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Das Neue Europa in der nationalsozialistischen Propaganda - Untersuchung am Beispiel des okkupierten Weißrussland 1941 - 1944

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2000, 27 Pages
Author: Alexander Pilic
Subject: History - National Socialism, World War II

Details

Event: HS 15154 Medien und Propaganda im Zeichen des Hakenkreuzes
Institution/College: Free University of Berlin (Otto-Suhr-Institut)
Tags: Neue, Europa, Propaganda, Untersuchung, Beispiel, Weißrussland, Medien, Propaganda, Zeichen, Hakenkreuzes
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2000
Pages: 27
Grade: 1,0
Language: German
Archive No.: V9987
ISBN (E-book): 978-3-638-16557-0
ISBN (Book): 978-3-638-64133-3
File size: 238 KB

Abstract

Die Zeit des Nationalsozialismus wird in der Fachliteratur häufig als die Geburtsstunde der modernen und massenwirksamen Propaganda bezeichnet. In diesem Zusammenhang tauchen in erster Linie die Namen des massenhypnotisierenden Propagandaminister Joseph Goebbels und von Hitlers Filmemacherin Leni Riefenstahl auf, die vor allem durch ihre Dokumentation der Olympischen Spiele 1936 in Berlin bekannt wurde. Die Propaganda im Dritten Reich zeichnete sich tatsächlich durch den Einsatz von modernen Massenmedien aus. Die Radiosendungen der Führung gelangten durch die eiligst produzierten Volksempfänger in jeden Haushalt, in öffentlichen Fernsehstuben verfolgten viele Deutsche die Auftritte Adolf Hitlers, die Kinogänger wurden von der Wochenschau berieselt und die Zeitungen im Reich wurden gleichgeschaltet. Im Verlauf des Krieges wurde diese "Errungenschaften" dann allmählich auf die eroberten Gebiete ausgedehnt und durch spezifische Informationen für die jeweilige Bevölkerung ergänzt, wobei der Rundfunk und die Presse die größte Rolle spielten. Genau wie im ursprünglichen Reichsgebiet verfolgten die Machthaber in Berlin auch in den besetzten Territorien bestimmte Ziele mit ihrer Propaganda, welche sich aber auch je nach Einsatzort unterscheiden konnten. Um zu vermeiden, daß der Führung unliebsame Informationen der Öffentlichkeit bekannt wurden, stand das Hören ausländischer Radiosendungen unter drakonischen Strafen, während Druckerzeugnisse aus dem Ausland nicht mehr eingeführt werden durften. Die inländische Presse stand unter der Kontrolle von Goebbels Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda und hatte die Anweisungen des Deutschen Nachrichtenbüros und der täglichen Berliner Pressekonferenz zu befolgen. Darüberhinaus gab der Reichspressechef , Otto Dietrich, ab 1940 eine Tagesparole heraus, die das von der Partei gewünschte Meinungsbild der Presse umriß. Auch der Reichsleiter der NSDAP, Alfred Rosenberg, wirkte vor allem durch seine Bücher "Blut und Ehre" und "Der Mythus des 20.Jahrhunderts" an der Propagandabildung der Nationalsozialisten mit, wobei sich die Bücher vornehmlich an deutsche Leser richteten, um deren Glauben an die NS-Ideologie zu festigen. In seiner ab 1940 ausgeführten Tätigkeit als Minister für die Ostgebiete hatte er jedoch erheblichen Anteil an der dort eingesetzten Propaganda, die auch für das besetzte Weißrussland gedacht war.


Excerpt (computer-generated)

Das Neue Europa in der nationalsozialistischen Propaganda
- Untersuchung am Beispiel des okkupierten Weißrussland 1941 - 1944

