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Wind-Kraft der Zukunft? Akzeptanzforschung als Diskursanalyse am Beispiel einer regenerativen Energie

Title: Wind-Kraft der Zukunft? Akzeptanzforschung als Diskursanalyse am Beispiel einer regenerativen Energie

Examination Thesis , 2006 , 79 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Julia Schömann (Author)

Sociology - Politics, Majorities, Minorities
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1. Einleitung

„Energie ist das treibende Moment aller Naturprozesse und stellt damit eine wesentliche Bedingung für die Entwicklung des Lebens auf der Erde als auch der menschlichen Gesellschaft dar. Wie alle Lebewesen ist der Mensch auf einen permanenten Zustrom an Energie angewiesen, um Nahrung, Wärme, Licht und die für ein angenehmes Leben wichtige Güterproduktion sicherzustellen.“ (Ackermann/ Krämer/ u.a. 2001: 18). 1 Die gesellschaftliche Bedeutung der Energienutzung besitzt eine lange Geschichte. Seit der industriellen Revolution und der Erschließung fossiler Energieträger, später der Entdeckung der Atomenergie, spielt dabei der Einsatz von Technik eine große Rolle. Vor dem Hintergrund der weltweiten Klimaerwärmung und der Endlichkeit fossiler Brennstoffe werden die technischen Errungenschaften jedoch nicht nur als Eingriff in die Natur, sondern auch als deren Ausbeutung und Zerstörung angesehen. 2 Aus diesem Grund gewinnen regenerative Energien immer mehr an Bedeutung. Sonne, Wind, Wasser und Biomasse gelten als die Hoffnungsträger zur ressourcenschonenden und CO 2 -armen Energiegewinnung. Trotzdem liegt die Forschung - obwohl schon viele Fortschritte erzielt wurden - bezüglich der effektiven Nutzung regenerativer Energieträger noch weit zurück, so dass die Stromgewinnung aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse verhältnismäßig teuer ist (Ackermann/ Krämer/ u.a. 2001: 20f). Zur notwendigen finanziellen Unterstützung der erneuerbaren Energieformen trägt seit Anfang der 90er Jahre das Energiewirtschafts- und Stromeinspeisegesetz bei, das von allen Fraktionen im Bundestag unterstützt wurde. 3 Es verpflichtet die Energieversorgungsunternehmen zur Einspeisung und Vergütung des Stroms, der durch regenerative Energien erzeugt wird. Diese staatliche Förderung der erneuerbaren Energieträger ging einher mit der mehrheitlichen Zustimmung in der Bevölkerung, die u.a. durch Ölkrisen und die Katastrophe von Tschernobyl zu einem neuen Umweltbewusstsein gelangt war (Hasse 1999: 14). 4

Die Windkraft, als eine der staatlich geförderten erneuerbaren Energien, erfuhr aufgrund der technischen Errungenschaften in diesem Sektor schon Anfang der 80er Jahre einen regelrechten Boom. Die Windenergieanlagen (WEA) wurden zu seriengefertigten Einheiten weiterentwickelt, deren Leistung sich stetig steigerte.

[...]

