Das Thema ist schon gefunden, die Gliederung steht und die Literatur ist durchgearbeitet. Jetzt soll der Schreibprozess beginnen. Was so leicht klingt, ist für viele die größte Herausforderung beim Schreiben einer Hausarbeit, eines Essays oder Thesenpapiers. Denn so gut der Plan auch ist, die ersten Sätze aufs Papier zu bringen, dauert häufig am längsten. Wir stellen hier verschiedene Einstiegsmöglichkeiten für Ihren Text vor. Mit diesen frischen Ideen schreibt sich die Einleitung fast von selbst.

Ein Zitat

Eine sehr häufig gewählte und sehr beliebte Methode, eine Einleitung zu starten, ist der Einstieg mit einem Zitat. Dieses kann entweder unmittelbar mit dem Thema der Hausarbeit zu tun haben oder aber einen etwas ausführlicheren Übergang zum Thema ermöglichen. Wichtig sind hier vor allem zwei Dinge: Erstens sollte der Beginn einer Einleitung nicht ewig währen. Wenn man sich entscheidet, mit einem Zitat zu beginnen, sollte der Anschluss an das Thema und das Vorgehen der Hausarbeit schnell gefunden werden. Es ist nicht ratsam, sich fast eine Seite mit dem Zitat aufzuhalten. Zweitens sollte nicht ein Zitat am Anfang der Arbeit stehen, auf das man nicht im Text eingeht. Selbst wenn der Inhalt für sich steht, sollte man den Leser an die Hand nehmen und den Zweck des Zitates für die Arbeit aufzeigen. Ebenso wichtig ist, dass das Zitat Aussagekraft hat. Es dient schließlich dem Leser Ihrer Arbeit, einen thematischen Einstieg in die folgenden Ausführungen zu finden. Es ist daher ratsam, ein Zitat zu nehmen, das die Neugier des Lesers weckt. Das gelingt häufig dann, wenn das Zitat unerwartet ist, was im Umkehrschluss heißt, dass man nicht zum hundertsten Mal ein Zitat von Nietzsche, Schiller oder Einstein wählt. Hier darf man mutig sein und auch mal eine ungewöhnliche, wenig vertretene Position wählen oder eine stark umstrittene. Es ist hier aber auch wie im Rest der Arbeit wichtig, dass Sie eine Fundstelle für das Zitat angeben, die möglichst glaubwürdig und verlässlich ist. Am besten geeignet sind hier Zeitungen oder literarische Werke. Zwar bietet das Internet eine Vielzahl an Webseiten, die Zitate zu allen möglichen Themen anbieten. Inspiration an diesen Stellen zu holen, ist sicherlich auch gerechtfertigt, als Quelle in einem Literaturverzeichnis eignen sich aber Bücher oder Zeitungen besser. Hat man an dieser Stelle ein gutes Zitat gefunden, lohnt es sich häufig, eine authentischere Quelle desselben Zitats zu suchen.

