Formalia und guter Stil sind essenzieller Bestandteil einer jeden wissenschaftlichen Hausarbeit. In Stilkursen und Einführungsveranstaltungen ins wissenschaftliche Arbeiten werden Studierende im ganzen Land mit den Grundlagen des Zitierens, des wissenschaftlichen Schreibens und den Formalia einer Hausarbeit vertraut gemacht. So weit so gut. Ein Punkt führt dabei allerdings immer mal wieder zu Fragen und Unklarheiten: Warum heißt es oftmals Quellen- und Literaturverzeichnis? Was ist der Unterschied zwischen den beiden? Und welche Quelle wird wie eingeordnet? Die Unterscheidung zwischen Quelle und Literatur ist dabei zum Glück einfacher, als es zunächst den Anschein haben mag. Zumindest, wenn Sie nicht gerade Geschichte studieren. Dann wird die Angelegenheit etwas umfangreicher, aber mit ein wenig Hilfe dennoch leicht ersichtlich.

Quelle, Tradition, Überrest. Eine Frage der Definition

Die Unterscheidung zwischen Quellen einerseits und Literatur andererseits geht gerade in Deutschland auf die, bei der Formalisierung der Wissenschaften wie wir sie heute kennen entscheidend beteiligten, Geschichtswissenschaften zurück. Noch heute muss jeder Geschichtsstudent, gleich ob Erstsemester-Hausarbeit oder Dissertation, am Ende seiner Arbeit zwischen Quellen- und Literaturverzeichnis unterscheiden. Der Begriff der „Quelle“ ist dabei einfach erklärt. Als Quelle werden alle Zeugnisse der Vergangenheit bezeichnet, aus denen man Kenntnisse der Vergangenheit ableiten kann. Die bei weitem häufigste Form der Quelle sind schriftliche Zeugnisse, unabhängig davon, ob es sich um Tagebucheinträge, Bücher, Aufsätze, Zeitungsartikel oder um eine andere Textform handelt. Aber auch Zahlen, Tonscherben, Münzen oder Grabinschriften können eine historische Quelle sein. In den Geschichtswissenschaften werden die Quellen dabei abhängig davon, ob es sich um absichtlich oder unabsichtlich überlieferte Quellen handelt, nochmals weiter unterschieden. Unter Überrest versteht man hier die unabsichtlich überlieferten Quellen, welche oftmals Dinge des täglichen Lebens und Bedarfes darstellen. Ein klassisches Beispiel hierfür können zum Beispiel Inventarlisten von Lagerhäusern des Mittelalters sein, die den nachfolgenden Historikern so ungewollt Auskunft über das weitverzweigte internationale Handelsnetz geben. Unter Tradition fallen dagegen alle Quellen, die dezidiert und absichtlich für die Nachwelt erhalten worden sind. Klassisches Beispiel hierfür sind die Werke der bekannten Historiker und Geschichtsschreiber, beispielsweise die Historien des Herodot, denen nicht selten sogar eine Absichtserklärung der jeweiligen Autoren einleitend voransteht.

