Nach einem Bachelorstudium an der Uni Klagenfurt und zwei Semestern an der Uni Erfurt studiert Malte aktuell im 3. Mastersemester an der Fernuniversität Hagen und ist nebenbei im Leistungssport tätig. Sein nächster Stopp: ein Volleyballteam in Italien. Im Interview verrät er uns, wieso er diesen Weg für sich gewählt hat und welche Vor- und Nachteile er im Fernstudium sieht.

GRIN: Warum hast du dich für ein Fernstudium entschieden?

Malte: Die Entscheidung war relativ leicht, da ich durch den Leistungssport sehr viele Ortswechsel habe. Ich habe die letzten Jahre in vier verschiedenen Ländern gespielt, bzw. jetzt kommt das vierte Land. Ich habe erst in Österreich gespielt, dann in Deutschland, dann in der Schweiz, und jetzt gehe ich nach Italien. Das heißt an einer Präsenzuni vor Ort zu sein ist relativ schwierig, bzw. ich würde sehr viel verpassen und nicht alle Präsenzunis sind so flexibel. Deswegen war die Überlegung zu einem Fernstudium umzuswitchen speziell für den Master naheliegend. Weil das sehr viele Leute aus dem Sportbereich machen, hatte ich da sehr viele Informationsquellen. Das bekomme ich jetzt auch bei vielen Mitstudenten mit: Die meisten sind berufstätig und haben Jobs, die einen sehr flexiblen Lebensstil erfordern, oder sie sind junge Eltern. Genau aus diesem Grund hat mich das Fernstudium überzeugt: Ich gewinne Flexibilität, um in meinem Restleben unabhängig zu sein.

GRIN: Das macht auf jeden Fall Sinn. Du hast aber schon mal an einer Präsenzuni studiert und deinen Bachelor auch komplett an einer Präsenzuni gemacht. Worin liegen die größten Unterschiede zwischen Präsenzstudium und Fernstudium?

Malte: Natürlich ist der größte Unterschied der Kontakt mit den Kommilitonen. Dieses regelmäßige „Ich gehe hin, ich habe Kurse gemeinsam, ich tausche mich vor und nach den Vorlesungen mit anderen Leuten aus“ fällt natürlich ein bisschen weg in der Fernuni. Wenn man das möchte, kann man das vielleicht über Onlinegruppen machen. Ich bin da nicht so versiert, das heißt ich halte mich wenig in Foren auf oder so. Auf der anderen Seite erlebe ich auch, dass sehr viel Flexibilität gegeben ist. Die Fernuni bietet mehrere Uhrzeiten für den gleichen Kurs oder mehrere Modelle wie Teil- und Vollzeitstudium an. Alles in allem war für mich der größte Unterschied die Auslegung auf Digitalisierung im Vergleich zu manchen Präsenzunis, bei denen das etwas veraltet sein könnte. Ich hatte schon Unis, da musste man seine Belegung in Papierform abgeben. Jetzt kann ich das alles online machen. Aber das hängt auch immer von der Präsenzuni ab. Also ich habe sowohl mit der Präsenzuni in Klagenfurt als auch jetzt mit der Fernuni in Hagen sehr gute Erfahrungen gemacht. Ich würde keines dem anderen vorziehen, sondern das je nach Lebenssituation anpassen.

GRIN: Da hast du ja echt eine ganz gute Mischung für dich gefunden. Aber ein Fernstudium bedarf schon einer gewissen Selbstdisziplin und Selbstorganisation, weil man ja vieles nicht so an die Hand gereicht bekommt wie in der Präsenzuni. Wie organisierst du dich da persönlich?