Eine Statistik

Ebenfalls eine geeignete Art, die Einleitung zu starten, ist eine Statistik. Diese bietet sich zweifelsohne nicht für alle Themenbereiche an, kann aber gerade in den Sozial- oder Wirtschaftswissenschaften ein schöner Aufhänger für den Leser sein. Grundsätzlich gelten hier ähnliche Grundsätze wie auch schon bei den Zitaten. Man sollte die Zahlen und deren Relevanz für den Leser verständlich erklären und eine Brücke zum Thema des Schriftstückes schlagen. Auch auf den Kontext der Erhebung kann kurz eingegangen werden. Der Zweck der Statistik muss es auch nicht sein, rein informativen Charakter anzunehmen. Man kann an dieser Stelle auch eine Grafik nehmen, die eine problematische und kritische Lage darstellt und diese einleitend vorstellen und diskutieren. Das könnte zum Beispiel eine Statistik zu den durchgeführten Todesstrafen in den USA zwischen 1980 und 2000 sein. Hier schließt sich eine sehr umfangreiche und immer wieder aufgegriffene Debatte an, die es einem ermöglicht, ein spannendes Thema aufzugreifen und damit Interesse zu wecken für den weiteren Verlauf der Arbeit. Idealerweise wählt man auch hier eine authentische Quelle. Dies kann bei Statistiken natürlich die Webseite Statista.de sein, aber auch Magazine und Zeitungen oder Unternehmensseiten eignen sich für ein glaubwürdiges Zitat. Dabei ist es ratsam, eine Statistik zu wählen, die einen überraschenden Aspekt beinhaltet oder an eine gesellschaftliche Problematik anknüpft und damit ihre Aktualität hervorhebt. Wenn im weiteren Kontext bereits viele Grafiken und Zahlen zur Analyse herangezogen werden, sollte an dieser Stelle lieber auf eine andere Methode zurückgegriffen werden, damit die Arbeit für den Leser etwas Abwechslung bereithält.

Ein aktueller Aufhänger

Was sich bei manchen Themen auch gut eignet, ist der Einstieg mit einem aktuellen Aufhänger, beispielsweise aus der Politik oder der Wirtschaft. Das kann ein Ereignis oder auch eine Stellungnahme oder Entscheidung sein. Hat ein Politiker vor Kurzem eine fragwürdige Entscheidung getroffen? Welche Gerichtsentscheidung hat vor Kurzem die Schlagzeilen bestimmt? Gerade beim Durchblättern der Zeitungen kann man häufig Themen der aktuellen Politik oder Wirtschaft finden, die unmittelbar oder mit dem Thema der Hausarbeit zusammenhängen. Hier ist im Zweifel die Grenze zu den bereits vorgestellten Strategien schwer zu ziehen, da eine aktuelle Lage natürlich auch in Zitaten und Statistiken dargelegt werden kann. Welches Format sich an einer solchen Stelle besser eignet, muss themenabhängig entschieden werden. Bei aktuellen Aufhängern ist das Potenzial sehr groß, eine Mindermeinung oder eine provokante These vorzustellen, die den Leser gleich zu Beginn ins Grübeln bringt. Das hat den Vorteil, dass er sich von Beginn an mit dem Thema befasst und sich seine eigenen Gedanken macht. So fördert man auch eine Meinungsbildung beim Leser, was grundsätzlich das Leseinteresse fördert. Besonders wichtig auch bei diesem Einstieg ist, dass man Mut hat, auch einmal unkonventionell zu sein. Nur weil man eine historische Hausarbeit schreibt, muss man nicht auch mit historischen Tatsachen oder Zitaten einsteigen. Viele aktuelle Begebenheiten sind keine neuen Phänomene, sondern lassen sich im Hinblick auf ihre Motivik auch gut in das Mittelalter oder die Antike zurückführen. So kann man nicht nur die Hausarbeit geschickt einleiten, sondern auch gleich die stets vorhandene Aktualität des historischen Themas betonen und sich wiederum von den Kommilitonen abheben.