„Die“ Literatur: Formen und Einordnung

Anders als bei Quellen handelt es sich bei Literatur ausschließlich um schriftliche Darstellungen. Dabei meint der Begriff allgemein wissenschaftliche Darstellungen, die auf der Basis von Quellen entstanden sind. Diese können wiederum nach verschiedenen, allerdings rein formalen Kriterien, in vier große Untergruppen unterschieden werden: die Monographie, Sammelbände, Fachzeitschriften und, etwas ungenauer festgelegt als die anderen drei Gruppen, Internetquellen. Die Monographie ist dabei der Klassiker der wissenschaftlichen Literatur. Wenn Sie in eine wissenschaftliche Bibliothek gehen und wahllos ein Buch aus einem der Regale nehmen, ist der Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass Sie gerade eine Monographie in den Händen halten. Eine Monographie ist, zusammengefasst, eine Veröffentlichung, die sich mit einem wissenschaftlichen Thema beschäftigt. Sie kann allerdings auch von mehr als einem Autor verfasst worden sein. In einem Sammelband werden dagegen mehrere wissenschaftliche Aufsätze zu einem bestimmten Thema zusammengefasst. Das Oberthema ist dabei oftmals breiter gewählt, und die Aufsätze bilden verschieden Blickwinkel und Ansatzpunkte ab. Würden Sie beispielsweise einen Sammelband mit dem Titel „Das antike Rom“ in der Hand halten, so würde dieser Sammelband mit großer Wahrscheinlichkeit Aufsätze zu Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Religion, Militär und einer ganzen Fülle anderer Themen zum antiken Rom enthalten. Anders als die anderen beiden Formen erscheinen hingegen Fachzeitschriften in einem vorgegebenen Rhythmus und bilden den aktuellen Forschungsstand ihres jeweiligen Fachgebiets ab. Und schließlich gibt es da noch die Internetquellen. Ein Beispiel hierfür können wissenschaftliche Blog-Artikel oder digitalisierte Handbucheinträge sein. Anders als bei den anderen drei Literaturtypen ist hier eine genau Prüfung der Wissenschaftlichkeit angebracht, insbesondere sollten Sie darauf achten, ob die jeweilige Online-Publikation über Quellenangaben und ein Impressum verfügt. Diese Unterscheidung findet auch über die Grenzen der Geschichtswissenschaften hinaus Anwendung.

Quelle oder Literatur?

Was ist nun aber Quelle und was Literatur? Leider ist auch hier die Unterscheidung, insbesondere bei den schriftlichen Quellen, nicht ganz trennscharf. Denn auch eine Monographie kann verwirrenderweise eine Quelle für Ihre Arbeit sein. Entscheidendes Kriterium dabei ist der Klassiker der Fragen der wissenschaftlichen Hausarbeit: Was will ich wissen? Untersuchen Sie beispielsweise im Rahmen einer Politikhausarbeit die Rechtstheorie des Staatstheoretikers und Juristen Carl Schmitt, so dienen Ihnen dessen eigene Monographien im Rahmen Ihrer Arbeit als Quelle. Alle anderen Monographien, Zeitschriften, Sammelbandartikel und Internetquellen, die Sie zur Interpretation für Ihre Hausarbeit heranziehen, sind dagegen im Literaturverzeichnis einzuordnen. Während Sie bei der Lektüre seiner eigenen Werke Erkenntnisse „aus erster Hand“ bekommen, sind Erkenntnisse in Monographien etc., schon mindestens durch die Hände und Köpfe der Verfasser gegangen. Sie bekommen hier also Erkenntnisse „aus zweiter Hand“. Im englischen Sprachraum findet sich daher die, oftmals auch im deutschen Sprachraum übernommene, Unterteilung in Primary and Secondary Sources, als Primär- und Sekundärquellen, die die etwas umständliche deutsche Variante inhaltlich übernimmt, aber sprachlich vereinfacht.

Aber auch für den Fall, dass sich Ihr jeweiliger Dozent in der Frage der Einordnung als unnachgiebig erweist, müssen Sie nicht verzweifeln. Diese streng ausgelegte Unterscheidungspflicht findet nämlich in der Regel, wie bereits erwähnt, nur in den Geschichtswissenschaften Anwendung. In anderen Disziplinen und Studiengängen ist diese Unterscheidung weniger streng. Hier hilft oftmals nur ein Blick in die jeweiligen Leitfäden oder eine gezielte Nachfrage beim jeweiligen Dozenten. Mit ein wenig Übung, oder der richtigen Literaturempfehlung, erweist sich diese Hürde aber als deutlich niedriger als angenommen und Unklarheiten können schnell beseitigt werden.

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Externe Quellen:

Freytag, Nils, Piereth, Wolfgang: Kursbuch Geschichte. Tipps und Tricks für Wissenschaftliches Arbeiten, Paderborn5 2011.