Excerpt


Gliederungsübersicht

1. Einleitung

2. Akzeptanzkriterien und Akzeptanzforschung

2.1 Akzeptanz und Nicht-Akzeptanz

2.2 Wissenschaftliche Akzeptanzforschung

2.3 Technikakzeptanz und Technikfeindlichkeit

2.4 Abschließende Bemerkungen

3. Diskursanalyse in Anlehnung an Foucault

3.1 Die Beschreibung eines Diskurses

3.2 Das genealogische Prinzip

3.3 Abschließende Bemerkungen

4. Anwendungen der foucaultschen ‚Werkzeugkiste’

4.1 Der biopolitische Diskurs (Siegfried Jäger)

4.2 Der Abfalldiskurs (Reiner Keller)

4.3 Der Luftreinhaltungsdiskurs (Maarten Hajer)

4.4 Zusammenfassung

5. Analyse des Akzeptanzdiskurses der Windkraft

5.1 Die Auswahl des Korpus

5.2 Leitfaden zur Analyse

5.3 Diskursive Formationen im Windkraftstreit

5.3.1 Die Homepage des Bundesumweltministeriums

5.3.2 Die Webseiten der Bürgerinitiativen

5.3.3 Zusammenfassung und Vergleich

5.4 Die Verschränkung der Diskurse

5.4.1 Risiko- und Umweltwahrnehmung

5.4.2 Natur- und Technikwahrnehmung

5.4.3 Abschließende Bemerkungen

6. Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht anhand einer Diskursanalyse nach Michel Foucault, wie das Bundesumweltministerium (BMU) und Bürgerinitiativen (BIs) über die Windkraft kommunizieren, um Akzeptanz oder Nicht-Akzeptanz zu erzeugen, und welche Machtstrukturen sowie strategischen Vorgehensweisen in ihren Internetauftritten erkennbar sind.

  • Soziologische Akzeptanzforschung und Diskursanalyse als Methode.
  • Untersuchung von Internetauftritten als Diskursplattformen.
  • Gegenüberstellung von nationaler Regierungsargumentation und regionalem Bürgerprotest.
  • Analyse von Risiko- und Naturwahrnehmungen in Umweltkonflikten.
  • Rolle von Symbolik, Rhetorik und Visualisierung in der politischen Kommunikation.

Auszug aus dem Buch

3.1 Die Beschreibung eines Diskurses

Ein Diskurs steht nach Foucault zwar in primären Beziehungen zu seiner Umwelt, dennoch stellt er eine durch diskursive Beziehungen verbundene Einheit dar. Die Basis für deren Beschreibung bilden zwei Diskursebenen: die Ebene der Aussagen und die Ebene der Formationsregeln. Beide Ebenen zusammen bilden eine diskursive Einheit, die sich von anderen diskursiven Einheiten oder nicht-diskursiven Beziehungen abgrenzt (s. Grafik 4 auf der folgenden Seite). Die Ebene der Aussagen ist die sichtbare Ebene, die „wahrgenommene, sprachlich verfaßte Realität“. (Diaz-Bone 2002: 89). Eine einzelne Aussage beschreibt Foucault als kleinstes Teilchen, als „Atom“.

„Beim ersten Blick erscheint die Aussage als ein letztes, unzerlegbares Element, das in sich selbst isoliert werden kann und in ein Spiel von Beziehungen mit anderen ihm ähnlichen Elementen eintreten kann. Ein Punkt ohne Oberfläche, der aber in Verteilungsplänen und spezifischen Formen von Gruppierungen ausgemacht werden kann. Ein Korn, das an der Oberfläche eines Gewebes auftaucht, dessen konstitutives Element es ist. Ein Atom des Diskurses.“ (Foucault 1973: 116f).

Eine Gruppe von Aussagen kann durch Form und Typ ihrer Verkettung bestimmt werden. Die Art der Verkettung kann zum Beispiel der verwandte Stil sein, den eine wissenschaftliche Disziplin zu einem Zeitpunkt anwendet (Foucault 1973: 54). Eine weitere Möglichkeit der Gruppierung der Aussagen ist die „Identität und Hartnäckigkeit“ der auftretenden Themen. In dem Diskurs der Biologie wäre dies z.B. die Thematik der Evolutionstheorie (Foucault 1973: 54). Eine Gruppe von Aussagen, die sich in einem bestimmten Diskursfeld befinden, gilt es nach Foucault zu beschreiben, um anschließend auf die Ebene der Formationsregeln schließen zu können.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Bedeutung der Windenergie als regenerative Energieform ein und stellt die Fragestellung zur Akzeptanzproblematik sowie die methodische Vorgehensweise vor.

2. Akzeptanzkriterien und Akzeptanzforschung: Dieses Kapitel definiert Akzeptanz und Nicht-Akzeptanz soziologisch und beleuchtet den Stand der wissenschaftlichen Forschung sowie das Phänomen der Technikakzeptanz.

3. Diskursanalyse in Anlehnung an Foucault: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Diskursanalyse nach Michel Foucault, insbesondere das Konzept der Diskursebenen und das genealogische Prinzip, dargelegt.