von Alexander Pilic


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer Kontext

2.1 Die Europa-Konzeptionen der Nationalsozialisten

2.2 Das Verhältnis der nationalsozialistischen Machthaber
zu den Völkern in den besetzten Gebieten

3. Die Propaganda für das Neue Europa
in Weißrussland von 1941 bis 1944

3.1 Neues Europa versus Altes Europa

3.2 Das Neue Europa als wirtschaftlicher und kultureller
Gegenbegriff zu Kapitalismus und Kommunismus

3.3 Die Rolle Weißrusslands im Neuen Europa

3.4 Phasen in der Propaganda für das Neue Europa

4. Schlußbetrachtung

Literaturverzeichnis



1. Einleitung

Die Zeit des Nationalsozialismus wird in der Fachliteratur häufig als die Geburtsstunde der modernen und massenwirksamen Propaganda bezeichnet. In diesem Zusammenhang tauchen in erster Linie die Namen des massenhypnotisierenden Propagandaminister Joseph Goebbels und von Hitlers Filmemacherin Leni Riefenstahl auf, die vor allem durch ihre Dokumentation der Olympischen Spiele 1936 in Berlin bekannt wurde. Die Propaganda im Dritten Reich zeichnete sich tatsächlich durch den Einsatz von modernen Massenmedien aus. Die Radiosendungen der Führung gelangten durch die eiligst produzierten Volksempfänger in jeden Haushalt, in öffentlichen Fernsehstuben verfolgten viele Deutsche die Auftritte Adolf Hitlers, die Kinogänger wurden von der Wochenschau berieselt und die Zeitungen im Reich wurden gleichgeschaltet. Im Verlauf des Krieges wurde diese "Errungenschaften" dann allmählich auf die eroberten Gebiete ausgedehnt und durch spezifische Informationen für die jeweilige Bevölkerung ergänzt, wobei der Rundfunk und die Presse die größte Rolle spielten.
Genau wie im ursprünglichen Reichsgebiet verfolgten die Machthaber in Berlin auch in den besetzten Territorien bestimmte Ziele mit ihrer Propaganda, welche sich aber auch je nach Einsatzort unterscheiden konnten. Um zu vermeiden, daß der Führung unliebsame Informationen der Öffentlichkeit bekannt wurden, stand das Hören ausländischer Radiosendungen unter drakonischen Strafen, während Druckerzeugnisse aus dem Ausland nicht mehr eingeführt werden durften. Die inländische Presse stand unter der Kontrolle von Goebbels Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda und hatte die Anweisungen des Deutschen Nachrichtenbüros und der täglichen Berliner Pressekonferenz zu befolgen. Darüber hinaus gab der Reichspressechef , Otto Dietrich, ab 1940 eine Tagesparole heraus, die das von der Partei gewünschte Meinungsbild der Presse umriß. Auch der Reichsleiter der NSDAP, Alfred Rosenberg, wirkte vor allem durch seine Bücher "Blut und Ehre" und "Der Mythus des 20.Jahrhunderts" an der Propagandabildung der Nationalsozialisten mit, wobei sich die Bücher vornehmlich an deutsche Leser richteten, um deren Glauben an die NS-Ideologie zu festigen. In seiner ab 1940 ausgeführten Tätigkeit als Minister für die Ostgebiete hatte er jedoch erheblichen Anteil an der dort eingesetzten Propaganda, die auch für das besetzte Weißrussland gedacht war.
Im Verlauf meiner Argumentation werde ich auf zumeist deutschsprachige Quellen aus der eroberten Weißrussischen SSR zurückgreifen. Dieses Land, das vor seiner Eingliederung in die UdSSR nur kurze Phasen der staatlichen Unabhängigkeit durchlebte, wurde im offiziellen NS-Sprachgebrauch mit dem aus dem lateinischen abgeleiteten Begriff "Weißruthenien" bezeichnet. Dementsprechend wurde die Bevölkerung als eigenständiges Volk im von Hitler neu zu ordnenden Europa eingestuft und an diesen Umstand von ihren "Befreiern" regelmäßig erinnert.
Gegenstand dieser Arbeit soll eine Untersuchung der nationalsozialistischen Propaganda sein, die auf das sogenannte "Neue Europa" als Inhalt ihrer Botschaften, und dabei insbesondere im besetzten Weißrussland, zurückgriff. Da sich dieses auf den Zeitraum beschränken muß, in dem die Deutschen das Land besetzt hielten, werde ich zunächst anhand allgemein zugänglicher Quellen auf die europapolitischen Konzepte und Pläne eingehen, die Adolf Hitler und die NSDAP verfolgten. Dazu gehört neben den wirtschaftlichen Grundinteressen für die Eroberung bestimmter Gebiete eine Beschreibung der Art und Weise, wie die Nationalsozialisten in den von ihnen eroberten Ländern auftraten und wie ihr Verhältnis zur einheimischen Bevölkerung und speziell zu den slawischen Völkern des Ostens war. Anschließend folgt eine genauere Betrachtung der in Weißrussland eingesetzten Propaganda anhand der von 1942 bis 1944 erschienenen Minsker Zeitung und der Akten aus dem Nationalen Archiv von Belarus. Dabei soll die Frage im Vordergrund stehen, welche Absichten hinter dem Einsatz dieser Mittel in Weißrussland steckten. Darüber hinaus will ich aufzeigen, daß die "Neues Europa"-Propaganda der Nationalsozialisten durchaus differenziert beurteilt werden muß, je nachdem für wen, wo oder wann sie eingesetzt wurde. Den Abschluß der Arbeit bildet ein Anhang, in dem ich die genutzten Artikel aus der Minsker Zeitung und die Dokumente aus dem Nationalen Archiv von Belarus in der Reihenfolge ihrer Nennung sammeln werde.

2. Historischer Kontext

[...]


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