Einen eigenen Verlag zu gründen ist für viele Buchwissenschaftler ein großer Traum. Fünf Frauen haben gemeinsam diesen Schritt gewagt und den Verlag &töchter gegründet. Doch wie hat alles begonnen und was treibt sie an? Wir haben mit den fünf Gründerinnen gesprochen und erfahren, worauf man heutzutage bei der Verlagsgründung achten muss, was Digitalisierung und Nachhaltigkeit damit zu tun haben und welche Tipps sie für angehende Verlagsgründern haben.

GRIN: Ihr kommt alle aus den Buchwissenschaften und habt euch entschieden einen Verlag zu gründen – könnt ihr euch noch an das 1. Gespräch dazu erinnern?

&töchter: Ja, wir haben uns nach einem Blockseminar noch abends getroffen und bei einem Glas Wein darüber geredet, dass sich in der Branche so viel über den Rückgang des Lesepublikums beschwert wird, aber viele Literatur-Angebote für die jungen Lesern wenig ansprechend präsentiert werden. Bei dem Gespräch haben wir beschlossen, dass wir das auch selbst in die Hand nehmen können und uns mit neuen Projekten ausprobieren könnten.

GRIN: GRIN hat sich vor 20 Jahren seinen Platz auf dem Buchmarkt gesucht – mit der Verlagsgründung haben wir mittlerweile sehr viel Erfahrung. Habt ihr euch Hilfe bei anderen Verlagen gesucht oder hättet ihr euch gewünscht, dass euch z. B. ein Verlag wie GRIN ein paar Tipps & Kniffe rüberschiebt?

&töchter: Ja, tatsächlich hatten und haben wir viel Kontakt zu anderen Verlagen. Die Frauen vom Komplett-Media Verlag haben uns viel unterstützt und uns vor allem in Vertriebsdingen sehr weitergeholfen. Wir haben uns sehr darüber gefreut, dass uns die Mitglieder aus der Branche so herzlich und hilfsbereit angenommen haben.

GRIN: Euer Verlag gibt auch ein Nachhaltigkeitsversprechen. Stichwort Cradle to Cradle: Was genau bedeutet das und wie schwierig ist es heutzutage einen nachhaltigen Verlag zu führen?

&töchter: C2C ist die nachhaltigste Art, Produkte herzustellen. Es wird stark darauf geachtet, dass keine gesundheitsschädlichen Stoffe genutzt werden und alle Bestandteile so gut es geht wieder in den Kreislauf der Natur zurückgegeben werden können. Unsere ersten beiden Bücher drehen sich um den Klimaschutz, da war es nur konsequent die Bücher auch nachhaltig zu produzieren. Wir möchten diese Verantwortung als neues Unternehmen übernehmen, das bedeutet natürlich oft, dass wir finanzielle Entscheidungen ausführlicher abwägen müssen. Denn solange noch nicht so viele Verlage und auch andere Unternehmen nach dem Kreislauf-Prinzip produzieren, ist C2C noch relativ teuer.

„Die Kulturbranche ist für Gründer:innen manchmal ein hartes Pflaster. Vor allem in der Buchwelt sind viele Strukturen nicht für neue Mitglieder ausgelegt.“

Die Gründerinnen von &töchter

GRIN: GRIN sieht den Wert im akademischen Wissen, bietet diesem eine Plattform und stellt dieses in einem großen Wissens-Pool online zur Verfügung – denn Wissen ist wertvoll. Was ist eure Vision bzw. was macht &töchter besonders?

&töchter: Unser Leitspruch ist: Wir möchten Bücher wieder zum Gesprächsthema und Literatur erlebbar machen.

GRIN: Im Rahmen eurer Reihe „rauschen&töchter“ habt ihr bereits Lese-Events im Gemüseladen oder im Boxstudio abgehalten – denkt ihr damit das Verlegen neu? Was ist der Anreiz für diese Veranstaltungen und wie kommen sie an?

&töchter: Mit unseren Lese-Events hat alles begonnen. Wir wollten beweisen, dass man die Literatur auch abseits der üblichen Wasserglaslesungen feiern kann. Die Leute sollen bei unseren rauschen&töchter das Gefühl haben, dass sie auf eine Party gehen. Wir legen viel Wert auf gute Deko, Verpflegung und auflockernde Elemente wie Musik und z. B. einen Show-Boxkampf. Die Veranstaltungen sind gut angekommen und waren bisher immer ausverkauft.

GRIN: Ihr habt auch den Podcast „plauschen&töchter“ – worum geht es genau und glaubt ihr, dass ein moderner Verlag heutzutage ohne Digitalisierung, besondere Events und Social Media überhaupt Bestand haben kann?

&töchter: Mit unserem Podcast möchten wir tiefere Einblicke in die Themen bieten, die wir in den Büchern und online behandeln. In den Gesprächen kann das Hörpublikum die Autoren und andere Gäste näher kennenlernen und bekommt einen besseren Eindruck von unseren Büchern. Natürlich kommt es auf die Art der publizierten Bücher an, aber wir denken, dass sich für ein Publikumsverlag die Arbeit mit den neuen Medien sehr lohnen kann. Das nachwachsende Lesepublikum ist mit der Digitalisierung aufgewachsen. Wir denken, man muss dort präsent sein, wo sich die Zielgruppe aufhält, und das ist heutzutage schon viel im digitalen Raum.

GRIN: Und zum Schluss: Habt ihr Tipps für angehende Verlagsgründer?

&töchter: Klein anfangen, die Dinge erstmal im Kleinen ausprobieren, das belebt die Kreativität und hält die Fallhöhe am Anfang gering. Dann gibt man auch nicht so schnell auf.

Und das persönliche Netzwerk nutzen:  Die Kulturbranche ist für Gründer manchmal ein hartes Pflaster. Vor allem in der Buchwelt sind viele Strukturen nicht für neue Mitglieder ausgelegt. Da können Impulse und neue Ideen aus anderen Branchen den Horizont erweitern und beim Um-die-Ecke-denken helfen.

GRIN: Vielen Dank für diese Einblicke und dass ihr euch die Zeit genommen haben!