Malte: Die Fernuni Hagen, an der ich studiere, gibt sich da viel Mühe, den Präsenzaspekt zu ersetzen. Es gibt jetzt in der Coronazeit Präsenzveranstaltungen online, in der Zeit davor war das in bestimmten Prüfungszentren, die überall in Deutschland verteilt sind. Diese Uni, und bestimmt auch viele weitere Fernunis, gibt am Anfang Hilfestellungen, um eine Struktur aufzubauen. Für dieses „Lernen lernen“ bzw. „Wie lerne/strukturiere ich mich richtig im Fernstudium“ gibt es in der Fernuni Hagen sogar einen eigenen Lernblock. Trotzdem würde ich sagen, dass ich das nicht groß anders mache als in der Präsenzuni. Ich habe wie in der Präsenzuni mein Material und meine Inhalte, die ich über Onlinevorlesungen bekomme. Und dann habe ich am Ende des Semesters meine Prüfung und dazwischen vielleicht Abgaben und Online-Seminare. Ich organisiere mich nicht anders, aber natürlich arbeite ich mit Zeitplänen, das heißt ich überlege mir, welche Aufgaben es bis wann zu tun gibt und wie diese zu priorisieren sind. Im Endeffekt habe ich in meinem Zimmer ein großes Plakat mit den ganzen Unteraufgaben und bis wann und für welches Modul diese zu erledigen sind.

GRIN: Hast du dann Tipps für jemanden, der gerade mit dem Fernstudium anfängt? Du kennst dich da ja jetzt schon etwas aus und hast beide Uniarten mal erlebt. Gibt es etwas, das du raten würdest?

Malte: Man kann das nicht verallgemeinern, weil jede Uni anders ist. Ich habe meine Erfahrungen gemacht, aber wer sich für ein Fernstudium entscheidet, sollte sich viele verschiedene Unis anschauen. Wahrscheinlich gibt es Unis, die in bestimmten Bereichen besser sind und in anderen nicht. Dann sollte man noch die verschiedenen Angebote vergleichen. Der erste Tipp ist also: Finde das, was für dich am besten passt. Und dann wäre der zweite Tipp, sich zu fragen: Wie möchtest du das Studium angehen? Was ist dir wichtig? Bei mir war es zum Beispiel eine Prioritätenverschiebung. Im Bachelorstudium wollte ich diese klassischen Studentenerfahrungen machen und ein Studentenleben haben. Ich hatte da auch ein ganz tolles Studentenleben und habe viele Leute im Studium kennengelernt. Jetzt habe ich den Fokus sehr auf meine Volleyballkarriere gelegt und der soziale Aspekt des Studiums ist nicht mehr ganz so relevant wie früher. Das muss man sich sicher überlegen: Was will ich vom Studium und wo liegen meine Prioritäten? Und wenn man das Fernstudium beginnt, ist mein Tipp: Überleg dir ein gutes System für dich, probiere verschiedene Organisationsmöglichkeiten aus. Vielleicht bist du jemand, der sich super gut in Lerngruppen organisiert, auch online und über Distanz. Vielleicht bist du aber auch jemand, der eher alles alleine macht. So war das bei mir zum Beispiel. Ich habe für mich herausgefunden, dass ich mich sehr effizient alleine durch Dinge durcharbeite. Ich brauche mich nicht groß in Lerngruppen austauschen. Das sind eigentlich die wichtigsten drei Tipps: Finde das Angebot, das für dich am besten passt. Finde heraus, was du vom Fernstudium möchtest. Finde deinen Arbeitsstil. Und lass dich natürlich nicht stressen. Bei mir ist das auch so: Manchmal schaffe ich mehr, manchmal schaffe ich weniger. Ich habe ja nebenbei auch noch einen anderen Job und das Fernstudium soll mein Leben ergänzen und nicht belasten.

GRIN: Okay, ich denke mit den Tipps kannst du schon einigen helfen. Dann bedanke ich mich, dass du hier warst und mir Rede und Antwort gestanden hast. Und ich wünsche dir alles Gute und viel Spaß in Italien!

Malte: Dankeschön. Euch auch alles Gute. Viel Erfolg für alle Studienanfänger!

"Das sind eigentlich die wichtigsten drei Tipps: Finde das Angebot, das für dich am besten passt. Finde heraus, was du vom Fernstudium möchtest. Finde deinen Arbeitsstil. Und lass dich natürlich nicht stressen."

Malte
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