4. Anwendungen der foucaultschen ‚Werkzeugkiste’: Die Arbeit analysiert beispielhaft drei Ansätze zur Diskursanalyse im umweltbezogenen Kontext von Jäger, Keller und Hajer als methodische Inspiration.

5. Analyse des Akzeptanzdiskurses der Windkraft: Dies ist der Hauptteil der Arbeit, in dem die Internetauftritte von BMU und Bürgerinitiativen anhand der zuvor erarbeiteten Leitfäden ausgewertet und verglichen werden.

6. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse zusammen, wonach der Windkraftstreit als ein von strategischen Interessen geleitetes, wechselseitiges „Sprachspiel“ zwischen den Akteuren zu verstehen ist.

Schlüsselwörter

Windkraft, Akzeptanz, Diskursanalyse, Michel Foucault, Bundesumweltministerium, Bürgerinitiativen, Technikakzeptanz, Risiko, Naturverständnis, Internetauftritt, politische Kommunikation, Machtstrukturen, Argumentationsstrategien, Windenergieanlagen, soziale Konstruktion

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit untersucht den öffentlichen Diskurs über die Windkraft in Deutschland, wobei die Internetauftritte von Befürwortern (Bundesumweltministerium) und Gegnern (Bürgerinitiativen) analysiert werden, um zu verstehen, wie Akzeptanz oder Nicht-Akzeptanz konstruiert wird.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder, in denen sich der Diskurs abspielt, sind Technik, Wirtschaft und Ästhetik/Landschaft.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Es wird untersucht, welche Argumente und strategischen Kommunikationsmittel die Kontrahenten nutzen, um ihre jeweilige Position durchzusetzen und Deutungsmacht über das Thema Windkraft zu erlangen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verwendet eine Diskursanalyse in Anlehnung an die theoretischen Ansätze von Michel Foucault, ergänzt durch methodische Anregungen von Siegfried Jäger, Reiner Keller und Maarten Hajer.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil erfolgt die praktische Analyse der Korpusmaterialien (Homepages) von BMU und BIs, wobei die diskursiven Formationen, die Verwendung von Schlüsselthemen sowie die Verschränkung der Diskurse hinsichtlich Risiko- und Naturwahrnehmung untersucht werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen Windkraft, Akzeptanz, Diskursanalyse, politische Kommunikation, Bürgerinitiativen und Technikakzeptanz.

Warum spielt das "Thomas-Theorem" in der Schlussbetrachtung eine Rolle?

Das Thomas-Theorem ("If men define situations as real, they are real in their consequences") erklärt, dass für den politischen Erfolg der Windkraft nicht zwingend objektive technische Fakten entscheidend sind, sondern wie die Bevölkerung und die Akteure die Situation interpretieren.

Was ist der Hauptunterschied in der Argumentation zwischen dem BMU und den BIs?

Der Hauptunterschied liegt in der Perspektive: Das BMU argumentiert national aus der Rolle eines globalen Akteurs für den wirtschaftlichen und technologischen Fortschritt, während die BIs lokal aus der Betroffenheit ihrer Region für den Schutz der ursprünglichen Landschaft protestieren.

Welche Rolle spielt die visuelle Ebene auf den Webseiten?

Visualisierungen wie Fotos, Montagen und Verbotszeichen dienen als distinktive Ausdrucksformen, die den Argumenten Nachdruck verleihen und gezielt Emotionen oder Assoziationen bei den Lesern auslösen sollen.

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Details

Title
Wind-Kraft der Zukunft? Akzeptanzforschung als Diskursanalyse am Beispiel einer regenerativen Energie
College
University of Bonn  (Institut für Soziologie und Politische Wissenschaft)
Grade
1,0
Author
Julia Schömann (Author)
Publication Year
2006
Pages
79
Catalog Number
V66871
ISBN (eBook)
9783638587242
ISBN (Book)
9783656788928
Language
German
Tags
Wind-Kraft Zukunft Akzeptanzforschung Diskursanalyse Beispiel Energie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Julia Schömann (Author), 2006, Wind-Kraft der Zukunft? Akzeptanzforschung als Diskursanalyse am Beispiel einer regenerativen Energie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/66871
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