Schreibblockaden sind kein seltenes Phänomen. Viele Studierende leiden darunter, verlieren die Lust am Schreiben, flüchten sich in Ausreden oder interessieren sich plötzlich sehr für das Staubkorn auf dem Regal und verfallen in einen Putzwahn. Prokrastination – oder die Neigung, alles interessanter zu finden als die eigentliche Aufgabe – ist häufig ein Nebenprodukt der Schreibblockade. Die Ursachen der Unlust auf das geschriebene Wort sind so vielfältig wie ihre Erscheinungsformen, doch zum Glück gibt es einige Methoden, die Betroffenen bei der Überwindung helfen können. Wir geben Ihnen einen Überblick über das Thema und hoffen, dass Sie die Freude am Schreiben wiederfinden – oder gar nicht erst verlieren.

Was verstehen wir unter einer Schreibblockade?

Eine Schreibblockade kann nicht nur Autoren oder Journalisten treffen, sondern auch Geschäftspartner in der E-Mail-Korrespondenz, Blogger und Studierende. Definiert wird sie als psychisches Phänomen, das sich in der Unfähigkeit, einen Text zu beginnen oder fortzusetzen, äußert. Trotz vorhandener Schreibkompetenzen bleibt der Schreibfluss aus Mangel an Ideen und Inspiration aus, was bei den Betroffenen Unbehagen oder sogar Ängste auslöst. Der Messwert für die Schwere der Blockade ist dabei die Dauer unproduktiv verbrachter Zeit, in der weder geschrieben noch geplant wird.

Wie äußert sich eine Schreibblockade?

Unzufriedenheit, Frustration, Ärger über die eigene Unzulänglichkeit, Angstzustände, Machtlosigkeit und Verzweiflung bis hin zu Depressionen oder körperlichen Symptomen wie Übelkeit und Kopfschmerzen: all diese Symptome können durch eine Schreibblockade ausgelöst werden. Ihre häufigsten Erscheinungsformen haben wir hier für Sie zusammengetragen.

Die falsche Selbsteinschätzung

Die Schreibblockade kann sich schon vor dem eigentlichen Schreibprozess bemerkbar machen. Bei der „Angst vor dem weißen Blatt“ hat der Schreibende Schwierigkeiten, einen Anfang zu finden. Das kann entweder daran liegen, dass ihm keine Idee einfällt oder dass er zu viele Ideen hat und diese nicht richtig ordnen kann oder die richtigen Formulierungen fehlen. Betroffene sitzen oft stundenlang vor dem leeren Bildschirm, ohne auch nur ein Wort zu schreiben. Andere können den Text zwar mental planen, ihn dann aber nicht niederschreiben. Die Ursache für diese Schreibhemmung liegt häufig darin, dass die Autoren sich zu viel Druck machen und an sich und ihrer Leistung zweifeln. Oft resultiert dies aus einem mangelhaften Selbstvertrauen und überzogener Selbstkritik.

Die Planlosigkeit

Menschen, die die Schreibaufgabe schon im Vorfeld nicht richtig planen und strukturieren, tun sich oftmals auch mit dem eigentlichen Schreibprozess schwer. Das kann sich in verschiedenen Erscheinungsformen äußern: die Frühstarter beispielsweise schreiben einfach drauflos, merken dann aber schnell, dass ihnen der Inhalt fehlt, was zu Unzufriedenheit und schließlich zu langen Unterbrechungen führen kann. Oft reden sie sich ein, dass ihnen die besten Ideen erst während des Schreibens kommen, sind aber frustriert, wenn diese ausbleiben.

Studierende mit einem fehlenden Konzept neigen allerdings auch häufig dazu, das Schreiben generell sehr weit hinauszuzögern, da sie nicht wissen, worauf sie (inhaltlich und thematisch) mit ihrem Text hinauswollen. Bereits geschriebene Ausschnitte betrachten sie überkritisch oder löschen sie sogar.