Provokante Frage

Ist der aktuelle Fußball mit Menschenhandel vergleichbar? Fragen haben die tolle Fähigkeit, dass sie häufig einen Nerv treffen. Die meisten Menschen haben zu den wichtigsten Fragen eine eigene Meinung oder bilden schnell eine. Das kann man sich beim Einstieg in ein Thema ideal zunutze machen, indem man den Leser durch eine Frage aktiv dazu anregt, sich bereits mit dem Thema auseinanderzusetzen und Neugierde zu entwickeln. Die Frage sollte clever gestellt sein, das heißt, dass sie keine klare Antwort hat, sondern die Dialektik und Diskursgeschichte offenbart. Dazu ist es sinnvoll, eine Frage mit provokantem Inhalt oder zu Themen zu stellen, die grundsätzlich viel diskutiert und kritisch betrachtet werden. Selbstverständlich ist es auch möglich, eine Frage mit langer historischer Tradition zu wählen. Man muss auf die Frage auch keine Antwort geben. Zwar gilt es wie beim Zitat am Anfang, sie nicht unkommentiert stehen zu lassen, aber auf dem Silbertablett muss man dem Leser die Antwort nicht präsentieren. Idealerweise kann man durch ein kurzes anschließendes Pro und Kontra dem Leser bereits darlegen, was die viel zitierten Meinungen zu der gestellten Frage sind und darlegen, warum diese Frage nicht so leicht zu beantworten ist. An dieser Stelle bietet es sich auch an, verschiedene Fachbereiche zu integrieren und damit die Vielschichtigkeit des eigenen Themas zu präsentieren. Denn gerade in der heutigen wissenschaftlichen Welt sind viele Themengebiete miteinander vernetzt. Die oben genannte Frage hat so zum Beispiel nicht nur mit Sport, sondern auch mit Geschichte, Philosophie und Wirtschaft zu tun. Besonders schön ist es, wenn die Frage der Arbeit einen Rahmen verleiht und man am Ende im Fazit nochmal darauf zu sprechen kommt. Dann kann man nach den neu gewonnen Kenntnissen, die man in der Arbeit dargelegt hat, noch einmal einen neuen Blickwinkel auf die anfangs gestellte Frage werfen und eventuell eine neue Perspektive auf das Thema geben.

Persönliche Erfahrungen

Es ist richtig, dass eine wissenschaftliche Arbeit grundsätzlich den Anspruch hat, möglichst objektiv und losgelöst vom Forscher und dessen Sichtweise zu sein. Meinungen sind grundsätzlich zugelassen, sollten aber dialektisch mit objektiven Argumenten dargelegt werden. So ist zum Beispiel das Pronomen „ich“ zu vermeiden, um die Distanz auch dem Leser zu vermitteln. Aber gerade Arbeiten im sozialen oder pädagogischen Bereich leben von Erfahrungen und empirischen Untersuchungen. Deswegen ist gerade hier eine Distanzierung von der Forscherpersönlichkeit nicht so leicht und auch nicht immer gewollt, da es ein großer Gewinn sein kann, den eigenen Blickwinkel vorzustellen. Deswegen kann es in derartigen Arbeiten auch ein guter Einstieg sein, eine selbst erlebte Situation zu schildern. Hier kann auf eine Erfahrung aus dem Praktikum oder dem eigenen Leben zurückgegriffen werden, die dem Leser nachvollziehbar geschildert wird. Ähnlich wie beim Zitat und bei der Frage sollte hier der Sachverhalt in einen größeren Kontext eingebettet werden, damit auch ein fachfremder Leser die Möglichkeit hat, die Überleitung zum Thema nachzuvollziehen. Aus datenschutzrechtlichen Gründen ist es darüber hinaus sinnvoll, wenn man Namen von Einrichtungen oder Nachnamen weglässt und die Situation möglichst von ihren lokalen Bedingungen abstrahiert und in einen neutralen Raum überführt, sofern dieser für den Hergang selbst keine Relevanz hat. Damit macht man es dem Leser auch leichter, sich in die Situation hineinzuversetzen, da er größere Freiheiten in der Gestaltung hat. Eine derartige Falldarstellung lässt sich wunderbar vom Speziellen auf das Allgemeine übertragen, sodass die Überleitung zum Rest der Einleitung ideal gelingen kann. Man sollte jedoch aufpassen, dass der Fall nicht zu lang ist. Es sollte nicht so sein, dass die Einleitung bei einer 15-seitigen Hausarbeit vier Seiten hat, weil man einleitend auf zwei Seiten einen Fall schildert. Die Darstellung sollte so gekürzt sein, dass sie dem Leser kurz und knackig vorgestellt werden kann und gleichzeitig auf den Punkt bringt, was sie verdeutlichen soll. Der Fokus sollte also klar auf dem Problem und nicht auf den Umständen liegen.

