gleichermaßen vorhandenen Spaltung der Gläubigen in Befürworter und Gegner der Wiederbewaffnung sich die offiziellen Haltungen der Kirchenführungen stark voneinander unterschieden. Wie für die gesamte westdeutsche Gesellschaft, so war die Wiederbewaffnungsdebatte auch für die beiden großen Kirchen eine Bewährungsprobe als Teilnehmer einer unter pluralistischen Bedingungen zu führenden Auseinandersetzung in der noch jungen Demokratie der Bundesrepublik. Eine Sonderrolle nehmen sie meiner Meinung nach dennoch ein, da aus kirchlicher Sicht eine Wiedereinführung von Streitkräften besonders unter ethischen Gesichtspunkten abgewägt wurde und sie somit zumindest ansatzweise das "Gewissen der Nation" wiederspiegelten. Insbesondere zu Beginn der Wiederbewaffnungsdebatte stand man in Deutschland vor allem unter dem Eindruck der Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg und aus dem Dritten Reich. Daher erscheint es mir sinnvoll, vor der Gegenüberstellung der unterschiedlichen Standpunkte von Katholischer und Evangelischer Kirche bezüglich der Leistung eines Wehrbeitrages zunächst einen Blick auf die Zeit von 1933 bis 1945 zu werfen, um die Folgen der Hitlerdiktatur auf das Kirchenleben zu erläutern und eventuell Schlüsse auf das Verhalten der Kirchen im Nachkriegsdeutschland zu ziehen. Anschließend folgt eine chronologische Darstellung des Diskussionsverlaufes zunächst für die Katholische und danach für die Evangelische Kirche. Dabei werde ich auch die gesellschaftspolitische Auseinandersetzung Meinungsumfragen bezüglich der Wiederbewaffnung berücksichtigen. In diesem Rahmen möchte ich der Frage nachgehen, inwieweit die Haltungen der beiden Amtskirchen sich voneinander unterschieden und welche Ursachen es hierfür geben könnte. Nach Auswertung der möglichen Hintergründe für die verschiedenartige Teilnahme der Katholischen und der Evangelischen Kirche an der Wiederbewaffnungsdebatte werde ich abschließend Schlußfolgerungen bezüglich der Auswirkungen des kirchlichen Diskussionsbeitrages auf die Entscheidung für die Einrichtung der Bundeswehr ziehen können.

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