Eine weitere Erscheinungsform der Planlosigkeit tritt bei denjenigen auf, die zu viel Zeit auf die Recherche verwenden, die Literatur aber nicht richtig exzerpieren und strukturieren können. Daraus folgen oft Schwierigkeiten beim Formulieren, was dann wiederum zu Unzufriedenheit und zu Blockaden führt, weil sie Angst haben, sich nicht klar genug auszudrücken oder etwas falsch verstanden zu haben.

Häufig tritt die Überforderung schon bei der Themenstellung auf, etwa dann, wenn das Thema mit persönlichen Erfahrungen oder Ansichten kollidiert oder der Autor schlicht keine Vorkenntnisse darüber hat. In letzterem Fall beginnt die Arbeit oft mit dem negativen Gefühl, eine aufwendige Einarbeitung und Recherche vor sich zu haben, die daher gern hinausgezögert wird.

Die Fixierung auf den Adressaten

Studierende mit besonders strengen Gutachtern stehen manchmal vor dem Problem, dass sie sich zu viel Druck machen und bereits mit der Eingrenzung des Themas Schwierigkeiten haben. Die Meinung des Betreuenden ist allgegenwärtig und führt zu der Angst, den hohen Ansprüchen nicht gerecht zu werden. Daraus können häufige Pausen durch Wortfindungsstörungen oder auch ständiges Überarbeiten folgen, die dazu führen, dass das Schreiben als Qual empfunden wird. Einen ähnlichen Effekt hat das Gefühl, der Betreuende interessiere sich nicht für die Arbeit: der Schreibende neigt dann zu Trägheit und Prokrastination.

Die falschen Rahmenbedingungen

Auch der eigentliche Arbeitsplatz spielt eine Rolle: wenn das Arbeitszimmer zugleich Schlaf-, Wohn- und Esszimmer oder der Schreibtisch einfach unaufgeräumt ist, kann sich das hemmend auf den Schreibfluss auswirken. Betroffene sind ständig abgelenkt und finden alles interessanter als die Schreibarbeit selbst, was wiederum dazu führt, dass sie keinen Anfang finden und sich selbst blockieren.

Unzureichende Kommunikation mit dem Gutachter kann sich ebenso negativ auswirken wie fehlende Schreibpraxis und -technik oder Unkenntnis über die richtige Zitation sowie grammatikalische Sonderfälle.

Der Perfektionismus

Perfektionismus ist eine Variante der Schreibblockade, bei der zwar im ersten Schritt ein Text entsteht, dieser jedoch als ungenügend empfunden und wieder gelöscht wird. Häufig liegt das daran, dass Schreibende sich am Stil der wissenschaftlichen Texte orientieren, die sie zur Recherche benutzt haben, diese Qualität aber nicht beim ersten Versuch erreichen. Der Anspruch dieser Perfektionisten an sich selbst ist meist zu hoch und führt zu einem enormen Druck.

Betroffene haben auch häufig den Eindruck, sie müssten möglichst komplizierte Sätze schreiben und viele Fachausdrücke verwenden, um einen wissenschaftlichen Stil zu erreichen. Dadurch halten sie sich zu lange an der Formulierung auf und achten weniger auf den eigentlichen Inhalt ihres Textes.

Die Schreibdauer

Eine weitere Form der Schreibblockade ist die selbst empfundene Unfähigkeit, den Text in angemessener Schnelligkeit und Qualität zu verfassen. Dieses Phänomen tritt besonders bei routinierten Schreibern auf: sobald sie für einen Text deutlich länger brauchen als gewöhnlich, setzt bei ihnen die Schreibblockade ein, die wiederum in Stress und Schreibabbrüchen mündet.

Wie können Sie Schreibblockaden überwinden?