Tipps und Tricks

Natürlich klingt das alles immer leichter, als es am Ende ist. Vor allem muss der Einstieg ein Konzept haben, das einen bestimmten Zweck verfolgt. Kein Zitat, keine Frage oder Statistik sollte nur um des Einstiegs Willen am Anfang stehen. Sie sollten es immer einbetten und Bezug darauf nehmen, um seine Funktion im größeren Kontext darzulegen. Manchmal hilft es, sich zu fragen, wie es ein Leser verstehen würde, der das Thema nicht so gut kennt. Die Einleitung hat bekanntlich vor allem die Funktion, den Leser in das Thema einzuführen. Da man durch die Recherche tief im Thema ist, fällt es manchmal schwer, beim Schreiben die außenstehende Perspektive einzunehmen. Deswegen ist es häufig hilfreich, wenn man die Einleitung von einem Fachfremden Korrektur lesen lässt.

Häufig ist es bei der Einleitung doppelt bis dreifach so schwer, mit dem Schreibprozess in den Fluss zu kommen. Nicht selten tritt deshalb eine Schreibblockade ein, bei der man erst recht nicht weiterkommt. Dagegen kann man aber etwas tun. Es bietet sich zum Beispiel an, die Einleitung nicht zwingend auch zu Beginn zu schreiben. Häufig hilft es, einfach zu beginnen, beispielsweise mit Definitionen oder Ähnlichem, damit die Arbeit selbst Form annimmt und man immer tiefer in die Materie einsteigt. Langsam kristallisieren sich auch erste Ergebnisse heraus, sodass man ein genaues Bild vom Fortgang der Arbeit hat, bevor man die Einleitung schreibt. Ebenfalls beliebt ist es, einen beliebigen Satz zu schreiben und dann einfach weiterzuschreiben. Der Satz muss mit dem Thema nichts zu tun haben. Es geht vielmehr darum, ins Schreiben und Formulieren reinzukommen. Bearbeiten und ändern kann man den Satz selbstverständlich immer. Man sollte sich jedenfalls nicht zu lange aufhalten lassen. Am Ende ist es vor allem nicht sinnvoll, einen gesamten Tag über dem ersten Satz zu brüten. Früher oder später wird einem der zündende Gedanke kommen und der Einstieg von allein gelingen, meist dann, wenn man am wenigsten damit rechnet.

Ebenfalls das sogenannte Mindmaping kann eine hilfreiche Methode sein, eine Strukturierung des Themas vorzunehmen, die einem wiederum hilft, das Thema zu überschauen und für den Leser aufzubereiten. Hierzu wählt man entscheidende Schlagworte der Hausarbeit und stellt Assoziationen her, die man wiederum mit neuen Themen oder Ereignissen, Personen oder Orten verknüpft. So ergibt sich ein Netz aus Informationen, die man für die Einleitung verschriftlichen kann.

Es kann auch hilfreich sein, wenn man sich Inspiration holt und einige Beispiele anschaut, wie andere das gleiche Problem gelöst haben. Dazu kann man natürlich frühere Arbeiten von sich selbst oder von Kommilitonen ansehen. Alternativ bietet GRIN eine Vielzahl von Hausarbeiten aus allen Fachrichtungen, die gänzlich kostenlos abgerufen werden können. In den meisten Fällen ist die Einleitung aber auch bei der Leseprobe enthalten, sodass man auf tausende Arbeiten zugreifen kann, die alle individuelle Lösungen für den Start in die Arbeit gefunden haben. Es sind sicher auch Beispiele dabei, die sich thematisch mit Ihrer Arbeit decken.

Die Einleitung steht, aber der Rest geht nicht so leicht von der Hand? Lesen Sie unseren Artikel zum Thema Schreiben mit nützlichen Tipps, wie man beim Schreiben wieder in den Fluss kommt, den eigenen Schreibtyp findet und ob man Schreiben lernen kann:

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