So vielfältig wie die Erscheinungsformen sind auch die Möglichkeiten, eine Blockade zu überwinden. Wir stellen Ihnen einige davon vor:

Zuspruch eines Freundes

Beschäftigen Sie sich zunächst mit den Ursachen Ihrer eigenen Schreibhemmung. Lassen Sie sich zu leicht ablenken und schieben das Schreiben immer weiter auf? Haben Sie Zweifel an Ihrem sprachlichen Ausdruck? Dann hilft es, wenn Sie sich die Unterstützung einer vertrauten Person holen. Diese sollte Sie und Ihre Stärken und Schwächen gut kennen, um Sie dementsprechend motivieren zu können – aber ohne lautstarke Stimme oder Vorwürfe, denn diese bewirken das genaue Gegenteil.

Freewriting

Schreiben Sie drauflos – egal was, es kann sich auch um Ihren Tagesablauf drehen – und setzen Sie dabei für mindestens 5 Minuten das Schreibgerät nicht ab (bzw. entfernen Sie sich nicht von Ihrer Tastatur). Korrigieren Sie dabei keine Schreibfehler oder Ausdrucksweisen, sondern lassen Sie einfach nur Ihre Ideen fließen. Diese Kreativübung hilft Ihnen dabei, eine Schreibroutine zu erlangen und Ihre Gedanken zu ordnen.

Nachdem Sie Ihre ersten Notizen fertiggestellt haben, machen Sie eine Pause. Kehren Sie anschließend zurück und versuchen Sie nun, zielgerichteter zu schreiben, sich also auf ein Thema zu konzentrieren. Ganz wichtig: Sehen Sie das Ganze nicht zu verbissen. Diese Übung dient nur dazu, Ihren Kopf freizubekommen und gleichzeitig zu schreiben, um Ihre Schreibhemmung zu überwinden. Dadurch gewöhnen Sie sich wieder an das Schreiben und legen etwaige Bedenken ab. Gerade Studierenden mit besonders strengen Gutachtern wird diese Methode empfohlen, da sie sich gut dazu eignet, den kritischen Adressaten zu vergessen.

Brainstorming

Setzen Sie sich ein zeitliches Limit von maximal 30 Minuten und schreiben Sie alle Schlagworte, Stichpunkte und Ideen auf, die Ihnen zu Ihrem Thema einfallen. Verwerfen Sie keine Idee, egal wie unsinnig sie zunächst erscheint. Nachdem die Zeit um ist, lassen Sie die Notizen etwa einen Tag lang ruhen. Gehen Sie dann ans Sichten und Bewerten und arbeiten Sie die interessantesten Überlegungen heraus. Diese Methode regt den Denk- und Schreibprozess gezielt an.

Perspektivenwechsel

Wechseln Sie den Arbeitsplatz: Verlassen Sie den heimischen Schreibtisch und gehen Sie in die Bibliothek oder umgekehrt. Probieren Sie auch mal ein anderes Schreibgerät aus: Am Laptop will Ihnen einfach keine Idee kommen? Dann versuchen Sie es mit Stift und Papier. Oder hängen Sie nur bei einem bestimmten Kapitel fest? Dann kann es bereits helfen, an einer anderen Stelle weiterzuschreiben. Ein Perspektivenwechsel ist in jedem Fall eine nützliche Methode, den Schreibprozess wieder anzuregen.

Schreibgruppen

Gehören Sie zu den Studierenden, die Probleme besser in Gruppen bewältigen können? Das geht vielen so, denn dort bekommen sie direkte Rückmeldung und tauschen sich mit Menschen aus, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. Die Schreibgruppe kann sich entweder gemeinsam der Freewriting- oder Brainstorming-Methode bedienen oder aber zusammen ein Thema bearbeiten. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Texte aus dem gewählten Themengebiet umzuschreiben, beispielsweise in einfacheren Worten, oder sie in eine andere Textgattung zu übertragen (z.B. in ein Gedicht). Das fördert die Kreativität und die Lust am Schreiben.

Kleinschrittige Planung

Für Studierende, die zu früh mit dem Schreiben anfangen und dabei die Struktur verlieren, kann es hilfreich sein, zunächst die einzelnen Kapitel und Abschnitte so kleinteilig wie möglich zu planen, am besten in Stichpunkten. Sie sollten sich außerdem bewusst machen, dass Überarbeitungen nichts Negatives sein müssen, sondern vielmehr eine sinnvolle Auseinandersetzung mit dem Geschriebenen darstellen. Außenstehende einzubeziehen, ist auch hier häufig ein hilfreicher Schritt, der zu mehr Objektivität und weniger Selbstkritik führen kann.

Kreative Pause

Lassen Sie Ihren Text nach einer gewissen Zeit – beispielsweise nachdem Sie ein Kapitel fertiggestellt haben – für mindestens einen Tag ruhen. Dadurch werden die zuvor gesammelten und niedergeschriebenen Informationen im Gehirn verarbeitet und gefestigt. Ein wenig Abstand zum Inhalt des Textes bewirkt oft, dass Sie neue Ideen und Impulse entwickeln. Übrigens: Diesen Effekt können Sie steigern, indem Sie einer Tätigkeit nachgehen, die keine Kreativität erfordert, z.B. Spazierengehen.

Realistische Ansprüche

Schreibende, die zu hohe Ansprüche an sich selbst stellen, verlieren schnell die Motivation. Um dem vorzubeugen, empfiehlt es sich, die Anforderungen und die eigenen Kompetenzen in Einklang zu bringen. Gibt es Aspekte, die Sie an Ihrem Thema besonders interessieren, kann dies sehr motivationsfördernd sein. Es hilft außerdem, den Schwierigkeitsgrad zu reduzieren, also das Thema stärker einzugrenzen.

Wichtig ist auch, dass Sie Ihre eigenen Ziele klar formulieren. Die Absprache mit Ihrem Dozenten ist hierfür natürlich unumgänglich, aber auch ein Blick auf bereits existierende Hausarbeiten zu dem gewählten Thema kann helfen. Bei GRIN können Sie sich mit einem Blick ins Buch die Inhaltsverzeichnisse der meisten Texte ansehen und sich daran orientieren.

Weitere Tipps

  • Überarbeiten Sie das Geschriebene immer erst am Folgetag, sonst besteht die Gefahr, dass Sie „betriebsblind“ werden und Fehler übersehen.
  • Unterbrechen Sie den Schreibprozess nicht mitten in einem komplexen Gedankengang, sondern am besten immer, nachdem Sie einen Sachverhalt ausformuliert haben.
  • Vergessen Sie nicht, viel zu trinken, und machen Sie Pausen.
  • Legen Sie Schreibrituale für sich fest und halten Sie sich daran: Gehen Sie zwischendurch spazieren, beginnen Sie das Schreiben immer mit einer Tasse Earl Grey, hören Sie Musik von einer bestimmten Band oder informieren Sie einen Freund über Ihre Fortschritte – finden Sie etwas, das Ihnen hilft, sich zu fokussieren.
  • Richten Sie sich nach Ihrem persönlichen Leistungszyklus: Langschläfer sollten sich nicht frühmorgens aus dem Bett quälen und Frühaufsteher nicht erst nach dem Mittag mit der Arbeit beginnen.
  • Schreiben Sie regelmäßig, und wenn es nur ein Absatz pro Tag ist. Schreiben sollte zu einer alltäglichen Sache werden, damit Hemmungen gar nicht erst auftreten.

Das GRIN-Team wünscht Ihnen viel Erfolg bei Ihrer nächsten Haus- oder Abschlussarbeit!

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Externe Quellen:

  • https://studi-lektor.de/tipps/abschlussarbeiten-faq/schreibblockade-ueberwinden.html
  • https://schreibberatung-muenchen.de/freewriting-schreibflow-statt-schreibblockaden/

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